Ich glaube, bei der Beurteilung von vermeintlichen Fehltransfers („wie konnte man den damals für so viel Geld kaufen, wenn er immer noch von der ersten Elf weit entfernt ist?“) muss man vielleicht auch Folgendes berücksichtigen.
Früher tendierten die Vereinsbosse bzw. die Sportvorstände/Manager in erster Linie dazu, sehr gute SPIELER zu kaufen. D.h., wenn ein sehr guter Spieler auf dem Markt war und man ihn kriegen konnte, hat man ihn verpflichtet.
Nach dem Motto: „Wenn ich dem FCB 15 sehr gute Einzelspieler hinstelle, dann wird daraus schon eine Topmannschaft entstehen“.
Auf die Spitze getrieben, führte dies z.B. bei dem einen oder anderen Zweitliga-und sogar Premier League-Club Verein dazu, dass er vier Mittelstürmer beschäftigt, aber dafür nur drei Innenverteidiger, von denen zwei dauerverletzt sind. Oder acht Mittelfeldspieler, aber keinen Mittelstürmer.
Heute hingegen zeichnet sich immer mehr ab, dass die hohe Qualität des Spielers (abgesehen natürlich von einem Mindestniveau, das nicht unterschritten werden sollte) weniger wichtig ist als die Frage, ob der jeweilige Kandidat „systemgerecht“ spielt.
Unterm Strich und über alle Kriterien betrachtet sind z.B. de Ligt und Dier vielleicht keine schlechteren Innenverteidiger als Min-jae und Upamecano, aber die Letztgenannten passen halt aufgrund ihrer Laufgeschwindigkeit besser in Kompany´s System, weil die Erstgenannten im Aufbauspiel zu langsam sind, aber in einem anderen System unter einem anderen Trainer gut passen würden und ihre Qualitäten ausspielen könnten.
Und genau das ist wohl auch Palhinha´s kaum lösbares Dilemma.
Unter einem Trainer wie Tuchel und manch anderen wäre er vermutlich Stammspieler beim FCB, aber zum Kompany-Fußball passen seine spezifischen Stärken und Schwächen halt nicht so gut - weswegen er wegen unserer „Überfülle“ im zentralen defensiven Mittelfeld beim FCB vermutlich keine Zukunft hat.
Dieses Dilemma wurde natürlich von den viel zu viel Trainerwechseln des FCB in den letzten Jahren begünstigt. Am Vernünftigsten scheint mir das System mit dem „Schattenteam“ zu sein, wo auf jede Position zwei nahezu gleichwertige Spieler kommen - und wenn einer weggeht, muss dort halt wieder aufgefüllt werden.
Trotzdem werden immer mal wieder große Einzelspieler auf dem Markt sein, wo man ins Zweifeln kommt, ob man die nicht wegen ihrer hohen Qualität (und weil sie in einem kurzen Zeitfenster gerade zu haben sind) kaufen soll, obwohl wir auf der Position eigentlich gar keinen Bedarf haben - bzw. die so überragend sind, dass Kompany sogar für sie sein System etwas umstellen müsste.