Selbst die sonst eher nicht kompetente FAZ schwärmt von Musiala. Hier einige Auszüge:
Musiala ist auf dem Weg zum Weltstar
Wer die WM in Qatar boykottiert, könnte Jamal Musialas Durchbruch verpassen. Beim FC Bayern spielt er zauberhaft wie Lionel Messi. Was macht den Teenager so besonders?
Das Unbehagen, das die bevorstehende Weltmeisterschaft vielen Menschen bereitet, war am Samstagabend auch auf Schalke spürbar. Ein riesiges Transparent, auf dem zum Turnierboykott aufgerufen wurde, hing auf der Südseite des Stadions. Und Bayern Münchens Kapitän Manuel Neuer bezeichnete das Turnier im ZDF-Interview als „Experiment“, in dessen Rahmen die deutsche Mannschaft sich ständig fragen werde, „wie weit kann man gehen?“, um auf die Abgründe hinter der Wüsten-WM hinzuweisen. Noch präsenter waren an diesem Abend jedoch andere Botschaften, die eindrucksvoll den schmerzlichen Widerspruch aufzeigten, dem viele Freunde der Spielkunst während der kommenden Wochen ausgesetzt sein werden.
Denn es wird gewiss aufregende, dramatische sowie hinreißend schöne Spiele geben, und ein deutscher Profi zählt nicht erst seit seiner Zaubershow von Gelsenkirchen zu den aussichtsreichsten Kandidaten für die Rolle des WM-Superstars. Nach dem 2:0-Sieg des FC Bayern beim FC Schalke wurde Jamal Musiala mal wieder mit Lob überschüttet.
Der TV-Experte Lothar Matthäus ergoss sich in Phantasien über einen Marktwert von einer „Viertelmilliarde“ Euro und bezeichnete das Spiel des 19 Jahre alten Münchners als „Messi-like“. Wer das Spiel zuvor gesehen hatte, konnte kaum widersprechen, denn Musiala ist in den vergangenen Monaten zu einem dieser Fußballspieler gereift, die in fast jedem Spiel Dinge tun, die von einer Aura des Übernatürlichen umgeben sind. Aber wird das Publikum sich während der WM daran genauso begeistert erfreuen können wie an den Helden anderer Turniere?
„Eine außergewöhnliche Gabe“
Diese Frage beantwortete Julian Nagelsmann nicht, dafür schwärmte der Münchner Trainer von den „Schlangenbeinen“, mit denen Musiala scheinbar unmögliche Kunststücke vollbringen kann. „Er hat außergewöhnliches Talent. Eine außergewöhnliche Gabe, in den ganz engen Räumen mit schnellen Füßen am Ball zu bleiben“, erklärte Nagelsmann. Auf Schalke hatte Musiala Serge Gnabrys 0:1 mit einer schlauen Bewegung im Schalker Strafraum und einem Hackentrick vorbereitet (38.) und das ganze Stadion zum Staunen gebracht.
Die ganze Aktion wirkte, als hätte Musiala Augen am Hinterkopf. Zum Konter, der mit Eric-Maxim Choupo-Motings 0:2 endete, steuerte er dann einen perfekt getimten Pass in der eigenen Hälfte sowie die exzellente Torvorlage am Schalker Strafraum bei (52.). Nur sein atemraubendes Tor zum 0:3 zählte aufgrund einer knappen Abseitsstellung nicht.
Jamal Musiala vom FC Bayern München ist einer der deutschen Hoffnungsträger für die Weltmeisterschaft.
Wer – aus nachvollziehbaren Gründen – die WM boykottiert, könnte also ein Turnier verpassen, in dessen Verlauf ein Teenager zum Weltstar wird, ähnlich wie es dem Franzosen Kylian Mbappé 2018 gelang. Denn Musiala ist zwar sehr jung, aber er ist ein Stück besser gereift als beispielsweise der Dortmunder Jude Bellingham, der sich auf der Suche nach der richtigen Balance zwischen offensivem Tatendrang und defensivem Verantwortungsbewusst etwas verirrt hat.
Nagelsmann sagte hingegen über seinen Musterschüler Musiala: „Er hört gut zu, er will sich entwickeln, auch in den Bereichen, die ich im letzten Jahr noch so ein bisschen angemerkt habe, dass er auch defensiv diesen Fleiß braucht, den er beim offensiven Freilaufen hat. Da hat er sich extrem verbessert.“ Nicht zuletzt aufgrund dieser Fortschritte ist Musiala mittlerweile sehr flexibel einsetzbar.
In Gelsenkirchen spielte er neben Leon Goretzka auf der Position von Joshua Kimmich in der defensiven Mittelfeldzentrale und verrichtete dort die Defensivarbeit, die eben anfiel gegen die überraschend starken Schalker. Links offensiv und auf der Zehn fühlt er sich ebenfalls zu Hause. Mit Sicherheit wird dieses faszinierende Großtalent zu den tragenden Säulen im WM-Team von Hansi Flick zählen, dem sechs weitere Münchner angehören, die Nagelsmann auf Schalke in seine Startelf berufen hatte.