Zwischen Eindruck und Wirklichkeit: Warum unsere Sicht auf den FC Bayern verzerrt ist

Veröffentlicht unter: Warum wir den FC Bayern und den Fußball verzerrt wahrnehmen

Ob beim FC Bayern München oder insgesamt: So verzerren psychologische Mechanismen unsere Sichtweise auf den Fußball. Eigentlich ist der Fußball ein wunderbar einfaches Spiel. Man braucht zwei Tore, einen Ball, 22 Spieler, und am Ende entscheidet das Ergebnis, wer besser war. Doch wer nach Abpfiff mit anderen Fans diskutiert oder einen Blick auf hitzig geführte Debatten in den sozialen Netzwerken wirft, erkennt schnell: Ganz so leicht und eindeutig ist es selten. Denn das, was wir im Fußball zu sehen glauben, ist nicht so sehr objektive Beobachtung, sondern vielmehr ein Produkt unserer eigenen Erwartungen. Als Dayot Upamecano im Viertelfinale der Champions…

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Der Artikel weist auf etwas hin was im Fußball permanent passiert. Wir bewerten Spieler, Szenen und Spiele eben nicht neutral, sondern oft durch schon bestehende Narrative.

Gerade bei Bayern sieht man das ständig. Bei manchen Spielern reicht ein Fehler, und er bestätigt sofort das Bild, das viele ohnehin schon im Kopf haben. Bei anderen werden dieselben Fehler eher als Ausrutscher verbucht. Insofern ist der Hinweis auf Confirmation Bias, Negativity Bias und Ankereffekte absolut berechtigt.

Man musste gestern übrigens gar nicht weit schauen, um den Artikel in Echtzeit bestätigt zu bekommen. Die gestrige Neuer Disussion an der ich ja mit beteiligt war.

Die Bandbreite der Bewertungen war bemerkenswert: Für die einen war es eine herausragende Torwart-Leistung, für die anderen relativ erwartbar und im Detail sogar fehlerbehaftet. Dieselben zehn Paraden, dasselbe Spiel. Völlig unterschiedliche Schlussfolgerungen. Genau das beschreibt der Artikel. Nicht die Leistung bestimmt die Bewertung, sondern die Bewertung formt die Wahrnehmung der Leistung.

Man sollte den Artikel dennoch als das lesen, was er ist. Ein starker essayistischer Debattenbeitrag, keine empirische Beweisführung für jeden Einzelfall. Das ist kein Vorwurf, sondern eine saubere Einordnung. Der Text macht einen Mechanismus sichtbar, er kann naturgemäß nicht in jedem Beispiel abschließend beweisen, ob eine konkrete Bewertung tatsächlich verzerrt war.

Gerade deshalb finde ich die Kernthese trotzdem überzeugend. Denn Fußball ist kein Feld, in dem alles eindeutig und objektiv auf dem Tisch liegt. Sehr vieles ist interpretationsabhängig.

Stellungsspiel, Entscheidungsverhalten, Risikomanagement, Wirkung ohne Ball. Und genau in dieser Mehrdeutigkeit greifen Vorannahmen besonders leicht. Das spricht für den Artikel als gegen ihn.

Die einzige Einschränkung wäre für mich, dass nicht jedes negative Narrativ automatisch unfair
oder falsch ist. Manchmal entstehen solche Urteile auch aus realen, wiederkehrenden Mustern.

Aber genau da liegt die eigentliche Leistung des Artikels. Denn er erinnert uns daran, dass wir sehr genau prüfen sollten, ob wir wirklich das Spiel bewerten, oder nur noch die Geschichte, die wir über einen Spieler längst verinnerlicht haben.

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Sehr schöne Analyse, vielen Dank dafür!

Mir ist noch ein Begriff durch den Kopf gegangen, den du nicht explizit verwendest hast: das Präventionsparadox. Trifft vor allem Abwehrspieler, auch Torleute: wenn die sich so positionieren, dass der Gegner den Angriff abbrechen muss, Passwege zustellen, oder Pässe antizipieren und ablaufen, ist das meist unspektakulär und bleibt nicht im Gedächtnis. Verschätzt er sich dagegen, muss ins Sprintduell und kann dann mit letztem Einsatz noch retten, sind alle begeistert …

Oder auch in der Offensive: wir nehmen bevorzugt wahr, was der ballführende Spieler macht; dreht er ab oder spielt den Querpass, heißt es er verschleppt das Spiel - spielt er vertikale Bälle, die ankommen, wird er bejubelt. In beiden Fällen sind es aber meist die Mitspieler, die den Unterschied ausmachen - laufen die sich frei und sind anspielbar oder „verstecken“ sie sich? Machen sie Tiefenläufe und reißen Lücken, auch wenn sie dann nicht angespielt werden oder warten sie ab, bis sie angespielt werden?

Insgesamt bekommst du als Spieler für die Mehrzahl der Aktionen, die in Summe den Unterschied ausmachen, keinen Beifall, weil eben, gerade im TV, immer nur der Weg des Balles verfolgt wird …

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wie ich bereits geschrieben habe - warum nicht beides bewerten?

guter Artikel, und derZeitpunkt freut mich , ich mag Goretzka nicht und bin heilfroh, dass er nächste Saison nicht mehr bei uns spielt, habe aber nach demSpeil gegen Real gegen meinen confirmation bias mit chat GPt rausgearbeitet, dass Goretzka ab der 60. genau der Spieler gewesen wäre um unser MF zu stabilsieren die großen Abstände zu überbrücken und vor allem die Konter sauber auszuspielen….und als Krönung obendrauf hat mir Didi heute Recht gegeben, was meinen bias gegen Hamann auch noch triggert…

kann man machen. Aber genau davor warnt der Artikel: Wenn du beides gleichzeitig bewertest, das Spiel und die Geschichte, dann wird die Geschichte fast immer gewinnen.

Das ist kein Vorschlag, das ist ein psychologischer Befund. Die Kunst wäre, zuerst das Spiel zu bewerten und dann zu prüfen, ob die Geschichte noch dazu passt. Nicht umgekehrt.

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Ausgezeichneter Artikel, danke dafür! Diese Einsichten sind übrigens auch in vielen Alltagssituationen hilfreich - wenn man sie im Bewusstsein hat.

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Narrative kleben an den Spielern wie Kaugummi an der Schuhsohle

Das wusste schon Kareem Abdul-Jabbar: https://www.youtube.com/watch?v=iSi6iF9kVBs (ab 0:45)

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Brillanter Artikel, mit das Beste, was ich hier je gelesen habe. Eigentlich kannbich den ausdrucken und damit jede Diskussion bereichern. Und das eigentlich in jeder Lebenslage, nicht nur beim Fußball

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Ein Beispiel: schon vor mehr als dreißig Jahren bin ich, gemeinsam mit einigen Kollegen, in Vorbereitung auf unsere Führungsaufgaben ausführlich auf die Tücken hingewiesen worden, die diese Mechanismen - für die damals andere Bezeichnungen verwendet wurden - etwa in Bewerbungsverfahren, aber auch generell im Führungsalltag darstellen. Da wir stets handverlesene Auswahl zu treffen hatten, war es wichtig, über diese Dinge Bescheid zu wissen und die eigenen Bewertungen kritisch (aber natürlich nicht grüblerisch) reflektieren zu können.

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