Veröffentlicht unter: WM 2026: Gijon 2.0 und Portugals ungenutzte Superwaffe
Die WM 2026 hat im Gruppenphasen-Finale einiges zu bieten. Von einer gijon-artigen Schande bis hin zu großen Fragezeichen bei England und Portugal. Tag 17 im Blog. Die WM 2026 in Nordamerika geht jetzt in die heiße Phase. In den kommenden Tagen und Wochen spielen erstmals 48 Nationen den neuen Weltmeister und damit den Nachfolger von Argentinien aus. Mit dabei: 17 Spieler des FC Bayern München. Am 17. Tag der WM weht durch Kansas City eine kräftige Böe Gijon, Lionel Messi trifft auch von der Bank, Portugal nutzt seine stärkste Waffe nicht und England bleibt eine große Unbekannte. Werbung: Das neue…
„Portugals Highlight in der Anfangsphase: Ein flacher Ronaldo-Freistoß, der so geschossen ist, als würde er Philipp Lahm suchen.“
Hach ja, die Mauer aus Gern, wie man ihn gern genannt hat.
Zur Frage einer etwaigen Absprache zwischen Algerien und Österreich - das ist eine Frage der Konstellation. Ich habe schon im WM-Thread einiges dazu geschrieben und erlaube mir daher, hier nur das Fazit zu wiederholen:
Ein System mit besten Gruppendritten ist immer schief.
Es gab jetzt genau ein Spiel, bei dem die Konstellation so war, dass beide Teams wussten, dass sie nicht mehr Gruppensieger werden können und beiden ein Unentschieden reicht.
Bei einem Turnier, bei dem nur die beiden Gruppenersten weiterkommen, gab es pro WM normalerweise auch mindestens einmal den Fall, in dem ein bereits feststehender Gruppensieger einem vermeintlichen Underdog durch eine Totalrotation die Chance auf einen entscheidenden Überraschungscoup quasi auf dem Silbertablett servierte und ein anderes Team, das den Favoriten schon am ersten Spieltag hatte und dann verlor, deswegen in die Röhre schaute. Fair?
Seien wir mal ehrlich: in jedem Wettbewerb, der auf KO-Spielen nach einer Gruppen- oder Ligaphase aufbaut, wird es am letzten Spieltag solche Konstellationen geben, egal ob es um die Playoffs im US-Sport geht oder eben um die WM. Und selbst im „fairen“ Ligaalltag, spielt es mitunter eine Rolle, ob es am letzten Spieltag noch für beide Teams um etwas geht oder nicht.
Es gibt eine einzige Wettbewerbsart, bei der solche Spielereien nicht vorkommen und das ist das einfache KO-System. Aus verschiedensten Gründen verzichtet man bei einer WM darauf. Nur das wäre absolut fair und würde keinen Spielraum für Taktieren bieten.
Eine andere Sichtweise: Algerien und Österreich haben sich an den beiden Spieltagen zuvor auch selbst diese Konstellation erspielt, weil sie eben schon vor dem Spieltag (anders als der Iran) bei 3 Punkten standen. Natürlich haben sie auch davon profitiert, dass die anderen Gruppen so spielten, dass sie wussten, dass 4 Punkte definitiv zum Einzug in die KO-Runde reichen würden, egal ob als Zweiter oder Dritter.
Haben sie deswegen jemandem etwas weggenommen? Ich finde nicht. Jeder der ausscheidet, hatte durch seine eigenen Leistungen und Ergebnisse in den 3 Spielen davor, genug Chancen sein Schicksal nicht in die Hände von anderen legen zu müssen.
edit:
Iran gegen Ägypten glich in der 2. Halbzeit im Übrigen auch teilweise einem Nicht-Angriffspakt, ehe es in der Schlussphase noch einmal spannend wurde.
Auch bei Paraguay-Australien, Japan-Schweden und Kroatien-Ghana hätte beiden ein Unentschieden zum Weiterkommen gereicht.* In zwei der drei (mit AUT-ALG in drei der vier) Spielen kam es dann auch dazu.
*Bei Paraguay-Australien und Japan-Schweden nicht rechnerisch, aber mit einer Wahrscheinlichkeit von je nach Modell 95%-100%.
Im Tenor dennoch volle Zustimmung zu seiner Aussage: Das prominenteste ist ja eben das berühmte historische Beispiel der Schande von Gijon: Vierergruppe, zwei kommen weiter, Absprache führt zu Plätzen 1 und 2. Ich erinnere mich auch noch an Frankreich-Dänemark bei der WM 2018, die dank eines 0:0 am dritten Spieltag die Plätze 1 und 2 belegten. Usw.
Paraguay Australien war von der Konstellation her tatsächlich identisch, denn beide konnten nicht mehr Gruppensieger werden. Bei Kroatien gegen Ghana war ja für beide eigentlich noch die Chance auf den Gruppensieg gegeben und somit auch auf einen einfacheren Gegner. Das Spiel würde ich also etwas anders werten.
Bei Schweden gegen Japan war es auch so, dass beide noch Chancen auf den Gruppensieg hatten.
Generell ist es ja bei diesen Spielen immer so, dass das Spielen auf Unentschieden zwar das Weiterkommen für beide sichern kann, aber eben auch für eines der beiden Teams bedeutet, dass man es mit einem Gruppensieger zu tun bekommt, was unter Umständen ja auch nicht der Jackpot ist. Für Teams, die nach der Maxime „Dabeisein ist alles und ein Sechzehntelfinale ein Grunde für einen Nationalfeiertag“, wird die Aussicht auf das Sechzehntelfinale wahrscheinlich eher zum Sichern des Unentschiedens beitragen. Bei Teams mit größeren Ambitionen kann es hingegen schon sein, dass sie lieber den besseren Tabellenplatz wollen und dann noch eher den Sieg wollen, als sich mit einem Remis zu begnügen. Kroatien z.B. spielte noch auf das 2:1 obwohl ein 1:1 auch gereicht hätte. Durch das Siegtor haben sie aber Ghana noch überholt und spielen jetzt eben nicht gegen einen Gruppensieger.
Österreich gegen Algerien war aus meiner Sicht ein Sonderfall. Ich habe jedes einzelne Spiel dieser Weltmeisterschaft über die volle Distanz gesehen. Ich denke nicht, dass sehr viele sich das angetan haben. In KEINEM Spiel war es so offensichtlich. In keinem Spiel war das langsame und abwartende und beschämende Hin- und Hergeschiebe des Balles so eklatant deutlich wie in diesem zwischen Österreich und Algerien. Es ist ein Unterschied, ob ich wenig Risiko gehe und meine Position absichere oder ob ich mich mit dem Gegner (wenn auch sehr wahrscheinlich ohne explizite Absprache), fußballerisch darauf einige, gar nichts mehr zu tun. So eklatant habe ich das seit sehr, sehr langer Zeit nicht mehr gesehen.
Ich bin der Letzte, der Mannschaften dafür verurteilt, kein Risiko zu gehen, weil sie Angst vor dem Aus haben. Aber diese Situation war besonders. Das lässt sich nicht mit anderen Kleinigkeiten aus der jüngeren Vergangenheit herunterspielen. Und sollte auch nicht damit normalisiert und abgetan werden.
Ich kann deinen Ärger über solche Spiele verstehen. Mir ist tatsächlich noch ein anderer Gedanke gekommen: Vielleicht war es eine Taktik von Algerien?
Immerhin haben sie ja zum Schluss des Spiels das Muster mit dem risikoarmen Hin- und Herspielen bewusst beendet und noch ein Tor erzielt.
Ihr Ziel war definitiv, Hauptsache kein Tor mehr zu bekommen, denn dann wären sie wegen der schlechteren Tordifferenz gegenüber dem Iran ausgeschieden. Ein kleiner Hintergedanke war aber vielleicht auch, den Gegner in Sicherheit zu wiegen und so spät wie möglich wieder auf aktiven Angriffsfußball umschalten. Das wäre fast geglückt.
Algerien hatte ja durchaus eine kleine Motivation, das Spiel zu gewinnen, denn sie hätten sich für Gijon revanchieren können und Österreich heimschicken können. Zudem hätten sie sich ja noch in der Tabelle verbessern können. In dem Fall wäre Platz 2 für sie aber wohl kein Upgrade zum dritten Platz gewesen, da klar war, dass der Gruppenzweite auf Spanien treffen wird, also auch einen Gruppenersten erwischt.
Österreich hingegen hatte keinerlei Vorteil davon, noch etwas zu riskieren, denn sie konnten sich nicht mehr in der Tabelle verbessern, sondern nur noch ausscheiden.
Es hat nur noch gefehlt, dass sich jemand auf die Kugel setzt – und auch dann wäre wohl keiner ins Pressing gegangen.
Witzig!Witzig!
Ich möchte 3 Punkte nicht unerwähnt lassen: 1. Japan und Schweden hat ein X zum weiterkommen gereicht, Australien und Paraquay auch - beide Spiele enden überraschenderweise unentschieden . Das Algerien gegen Ö das letzte Gruppenspiel ist, dafür können beide nichts. Daher kann man dieses Spiel in keinster Weise anders behandeln, als die beiden anderen genannten. 2. Wenn Deutschland nicht gegen Ecuador verliert, ist der Iran weiter. 3. Das 3:3 von Österreich kann man, wie Ragnick gesagt hat, im Training unzählige Male trainieren und wird dir in dieser Form nicht häufig aufgehen. Das man jetzt in den Raum stellt, die Algerier hätten dieses Tor geschenkt, ist m.E nicht korrekt. Zusammengefasst finde ich es nicht korrekt, nur dieses eine Spiel als unsportlich herauszuheben. Man müsste Australien, Paraquay, Japan und Schweden identisch behandeln und mit Abstrichen auch Deutschland. Weil das war gegen Ecuador auch eine Arbeitsverweigerung und eine X hätte den Iran in die nächste Runde gebracht.
Wer sagt das denn?
Dieses Spiel war 15-20 Minuten lang kein Sport mehr. Und genau das unterscheidet es von anderen Spielen. Da wurde der Ball hin und her geschoben, es gab gar keine Bemühungen mehr. Es gibt einen Unterschied zwischen „Ich gehe jetzt kein Risiko mehr“ und „ich stelle den Betrieb komplett ein“. Und genau deshalb ist dieses Spiel für mich eine komplett andere Nummer im Vergleich zu den anderen Spielen. Dass am Ende nochmal Tore fallen, ist riesiger Zufall und nur der Tatsache zu verdanken, dass Algerien nach dem längsten Spielaufbau der Geschichte doch mal einen pass vertikal gespielt hat.
habe ich dann fälschlicherweise so impliziert - sorry
es war tatsächlich nicht anzusehen - das stelle ich nicht in frage. aber es ist für mich nicht verwerflich und ich würde (eh wie du schon geschrieben hast), das system und nicht die teams dafür kritisieren. bei diesem spiel war es ja auch noch zusätzlich skurril, dass sich algerien es mit dem 3:2 vermeintlich schlechter gemacht hat (weil sie bei einem sieg spanien und nicht die schweiz bekommen hätten). natürlich sollte es sowas nicht geben, aber es war auch aus-par ein unfassbar langweiliges spiel. hätte aus-par gestern und ö-alg am freitag gespielt, wäre australien und paraquay im kreuzfeuer der kritik und jetzt sind es halt ö und alg. beide spiele wirklich schlecht, aber m.E dennoch nachvollziehbar. da die gruppenphase erfreulicherweise nun zu ende ist, wird es sich wenigstens heuer nicht mehr wiederholen. bg
Es ist die Frage, ob der Vertikalball zu diesem Zeitpunkt Zufall war. Wir werden es nie erfahren.
Sagen wir es so: Österreich ist endgültig eingeschlafen. Und jetzt können wir wieder das Gerede von „vielleicht war’s ja Taktik“ auspacken, aber am Ende war’s einfach so viel Raum plötzlich, dass es kein Risiko mehr war, diesen Ball zu spielen.
Ich persönlich bleibe dabei: Aus mehreren Gesichtspunkten schändlich. Was den Sport an sich angeht, die Integrität des Wettbewerbs, aber eben auch in Sachen Fans. Stell dir vor, du besuchst ein Konzert für 150 Euro und dann lässt die Band ihre zehn besten Lieder weg und geht früher. Aus meiner Sicht hat das auch was mit Verantwortung zu tun.
Und bitte dreh mir jetzt keiner die Worte um, das Spiel hat bis zur 70. Minute ja auch mit wenig Risiko funktioniert. Da hätte ich mich nicht beschwert. Aber das Ende war eine Katastrophe. Sowas sollte es nicht geben. Ja, das System. Sehe ich den Punkt. Aber man sollte nicht alles darauf abwälzen.
Man darf zudem ja auch die Frage stellen, ob das WIRKLICH der sicherste Weg in die K.-o.-Phase war. Österreich hätte das ja beinahe historisch verkackt. Ich hätte mich sehr darüber gefreut.
Ich kenne viel zu viele Menschen die da mitgefiebert haben. Denen kann ich das nicht gönnen.
Aber ansonsten klar.
Denen gönne ich das ja auch nicht. Aber wer sowas macht, gehört bestraft. Das würde ich den Spielern des FC Bayern auch gönnen, kämen sie in irgendeiner Situation auf eine derart dämliche Idee.
Ich kann das nicht so professionell trennen ![]()
Menschliche Sympathien lassen mich manchmal für Dinge begeistern oder eben mitfiebern die nicht die meinen sind.
Aber natürlich sollte so ein Ballgeschiebe nicht belohnt werden. Ich kann mich noch gut an die Schande von Gijon erinnern.
Was für ein schöner Satz…
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Algierien waren sie zu dem Zeitpunkt jedenfalls nicht mehr.
Ich glaube (hoffe), dass die das gar nicht in der DNA haben … und Vincent Kompany schon gar nicht.
Eher versuchen sie auf Teufel komm raus, bei Unentschieden noch den Siegtreffer zu erzielen und fangen sich den Gegentreffer zur Niederlage ein … aber ich bin dabei, das ist mir auch deutlich lieber als irgendein abgekartetes müdes Gekicke …