Veröffentlicht unter: Powerranking zur WM 2026: DFB-Team fällt, Frankreich marschiert.
Frankreich marschiert bei der WM 2026 vorneweg. Das DFB-Team verliert an Boden. Deutschlands Gegner Paraguay steht am Ende des Powerrankings. Brasilien und die Niederlande klettern. Die Vorrunde der ersten Weltmeisterschaft mit 48 Teams ist gespielt. 32 Teams ziehen in die K.-o.-Runde ein. Gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. Wir sortieren die Teams der WM 2026 im Powerranking. WM 2026 – Powerranking Woche 1: Deutschland in Schlagdistanz zu den Großen, England träumt mal wieder WM 2026 – Powerranking, Woche 2: Deutschland hinter Ronaldo, Frankreich bleibt Topfavorit Das Miasanrot-Powerranking funktioniert datenbasiert. Es ist eine Kombination aus der im Turnier gezeigten…
Unter den ersten fünf Teams im Powerranking stehen mit FR, ES, BR und GB vier, die hinten die Schotten dicht machen: Defense wins championships.
Schauen wir mal, ob sich dieser Ansatz wieder durchsetzen kann.
Bezüglich Frankreich hat sich der Jule wohl eine besondere Taktik überlegt: wir sehen zu, dass und die Franzosen nicht so recht ernst nehmen und sich doch nicht auf “hinten dicht" konzentrieren - dann macht Leroy Sane zwei schnelle Tore, und Manuel Neuer hält seinen Kasten mit all den übermenschlichen Paraden sauber, die er bisher bestens versteckt gehalten hat … wetten, dass !? ![]()
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Wie viele Mannschaften auf deren individuellem Niveau gibt es denn, die Offensivfußball spielen? Und statt ES meinst du sicher Argentinien?
Ich habe das an anderer Stelle schon mal erwähnt. Wenn wir davon ausgehen, dass es so acht Nationen gibt, die als Topfavoriten auf den Titel in Frage kommen und von den fünf Teams mit den allerbesten Kadern spielen vier defensiveren Fußball – darunter die beiden Finalisten von 2022. Dann wäre meine Erkenntnis nicht, dass die mit Offensivfußball weniger erfolgreich wären, sondern einfach nur, dass sie eben defensiveren Fußball spielen.
Wer sagt uns denn, dass Kompany-Fußball mit Frankreich nicht zu zwei oder drei Titeln statt nur einem geführt hätte? Am Ende ist auf Nationalmannschaftsniveau sehr vieles abhängig von der individuellen Qualität und mit Frankreich nicht weit zu kommen, wäre eine größere Leistung als bis ins Viertel- oder Halbfinale vorzustoßen.
Mir fehlen für solche Behauptungen einfach die Gegenthesen. Deutschland hat doch gar nicht den Kader, um mit denen in einer Liga zu spielen. Die, die wirklich offensiveren Fußball spielen, sind individuell allesamt unterlegen. Die Voraussetzungen sind ja ganz andere.
Eine Schlussfolgerung, die schlüssig ist, aber nicht die einzig mögliche: Diese vier Nationen spielen ja nicht zufällig defensiven Fußball, sondern weil er ihnen bzw. ihren Nationaltrainern als die erfolgsversprechendste Variante erscheint. Nachdem Deschamps, TT u. a. keine Amateure sind könnte man sich also auch die Frage stellen, ob dieser safety first-Ansatz nicht empirisch betrachtet der beste ist?!
Zugegebenermaßen auch nur ein Gedankenspiel. Die brillanteren Teams - 82 bspw. Brasilien und 1986/1990 die Niederlande - haben den Titel oftmals nicht gewonnen. Im Vereinsfussball ähnlich…
Ich hatte übrigens Spanien gemeint: Die spielen zwar technisch feinen Fussball, halten hinten aber vollkommen dicht. 5:0 Tore auch jetzt wieder,
Das Argument überzeugt mich nicht. Nur weil Profis etwas machen, heißt es nicht, dass es der goldene Weg ist und es keine Verbesserungen gibt. Gerade das Beispiel Frankreich überzeugt mich gar nicht. Mit dieser Generation an Spielern hätte bis zum jetzigen Zeitpunkt so viel mehr herausspringen müssen als ein WM-Titel. Selbst wenn Deschamps jetzt noch den zweiten holt, war die Zeit dazwischen eher ernüchternd.
Gegenthesen sind übrigens Italien 2021 bei der EM, die mit einem individuell schlechteren Kader als England und Frankreich völlig verdient Europameister wurden. Und Spanien, die zuletzt die EM mit offensivem Fußball gewonnen haben. Spanien spielt keinen Defensivfußball. Sie verteidigen gut, weil sie gut mit dem Ball sind.
Ich finde die Debatten immer etwas konstruiert, weil das Verhältnis zwischen offensiven Teams und defensiven Teams nicht stimmt. Weil wie in der Gesellschaft generell progressive Einstellungen eher skeptisch gesehen werden. In der Champions League war ein sehr offensives PSG zuletzt jedenfalls nicht unerfolgreich. Bayern gewann den Titel 2020 mit offensivem Fußball, City ebenfalls kein defensives Team.
Und dazu eben Italien und Spanien auf internationaler Ebene. Ich denke nicht, dass man die Schubladen hier so krass ranken kann. Am Ende ist es immer eine Frage von sehr vielen Faktoren.
Ich stelle jedenfalls die These auf, dass Frankreich, England und Portugal nochmal erfolgreicher gewesen wären in den letzten Jahren, wenn sie etwas offensiver gespielt hätten. Und kann die These genauso wenig belegen, wie jemand, der behauptet, Defensivfußball sei der heilige Gral für Titelgewinne.
Unser analytischer Freund @Alex würde jetzt anführen, dass sich keiner der beiden Ansätze abschließend überprüfen lässt, nachdem man hierfür ja beide Ansätze mit den Teams konsequent durchspielen müsste: 1982 Brasilien offensiv vs. 1982 Brasilien 1982 defensiv etc. Das ist natürlich unmöglich.
Mir persönlich kommt der offensivere, spielfreudige Ansatz sehr entgegen: Ich hasse Betonfussball.
Was interessant sein könnte: Wieviel der letzten 20 Titel bei EMn / WMn haben die spielstarken, offensiven Teams gewonnen?
Vermutlich nicht allzu viele, weil die Balance nicht passt. Fair wäre dieser Vergleich ja nur, wenn exakt vier Top-Favoriten Beton anrühren und exakt vier Top-Favoriten mit gleicher Qualität offensiv spielen. Aber wie du richtig feststellst, ist das unmöglich. Am Ende wird die Wahrscheinlichkeit immer größer sein, dass der defensive Stil sich durchsetzt, wenn die Top-Favoriten größtenteils defensiv agieren.
Selbsterfüllende Prophezeiung.
Und warum ist das so? Mein Kenntnisstand, der anfechtbar ist, geht dahin, dass bis ins frühe 20. Jh hinein mit 5-6 offensiven “Läufern” gespielt worden war. Danach hat sich der defensivere Stil sukzessive durchgesetzt.
Meine Vermutung: Offensivere Kreativität ist mit mehr Aufwand in Vorbereitung, Kaderzusammenstellung und Spielweise verbunden. Den Bus zu parken ist simpler.
Vielleicht die größte Fehlentwicklung im Fussball.
Das ist natürlich schwer zu ergründen, aber die vermeintliche Einfachheit könnte ein Grund sein. Allerdings glaube ich, dass du dir das nur erlauben kannst, wenn dein Kader übermächtig ist. Portugal und Co. sind das nicht und zeigen regelmäßig eklatante Schwächen.
Und selbst dann wäre die Schlussfolgerung, dass es an der unterschiedlichen Taktik gelegen hat, wenn wir einen Unterschied beim Erfolg beobachten, nicht ohne Weiteres möglich.
Wir können nicht ausschließen, dass es einen dritten Faktor im Hintergrund gibt, der sowohl die Wahl der Taktik als auch den Erfolg beeinflusst. Hier ist ein Beispiel:
Als Beispiel habe ich hier die Beschaffenheit der verfügbaren Spieler gewählt, aber es kann im Prinzip alles Mögliche sein.
Die Wahl der Taktik darf nicht selbst systematisch von etwas beeinflusst sein, was auch den Erfolg beeinflusst, wenn wir die ursächliche Wirkung der Taktik auf den Erfolg bestimmen wollen. Denn dann wäre die Wahl der Taktik selbst nur eine abhängige Variable auf Basis der verfügbaren Spieler, und welchen Beitrag die Taktik auf den Erfolg hat, wäre dann nicht mehr sauber zu trennen davon, welchen Beitrag die Beschaffenheit der Spieler auf den Erfolg hat. Solche Faktoren werden im Fachjargon Confounder, genannt.
Man bräuchte also nicht nur vier Mannschaften, die eine offensive Taktik spielen, und vier Mannschaften, die eine defensive Taktik spielen, sondern man müsste die Taktik diesen Mannschaften auch noch zufällig zuweisen. Über die Randomisierung werden Einflüsse von Confoundern auf Ursache UND Wirkung ausgeschlossen, weil, wie in diesem Beispiel, nicht mehr die Spielerqualität über die Wahl der Taktik entscheidet, sondern der Zufall.
Natürlich beeinflusst die Qualität der Spieler immer noch den Erfolg, aber eben nicht mehr über den Weg der Taktik. Die Wahl der Taktik erfolgt unabhängig von der Beschaffenheit der Spieler, die zur Verfügung stehen. Wenn man nach dem Ausschluss der Möglichkeit von Confoundern systematische Unterschiede im Erfolg in Abhängigkeit von der Taktik feststellt, dann kann man diese wirklich der Taktik zurechnen. Die beiden Gruppen unterscheiden sich statistisch gesehen in nichts anderem mehr als der gewählten Taktik.
Aber um ein solches Setup belastbar umzusetzen, wären jeweils vier Mannschaften für beide Gruppen sehr wenig. Wenn man davon ausgeht, dass man niemals alle möglichen Einflussfaktoren auf den Erfolg identifizieren kann (die Taktik ist ja nur einer von Dutzenden), dann sind selbst bei zufälliger Zuordnung vier Mannschaften pro Taktik-Gruppe zu wenig, um von signifikanten Unterschieden im Erfolg in Abhängigkeit von der Taktik auf die Taktik als Ursache zu schließen. Es könnte sein, dass die Gruppe mit Taktik A signifikant erfolgreicher ist als die Gruppe mit Taktik B, aber es könnte auch sein, dass dies an einem dritten Faktor liegt, der mit der Taktik gar nichts zu tun hat, der in den beiden Gruppen jedoch nicht mit ungefähr gleicher relativer Häufigkeit vertreten ist, weil die Gruppen so klein sind, dass er sich zufällig in der einen deutlich stärker häuft als in der anderen.
Angenommen, es gibt einen wichtigen Einflussfaktor auf den Erfolg, den sechs von acht Mannschaften haben und zwei nicht. Bei der zufälligen Zuordnung der Mannschaften in die beiden Taktik-Gruppen à vier Mannschaften ist es mathematisch gar nicht unwahrscheinlich, dass die beiden Mannschaften, die den Faktor nicht haben, gemeinsam in einer Gruppe landen (ca. 42%). Dann hätten wir hinsichtlich dieses Faktors eine Gruppenaufteilung von 2/4 und 4/4. Man sieht auf den ersten Blick, dass dies ein signifikanter Unterschied ist, der die Zurechnung der Unterschiede im Erfolg auf die Taktik verzerrt. Wenn die Gruppe mit 4/4 erfolgreicher ist, welcher Anteil geht dann zurück auf die Taktik und welcher auf den Vorteil bei diesem Erfolgsfaktor?
Um solche Probleme auszuschließen, nimmt man bei randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) typischerweise sehr viel mehr als nur acht Untersuchungsobjekte. Die Wahrscheinlichkeit für statistisch signifikante Disparitäten bei erfolgswirksamen Faktoren zwischen zwei zufällig zugeordneten Gruppen nimmt mit zunehmender Zahl der untersuchten Objekte sehr schnell ab.
Ein völlig anderer Weg als der statistische, um über den Einfluss der Taktik auf den Erfolg nachzudenken, ist der theoretische über die Erklärung des Mechanismus: Wie beeinflusst die Taktik den Erfolg? Wie funktioniert das und warum ist Taktik A daher (deduktiv logisch zwingend) erfolgreicher als Taktik B? Hier kommt es dann auf die Richtigkeit der Annahmen und die Schlüssigkeit der Argumentation an. Wenn man eine gute theoretische Erklärung eines Phänomens hat, kann man statistische Schwächen bei der empirischen Kausalitätsidentifikation manchmal gut ausgleichen.
Der Königsweg, um Kausalität zu identifizieren, ist aber definitiv der über die statistisch sauber identifizierte Herleitung aus empirischen Beobachtungen, auch wenn dies oft extrem anspruchsvoll ist. (Im Übrigen sind Theorien, die Wirkmechanismen beschreiben, ja meist selbst Ergebnisse empirischer Arbeit.)
