Eine ganz klare Sache. Viel klarer als man es vor dem Spiel hätte erwarten können. Stuttgart hatte die 5,6 Minuten nach der Pause, die für sich genommen schon etwas erstaunlich waren. Aber auf Strecke kann man nur von einer drückenden Überlegenheit sprechen.
Erstaunlich, oder vielleicht logisch (?), dass Nagelsmann in der Stunde der größten personellen Not wieder Altbewährtes auspackte. Eine eher klassische Viererkette, einen eher klassischen Sechser und schon lief es spürbar besser, als in vielen Spielen zuletzt. Ein Systematik in der sich die Spieler (noch?) besser zuhause fühlen und handlungssicherer agieren. Die verordnete defensivere Aufstellung , aber auch Einstellung tat eben dieser Defensive sichtbar gut. Zwei- oder Dreimal wurden die Stuttgarter mit haarsträubenden individuellen Fehlern eingeladen, aber strukturell hatten wir die völlig im Griff.
Was natürlich aber auch an der katastrophalen Vorstellung der Stuttgarter lag. Für mich wahrscheinlich unser schwächster Gegner in dieser Saison. Was nicht nur an den Spielern lag, auch Matarazzo lag mit seinem Matchplan fürchterlich daneben. Wie man allen Ernstes so gegen Bayern antreten kann?
Ich nenne es immer die „nicht Fisch, nicht Fleisch-Gegner“. Wenn du als BL-Normalo gegen Bayern halbwegs vernünftig aussehen willst., musst du dich normalerweise für eine konsequente Strategie entscheiden. Vereinfacht: Entweder du presst wie ein Verrückter, oder du parkst konsequent den Bus. Abstufungen möglich. Dann verlierst du wahrscheinlich trotzdem, aber einigen gelingen so ganz gute Spieler.
Die Stuttgarter dagegen schienen sich nicht recht entscheiden zu können. Hinten drin stehen wollte man nicht, sollte wohl mutig sein. Vorne aggressiv draufgehen wollte man aber auch nicht. So standen die in einer Art Halbfeld, recht weit vorne, aber meist ohne jeden Druck auf den Ball, im Rücken aber immer wieder große Räume. Das Rezept für den perfekten Sturm.
Hätten wir mit unserer 1A-Elf in 1A-Verfassung antreten können, wäre der Spielstand vermutlich schon zur Pause dem 0:5 nahe gekommen.
Aber kurz gesagt: Soll uns alles nur recht sein.
Zu Marc Roca: Im Grunde ein tadelloses Spiel, auch angesichts seiner persönlichen Situation.
Etwas einschränkend muss man nur hinzufügen, dass das gestern das perfekte Setting für ihn war. Er durfte einen klassischen, konservativen Sechser spielen (seine Rolle halt) und er wurde vom Gegner in seinem Bereich weitgehend nicht behelligt. Es wäre natürlich auch interessant, ihn in einer anderen Konstellation zu sehen.
Ich weiß auch nicht, ob Nagelsmann sich einen Gefallen getan hat, sich selbst eines Fehlers zu bezichtigen, bezüglich seiner Nichtaufstellung. Ich gehe mal davon aus, dass er das nicht aus Bosheit getan hat, sondern seine Gründe hatte. Und die hießen eben bisher Kimmich, Goretzka, Sabitzer, Tolisso und Musiala. Und die werden in der RR wohl immer noch da sein. Heißt Roca muss sich mindestens an zwei oder drei dieser Spieler vorbeispielen um halbwegs zuverlässig seine Einsätze zu bekommen. Mal schauen, ich habe so meine Zweifel.
Musiala, einige Ballverluste zu viel, aber ansonsten pures Gold. Es war ja auch zweifelhaft wie er sein Handicap bezüglich seines Handbruchs wegsteckt. Aber da gab es nichts zu klagen.
Lewy, da kann ich mich der allgemeinen Meinung nur anschließen. So angesäuert wie selten gesehen. Aber muss man da viel hineingeheimnissen? Drei der letzten vier Spiele torlos? Die Ballon d’Or-Entscheidung? Mir reicht das als Begründung erstmal völlig aus.
Man of the match, natürlich Gnabry mit seiner Fünffach-Torbeteiligung. Das war der alte Gnabry, wenn er denn mal heißläuft, kann es für den Gegner übel enden.
Was man aktuell auch festhalten muss. Süle/Hernandez sind ganz klar IV-Duo Nummer 1. Upa ist der Herausforderer.