Bitte nicht anfangen die Jubel-Posen der Spieler zu bewerten! Das war für mich der größte Fremdschäm-Moment der WM22-Flick-Doku. Als der Hansi anfing den Spielern Zeitlupen-Wiederholungen ihres Torjubels auf der Reserbebank zu zeigen und ihnen erklärt hat, dass er sowas gerne häufiger sehen möchte. Spätestens ab da war der Flick bei mir unten durch.
Klar kannste die Emotionalität eines Torjubels wahrnehmen und in deine Gesamtbewertung mit einfließen lassen, aber sobald die Spieler merken, dass sie nun auch für ihren Jubellauf bewertet werden, werden diese Jubel noch mehr durch-choreographiert, als sie es jetzt schon sind. Wird eh schon immer unangenehmer, mit diesen Signature-Posen…
Ich meine keine „Posen“ sondern das Gesamtbild. Außerdem beurteile ich nichts sondern nenne Auffälligkeiten und meine Interpretation. Bitte nicht anfangen irgendwelche Themen pauschal auszuschließen, sonst haben wir keine Diskussionen mehr.
Und beim Siegtreffer in der Nachspielzeit ist eben ganau gar nichts mehr durchchoreografiert…
Naja, du pickst einen Jubel raus und vergleichst ihn mit angeblich vergleichbaren Jubeln von Heidenheim und HSV und ziehst daraus Schlüsse. Und das ist für mich halt ein grundlegend falscher Ansatz… weil es einfach überhaupt nichts mehr mit dem Sport zutun hat. Genauso kannst du Schlüsse daraus ziehen, wie schnell jemand seine Schnürsenkel bindet (ist er wirklich motiviert genug schnell weiterzuspielen?) oder ob jemand vor dem Spiel bei einer Hymne aus voller Imbrunst mitsingt oder nicht (darf der überhaupt für sein Land spielen wenn er nicht mitsingt?).
Hoffen wir dass das so bleibt und niemand mit den Spielern in einer Nachbesprechung diese Szenen durchgeht und sagt: na, da habt ihr euch aber ja gar nicht richtig gefreut! Nächstes mal erwarte ich da mehr Einsatz!
Dazu kommt die Qualität der Gegner. Denn gezwungenermaßen spielen diese Teams ständig gegeneinander. Das ist dann die andere Seite der Medaille: Die Spieler kennen Spiele gegen gleichwertige Mannschaften viel besser als wir. Andererseits kostet das eben auch ordentlich Kraft.
Die Mannschaft hatte in den letzten Monaten auch einen unfassbaren Lauf. Da lief fast jede Kleinigkeit für uns. Es gab beispielsweise einige frühe Tore und Spieler haben getroffen, die vorher als Chancentod galten. Wenn man in Paris in der 3. Minute in Führung geht, spielt sich das logischerweise anders und wenn die Mannschaft so ein Selbstvertrauen hat, ist es auch einfach, die zwei Schritte extra zu gehen, die nötig sind. Aktuell gibt es eine Korrektur der Formkurve. Das ist normal. Das ist erwartbar. Der Dezember ist bei uns sowieso meist ein Monat, wo man nur versucht, den Vorsprung in die Winterpause zu retten, um sich dann erholen zu können.
‚Sorge‘ bereitet mir da viel mehr die Schwäche bei der Verteidigung von Standardsituationen. In den letzten Wochen gab es die meisten Gegentore aus solchen Situationen heraus. Die Mannschaft wirkt gerade bei Ecken generell nicht souverän. Das scheint ein systematisches Problem zu sein und dürfte daher wohl aktuell das Thema sein, wo man im Training am meisten hinschauen muss.