Mythos Leistungsprinzip: Warum Trainer nicht die besten Spieler nominieren

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Missachtet Julian Nagelsmann bei seinen Nominierungen für die Nationalmannschaft und Plänen für die Weltmeisterschaft das Leistungsprinzip? Kaum nominiert ein Trainer einen Kader, kommt zuverlässig ein Vorwurf: Das Leistungsprinzip werde missachtet. Der Begriff klingt objektiv und intuitiv sinnvoll. Dabei ist er im Fußball meist ein unscharfes Schlagwort und greift ohnehin zu kurz. Julian Nagelsmann hat den Kader für die beiden Länderspiele gegen die Schweiz und Ghana nominiert. Vorher hatte er bereits in einem Interview mit dem Kicker einige Pläne zur Weltmeisterschaft erläutert. Nagelsmann stellte insbesondere Leon Goretzka eine wichtige Rolle in Aussicht, obwohl dieser in der Mittelfeldhierarchie des FC Bayern derzeit…

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Danke für den Artikel und die aus meiner Sicht überfällige Klarstellung zum „Leistungsprinzip“.

Das bringt mich schon seit Jahren auf die Palme, wenn einer sagt „wenn’s nach Leistung geht, müsste der Jogi / … / Nagelsmann auf jeden Fall den XY mitnehmen“ - und der XY ist dann der jeweilige Lieblingsspieler beim Lieblingsverein … (allzu oft sagt mir dann der Hochleistungs-Fußballer nicht wirklich etwas :wink: )

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Ich stimme Dir grundsätzlich zu. Das Problem ist, dass Nagelsmann ja selbst vom Leistungsprinzip gesprochen hat. Jetzt kann man sagen, dass er viel redet, wenn der Tag lang ist, was er ja auch tut. Aber so tut er sich vor allem selber keinen Gefallen.

DANKE!!! Genau das wollte ich auch schreiben.

Niemand würde darüber schimpfen oder es so thematisch in den Mittelpunkt stellen aber JN hat es mit seinen Aussagen da auch selbst zu verschulden.

Nichtsdestotrotz danke für den tollen Artikel und die Einordnung.

Zu den vielen Dingen, die man an Nagelsmann kritisieren kann, gehört auch seine Kommunikation diesbezüglich, ganz klar.

Das glaube ich nicht. Das Unwort “Leistungsprinzip” fällt seit Jahren immer und überall, wenn es um Kritik an Kadernominierungen (oder Aufstellungen) geht. Mag sein, dass es bei Nagelsmann eine höhere Prominenz hat, eben weil er selbst teilweise so argumentiert hat.

Aber das Leistungsprinzip wurde vor Nagelsmann gefordert, es wird nach ihm gefordert werden. Ich höre es in meinem Umfeld zum 1. FC Saarbrücken, ich höre es in meinem Umfeld als Kritik an Kwasniok in Köln. Und auch beim FC Bayern haben wir das oft genug gehört. Da ist es nur aktuell unter Kompany kein Thema, weil derzeit sportlich alles rosarot ist und der Kader relativ klein.

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das alles schließt ja das Leistungsprinzip nicht prinzipiell aus…

nehmen wir an, JN hat für eine Positon diverse Kriterien gedanklich hinterlegt, z.B. so wie sie @Georg in seinem hervorragenden Artikel definiert…
nun findet er zwei Spieler, die beide quasi deckungsgleich diese Kriterien grundsätzlich erfüllen… dann wird sicher das berüchtigte Leistungsprinzip zwischen diesen beiden Spielern eine Rolle spielen…

danke auf jeden Fall für die tolle Einordnung!

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Sehr gute Einordnung!

Wan man sehr schön erkennt ist auch „Leistung“ erstens Definitionssache und zweitens auch subjektiv. Ich z.B. frage mich wie vermutlich viele warum Pascal Groß im Kader ist aber Angelo Stiller nicht. Nach den Ausführungen von Nagelsmann liegt es eben an unterschiedlichen Skills und dass Groß in den Nagelsmann wichtigen Bereichen eine bessere „Leistung“ bringt als Stiller.

Bei den Torhütern muss man natürlich schauen, wer überhaupt viel Bälle aufs Tor bekommt, also Möglichkeiten hat sich auszuzeichnen. Wenig überraschend stehen dann Keeper der eher im hinteren Tabellenbereich platzierten Clubs eher auf den oberen Plätzen. Sagt das unbedingt und absolut was über deren Qualität? Jain. Hier ist natürlich auch der Spielstil der NM zu berücksichtigen. Ich finde die Nominierung von Urbig folgerichtig. Er hat in der Regel wenig Möglichkeiten sich auszuzeichnen, ist dann aber da, ist stark mit dem Ball am Fuß und hat eine gute Ausstrahlung.

Auch in den Fällen El Mala und Karl greift meines Erachtens das Leistugsprinzip. El Mala „dümpelt“ zuletzt eher so vor sich hin in Köln während Karl aus seinem kleinen Tief mittlerweile heraus ist.

So lässt sich irgendwie für jeden Spieler was finden, also Aufregung deswegen ist allenthalben unangebracht bzw. müssig.

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Und jetzt geht es doch wieder um Leistung, vielleicht doch einfach mal die Klappe halten?

Jetzt sagt der Bundestrainer: „Auch Leon hat keinen Freifahrtschein. Dass ich von Spielzeit für ihn gesprochen habe, kann 90 Minuten bedeuten, Spielzeit kann aber auch nur zwei Minuten sein. Leon sollte jetzt, nachdem er bei der EM nicht dabei war, die Sicherheit haben, dass wir auf ihn setzen - aber das muss er natürlich auch durch Leistung im Verein und bei uns bestätigen.“

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