MSR451: Fifantino und der Transfersommer des FC Bayern

Ich hab daran gezweifelt, dass Al-Khelaifi oder Ceferin der Fußball prinzipiell mehr am Herzen liegt. Der Hintergrund von Ceferin und Infantino ist tatsächlich auch ziemlich ähnlich. Beide kommen eigentlich aus dem juristischen Bereich und haben zunächst juristisch beratende Tätigkeiten durchgeführt und sind dann an die Machtpositionen aufgestiegen. Infantino war ein bisschen länger auf den unteren FIFA-Ebenen, Ceferins Aufstieg war ein bisschen steiler und auch dubioser.
Dieser Artikel wirft die Frage auf, ob er seinen Lebenslauf manipuliert hat, um die notwendigen Kriterien des slowenischen Verbands zu erfüllen.

2016 wurde er dann UEFA-Präsident und hat sich im gleichen Jahr dafür ausgesprochen das Finale der Champions League auf einem anderen Kontinent auszutragen, z.B. in New York.
Dass seine scharfe Gegnerschaft zur Super League und allen Expansionen der FIFA auf Kosten der UEFA darauf basierte, dass er ein Eigeninteresse am Machterhalt seines Verbands hatte, hast du ja selber geschrieben.
Am Ende versuchen Ceferin und Infantino beide mit großen Worten ihr Treiben als Dienst am Fußball und der Menschheit darzustellen und aus meiner Perspektive haben mir beide keinen Grund gegeben, ihnen das abzunehmen, gegenüber den anderen Interessen, die sie demonstriert haben.

Das scheint mir wiederum zu verallgemeinernd zu sein. Ich glaube die Art wie Menschen Fußball spielen, schauen, wahrnehmen, ist extrem unterschiedlich, sagen wir mal jeweils z.B. in China, Saudi Arabien, Nigeria und Brasilien. Vielerorts ist der Anteil derjenigen, die überhaupt nicht in irgendeinem Verein spielen oder mitwirken und gar nichts mit Verbandstrukturen zu tun haben, viel viel größer als hier. Die gucken dann Champions League irgendwo mal zwischendurch, aber wenn sie lokal ein Spiel schauen, ist das vielleicht auch ein Kick auf nem Feld von Teams, die nicht an einem organisierten Ligabetrieb teilnehmen. Ich würd vermuten, dass in vielen Fällen ihr Verhältnis zum modernen, organisierten Fußball gar nicht so gut beschrieben werden kann als kritischer oder unkritischer als bei uns, sondern, dass es eher vor allem ein Nicht-Verhältnis im Alltag gibt.

Danke für den Buchtipp! Der Titel ist auf jeden Fall schön. Ich habe mir erstmal ein längeres Interview mit ihr über ihr Buch durchgelesen, aber mich hat der institutionelle Ansatz nicht so überzeugt. Mir scheint, dass starke Institutionen sehr viel stärker die Menschen verändern, die in ihnen tätig werden, während die Menschen umgekehrt diese Institutionen eher modernisieren und ihnen helfen, ihre zeitgemäßeste, effektivste Form anzunehmen, aber ihren grundlegenden Charakter und ihre Funktion nicht verändern können. Bezogen auf die UEFA wären das z.B. die Compliance-Reformen von Ceferin.

Am Ende haben wir beide keinen Einblick in den jeweiligen Kopf der beiden. Meine Argumentation beruht auch lediglich auf den faktisch nachvollziehbaren Taten der letzten Jahre, und da bleibe ich dann bei meiner Einschätzung. Bezüglich der aktuellen Vorgänge fällt es mir wirklich schwer, irgendetwas Negatives an Ceferins Rolle zu sehen - aber wenn du unterstellst, dass er halt auch nur ein weiterer korrupter Fußballfunktionär ist, dem der Fußball am A…bend vorbeigeht, kann ich das natürlich auch nicht entkräften. Für den Moment, wie gesagt, genügt es mir, dass er sich den Plänen von Infantino entgegenstellt, und zwar an vorderster Front.

Ich denke übrigens, dass wir beide relativ ähnliche Vorstellungen haben, wie wir uns den Fußball wünschen. Mag sein, dass mein Anspruch an das Funktionärswesen nach so vielen Jahren voller bemerkenswerter Vorgänge schon derart abgeschliffen ist, dass ich nicht mehr so streng bin. Ich habe rote Linien, aber im Gesamt-Konstrukt Profi-Fußball muss ich mich einfach fragen, ob ich mich eigentlich andauern nur ärgern will, und das bei einem Thema im Leben, das mir nahezu ausschließlich Freude bereiten soll. Eine dieser roten Linien wäre mit dem Infantino-Plan überschritten worden, daher freue ich mich, dass er sich wohl nicht mehr halten kann.

Natürlich, stimmt. Ich meinte dabei vor allem, dass weltweit Menschen bereit sind haufenweise Geld auszugeben, um die Erzeugnisse des Profi-Fußballs zu konsumieren. Die Gelder, die der Sport generiert, beruhen darauf. Und ich glaube es wurde bereits angesprochen, dass etwa in südlicheren Gefilden, aber auch in der Premier League weniger Kritik an Gehalt der Spitzenverdiener oder Auswahl der Sponsoren respektive Investoren als hierzulande. Möglich, dass sich das Zielpublikum verschoben hat, aber sei’s wie’s will: wenn sich sogar die Gallaghers oder die Newcastle-Fans freuen, dass sie oben mitspielen können, egal wie der Besitzer heißt, die Kader oder die Jahreskarten kosten… dann sind wir Deutschen in unserer 50+1-Treue halt doch ziemlich allein auf der Welt. Nicht falsch verstehen, ich finde das gut, und es mag viele in anderen Ländern geben, die uns beneiden. Nur sehe ich es ambivalent und komplex. Schließlich will ich auch den bestmöglichen Kader und den bestmöglichen Fußball bei uns. So oder so, eine Mehrheit der Menschen teilt unsere Kritik und unseren hohen Anspruch nicht, da bleibe ich bei meiner Einschätzung - in bewusster Verallgemeinerung.

Da ist sicher etwas dran. Bezüglich Jagoda Marinic wäre allerdings zu sagen, dass sie tatsächlich eine solche Institution selber maßgeblich überhaupt erst aufgebaut hat. In diesem, ihren Falle darf man glaube ich sagen, dass ihre Werte und Ideale eminent wichtig waren, um die Gesellschaft mindestens lokal enorm zu prägen.

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In England ist halt auch die Geschichte von Investoren viel älter. Der Vorgängerverein von Birmingham City ist schon 1888 eine Limited Company geworden, gibt auch ein paar andere Beispiele von englischen Vereinen die bereits im 19. Jahrhundert von anderen Businessmännern ge- und weiterverkauft wurden. Wenn du das eh gewohnt bist, dass dein Verein halt irgendwem gehört und das schon immer so war, ist das eine andere Voraussetzung.
Bei der Einführung einer Super League oder F.A.-Cup-Endspielen in New York oder Doha sähe das ganze schon anders aus würde ich vermuten. Was der spezifische Punkt ist, an was sich ein Riss zum modernen Fußball auftut und was eher gleichgültig zur Kenntnis genommen wird, ist immer sehr unterschiedlich. Ich glaube nicht, dass so ein Riss bei den meisten Menschen jetzt schon da ist, ob hier oder woanders auf der Welt und bin mir nicht sicher ob es jemals bei ausreichend vielen Menschen so sein wird. Aber das Potential seh ich halt wenn überhaupt darin und nicht in einer institutionellen Veränderung von FIFA oder UEFA.

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Es gibt im übrigen auch einen trade-off der Erwartungen derer die den Fußball konsumieren und denen die das Produkt Fußball bereitstellen.

Braucht man nur mal an eine JHV zu gehen.

Man sollte sich das auch mal vor Augen führen, wenn man seine Vorstellungen mit denen der Verantwortlichen, Spieler etc. vergleicht.

Ja voll! Es sind sich ja auch alle einig, dass der Fußball weder Investoren noch der FIFA gehört, aber er gehört auch weder nur den Profispielern, noch nur den Fans, weil beide aufeinander angewiesen sind. Und der Widerspruch ist nicht so ganz leicht aufzulösen.
Aber es gibt ja auch den Widerspruch bei Investoren, Verbänden und Profispielern zwischen dem geteilten kommerziellen Interesse an einer Steigerung der Einnahmen und dem zulasten der Spieler gehenden Weg dies durch eine Erhöhung der Spiele und Wettbewerbe zu erreichen.

Die Sache ist aber, dass sich der Fußball weitestgehend ohne die Zuschauer organisiert.

Ja, aber das ist Stärke und Schwäche zugleich. Es sichert den Verbänden und Vereinen bei ihren Entscheidungen erstmal eine gewisse Unabhängigkeit von den Reaktionen der Fans, aber die fehlende Einbindung erschwert es auch diese Reaktionen zu antizipieren, im Vorfeld abzuschwächen oder im Nachhinein moderieren zu können. Der Ablauf um die Super League hat das meiner Meinung nach gezeigt.
Deswegen gibt es ja auch mittlerweile vieler Orten Bemühungen um eine institutionelle Einbindung von Fans, von Interessenverbänden von Fans bis hin zu Ultras in Vereinsgremien. Sogar in England gibt es dahingehend mittlerweile bei einigen Vereinen dahingehend Bewegung.

Und in Italien gab es Fälle bei denen die Ultras die Aufstellung diktiert haben.

Es ist eine schwierige Sache.

Ich denke der Fußball kann nicht nur bewahren, er muss auch wachsen und sich immer wieder ein Stück weit verändern. Aber er muss einfach eine soziale Komponente behalten. Es kann nicht sein, dass sich Fans verschulden müssen oder ihre Pension verpfänden um ein Spiel an einer WM sehen zu können.

Andererseits wären die Organsiatoren auch schön blöd, wenn sie die Tickets günstig an die Fans verkaufen und die verkaufen sie im Sekundärmarkt dann für das Vielfache weiter. Das muss man auch sehen.

Ich denke es macht auch Sinn, mehr kleinere Länder mit dabei zu haben wie an dieser WM. Aber so ein Turnier darf auch aus Gründen der Qualität nicht ewig in die Länge gezogen werden. Die Qualität hat leider in den K.O. Spielen gelitten.

Was das Sponsoring angeht, glaube ich sind wir in D eine Insel mit den Ansprüchen die wir da an Sponsoren haben. Das ist weltweit niemals durchzusetzen.

Kritik wird es immer geben und wer hofft, dass es eine FIFA made in Germany gibt, wird sowieso enttäuscht werden. Aber es kann nicht sein, dass das Turnier in Ölstaaten abwandert mit künstlichen Fans oder vom Trump Clan verkauft wird. Auch sollte klar sein, dass so ein Turnier nur dann seinen Wert erhält, wenn es alle 4 Jahre ausgespielt wird. Ansonsten verliert es seine Faszination.

Ob man jetzt Trinkpausen einführt oder nicht, da kann man weiterhin trefflich streiten. So eine FIFA und eine WM sollte für alle etwas bereit halten. Für kleine Nationen, für arme Nationen, für Erneuerer, für Traditionalisten. Das ist schwierig, aber machbar.

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Finde ich auch. Die Trinkpausen sind übrigens ein schönes Beispiel. Ich bin nicht (mehr) idealistisch genug zu glauben, dass aus dem Fußball auch weiterhin alles rausgepresst werden wird, was möglich ist. Und noch einiges oben drauf, worauf bloß noch keiner gekommen ist. Das ist Kapitalismus.

Aber die Grenze verläuft für mich da, wo ich der Meinung bin, dass eine kommerzielle Maßnahme das Spiel verändert, wie wir es kennen und lieben. Und das ist bei den Trinkpausen (bestimmte klimatische Bedingungen naürlich ausgenommen) ganz sicher der Fall. Sie verändern das Spiel exorbitant, das hat die WM deutlich gezeigt, mir zumindest reicht die Stichprobe. Ein Fußballspiel hat zwei Halbzeiten und keine vier Viertel. Letzteres verändert den Spielfluss und noch einiges mehr.

Solche Maßnahmen dann noch als notwendig zu verbrämen, als wären alle Zuschauer furzdämlich, das ist das, was ich persönlich nicht mehr goutieren kann.

Dass der Grund für die Trinkpause gelogen war ist klar. Es gab an vielen Spielorten keinen Grund für eine Trinkpause.

Ja, es hat das Spiel ein Stück weit verändert. Aber war das zum schlechten? Ich habe kein abschliessendes Urteil. Dass man taktisch eingreifen konnte, war schon sehr interessant. Was aber aus meiner Sicht eher dagegen spricht ist, dass es eher die stärkere Mannschaft bevorteilt hat. Die konnte auf einen taktischen Kniff des Underdogs reagieren. Veränderung ja, aber nur negativ sehe ich jetzt nicht zwingend. Brauchen tu ich es aber nicht. Stelle mich gerade im Winter bei -5 Grad im Stadion vor und dann zieht sich das in die Länge weil die noch taktische Besprechung machen. Eher Nein.

Es war nur ein Beispiel, an dem ich meinen Maßstab klarmachen wollte. Natürlich kann man über die einzelnen Dinge unterschiedlicher Auffassung sein, dann diskutiert man das aus. Die Rückpass-Regel hat das Spiel definitiv verändert, aber zum Vorteil. Nur war das eine Maßnahme, die zuvorderst das Spiel attraktiver machen sollte, und keine Maßnahme, die zuvorderst mehr Kommerz ermöglichen sollte. Ein attraktiveres Spiel bewirkt letztendlich mehr Geld - aber so sollte die Reihenfolge sein, nicht andersrum. Schon gar nicht, wenn die Attraktivität eher in Frage steht.

Ich sehe aus Coaching-Sicht auch die reizvollen Möglichkeiten, ich war selbst ja schon mal Trainer. Aber mir wäre der Spielfluss über eine Halbzeit hinweg viel zu wichtig. Die Netto-Spielzeit ist eh schon ein nerviges Dauer-Thema. Sollen sich doch die Amis an ihren Stop-and-Go-Sportarten erfreuen - der Fußball muss fließen, wo immer es geht :slightly_smiling_face:. Für Werbung ist drumrum genügend Platz, nicht währenddessen.

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