Ich hab daran gezweifelt, dass Al-Khelaifi oder Ceferin der Fußball prinzipiell mehr am Herzen liegt. Der Hintergrund von Ceferin und Infantino ist tatsächlich auch ziemlich ähnlich. Beide kommen eigentlich aus dem juristischen Bereich und haben zunächst juristisch beratende Tätigkeiten durchgeführt und sind dann an die Machtpositionen aufgestiegen. Infantino war ein bisschen länger auf den unteren FIFA-Ebenen, Ceferins Aufstieg war ein bisschen steiler und auch dubioser.
Dieser Artikel wirft die Frage auf, ob er seinen Lebenslauf manipuliert hat, um die notwendigen Kriterien des slowenischen Verbands zu erfüllen.
2016 wurde er dann UEFA-Präsident und hat sich im gleichen Jahr dafür ausgesprochen das Finale der Champions League auf einem anderen Kontinent auszutragen, z.B. in New York.
Dass seine scharfe Gegnerschaft zur Super League und allen Expansionen der FIFA auf Kosten der UEFA darauf basierte, dass er ein Eigeninteresse am Machterhalt seines Verbands hatte, hast du ja selber geschrieben.
Am Ende versuchen Ceferin und Infantino beide mit großen Worten ihr Treiben als Dienst am Fußball und der Menschheit darzustellen und aus meiner Perspektive haben mir beide keinen Grund gegeben, ihnen das abzunehmen, gegenüber den anderen Interessen, die sie demonstriert haben.
Das scheint mir wiederum zu verallgemeinernd zu sein. Ich glaube die Art wie Menschen Fußball spielen, schauen, wahrnehmen, ist extrem unterschiedlich, sagen wir mal jeweils z.B. in China, Saudi Arabien, Nigeria und Brasilien. Vielerorts ist der Anteil derjenigen, die überhaupt nicht in irgendeinem Verein spielen oder mitwirken und gar nichts mit Verbandstrukturen zu tun haben, viel viel größer als hier. Die gucken dann Champions League irgendwo mal zwischendurch, aber wenn sie lokal ein Spiel schauen, ist das vielleicht auch ein Kick auf nem Feld von Teams, die nicht an einem organisierten Ligabetrieb teilnehmen. Ich würd vermuten, dass in vielen Fällen ihr Verhältnis zum modernen, organisierten Fußball gar nicht so gut beschrieben werden kann als kritischer oder unkritischer als bei uns, sondern, dass es eher vor allem ein Nicht-Verhältnis im Alltag gibt.
Danke für den Buchtipp! Der Titel ist auf jeden Fall schön. Ich habe mir erstmal ein längeres Interview mit ihr über ihr Buch durchgelesen, aber mich hat der institutionelle Ansatz nicht so überzeugt. Mir scheint, dass starke Institutionen sehr viel stärker die Menschen verändern, die in ihnen tätig werden, während die Menschen umgekehrt diese Institutionen eher modernisieren und ihnen helfen, ihre zeitgemäßeste, effektivste Form anzunehmen, aber ihren grundlegenden Charakter und ihre Funktion nicht verändern können. Bezogen auf die UEFA wären das z.B. die Compliance-Reformen von Ceferin.