Man kann sich die Welt natürlich einteilen in “asoziale Medien” und das, was man selbst liest. Damit marginalisiert man aber das Problem. Als Mann ist es leicht, nur das zu lesen, was einem Lieb ist und dann existiert der Rest wahlweise gar nicht oder ist eben so klein, dass man plötzlich überrascht tut, wenn andere auf das Problem hinweisen. Frauen haben dieses Privileg nicht. Sie sehen sich jeden Tag damit konfrontiert, dass sie in Jobs wie diesem dreimal so hart abliefern müssen, ehe sie akzeptiert werden. Das ist auch kein Gefühl, das ist kein “getriggert” sein, das sind Fakten. Glaubt ernsthaft jemand, das aktuelle Verhältnis von Männern zu Frauen spiegelt auch nur annähernd die Realität wieder, wenn es um Leistungsfähigkeit geht?
Thema Gender Pay Gap. Auch hier ist es ein Fakt, dass Frauen weniger Geld zur Verfügung haben, dass sie schlechter bezahlt werden (Tabea Kemme hat dazu neulich wieder interessante Insights zu ihrem Job als Expertin im Männerfußball gegeben) und dass sie sich die teure Ausbildung im Trainer*innenjob tendenziell weniger leisten können als Männer. Selbstredend gibt es weitere Komplexitätsebenen. Mein Problem ist nicht, dass Hummels mehr verdient in seiner Karriere als Hegering. Mein Problem ist, dass ihm die Chancen für eine weitere Karriere eher hinterhergeschmissen werden, während Hegering deutlich härter dafür arbeiten müsste. (Fiktive Beispiele)
Aber wir müssen gar nicht auf dieses Level schauen. Ich habe mich vor ein paar Wochen mit einer Trainerin unterhalten, die dabei ist, sich durch die Lehrgänge zu prügeln. Ich habe mich davor bereits mit zig Trainern und Trainerinnen unterhalten. Ich ärgere mich, wenn mir jemand unterstellt, ich würde etwas schreiben, weil ich getriggert bin. Die Verkürzung auf “ich lese Medien” ist dann eben auch nicht korrekt.
Denn den Teil lässt du in deiner Replik einfach außen vor. Ein wiederkehrendes Problem in der Trainer*innenausbildung sind nun mal die Finanzen. Frauen werden insgesamt schlechter bezahlt, sie leisten im Alltag mehr Care Arbeit und haben entsprechend auch weniger Ressourcen in beiden Bereichen: Geld und Zeit. Das sind einfach Hürden, die da sind. Sicherlich gibt es auch jene Beispiele, in denen es andersherum ist oder in denen es ausgeglichen ist, das ändert aber nichts daran, dass es insgesamt betrachtet anders aussieht. Im Schnitt bleibt es eine Hürde für Frauen.
In einem Kommentar geht es nicht darum, jedes Thema im Detail aufzudröseln, er soll und muss prägnant sein. Es ist ein maßgeblicher Sinn dieser Gattung, Diskussionen anzustoßen und dafür braucht es keine abschließende Analyse. Und deshalb ist es auch okay, Themen anzuschneiden oder nur zu nennen. Denn exakt dadurch entstehen weitere Debatten und Leser*innen können das Thema weiterdenken.