Durch die überaus ausführlichen und tiefgründigen Analysen von @Alex und die damit einhergehende Diskussion hier in diesem Thread ist mir zumindest klar geworden, dass ich das Pro und Contra solcher Spielertransfers und ihrer langfristigen finanziellen Implikationen bislang viel zu „unterkomplex“ betrachtet habe! Das ist ja wirklich „eine Wissenschaft für sich“.
Zuweilen frage ich mich sogar, ob die Verantwortlichen beim FCB ihre Entscheidungen - wie eben aktuell die sehr teure Verpflichtung von Diaz, dessen zu erwartender „Mehrwert“ gegenüber einem Verbleib von Sané sicherlich keine 60 Millionen Unterschied rechtfertigen dürfte - überhaupt auf der Grundlage ähnlich tiefschürfender und differenzierter wirtschaftlicher Analysen treffen wie @Alex?
Spontan möchte man dies natürlich mit einem eindeutigen „JA“ beantworten.
Zweifel daran sind jedoch angesichts einiger Transfers der letzten Jahre durchaus angebracht.
Oftmals hatte man eher den Eindruck, dass einige solcher Entscheidungen der letzten Jahre viel weniger durchdacht waren als bei @Alex und eher aus einem spontanen „Bauchgefühl“ heraus entstanden sind: man denke, um nur wenige Beispiele zu nennen, u.a. an Mané, Palhinha, das jahrelange Kuddelmuddel mit den diversen und in ihren Konsequenzen schweineteuren Trainerwechseln oder die Tatsache, dass dem FCB grotesk viele Torhüter gehören:
da wird einerseits der Vertrag eines Ulreich, der aufgrund minimalster Spielpraxis in den letzten 1-2 Jahren als Bestandteil des Teams gar nicht mehr spürbar war, wieder mal verlängert, während der Torwart der israelischen Nationalmannschaft an den HSV verliehen wird und wir einem Torhüter eines direkten BL-Konkurrenten seit langer Zeit zwei Drittel seines Gehalts zahlen, weil er beim VfB Stuttgart immer noch als „Neuer-Nachfolger“ geparkt wird - eine „Fantasie“, an die wohl mittlerweile überhaupt niemand mehr glaubt.
Das klang oft wenig nach einem durchdachten Plan, sondern mehr nach Improvisation.
Zumindest einem Salihamidzic oder Kahn hätte man bei ihren Vertragsentscheidungen daher lieber jemanden mit der Rationalität eines @Alex an ihrer Seite gewünscht - statt eine damals ebenfalls schweineteure externe und fußballfremde Unternehmensberatung zu konsultieren.
Das einzige, was @Alex in seinen „rationalistischen“, objektiven wirtschaftlichen Analysen m.E. etwas vernachlässigt - da mathematisch nicht quantifizierbar - ist der bei gewissen Spielertransfers nicht zu unterschätzende Faktor der EMOTIONEN und „Fantasien“, die bestimmte Spielerpersönlichkeiten auslösen.
Z.B. hinkten die objektiven Leistungsdaten eines Thomas Müller in den letzten 1-2 Jahren deutlich dem emotionalen Stellenwert hinterher, den er als letzte verbliebene bajuwarische Identifikationsfigur des FCB verkörperte.
Der umgekehrte Fall ist z.B. Woltemade: dass für seinen eventuellen Wechsel vom VfB Stuttgart zu uns Ablösesummen von 60, 70 oder gar 80 Millionen im Schwange sind, liegt nur daran, dass die Emotionen („endlich mal wieder ein vielversprechender deutscher Nationalspieler, den es zum FCB zieht“) und Fantasien, die er auslöst, stark seinen tatsächlichen Leistungsdaten und seinem wirtschaftlich angemessenen Marktwert vorausgeeilt sind.
Wohingegen eher „spröde“ Spieler wie z.B. Palhinha, Coman oder Min-jae Kim so gut wie überhaupt keine „Emotionen und Fantasien“ auslösen.
Ich meinte oben eher, dass Vertrauen ja oft auch in der Kombination „blindes Vertrauen“ vorkommt und für das ist es ganz gut, wenn man das kritische Denken vernachlässigt. Bei der These, dass die im Verein es schon etwas besser wissen, weil sie alle Variablen kennen und berücksichtigen müssen, anders als die Foristen hier, bin ich vollkommen bei dir. Über die Bewertung von Entscheidungen retrospektiv (vs in der Minute in der sie getroffen werden), wurde hier ja auch schon oft diskutiert (hinterher ist man…). Ich kann schon verstehen, wenn bei Einigen inzwischen das Vertrauen in die Vereinsführung zumindest etwas lädiert ist. Gleichzeitig bin ich auch der Meinung, dass sich hier einige ganz schön verrannt/verbissen/festgebissen haben und sämtliche Belief und Confirmation sowie Self serving Biases fröhliche Urständ feiern.
Man kann immer eine differenzierte Meinung dazu haben, aber vorher schon alles schlecht reden etc … ich finde das einfach nicht ok. Und jetzt schauen wir doch einfach mal die letzten 10 Jahre zurück, das waren die erfolgreichsten die man hatte … schau mal in das UEFA Ranking jedes einzelnen Jahres, man war nie schlechter als dritter. Man hat viele Titel geholt, man spielte teilweise wirklich guten Fußball, ich nehme mal das Tuchel Jahr raus, denn das war der größte Fehler. Und das hatte ich vorausgesagt, das dies die falsche Entscheidung ist. Und daher sollte man schon etwas Vertrauen haben, denn soviel falsch wurde nicht gemacht. Ich sehe halt einfach nur das Problem darin, dass alle jeden Pubs von jedem „Insider“ glauben und die sich von der Presse / Medien total beeinflussen lassen, hier denkt einfach niemand selber. Einer schreibt / sagt … DIAZ ist zu teuer, schlechte Verpflichtung … und dann viele plappern das einfach nach.
Das ist richtig. Gravenberch, Mazraoui, Omar Richards, Roca, Tel – es gab in den letzten Jahren einige junge Spieler, die die Bayern oft sogar noch mit einem leichten Gewinn verkaufen konnten, obwohl und nachdem sie bei ihnen nicht funktioniert hatten (und die vorgenannten Beispiele sind nur ein paar, die mir spontan eingefallen sind, es gibt sicher noch weitere). Mit älteren teuren Spielern ist das mit Ausnahme der Wüste nicht so einfach. Eine aus Vereinssicht unerwünschte, möglicherweise noch Jahre andauernde Vertragserfüllung ist damit nicht unwahrscheinlich.
Wie viel einfacher es jedoch ist, junge teure Spieler im Misserfolgsfall vorzeitig loszuwerden, ist, wie ich finde, eine noch nicht abschließend geklärte Frage. Die Spieler, die ich oben als Beispiele genannt habe, sind überwiegend Nachwuchs- oder Ergänzungsspieler. Aber was ist mit einem Musiala? Oder einem Alaba? Oder einem Sané? Oder einem Wirtz? Sie sind jung, aber definitiv keine Nachwuchs- oder Ergänzungsspieler mehr (gewesen). Wenn ein solcher Spieler, der üblicherweise auch noch einen fetten Vertrag hat, bei den Bayern „scheitert”, wie groß ist dann noch sein Markt? Wie groß ist seine Bereitschaft zu wechseln, wenn das mit enormen Gehaltseinbußen verbunden wäre?
Bei Sané haben die Bayern draufgelegt und bei Wirtz hätten sie das garantiert auch getan, denn jemandem, den man für 150 Millionen Euro kauft, wird man im Falle eines Scheiterns wohl kaum für einen noch höheren Betrag weiterverkaufen können. Bei Alaba und Musiala würden oder haben sie dagegen nur deswegen garantiert nichts darauflegen müssen, da sie diese Spieler praktisch kostenlos bekommen haben. Außerdem kann die Wechselbereitschaft auch bei jungen Spielern begrenzt sein, wenn sie auf großzügig ausgepolsterten Verträgen sitzen. Man denke an Goretzka, man denke an Sané, man denke an Coman.
Dass das Scheitern eines alten teuren Spielers die Vereinskasse tendenziell weniger stark belastet als das Scheitern eines jungen nicht-teuren Spielers, gestehe ich zu, aber dass es sie stärker belastet als das Scheitern eines jungen teuren Spielers, ist für mich nicht eindeutig klar, sondern kann mal so und mal so ausfallen.
Das ist auch ein interessantes Thema, aber es war nicht meins. Ich habe den Vergleich zwischen einem jungen „fertigen” Díaz für 75 Millionen Euro und einem alten „fertigen” Díaz für ebenfalls 75 Millionen Euro gezogen.
Aber übersetzt auf Dein Problem: Wenn der junge fertige Díaz die vollen acht Jahre spielt, hast Du im Vergleich zum Kauf zweier alter fertiger Díazes die Hälfte gespart. Wenn Du den jungen fertigen Díaz nach vier Jahren ablösefrei verlierst und einen alten fertigen Díaz als Ersatz kaufen musst, stehst Du im Vergleich zu dem Szenario mit zwei alten fertigen Díaz hintereinander finanziell zumindest nicht schlechter da.
Das stimmt zwar in der Regel, aber bei meiner Betrachtung habe ich vorausgesetzt, dass der 24-jährige Díaz genauso gut ist wie der real existierende 28-jährige Díaz, der gerade noch bei Liverpool und jetzt bei den Bayern unter Vertrag steht. Die beiden Díazes sollten sich ausschließlich im Alter unterscheiden, aber in sonst nichts.
Die zugrunde liegende Annahme war, dass die Bayern gezielt einen „fertigen” Spieler wie Díaz kaufen wollten. Diese Anforderung hätte logischerweise auch für einen 24-jährigen Spieler gegolten, mithin auch für meinen fiktiven 24-jährigen Díaz.
Ob ein 24-jähriger Spieler, der so gut ist wie der reale 28-jährige Díaz, den die Bayern gerade verpflichtet haben, ein niedrigeres Gehalt bekommen würde, wenn die Bayern ihn an dessen Stelle verpflichtet hätten, können wir gerne diskutieren. Ich sage: eher nicht.
Es ist wahrscheinlich sogar umgekehrt. Stell Dir vor, jemand wäre mit 24 schon so gut wie der reale 28-jährige Díaz, den die Bayern gerade verpflichtet haben. Würde ein solcher Spieler bei einem Wechsel zu den Bayern nicht wohl ein noch höheres Gehalt fordern können (und auch bekommen)? 24 Jahre und schon so gut? Was da nicht noch alles kommen mag! Es scheint mir also zumindest nicht unwahrscheinlich.
Indeed. Siehe oben. Den Fall habe ich gerade schon angesprochen.
Du darfst getrost davon ausgehen, dass sich die Fachexperten des FC Bayern viel, also VIEL mehr Gedanken machen, Daten wälzen und Entscheidungen durchrechnen, als wir uns das hier auch nur im Entferntesten vorstellen können, und dass die Tiefe und der Detailgrad meiner Analysen bei Weitem nicht an die der Experten des FC Bayern heranreichen.
Es ist ganz sicher nicht so, dass sie 100 Millionen Euro hier und 70 Millionen Euro dort einfach mal aus einer Laune heraus auf den Kopf hauen würden, etwa weil ein Harry Kane so eine tolle Frisur hat.
Gleichzeitig ist es sicher auch so, dass die Meinung von Fachexperten und deren Input nur einen kleinen Teil der Entscheidungsprozesse beim FC Bayern ausmachen. Es gibt dort sehr viele Stimmen, die mitreden wollen, und sehr viele Stakeholder, deren Wünsche befriedigt werden sollen. Nicht alle von ihnen und ihre Wünsche sind durchgängig analytisch und rational. Entscheidungen sind Kompromissentscheidungen und manchmal kommt der Oberboss und überschreibt alles.
Auch dürfen wir uns den Transfermarkt und die Entscheidung über zu verpflichtende Spieler nicht als stabile Entscheidungsumwelten vorstellen. Für uns ist das ja einfach. Wir nehmen einen Díaz und können uns tagelang anhand von Statistiken und taktischen Überlegungen haarklein gegenseitig auseinandersetzen, ob und zu welchem Preis er zur Mannschaft passen würde, welche Spieler für ihn gehen und welche noch kommen müssten, damit er am besten funktioniert. Dann wird irgendwann die neue Wunsch-XI gepostet und über die Verantwortlichen geschimpft, weil sie zu dumm sind, auf den richtigen Positionen einzukaufen, dabei ist die Sache doch eigentlich offensichtlich.
Aber das in der Realität sind die Entscheidungsumwelten „Transfermarkt” und „Kaderplanung” hochgradig volatil, schnelllebig und vor allem ständig vielfach bedingt. Eines Tages ergibt sich unversehens eine Gelegenheit für einen Spielerkauf, doch zwei Tage später unterschreibt der Spieler schon bei Real Madrid. Spieler X aus dem eigenen Team will eigentlich wechseln, aber drei Wochen später entscheidet er sich doch noch dagegen. In einer längeren Verhandlung mit dem Agenten eines Spielers verkündet der Agent, der natürlich nicht dumm ist und parallel auch noch mit zwei anderen Vereinen verhandelt hat, plötzlich, dass er mit einem dieser anderen Vereine einen Durchbruch erzielt hat und sein Spieler dort unterschreiben wird. Ein Spieler zieht seine mündliche Zusage, auf die hin man die Verhandlungen mit einem weiteren Spieler abgebrochen hat, plötzlich doch noch zurück. Nach dem Wechsel seines Beraters fordert ein Spieler plötzlich fünf Millionen Euro Gehalt mehr, was für panische Neuberechnungen in der Finanzabteilung sorgt. Eigentlich sucht man einen neuen Mittelstürmer eines gewissen Niveaus, weil der im Gefüge des Trainers am dringendsten fehlt, aber alle acht theoretisch interessanten Kandidaten sind ausgerechnet in diesem Transfersommer schon vergeben, nicht interessiert oder langfristig gebunden. Also schwenkt man auf einen neuen Linksaußen um, weil dort gerade ein interessanter Kandidat frei wird. Ein neuer Linksaußen ist eine gute B-Lösung für die angedachte Verstärkung im Sturm. Für den neuen Linksaußen muss man aber rechts im DM umplanen, weil der Trainer seine Taktik mit dem Linksaußen von 4-2-3-1 auf 4-3-3 umstellen muss und der alte DM nicht mehr ins Anforderungsprofil passt. Damit startet eine hektische Suche nach einem neuen DM. Außerdem sieht der Zehner, der als Achter gerade noch gut genug war, plötzlich nicht mehr so ganz passend aus. Da müsste man jetzt eigentlich auch noch etwas machen. Wie viel Geld haben wir denn noch? Müssen wir Gehaltsbudget freimachen? Der Linksaußen und der DM sind schon ziemlich teuer. Wenn wir jetzt auch noch Zehner X kaufen wollen, müssen wir vorher Großverdiener Y abgeben. Wenn wir Y nicht loswerden, müssen wir uns mit Zehner Z begnügen. Wir müssen jetzt also mit zwei Zehnern parallel verhandeln, und das unter hochgradig bedingten Voraussetzungen (werden wir den Großverdiener überhaupt los? Was ist mit dem DM? Kommt der? Oder können wir dessen Budget anderweitig verplanen?). Dazu kommt das ständige Risiko, dass sich X oder Z oder beide nicht länger hinhalten lassen wollen oder zu einem anderen Verein wechseln, sodass selbst, wenn wir Y rechtzeitig loswerden, nicht sicher ist, dass wir auch nur einen von beiden bekommen.
Ursprünglich wollte man einen neuen Stürmer kaufen, doch am Ende verhandelt man jetzt mit zwei neuen Zehnern und will einen Großverdiener abgeben. Der Transfermarkt hat noch drei Wochen geöffnet. Die Verfügbarkeiten aller Spieler sowie die Launen ihrer Agenten sind hochgradig volatil.
Das ist die Realität auf dem Transfermarkt und nicht das, was wir uns hier in Ruhe und in extrem kleinen Ausschnittbetrachtungen und unter weiträumiger Reduktion der Einflussvariablen isoliert überlegen – und das inkludiert selbstverständlich auch meine oberflächlichen oder nicht oberflächlichen Berechnungen.
Ach, @Alex.
Wie schon so oft, so glaube ich auch hier, dass Du Dich unterschätzt und die FCB-Autoritäten überschätzt. Aber da werden wir uns wohl nie einigen.
Eben - Du sagst es!
Bei etlichen Transfers der letzten Jahre (die Spieler-Namen hier alle aufzuzählen, erspare ich uns; wir kennen sie alle) wirkte die Entscheidungsfindung letztlich alles andere als rational, sondern war spontan und emotional „aus dem Bauch heraus“, und es wurde unverantwortlich viel Geld verbrannt.
Die vermutlichen Gründe dafür hast Du im zweiten Zitat oben selber genannt.
Als nur ein Beispiel unter vielen sage ich nur: Buena Sarr!
Beim Gehalt des 24 Jährigen kommt es mMn sehr darauf an, von welchen Verein er kommt. Wenn er auch von Liverpool käme, dann würde er sicherlich das gleiche oder vielleicht sogar mehr verdienen als der mit 28, aber bei Diaz kann man ja dein Modell fast 1:1 in die Realität übertragen. Diaz kam von Porto im Winter 21/22, also wechselt er nach 3,5 Jahren jetzt zu uns. Was für ein Gehalt hätte er von Bayern damals bekommen? Ich glaube nicht mehr als 10 Mio. (bei Liverpool soll er ja deutlich weniger bekommen). Und wie viel besser ist er während der 3,5 Jahre bei Liverpool geworden? Ich glaube nicht, dass er noch viel besser geworden ist. Vielleicht hat er sich noch 0,5 - 1 Jahre verbessert (an die Premier League angepasst).
Und auch wenn ich mir unsere Transfer ansehe, dann waren mit Hernandez (Atletico), Sane (City), de Ligt (Juventus) die teuersten Gehälter immer von TOP-Klubs.
Hätte man z.B vor 2 Jahren einen Zubimendi gekauft, dann hätte er sicherlich auch keine 15 Mio. gehalt bekommen, aber wenn man ihn in zwei Jahren von Arsenal kaufen würde, dann glaube ich wird er mehr Gehalt bekommen, obwohl er vor 2 Jahren schon genauso gut war.
Oder wenn er vor 3 Jahren zu Arsenal gewechselt wäre und er nach einer Saison zu uns wechseln sollte, dann würde er auch mehr bekommen als wenn er zum gleichen Zeitpunkt (vor 2 Jahren) aus Spanien gekommen wäre.
Man kann während des Transfermarkt-Fenster wie auf einem Bazar rumsuchen und feilschen oder man kann lang vorbereitete Deals versuchen zu finalisieren. Beides ist Teil des Geschäfts. Ich bin weiterhin der Meinung, dass die wirklichen guten Deals tendenziell eben jene sind, die sehr gut vorbereitet wurden (hast Du das sehr interessante Kicher-Interview mit einem Sportdirektor gelesen? @vati hatte es gepostet. Das gibt einen guten Einblick). Natürlich können sich manchmal auch spontan interessante Möglichkeiten ergeben. Trotzdem schlägt langfristig gute Planung die Suche nach Oportunitäten.
Zum Gegensatz 24-jähriger Luis Diaz vs 28-jähriger Luis Diaz: der 24-jährige ist in der Prime seiner Karriere. Die will er sicher nicht auf der Bank verbringen. Wenn es nicht läuft orientiert der sich tendenziell um. Insgesamt ist mir die Diskussion aber ehrlich gesagt echt zu theoretisch. Natürlich kann auch ein 24-jähriger Diaz ein schlechter Deal sein. Für Liverpool war er es aber sicher nicht. Rechne doch einfach mal seine Liverpool-Zeit durch und vergleiche sie mit seinem neuen Bayern-Deal. Dann kannst Du dir das ganze Theoretisieren sparen.
Was mich vor allem bewegt - was will Diaz eigentlich beim FC Bayern? Der spielt in der PL, ist (vermutlich) mit seinem Gehalt unzufrieden und wechselt nun in die Bundesliga, die ja nicht gerade dafür bekannt ist, kolumbianischen Spielern ein super sportliches Leben zu ermöglichen. Ok, ein Wechsel nach Spanien war wohl nicht möglich, da außer Real keiner die Ablöse zahlen kann/will. Aber innerhalb der PL? PSG? Gala? ITA? Mir kann doch keiner weiß machen, dass er wg. dem schönen Wetter, den schönen Frauen oder dem tollen Leben nach München wechselt. Also entweder wir sind total auf dem Holzweg und verpflichten einen Spieler, den wir als einziger Verein von Format in der Kategorie Superstar sehen (was dafür sprechen würde, warum Liverpool ihm nicht mehr Gehalt zahlt) oder ist einfach überzeugt von den sportlichen Aussichten, die ihn in München erwarten. Aber ok, ich hab seinerzeit auch nicht verstanden, warum ein Ribery zu uns wechselt und das war jetzt nicht der schlechteste Transfer, den wir getätigt haben.
Ich hoffe ja, er schlägt ein wie eine Bombe. Aber im Grunde bin ich bei diesem Transfer leicht pessimistisch.
Er redet ja nicht von den Autoritäten, sondern den Analysten und Experten, die „gesichtslos“ 24/7 am rattern sind. Ihr tut ja gerade so, als wäre der FC Bayern ein Dorfverein und die Spieler würden über Mund zu Mund Propaganda bekannt.
Da gibt es zu jedem Spieler vermutlich ne fette Akte und stundenlanges Videomaterial.
PSG benötigt keinen Linksaußen und die setzen momentan ja eher auf junge Spieler.
In Italien kann den keiner bezahlen.
Galatasaray hat ja bereits einen neuen Linksaußen verpflichtet
innerhalb der PL: Liverpool hat eher wenig Interesse, Diaz an einen direkten Konkurrenten abzugeben. Außerdem haben die evtl. in Frage kommenden Clubs (ManCity, Chelsea, Arsenal) auf der Position keinen Bedarf (mehr) und/oder invenstieren so viel Geld eher in jüngere Spieler.
Was mich vor allem bewegt - was will Diaz eigentlich beim FC Bayern? Der spielt in der PL, ist (vermutlich) mit seinem Gehalt unzufrieden und wechselt nun in die Bundesliga, die ja nicht gerade dafür bekannt ist, kolumbianischen Spielern ein super sportliches Leben zu ermöglichen. Ok, ein Wechsel nach Spanien war wohl nicht möglich, da außer Real keiner die Ablöse zahlen kann/will. Aber innerhalb der PL? PSG? Gala? ITA?
Ich versteh den Punkt 0. Was soll er schon bei uns wollen? Titel gewinnen und gutes Geld verdienen vermutlich. Genau das, was Profisportler eben wollen. Innerhalb der PL könnten ihm neben Liverpool höchstens noch City und Chelsea ähnlich attraktive sportliche und finanzielle Perspektiven bieten-und die ersaufen in Offensivspielern. PSG hat auch keinen Bedarf nach einem Flügel. Die Welt, in der Gala eine echte Alternative zum FCB ist, muss noch erfunden werden. Auch in Italien gibt es keinen Verein, der attraktiver ist als der FCB.
was dafür sprechen würde, warum Liverpool ihm nicht mehr Gehalt zahlt
Liverpool gibt doch ohnehin schon Geld aus wie blöd. Wo sollen die denn darüber hinaus noch eine Gehaltserhöhung für Diaz hernehmen?
Aber ok, ich hab seinerzeit auch nicht verstanden, warum ein Ribery zu uns wechselt
Das Argument ist ja völlig beliebig. Was will Musiala hier? Kompany? Robben? Beckenbauer? Werden ja alle auch andere Angebote gehabt haben…
Bitte nicht immer diese Übertreibungen.
Ich weiß nicht, wen Du mit „ihr“ meinst, aber ich für meinen Teil habe den FCB selbstverständlich noch nie auch nur im Entferntesten für einen „Dorfverein“ gehalten.
Dass es beim FCB zu jedem Spieler eine fette Akte und stundenlanges Videomaterial gibt, bezweifle ich auch nicht im Geringsten.
Der springende Punkt, den @Alex selber ja auch in seinem zweiten Zitat in meinem letzten Post eingeräumt hat, ist doch, dass TROTZ all dieser hochqualifizierten BWL- und Fußballexperten mit riesigem Equipment in den letzten Jahren doch erschreckend viele Fehleinkäufe bzw. ziemlich realitätsferne Beurteilungen von einzelnen Spielern und diversen Trainern MÖGLICH waren.
Gerade WEIL der FCB doch sicher ein großes Team hochprofessioneller „@Alexe“ beschäftigt und über die beste Scouting-Abteilung der BL verfügen soll, ist es doch erstaunlich, dass in den letzten paar Jahren etliche eklatante Fehleinschätzungen z.B. bei Spielerverpflichtungen vorgekommen sind - von den diversen Trainerwechseln mal ganz zu schweigen -, die den Verein richtig viel Geld gekostet haben.
Vermutlich sind, wie ja auch @Alex betont, die FCB-Analysten im Hintergrund extrem fleißig und kompetent, haben aber letztlich nicht wirklich viel Entscheidungskompetenz, weil es mächtigere Leute im Verein gibt, die sich über die Analysen der Experten in Einzelfällen mitunter hinwegsetzen.
Hier auf MSR sind in diesem Zusammenhang schon etliche Namen von fragwürdigen Transfers und fragwürdigen - weil zu teuren und langfristigen - Vertragsmodalitäten durchdiskutiert worden. Es würde den Rahmen sprengen, wenn ich diese Namen hier alle noch mal aufzählen würde.
Nehmen wir als nur ein Beispiel unter mehreren den schon von mir erwähnten Buena Sarr.
Was nützt dem FCB ein hochprofessionelles Team von Analysten und in der Scouting-Abteilung, wenn dann am Ende ein so teurer und völlig überflüssiger (der Mann hatte in den Jahren beim FCB kaum Einsatzminuten, ließ sich aber auch nicht verkaufen) Vertrag wie bei Sarr herauskommt? Wer in dem ganzen Autoritäten-Geflecht des FCB hat solch einen krassen Fehleinkauf zu verantworten?