Klopps holpriger Start und die Spieler des FC Bayern: Die wichtigsten Erkenntnisse nach dem Debüt

Natürlich ist das die interessantere Frage, aber es wird wenig bringen, die ehemaligen Klubmannschaften von Klopp als Vergleich heranzuziehen. Man sollte auch nicht vergessen, dass er ein paar Jahre raus aus dem Geschäft war. Ich hoffe schon sehr, dass er in seinem Blick auf Fußball nicht stehengeblieben ist, die letzten Jahre hat sich nämlich einiges bewegt. Deswegen finde ich es schwierig, überhaupt ein Urteil zu fällen, welche Art Spieler Klopp auf bestimmten Positionen bevorzugt.

Daher: bleiben wir doch beim konkreten Beispiel und stellen uns vor, wie das Griechenland-Spiel ausgesehen hätte mit einem vermeintlich passenderen Spieler als Kimmich. Antwort: noch viel übler als eh schon. Wieviel Taktgeber haben wir denn in Deutschland? Kimmich, Pavlo. Ich halte ja viel von Mika Baur, aber der ist ja nochmal physisch schwächer als Kimmich und beginnt erst grade auf diesem Niveau zu spielen.

Natürlich wäre Deutschland mit einem anderen Sechser wahrscheinlich nicht kreativer oder offensiv gefährlicher gewesen. Aber vielleicht hätte ein anderer Spielertyp in manchen Situationen auch einfach die unspektakuläre Lösung gewählt und den Ball geklärt oder zurückgespielt, anstatt noch eine spielerische Lösung zu suchen. Genau das meinte Rafelt ja auch bei Gnabry vor dem Gegentor gegen die Niederlande: Nicht jede Situation muss unbedingt spielerisch oder mit einem Dribbling gelöst werden, manchmal reicht eben auch die einfache Lösung.

Und das würde ich erstmal auch ausdrücklich auf die aktuelle Phase unter Klopp beschränken. Die Mannschaft ist noch überhaupt nicht so eingespielt, dass jeder Spieler genau weiß, was der andere in der nächsten Situation macht und wie ein Ballverlust abgesichert wird. Da finde ich es nachvollziehbar, erstmal etwas weniger Risiko einzugehen und die Defensive tatsächlich als dieses „Trampolin und Auffangnetz“ aufzubauen, von dem Klopp gesprochen hat.

Wenn die Mannschaft irgendwann über längere Zeit eingespielt ist und solche Abläufe besser funktionieren, kann man natürlich auch wieder deutlich mehr Risiko zulassen. Spanien unter de la Fuente wäre für mich ein gutes Beispiel dafür. Da kannst du viel mutiger und spielerischer agieren, weil die Abstände, Laufwege und Anschlussaktionen viel besser aufeinander abgestimmt sind und die Mannschaft auch weiß, was nach einem Ballverlust passiert. So etwas kann man bei einer gerade erst entstehenden Nationalmannschaft natürlich nicht einfach voraussetzen.

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Das ist der entscheidende Punkt; und eigentlich ist es noch viel krasser: was wir derzeit sehen, ist nicht „die Mannschaft“, sondern je etwa eine Hälfte des zu erwartenden Teams, aufgefüllt mit Spielern, bei denen man sehen will, ob sie das nötige Niveau überhaupt auf den Platz bringen. Und das auch ohne nennenswerte Zeit zum Einspielen aufeinander.

Insofern ist eure Diskussion hier, so interessant sie per se ist, im Moment wenig zielführend. In den Konstellationen wird man die Spieler aller Voraussicht nach nie wieder spielen sehen.