Also mir ist das ein bisschen zu einfach. Natürlich stehen wir in allen Bereichen als Verein gerade richtig gut da, und das sollten wir uns auch ruhig regelmäßig ins Bewusstsein rufen.
Aber so wie in einem anderen Thread nach einem 7:0 noch darüber diskutiert wird, dass es trotzdem noch Verbesserungspotential gibt, können wir ja auch bei der Kaderplanung überlegen, ob wir am Optimum sind oder nicht. Ich bin mit unseren letzten Transfers sehr zufrieden und will deswegen auch keine Pauschalkritik üben. Aber wenn wir in früheren Jahren bessere Transfers getätigt hätten, hätten wir dieses Jahr (und vor allem die letzten zwei Jahre, in denen es in der CL auch an der Kaderbreite gescheitert ist) einen besseren Kader. Und, noch wichtiger, damit wir in 3 Jahren und 5 Jahren einen Kader haben, der mit Vereinen konkurrieren kann, die deutlich mehr Geld zur Verfügung haben, müssen in Zukunft mehr Transfers sitzen.
In den letzten Jahren hatten wir in zwei Bereichen zu wenig Treffer.
- Internationale U-19 Talente die wir in frühen Jahren für den Campus verpflichten. Hierzu hatte ich in dem Thread mal eine Übersicht gepostet: Rund um die Amateure - #1071 von Bart7
Ist natürlich in dem Alter auch besonders schwer die Entwicklung vorherzusehen und wir haben immerhin mit einigen Spielern Transfergewinne erwirtschaftet. Trotzdem ist mir da seit Musiala zu wenig bei rumgekommen. Nun kann man natürlich nicht alle vier Jahre einen Musiala erwarten, aber schon Spieler die stärker in den Kader drängen. Javier Fernandez hätte das ohne Verletzungspech womöglich geschafft, aber insgesamt ist mir das bei der Menge an Spielern zu wenig.
2. Junge Spieler (U-23) für den Profikader, die sich von Rotationsspielern zu Stammspielern entwickeln sollen.
In den sechs Jahren zwischen den wirklich tollen Transfers von Davies und Bischof hatten wir da Michaël Cuisance (20, 8 Mio.), Fiete Arp (19, 3 Mio.), Tiago Dantas (19, Leihe), Tanguy Nianzou (18, ablfr.), Marc Roca (23, 9 Mio.), Omar Richards (23, 8,5 Mio.), Ryan Gravenberch (20, 18,5 Mio.), Mathys Tel (17, 20 Mio.), Bryan Zaragoza (22, 17 Mio.), Sacha Boey (23, 30 Mio.).
Bei einigen haben wir Geld verloren, mit anderen haben wir noch guten Profit gemacht, aber das ist nicht mein Punkt. Der Punkt ist, dass wir Spieler finden müssen, die noch keine 50 Mio. kosten, sich aber zu potentiellen Stammspielern entwickeln und unseren Kader nachhaltig verstärken. Dafür unterhalten wir ja auch ein großes Scouting-Team. Um Tom Bischof zu “entdecken” bräuchte es das nicht…
Nun ist aber die Frage, woran hat es gelegen? Bei Nianzou können wir immenses Verletzungspech gelten lassen, Gravenberch ist sicherlich ein sehr guter Spieler, auch wenn es bei uns damals nicht geklappt hat. Aber warum haben wir sonst niemanden verpflichten können, der sich durchsetzt?
Liegt es daran, dass das Scoutingteam die falschen Spieler in die Vorauswahl genommen hat, sprich hochtalentierte Spieler als zu schwach eingeschätzt und umgekehrt durchschnittliche Spieler wie Cuisance oder Zaragoza überbewertet hat? Dann war es vielleicht gar nicht so falsch von Nils Schmadtke, für die beklagte hohe Fluktuation im Scouting-Team zu sorgen und diejenigen Scouts zu ersetzen, die für frühere Flops mitverantwortlich waren. Aber das erklärt nicht, warum es nicht mehr Verpflichtungen von talentierten Spielern gibt.
Oder gab es eine gute Vorauswahl an Talenten, aus denen die sportliche Führung die falschen Spieler ausgewählt hat? Oder hat sie gar eigene Präferenzen oder die der Trainer (Tiago Dantas) über die Ratschläge der Scouting-Abteilung gestellt? Vielleicht sind wir da ja jetzt besser aufgestellt. Die ersten Verpflichtungen unter Freund (Boey und Zaragoza) sprechen da nicht unbedingt für, das kolportierte Interesse an Doue schon eher. Bei Boey hatte man durch die ungeschickte Leihe von Stanisic und die späte Verpflichtung auch besondere Umstände, aber eigentlich gibt es dafür ja Short Lists auf jeder Position, sodass man nicht spontan Rechtsverteidiger bei transfermarkt.de abklappern muss. Und warum gibt es nicht mehr Transfers von jungen Spielern? Wurde dafür nicht Freund schließlich geholt?
Vielleicht liefern die Scouts auch gute Vorschläge, die Freund und Eberl verpflichten wollen, aber beide werden von Aufsichtsrat/Dreesen/Hoeneß ausgebremst mit engen Budget-Vorhaben? Bei der Doue-Geschichte wurde das so erzählt (auch wenn sich der Spieler am Ende womöglich trotzdem für PSG entschieden hätte), diesen Sommer hieß es auch, dass nach Brown und Saibari erstmal verkauft werden müsste. Ich fände die Idee eines Sonderbudgets dahingehend gar nicht mal schlecht. 50 Mio. sind möglicherweise zu hoch. Aber die Investitionen in junge Spieler gezielt auszuweiten mit einem eigenen frühzeitig festgelegten Budget das losgelöst ist von den kostspieligen Verstärkungen fände ich wichtig. Diese müssten dann evaluiert werden und aus Fehlern gegebenenfalls Konsequenzen gezogen werden.