Ich muss hier etwas ausholen. Sonst wird das nichts.
Mit dem Ende des Sponsorings durch Qatar Airways hat der FC Bayern ein Kapitel geschlossen. Präsident Hainer sprach von einem „einvernehmlichen Abschluss“, und auch Vorstandschef Jan-Christian Dreesen betonte die saubere Trennung. Katar ist also erledigt.
Doch so einfach ist es nicht.
Denn während die Bayern nun ohne Katar auf der Brust spielen, landen täglich vollbesetzte Maschinen aus München, Frankfurt oder Düsseldorf in Dubai und Abu Dhabi. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind in Deutschland längst akzeptiert – ja, fast beliebt. Sonne, Luxus, Steuerfreiheit. Eine glänzende Alternative zu unseren grauen Wintern und komplizierten Gesetzen.
Viele Deutsche arbeiten dort – Ingenieure, Banker, Unternehmer. Emirates gilt als die bessere Lufthansa: günstiger, freundlicher, zuverlässiger. Und kaum jemand fragt, unter welchen Bedingungen das alles funktioniert.
Frau Götze sagte einmal dort sei die Gleichberechtigung weiter als bei uns, schließlich gebe es in Männer-WCs Wickeltische. Diese Anekdote bringt das Problem gut auf den Punkt. Wir sehen, was wir sehen wollen.
Die moralische Entrüstung über Katar war groß, weil es nah an unserem Verein, an unserem Herzen war. Weil wir es auf den Trikots gesehen haben.
Aber unsere wirtschaftliche Abhängigkeit von denselben Strukturen – von Öl, Gas, Kapital aus der Golfregion – ist geblieben. Russland ist politisch verbrannt, also brauchen wir neue Partner. Und wenn sie nur weit genug weg sind, fällt das Schweigen leichter.
Dass unsere Wirtschaft schwächelt, liegt auch an den hohen Energiekosten hierzulande. Gleichzeitig kaufen wir Energie, Investitionen und Flugtickets aus Staaten, deren Werte mit den unseren kaum etwas zu tun haben. Das ist bequem, aber nicht ehrlich.
Ich sehe darum das gesamte Engagement der Golfstaaten kritisch. Aber der FC Bayern ist nicht mal die Spitze des Eisbergs. Das Problem ist viel größer. Es am FC Bayern festzumachen ist darum für mich fraglich. Fangen wir doch lieber bei uns selbst an.