"Genug solide Argumente für Vielfalt": 1. und 2. Bundesliga fehlt es an Diversität

Veröffentlicht unter: Bundesliga viel zu männlich: Bericht deckt Missstände auf

Der Jahresbericht von „FUSSBALL KANN MEHR“ zeigt abermals auf, wie wenig divers der deutsche Profifußball in der 1. und 2. Bundesliga aufgestellt ist. Die 36 Proficlubs der Bundesligen sind in Deutschland im Schnitt weiterhin wenig divers aufgestellt. Nur sechs von 100 Positionen im Topmanagement sind mit einer Frau besetzt. Diese verteilen sich auf lediglich vier Clubs. 32 Fußballclubs in den höchsten deutschen Spielklassen haben also keine Frau auf der höchsten Führungsebene. Das hat „FUSSBALL KANN MEHR“ (FKM) in einem Jahresbericht zur Diversität der Führungsgremien im deutschen Profifußball herausgefunden. Unter Mitwirkung des Sportwissenschaftlers Matthias Dombrowski wurde ausgewertet, wer die Clubs strategisch…

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Diese Woche hagelts wieder MSR-Blogs, die zeigen, wie wichtig und unerläßlich MiaSanRot ist - dieser Diversity-Bericht, von @justin vorgestellt, ist eines dieser Leuchtturm-Beispiele. Ich (be)wundere die Zurückhaltung in Deiner Wiedergabe der Inhalte - eine „Reise in die Steinzeit“ wäre kein minder passender Titel für den Blog gewesen (zumindest was unsern geliebten FCB betrifft).

Blockzitat @justin
Die 36 Proficlubs der Bundesligen sind in Deutschland im Schnitt weiterhin wenig divers aufgestellt. Nur sechs von 100 Positionen im Topmanagement sind mit einer Frau besetzt. Diese verteilen sich auf lediglich vier Clubs. 32 Fußballclubs in den höchsten deutschen Spielklassen haben also keine Frau auf der höchsten Führungsebene.

Ich arbeite mich grade durch den Bericht - hoffe, daß das Verbreiten von Inhalten nicht irgendwelchen copyrights widerspricht:
Wichtig zum Beispiel finde ich die Gesamtübersicht der vier untersuchten Geschäftsfelder aller 36 Clubs in Liga eins und zwei:


Anmerkungen zum Verständnis:

  • Die höchste hauptamtliche operative Führungsebene der Clubs, die für den Profifußball verantwortlich ist (z.B. AG: Vorstand, GmbH: Geschäftsführung)
  • In vielen Fällen sind Aufsichtsrat und Kontrollgremium identisch, ist der Aufsichtsrat das Kontrollgremium.
  • Direct Reports ist die Handlungsebene unterhalb des Top-Managements:
    Die Führungsebene unmittelbar unter dem Top-Management, die direkt an dieses berichtet (etwa Direktorinnen, Bereichsleiterinnen)

In nackten Zahlen:

  • Im Bereich des Top-Managements gibt es genau vier von 36 Clubs, in denen überhaupt eine Frau im Top-Management vertreten ist: Schalke, Pauli, Heidenheim und der SV Werder. Im Top-Management der 36 Clubs arbeiten 94 Männer und 6 Frauen - das ist ein Frauen-Anteil von sechs Prozent. Ohne den FC St. Pauli, der drei von sieben Vorstandsposten mit Frauen besetzt hat, wären es nur drei Frauen - und sänke der Frauenanteil auf drei Prozent. Demgegenüber ist Fritze Merzens GroKop ein feministischer Haufen - allerdings nicht, wenns um Wirtschaftsgipfel im Kanzleramt geht: da stapelt Fritze Merz tief mit einer Frauenquote von NULL Prozent.
  • Null Prozent Frauenquote ist in den Bundesligen u.a. Chefsache - der Branchenprimus FC Bayern geht mir gutem Beispiel voran: Beim FC Bayern sind im Top-Management null von drei Frauen. Im Aufsichtsrat (der gleichzeitig das Kontrollgremium ist) null von neun Frauen. Lediglich in der zweiten Leitungsebene (Direct Reports) hat der FC Bayern es inzwischen auf drei von vierzehn Leitungsposten (21 Prozent) geschafft, die mit Frauen besetzt sind.
  • So sieht die Diversitätsverteilung in allen Führungsebenen gemittelt aus

    ZehnKommaDreiDrei Prozent Frauenanteil, das unterbietet im Bundestag nur eine gewisse blaue Partei um sagenhafte NullKommaEins Prozent (Frauenanteil in der AFD-Fraktion 10,2 Prozent).

Aussagekräftige und spannende Interviews mit drei Frauen, die zu den 10 Prozent Ausnahmen gehören:

  • Hanna Obersteller ist Vizepräsidentin im fünfköpfigen Präsidium des FC St. Pauli, das zusammen mit der Geschäftsleitung die Geschäfte des Vereins führt. Seit 2020 arbeitet sie als freie Beraterin und systemische Coachin, zuvor war sie als Finanzvorständin in Deutschland und Schweden tätig. Sie bringt große Erfahrungen in der Prozessund Organisationsgestaltung mit. Hanna Obersteller ist Mutter von zwei Töchtern und hat lange Handball für St. Pauli gespielt. (Seite 32/33)
  • Silke Seidel (Borussia Dortmund), Immobilien- und Projektmanagerin, seit 2015 Mitglied im Aufsichtsrat von Borussia Dortmund, seit 2022 Mitglied im Prüfungsausschuss und von der Mitgliederversammlung im gleichen Jahr zur Vizepräsidentin des e.V. gewählt. Seit November 2024 ist sie Aufsichtsratsvorsitzende. Silke Seidel ist gebürtige Dortmunderin. Sie leitet den Immobilienbereich DSW21 der Dortmunder Stadtwerke. (Seite 39-41)
  • Julia Martin (FC Kaiserslautern) leitet seit 2018 den Personalbereich des 1. FC Kaiserslautern. Sie arbeitet seit 2011 für den Club, der seit der Saison 22/23 wieder in der 2. Bundesliga spielt. (Seite 48/49)

Aus dem abschließenden Interview mit Dr. Wiebke Ankersen, Vorsitzende der AllBright-Stiftung und Katja Kraus, Mitinitiatorin von FKM - Fußball kann mehr, welche die Studie erstellt und herausgibt - einige Sätze, die sich auch auf unsere gesellschaftliche Situation abseits des Fußballs übertragen lassen:

Blockzitat
Bei Zitaten wie Mark Zuckerbergs „We need more masculine energy“ - wie sortiert ihr für euch, wo Aufklärung und Einordnung helfen und wen man vorbeiziehen lassen muss?
WIEBKE ANKERSEN: Unkommentiert vorbeiziehen?
Ja, vorbeiziehen im Sinne von: Diese Person erreiche ich nicht mehr mit meiner Argumentation.
WIEBKE ANKERSEN: Ich glaube, es lohnt sich immer zu argumentieren. Wenn du die eine Person nicht erreichst, erreichst du andere, die dieser Person zuhören. Argumentieren, und zwar mit Zahlen, Daten, Fakten – so kann man gegen Emotionen durchdringen.
Katja, wie ist deine Einschätzung?
KATJA KRAUS: Ich sorge mich, welche Effekte diese Repatriarchalisierung haben wird, die jetzt vorgelebt und als Ausdruck von Stärke missverstanden wird. Überall dort, wo keine Überzeugung für das Thema besteht, werden sie womöglich genutzt, um Entwicklungen zurückzudrehen. Diejenigen, die überzeugt sind, müssen jetzt wehrhaft bleiben und lauter sein. Auch mit Argumenten, von denen wir glaubten, sie seien inzwischen nicht mehr notwendig.
Also trotzdem weiter argumentieren?
KATJA KRAUS: Ja, aber es ist aufwändig, weil wir ja alle der Meinung sind, dass wir es schon so oft erzählt haben. Aber wir müssen uns weiter wiederholen. Gerade jetzt macht es noch mal mehr Sinn, Zusammenhänge immer wieder zu thematisieren und aufzuzeigen, wie groß die Bedrohung durch diese Rückwärtsbewegung ist.
Welche Dynamik beobachtest du noch?
KATJA KRAUS: Was mir Sorge macht, ist, dass neue Gräben entstehen und dass wir Gräben weiter vertiefen. Ich glaube, das wird der entscheidende Rückschritt sein, wenn wir nicht versuchen, wirklich anders mit diesen Dynamiken umzugehen. Ich habe eine grundsätzlich andere Vorstellung vom Miteinander, Dinge auszuhandeln, miteinander zu entwickeln.

Blockzitat
Was passiert genau, wenn Krisendruck und öffentlicher Druck konkurrieren? Im AllBright-Bericht schreibt Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender von Daimler Truck: „Wer nachhaltig erfolgreich sein will, muss fähig sein, sich schnell auf multikausale Veränderungen einzustellen. Mit einer nicht-diversen Mitarbeiterstruktur kann das kaum gelingen.“ Das klingt nach einer Lösung.
WIEBKE ANKERSEN: Ja, da hat er recht. Aber es sind nicht alle CEOs oder nicht alle Aufsichtsratsvorsitzenden, die ja verantwortlich sind für die Vorstandsbesetzung, von diesen Zusammenhängen so überzeugt wie er. Sie kommen eher nur auf öffentlichen Druck hin zu Entscheidungen für Frauen, und wenn der Krisendruck dann größer erscheint als der öffentliche Druck, kickt der Bias rein, es muss schnell gehen und man besetzt wieder mit einem Mann – gleichen Alters, gleicher Herkunft, mit vergleichbarer Laufbahn.
KATJA KRAUS: Es ist wie im Fußball, in der Krise werden noch häufig die alten Recken eingestellt, die solche Situationen schon häufig erlebt haben. (…)
Brauchen wir noch mehr Männer, die sich klar positionieren?
KATJA KRAUS: Ja, wir versuchen immer, die Männer, die überzeugt sind, dazu zu bringen, das lauter zu sagen und für sich zu nutzen. In unserer Branche ist es so, dass es ein paar sehr prägende Figuren gibt und dass selbst diejenigen, die Veränderung für notwendig halten, leise sind, weil der dominierende Ton ein anderer ist.

Was mich natürlich zum nächsten Thema bringt…

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Was tun wir Fans eigentlich, um da was dran zu ändern?

Wir hatten vor Wochen schon mal für ein paar Tage den Gedanken, Bianca Rech innen Vorstand zu fordern. @Faenger kam sofort zu Hilfe mit
„Es muß passieren. JETZT!!!“

Ich frag aber mal ganz ernsthaft: Was können wir als Bayern-Blog-Forum tun, um da konkret zu werden, konkrete Schritte zu unternehmen?
Immer nur Artikel auf Insta liken, is jetz nich wirklich ne revolutionäre Maßnahme. Ich würd mich über Stellungnahmen v.a. aus der Redaktion freuen - aber auch über jeden, der konkrete Vorschläge zum Thema hat.

Aber null Prozent Frauenanteil in Vorstand, Aufsichtsrat und Top-Management - das war schon 1970 zuwenig. Und da waren Frauen im Fußball noch generell verboten in DFB-Landen. Und wir sind ein halbes Jahrhundert weiter - und haben null Prozent Fortschritt erzielt in diesem Punkt. Blamabel reicht da nicht aus - blamabel wären zehn oder fünfzehn Prozent. Null Prozent is wordless - ohne Worte!

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die JHV wäre sicher schon mal ein Ort, den man für einen flammenden Appell nutzen könnte - man könnte im Vorfeld auch einen Antrage formulieren

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Letz do it - now.
Findich!
PS: Ich brauch da Leute aus m Inner Circle - als Bremer Zaungast tauge ich nicht. Aber bei allen Vorbereitungen im Vorfeld bin ich dabei!

ich bin selber kein Mitglied mehe - mit dem eskalierenden Hype ab Pep war für mich die Grenze erreicht und ich bin ausgetreten - aber du kannst bestimmt ein paar begeistern :raised_fist:t2:

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Bisher ist das Feedback eher knapp über dem absoluten Nullpunkt - mit (d)einer löblichen Ausnahme! :black_heart::raised_fist:

na du musst vielleicht etwas konkreter werden und etwas Geduld haben :wink:

Liegt sicher daran das dies ein Thema ist was kaum jemanden interessiert. Es ist in der Wirtschaft wie beim Leistungssport, die am besten geeigneten Menschen für die betreffenden Tätigkeiten sollen es machen. Diversitätsquoten dürfen da keine Rolle spielen, sondern nur die Leistung.

Kurz zum Verständnis: Du denkst also, dass die klare Verteilung pro Männern in Führungspositionen daraus resultiert, dass Männer einfach geeigneter für Führungspositionen sind? Dass sie kompetenter sind? Dass sie bessere Leistung erbringen? Dass Frauen im Gegenzug einfach in der Regel nicht so geeignet sind und es deshalb eine sehr deutliche und klare Verteilung pro Männer in Führungspositionen gibt?

Und in unserer aktuellen Welt wird nach Leistung entschieden? Oder könnte es etwa doch eine Rolle spielen, wie Netzwerke aufgebaut sind, welche Strukturen es gibt und welche Rollenbilder existieren? Dass es gar nicht so wichtig ist, wer die am besten geeignete Besetzung ist, sondern eher, wer einem persönlich am ehesten passt. Und dass das für Männer eben überdurchschnittlich oft Männer sind, an die sie die Posten weitergeben.

Aber klar, all die Forschungen, die zu dem Thema in den vergangenen Jahren gemacht wurden, all die Recherchen, die dazu betrieben wurden, alles Unsinn. Männer leisten einfach mehr als Frauen. Facts.

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Hach. Manchmal isset einfach ein Genuß, wenn man nich alles selber machen muß.
Danke @justin :heart_eyes:!

EDIT:\ Aber wo ich dich grad an der Strippe hab, @justin:
Wie sieht das aus mit @folkfriends Idee, Antrag auf der JHV? WIe findste das? WIe wärs Bianca Rech mal anzuschreiben und sie nach ihrer Meinung zu fragen?

Als Nicht-Mitglied und Journalist bin ich da die falsche Adresse, aber ich stehe dir nicht im Weg, wenn du hier versuchst, Leute zusammenzutrommeln.

Ich denke, das wäre ziemlich aussichtslos. Sie wird einen Teufel tun und nach oben treten :wink:

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Danke. Als Nicht-Mitglied bin ich selber nicht antragsberechtigt. Aber davon jibbet ja genuch Leute hier. Auch unter den Üblichen Verdächtigen…

Bianca Rech - meine Frage zielte nicht in Richtung „selbst kandidieren“ oder „selbst vorpreschen“, sondern eher: Ob sie bereit wäre, einen Platz im Vorstand einzunehmen. Oder ob ihr das eigentlich gegen den Strich ginge…

Ich finde einen anonymen Antrag auf mehr Diversity viel unverfänglicher als den konkreten Vorschlag für eine bestimmte Person. Anders gesagt: Einfach nur mehr Frauen verlangen in der Führungsspitze, wird sicher von jedem allgemein befürwortet - einfach, weil es sich gut in der Zeitung ließt als unverbindliche Absichtserklärung. Solange das Ganze als Appell und nicht als bindende Verpflichtung beschlossen würde, isset das Antragspapier nicht wert mbMn.

Wie siehst Du das?

PS: Wieso darf der Journalist @justin nicht eine persönliche Meinung in Verbindung zu einem Antrag haben? Gibt es so etwas wie den Ruf einer überparteilichen Unbeteiligtheit zu wahren? Müsstest Du Restriktionen und berufliche Nachteile befürchten, wenn Du Dich in der Frage äußerst? Nur interessenhalber. Das mit dem Nicht-Mitglied verstehe ich. Das mit dem Journalisten weniger.

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Ich denke einfach, dass sich Bianca Rech da nicht positionieren wird. Auch nicht anonym. Da sehe ich keinen Anlass zu. Wenn es jetzt eine PK gäbe mit ihr, auf der man mal nachhaken könnte, wie sie zu dem Bericht steht, könnte man das sicherlich tun, aber mehr sehe ich da nicht.

Darf er. Aber ich muss halt schauen, dass ich nicht befangen bin bei dem, über das ich berichte. Eine Positionierung in einem Antrag oder eine Unterstützung desselbigen führt zu Konflikten. Egal wie ausgewogen und fundiert ich mich in einer journalistischen Auseinandersetzung mit dem Thema verhalte, ich mache mich in dem Moment angreifbar, in dem ich öffentlich Partei beziehe. Das wäre mit einer aktiven Unterstützung eines solchen Antrags gegeben.

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Verstehe ich. Aus genau diesem Grunde bin ich auf den Bau gegangen - und nicht Journalist geworden.

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