Fußball-Kultur: Wie der FC St. Pauli den Fußball neu denkt – und was der FC Bayern lernen kann

Ist das heute noch so? Ich kenne nur vier junge Frauen, erlebe aber drei davon als zielorientiert und tatkräftig. Natürlich ist das nur meine Bubble.

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Puh, ist das nicht etwas überholt? Und wann war es überhaupt mal so, dass das nur Mädchen getroffen hat? Anekdotische Evidenz des Gegenteils: Sowohl wir drei Jungs (in den 70er/80er Jahren) als auch meine Jungs bekommen/bekamen diese Sätze (in leichten Abwandlungen) sehr oft zu hören. Ich denke, das liegt also eher (oder mindestens: genauso) in der Persönlichkeit und den daraus resultierenden Präferenzen der Eltern begründet als am Geschlecht des Nachwuchses.

Und selbst wenn es in der Tendenz und “im Allgemeinen” stimmt: Ob das für Protagonistinnen des Frauenfußballs “im besonderen” zutrifft, dass sie so erzogen wurden, wage ich sehr zu bezweifeln.

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Sicherlich gibt es individuelle Unterschiede in Erziehung und Sozialisation, aber im Allgemeinen denke ich schon, dass es immer noch so ist, dass Männern/Jungen u.a. ein größeres Selbstbewusstsein und ein raumnehmenderes Verhalten anerzogen wird. Ein Beispiel mit dem ich kürzlich mehrmals konfrontiert war, ist das Verhalten in Bewerbungsgesprächen, wo Männer mit einem großen Selbstverständnis bluffen wo es um Qualifikationen und Anforderungen geht, während Frauen sich das in dem Ausmaß eher nicht zutrauen und dementsprechend dann auch schlechter dastehen, obwohl sie mindestens die gleichen Qualifikationen haben. Das habe ich übrigens aus Gesprächen mit Frauen mitgenommen, die nach außen schon als sehr “zielorientiert und tatkräftig” wirken, das heißt aber nicht, dass sie nicht solchen Geschlechtsunterschieden in ihrer Sozialisation ausgesetzt sind und mit ihnen heute noch zu tun haben. Eine andere Sache ist das Verhalten in männerdominierten Räumen, wo sich eine männliche Mehrheit dann gegenseitig ihrer Position vergewissert und abweichende Meinungen oder Verhaltensweisen abwertet. Das kann natürlich auch eine männliche Position treffen, und umgekehrt gibt es auch Frauen, die männliche Verhaltensweisen annehmen, weil sie dadurch besser an- und nach oben kommen. Aber ich glaube es wäre dennoch falsch, heutige gesellschaftliche Strukturen deswegen als geschlechtsneutral zu begreifen.
Und gerade Fußball und Wirtschaftseliten sind in dem Sinn eben stark männlich dominiert, deswegen stellt sich schon für mich die Frage, wie eine Autonomie des Frauenfußballs realisiert werden könnte, die mehr ist als in einem von Männern vorgegebenen Rahmen ein bisschen Frauenrepräsentation darzustellen.

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Oh du hast so recht. Ein Beispiel: wir alle sind dazu erzogen, dass wir Männern mehr zutrauen als Frauen. Deswegen Schnappatmung, sobald jemand einen Marvelfilm mit einer weiblichen Hauptrolle drehen will. Es ist erwiesen, dass wenn Literaturkritiker oder auch -kritikerinnen ein Manuskript von einem Mann eingeschickt bekommen, sie erstmal davon ausgehen, dass das gut sein könnte. Bei Frauen sind sie erstmal skeptisch.

Selbst CSU-Politikerinnen, die bekanntlich des Feminismus eher unverdächtig sind, erzählen, dass sobald sie in einer Vorstandssitzung etwas sagten, die Männer begannen, sich untereinander zu unterhalten. Und ich glaube, Tabea Kemme könnte da auch eine Bayern-Erfahrung einbringen…

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