FC Bayern im Vergleich mit Europas Topklubs: Zu anfällig bei Standardsituationen?

Veröffentlicht unter: FC Bayern: Zu anfällig bei Standardsituationen?

Der FC Bayern München lässt in dieser Saison viele Chancen nach Standardsituationen zu. Vor allem Freistöße aus dem Halbfeld machen dem FCB zu schaffen. Es lief die 62. Minute im Duell zwischen dem FC Bayern München und Leipzig im DFB-Pokal. Spielstand: 0:0. David Raum hatte gerade einen Freistoß aus dem Halbraum in den Strafraum des FCB getreten. KEINEN ARTIKEL MEHR VERPASSEN – JETZT UNSEREN WHATSAPP-KANAL ABONNIEREN! Plötzlich klatschte der Ball an die Latte von Manuel Neuer und von dort auf den Boden. Neuer wäre chancenlos gewesen, kam aber schnell genug wieder hoch um den Ball zu fangen. Er eröffnete flach…

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Wyscout + @justin = :kiss_woman_man:t3:

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Einerseits interessant, dass die statistischen Daten durchaus in die Richtung gehen, die gefühlte Wahrheit zu bestätigen; andererseits scheinen mir aber die ausgewerteten Zahlen schlicht zu klein, um eindeutige Folgerungen zu ermöglichen - hat Justin ja auch selbst so im Artikel eingeräumt.

Was mich aber im Zusammenhang mit den Halbfeld-Freistößen immer umtreibt, ist die Frage, ob es denn wirklich die beste Taktik ist, als verteidigende Mannschaft auf eine relativ hohe Abseitslinie zu setzen. Aktuell wird bei diesen Freistößen praktisch immer möglichst weit vom Tor weg eine Abseitslinie errichtet, die gegnerischen Stürmer gehen erstmal einen Meter ins Abseits und pendeln dann kurz vor Ausführung ein wenig um die virtuelle Linie herum, sodass im Idealfall einer, der nicht im Abseits war, völlig frei stehend abschließen kann - und durch den Anlauf auch beim Kopfball genügend Wucht erzielen kann.
Was wäre im Vergleich, wenn man so tut als gäbs kein Abseits und sich stumpf je ein Verteidiger auf einen Angreifer konzentriert und verhindert, dass der ungestört köpfen kann (also so, wie es beim Eckball eigentlich sein sollte) !? Wäre das nicht im Mittel erfolgversprechender ? Gibt’s dazu Statistiken (vermutlich nicht, weil es keiner so spielt) ?

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Was halt statistisch nicht einfließt, ist die gefühlte Gefahr. Natürlich schade, dass ich keine Videos nutzen darf, aber nach Ansicht aller Ecken und Freistöße gegen Bayern in dieser Saison im Schnelldurchlauf und Ansicht einer Auswahl bei anderen Klubs finde ich es schon bemerkenswert, wie oft es brennt. Auch wenn es mal nicht zum Abschluss kommt.

Ich würde mir auch mal etwas mehr taktische Spielerei beim Verteidigen wünschen. Es ist schwer gegen den Lauf zu verteidigen, vielleicht macht es wirklich Sinn einfach mal was unkonventionelles zu probieren. Man muss dann aber natürlich aufpassen, dass der Gegner keine freien Spieler hat, die er kurz anspielen kann. Wenn der Gegner sich selbst so positioniert, musst du ja auch selbst da hin.

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Mir vemittelt das auch immer ein komisches Gefühl. Alles ballt sich auf einer Linie, davor ein riesiger freier Raum.

So wurde das ja Jahrzehnte traditionell gehandhabt, eben wie bei einer Ecke. Irgendwann vor x Jahren ist man auf die Idee gekommen, das anders zu machen.
Wäre tatsächlich interessant, wenn es da statistisches Vergleichsmaterial zu beiden Varianten geben würde.

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Kann hier nur mal aus Trainersicht sprechen und auch aus Spielersicht. Bei einer hohen Abwehrkette bei einem Freistoß aus dem Halbfeld ist es für den Stürmer meistens schwieriger den Ball ordentlich zu kontrolieren und einen dementsprechend sauberen Abschluss zu erzeugen wohingegend eine Tiefstehende Abwehrreihe bedeutet das es teilweise reichen kann den Ball mit dem Kopf leicht zu berühren und somit eine Richtungsänderung zu erzeugen die für den Torwart kaum mehr zu erreichen ist.

Zudem war es eine Zeitlang so das die Torhüter auch aktiver am Spiel teilgenommen haben und dann teilweise auf höhe des Elfmeterpunktes oder der 5m Linie auf die Flanke gewartet haben um Sie dann problemlos runterzupflücken.

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Interessanter Artikel, vielen Dank, @justin. Aber ist der Befund, dass die Bayern im Konkurrenzvergleich relativ viele Standards und Abschlüsse aus Standards zulassen, praktisch überhaupt von Bedeutung?

Du schreibst:

Mit 0,09 Expected Goals against aus Standardsituationen pro 90 Minuten haben die Bayern laut Streamlit (Opta-Daten) den geringsten Wert in der Bundesliga. […]

0,09 xGa/90 – das ist ja praktisch von Null kaum zu unterscheiden.

Ja, weil dieser Wert, wie du im Artikel gelesen hast, nur Bundesliga ist. In CL und Pokal wird er viel, viel höher sein (siehe Auflistung der gefährlichen Freistöße allein. Zwei- oder dreimal CL dabei, zweimal Pokal), da gibt es aber nirgends Daten zu. Außerdem habe ich jeden einzelnen Standard der Saison angesehen und es brennt überproportional oft. Nicht jede dieser Situationen hat einen hohen xG-Wert. Das liegt aber nicht daran, dass Bayern gekonnt verteidigen würde. Da fehlen manchmal Millimeter. Bayern hatte schon ziemlich oft sehr viel Glück. Unbefriedigend, dass das mit den Daten, die wir haben, nicht messbar ist, aber ich traue meinen Augen in Kombination mit dem, was wir haben. Ich halte das Verteidigen von Standards für ein Problem.

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Du nennst ja auch die Werte der großen europäischen Konkurrenten der Bayern und sagst, dass nur Arsenal mit 0,09 und Real Madrid mit 0,08 xGa/90 auf einem ähnlichen Niveau wie die Bayern seien, während der Rest mehr qualitätsgewichtete Chancen zulässt.

Wenn die Bayern trotz des großen Unterstützers „glücklicher Zufall”, die Du in den Szenen der Bayern beobachtest, fast die besten xGa-Werte nach Standards aller großen europäischen Mannschaften haben, ist diese hohe von Dir beobachtete Zufallsbedingtheit vielleicht eine inhärente Eigenschaft des Fußballs in solchen Situationen, die sich auch mit noch so viel gutem Training nicht ändern lässt? Würde sich vielleicht durch mehr Training lediglich das Erscheinungsbild der Zufallsfehler ändern, nicht aber die Tatsache beheben lassen, dass sie immer wieder vorkommen?

Es wäre interessant zu wissen, ob die anderen Mannschaften mit ähnlich guten Werten wie die Bayern bei der Verteidigung ihrer Gegen-Standards in den Genuss eines ähnlich hohen Anteils glücklichen Zufalls kommen wie die Bayern.

Wenn das nicht der Fall ist, wäre interessant zu wissen, auf wie viele zusätzlichen Gegentore im Vergleich zum Ist-Zustand die Bayern sich einstellen können, wenn sie weiter so viele und so gute Chancen aus Standards zulassen wie bisher, aber ihre Glückssträhne endet.

Selbst wenn alle Bedingungen erfüllt sind und sich diese Zahl ausrechnen lässt, stellt sich dann immer noch die Frage, ob es sinnvoll ist, die zusätzliche Trainingszeit, die es bräuchte, um diese Zahl auf ihr praktisch erreichbares Minimum zu reduzieren, woanders, wo sie möglicherweise auch wertvolle Dienste leistet, abzuknapsen und in diese Sache zu investieren.

Alex, da kommen wir mal wieder nicht zusammen. Du kannst dich in den Unweiten des Internets gern auf die Suche nach Zahlen begeben. Fakt ist: Ich habe ALLE Standardsituationen gegen Bayern gesehen. Teilweise doppelt, dreifach, vierfach und habe daraus einen Eindruck gewonnen, der durch einige Werte bestätigt wird. Den musst du natürlich nicht teilen. Aber sich jetzt an dem einen Wert aufzuhängen, der nahezu komplett irrelevant ist und den ich nur erwähnt habe, um zu erklären, warum der nichts sagt, ist schwierig. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende. Viel mehr habe ich eh nicht beizutragen.

Justin, ich glaube Dir ja, dass die Bayern bei ihren Gegen-Standards in dieser Saison sehr viel Glück hatten. Ich zweifle weder an Deiner Wahrnehmungsfähigkeit noch an Deinem Urteilsvermögen. Ich sage doch nur, dass dieser starke Zufallseinfluss ein generelles Merkmal des Fußballs beim Verteidigen von Standards sein kann und nicht aufgrund irgendwelcher glücklichen Umstände in einer positiven Weise auf die Bayern beschränkt sein muss. Das wäre meine Vermutung. Schau Dir doch mal zum Vergleich die Standard-Gegen-Chancen von Arsenal und Real an. Haben die weniger Glück als die Bayern?

Im Übrigen soll ja das Konstrukt xG/xGa gerade den Aspekt des Zufalls bei der Torerzielung über mehrere Ausführungen hinweg nivellieren. Wenn zwei Mannschaften für eine Menge von 20 Spielen ungefähr gleiche xGa-Werte haben, ist es möglich, aber nicht super wahrscheinlich, dass die eine von ihnen in diesen Fällen 20 Spielen sehr viel mehr oder weniger Glück hatte als die andere.

Gibt es auch Gegen-Standards, bei denen die Bayern Pech hatten? Also beispielsweise Tore, die normalerweise nicht gefallen wären, aber bei denen blindes Pech dazu geführt hat, dass der Ball irgendwie doch ins Tor ging?

Ich habe neulich sehr viel Zeit damit verbracht, mir sämtliche Standards anzusehen, die ich finden konnte. Bei Bayern sind wir längst über den Punkt Glück oder Pech hinaus. Ich gehe sogar so weit, dass sie etwas ändern müssen. Standards sind sicher nicht das allerwichtigste im Fußball, aber gerade in K.-o.-Spielen sehr wichtig. Ich beobachte auch immer mehr Mannschaften, die gegen Bayern bewusst Halbfeldfreistöße provozieren wollen, weil sie wissen, dass da etwas zu holen ist.

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Aus dem 11 Freunde Newsletter von heute:

“Dortmunds Eckengeheimnis

Früher war der Fünfmeterraum für Torhüter eine Art Schutzraum. Sicherer als jeder Luftschutzbunker. Schon bei der kleinsten Berührung des Gegners pfiffen Schiedsrichter die Situation ab. Inzwischen ist die Regel aufgeweicht. Der FC Arsenal hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht. Bei Eckbällen steht ein gutes Dutzend Spieler auf den Schlappen des gegnerischen Torwartes. Und der? Kann sich strecken und rempeln, wie er will: Oft hat er keine Chance, seine Griffel an den heransegelnden Ball zu bekommen. Als „Meister der dunklen Künste“ wird Mikel Arteta wegen seiner diabolischen Methoden bezeichnet. Niko Kovač hat sich in den vergangenen Wochen als Trittbrettfahrer zu erkennen gegeben. Denn auch der BVB hat bei eigenen Standards diebische Freude daran gefunden, den Keeper des Gegners zu blocken, ihn zu knechten und sich so die unscharfe Regelauslegung gekonnt zunutze zu machen. Gleich dreimal erzielten die Dortmunder am Freitag gegen Mainz auf dieselbe Weise ein Tor: Punktgenau kamen die Flanken von Julian Ryerson, und Torwart Daniel Batz wurde von den BVB-Angreifern derart festgenagelt, sodass der jeweilige Abnehmer (2x Serhou Guirassy, 1x Ramy Bensebaini) nur noch einschieben musste. Schon gegen Heidenheim und Bremen waren den Borussen Treffer nach diesem Baukastenprinzip gelungen. Sogar der eigene Keeper, Gregor Kobel, bringt Mitleid für seine Berufsgenossen auf. Er findet „die Blocks krass, die du im Moment stellen kannst. Nur aus Torwart-Sicht, aber das juckt natürlich niemanden, denn die Torwart-Community ist sehr klein. Aber es ist brutal.“ In England wird bereits über eine Regelanpassung diskutiert. Über Samthandschuhe für Torhüter. Die Debatte dürfte bald auch in der Bundesliga ankommen.

Ist natürlich eher eine allgemeine Abhandlung der Thematik während der Artikel es im Falle der Bayern analysiert.

Aber das eigentlich krasse (und wurde natürlich auch schon in weiteren Artikeln analysiert und in der Kurve rauf und runter diskutiert, keine Frage) ist eben schon dass man völlig neue Zeiten (siehe eben auch das Schizo BVB Spiel) hat beim Thema Standards allgemein…

Eigentlich dürfte das im Sinne jedes Ligaverantwortlichen sein. Mit dem Momentanen blocken des Torwarts ist fast jeder Eckball eine Großchance für die Angreifende Mannschaft. Mehr Tore bedeutet mehr Attraktivität und im Umkehrschluss auch einen besseren TV Vertrag :smiley:

Den Schutz des Torhüters im 5m Raum gibt es ja eigentlich schon seit der Saison 2012/2013 nicht mehr.

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Ja, immer wieder interessant wie lange es dann danach dauert bis die Auswirkungen von sowas so richtig durchschlagen!

Erinnert mich auch ein wenig an das Bosman Urteil wo wir im Grunde erst nach Jahrzehnten so richtig die vollen Auswirkungen sehen…

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Passender Vergleich.

Ich habe jetzt auch nochmal versucht herauszufinden wann die Schiedsrichter nochmal explizit daran erinnert worden das dieser Schutz eben nicht mehr existiert habe aber es aber leider nicht mehr gefunden das muss aber 2020 oder 2021 gewesen sein.