Veröffentlicht unter: FC Bayern: Wird der Ballon d'Or zum Bühl-Problem?
Bei der Wahl zum Ballon D’Or erreicht Klara Bühl den zwölften Platz. Warum das zum Problem für den FC Bayern werden könnte. 37 Pflichtspiele für den FC Bayern und die deutsche Nationalmannschaft, 10 Tore, 23 Vorlagen, Einzug ins Halbfinale der Women’s Champions League, drei nationale Titel mit dem Klub, Finalistin in der UEFA Nations League: Die letzte Spielzeit von Klara Bühl war überragend. Neben den gewohnt sehr guten individuellen Statistiken konnte die 25-Jährige nun auch international mit ihren Teams für Furore sorgen. Sophie Proost im exklusiven Interview: Warum sie von Klara Bühl schwärmt Und in der aktuellen Spielzeit macht die…
Sehr gute Analyse, vielen Dank.
Ergänzend: es könnte ja durchaus auch sein, dass Spielerinnen neben Geld auch Wahrnehmung wollen, Wertschätzung, Rampenlicht. Und das haben sie in Deutschland mangels Begeisterung für Frauenfußball eben kaum. Ich glaube nicht, dass eine Spielerin nicht mitbekommt, was an Kommentaren im Netz steht, u.a. auf dem Facebook-Account der Bayern-Frauen. Im Ausland stellt man Spielerinnen nach vorne, man sehe sich nur die Berichterstattung in England an, in den USA war Caitlin Clark bei Saturday Night Live, Paige Bueckers bei Jimmy Fallon. Und die WSL verleiht Awards, große Bühne, chic machen, und Preise mitnehmen, nicht zuschauen, wie Barcelona alle gewinnt. Aber dafür braucht es Begeisterung. Für den Sport, nicht den einzelnen Verein.
Die ganze Veranstaltung war im Frauenbereich eine Farce und offensichtlich nur dazu geeignet, Spielerinnen wie Bühl, Kett oder Schröder zu sagen: wenn du diesen Preis willst, komm zu Barca. Ich begreife nicht, warum sich Chelsea, Bayern, Lyon und die US-Teams sich sowas bieten lassen! Warum warten Frauen immer darauf, dass Männer ihnen mal netterweise einen Preis verleihen (Regie-Oscar wäre ein Stichwort)? Männer würden in einer solchen Situation einfach einen eigenen Preis ins Leben rufen. Ich bewundere sie für diese Tatkraft.
Die deutschen Klubs haben sich nun mal entschieden, dass Frauenfußball sich für die Öffentlichkeit gut macht und vielleicht die paar Fußballfans anspricht, die ein moderneres Weltbild als die Herren Basler oder Lehmann haben. Das war’s dann aber auch. Geld kosten soll das alles nicht, am besten die Frauenabteilung finanziert sich selbst (Ansagen in Frankfurt und Wolfsburg, weswegen deren Transferaktivitäten vor allem aus Verkaufen bestehen).
Und mit öffentlicher Werbung ist das so eine Sache: das würde bei denen helfen, die da abstimmen, würde aber so viele Bayern-Fans und -Mitglieder verärgern, da verstehe ich, dass das nicht gemacht wird.
Vorweg: ich finde es sehr gut, dass ihr so professionell, fachkundig und umfassend über den Frauenfußball berichtet. Natürlich gewinnt dieser auch immer mehr Fans und an Bedeutung.
Allerdings lese und höre ich bei euch immer häufiger Kritik am Club heraus, er würde den Frauenfußball nicht genug unterstützen. Ob es nun darum geht, ob man ihn mit Gewinnen aus anderen Bereichen (z.B. dem Männerbereich) alimentieren soll, oder nun darum, ob nicht mehr mediale Werbung für den Ballon d’Or gemacht werden sollte.
Zunächst einmal: es waren insgesamt 10 Nominierungen für den B d’Or mit Bezug zu Bayern gewesen. Bis auf die Nominierung von Kane hat man sich öffentlich zu keiner anderen geäußert. Nicht zu Olise, nicht zu Diaz, nicht zu Upamecano, nicht zu Karl. Es ist also keine Respektlosigkeit gegenüber dem Frauenfußball, sondern schlicht die Realität: Kane war der einzige mit echten Siegchancen.
Zweitens: Barca, ein Verein der insgesamt finanziell auf sehr wackeligen Füßen steht und bei dem die Legalität des Handelns nicht immer belegt ist, alimentiert seine Frauenabteilung auf unanständige Art und Weise und erkauft sich den Erfolg. Wer das als Role Model ausruft, sollte auch die Saudi Pro League oder das Gebaren von PSG zu Zeiten von Messi, Neymar und Mbappe feiern.
Die Bayern haben die klare Vorstellung, dass sich jede Sparte im Verein selbst tragen soll. So z.B. auch die Basketballer. Diese Strategie ist nicht alternativlos, aber sie ist konservativ, finanziell sicher und moralisch gefestigt.
Auch wenn wir uns für die Frauen dieselben Erfolge wünschen in der CL, wie für die Männer, sollten wir auch Respekt vor der Entscheidung der Vereinsführung haben. Die FCB-Frauen entwickeln sich ständig weiter. Das CL-Halbfinale ist ein klarer Beleg dafür. Wir sollten die Geduld für gesundes Wachstum mitbringen.
Ist das so? Ich erinnere mich dass Barca vor eineinhalb Jahren Spielerinnen veräußern musste um den Gegenwert von 4 Wochen Lewandowsky-Gehalt zu bezahlen. Auch die aktuelle Ballon d’Or Gewinnerin wäre mutmaßlich noch in Barcelona wenn es dort finanziell anders aussähe.
Habe ich das völlig falsch mitbekommen?
Nein. Barca Feminin ist heute mit einem Umsatz von ca. 20 Mio und einem Kaderbudget von ca. 15 profitabel, allerdings wurde die Frauensparte zwischen 2015 und 2018 mit massiven Quersubventionen von mehreren Millionen aus dem Boden gestampft und der Wettbewerb dadurch massiv verzerrt. Zim Vergleich: Real und Atleti arbeiten mit Budgets, die nicht einmal halb so hoch sind und die restlichen Vereine der Liga F haben teilweise Budgets von 1-2 Mio. Dem gegenüber stehen die Bayern, die aktuell mit rein organischem Wachstum ein Budget von 6-7 Mio stemmen, dass sich in den letzten Jahren verdoppelt hat, weiter wächst und Top 10 in Europa ist.
Die fc Bayern Frauen haben eine Stammspielerin wegen der fehlenden Investitionen verloren und werden mindestens eine weitere im nächsten Sommer verlieren und damit um 5 Jahre zurückgeworfen, auch was den Status als Club im Frauenfußball angeht.
Man muss Dinge subventionieren auch beim Thema Beine oder man wird nie so interessant sein, damit sich das selbst trägt.
Da kann man noch so viel auf konservative Entscheidungen im Verein verweisen.
In England steigen die Ausgaben weiterhin schneller als die Ausgaben
Also entweder man ist bereit dazu oder nicht,
aber dann gibt man den Frauenfußball als Spitzenteam zu spielen einfach auf.
Und sollte das auch so kommunizieren.
Langsames Wachstum wird in dem aktuellen Markt nicht funktionieren.
Wenn das Management das trotzdem probieren will, schön, aber sie werden sich halt ne blutige Nase holen.
Die Abteilung bräuchte so viel mehr Budget wenn man das Ganze ernst nehmen will, aber man tut es nicht und trotzdem stellen sich die alten Männer hin und reden von in Europa den nächsten Schritt machen.
Das ist wie, wenn die dir n Messer in die Hand drücken und sagen wir erwarten dass du damit Fechtweltmeister wirst.
Da kann derjenige noch so gut sein, es geht einfach nicht.
Bayern zahlt auch jährlich drauf, nur nicht genug um in Europa mithalten zu können
Und jetzt wird hier also ne anschubfinanzierung als was schlechtes dargestellt.
Faszinierend.
Ich finde eher Bayern hätte genau diesen Weg damals gehen müssen
Mit jedem Jahr in dem man ihn nicht geht, wird der Abstand größer und die nötige anschubfinanzierung höher
Doch, das geht. Siehe Männerbereich. Da zahlen die Engländer auch deutlich mehr und Bayern hält trotzdem mit.
Das stimmt so einfach nicht. Es gibt genau drei Teams in Europa, die ein deutlich höheres Budget haben, als die FCB Frauen (ca. das 2,5-fache). Das sind Barca, Arsenal und Chelsea. Der Rest ist allesamt in Schlagdistanz oder hinter Bayern. Auch Teams wie Real, City oder Lyon. Bayern ist Europaweit auf Platz 7 und der Abstand hat sich eher verkleinert als vergrößert.
Ich musste gerade nochmal schauen, woher das Wort Respektlosigkeit kommt und habe den Artikel nach dem Wort “Respekt” durchsucht.
Zwei Treffer. Beide bei deinem Kommentar. Mir scheint da ein großes Missverständnis vorzuliegen – oder mehrere.
Ich würde das schon als konstant bezeichnen und nicht als “immer mehr”, denn wir verstehen unsere Rolle im Journalismus schon so, dass wir Prozesse hinterfragen und ein kritisches Auge auf Entwicklungen haben. Ich finde nicht, dass wir dabei vergessen, herauszuheben, auf welcher Ebene sich diese Kritik bewegt. Im Podcast beispielsweise haben wir mehrfach darauf hingewiesen, wie gut und wichtig es ist, in Steine zu investieren. Aber Steine bringen dir wenig, wenn die Beine, die die Fans zu den Steinen bewegen, bald nicht mehr da sind. Also ja, die Investition ist da, aber sie könnte, dürfte und sollte aus unserer Sicht intensiver sein. Aus ganz vielen unterschiedlichen, mehrfach abgewogenen Perspektiven heraus. Und ich finde es dann auch in Ordnung, Dinge zu kritisieren, die mindestens diskussionswürdig sind. Eine Diskussion kann ja nur mit Perspektivenvielfalt entstehen. Ich finde nicht, dass wir dabei unfair wären oder explizit nur die negativen Aspekte herausheben.
Abseits des Wortes “Respekt”, das ja hier mit keiner Silbe erwähnt wurde, geht es eher darum, was man mit den Nominierungen so alles anstellen kann auf Social Media und als Verein. Für eine Spielerin kann das schon ein klares Signal sein, wie groß die Wertschätzung tatsächlich ist. Bayern macht hier auf sehr vielen Ebenen deutlich weniger als andere Konkurrenten. Bei den Männern machen sie das seit einigen Jahren besser und haben entsprechend auch ein starkes Wachstum hingelegt. In der Frauenabteilung fehlen Personal und die entsprechenden Kompetenzen. Da sind wir wieder beim Thema Investitionen.
Da würde ich nochmal ein bisschen recherchieren. Die Frauenabteilung hatte in den letzten Jahren enorme wirtschaftliche Erfolge zu verbuchen. Sie haben sogar Gewinne machen können. Da wurde gute Arbeit geleistet. Deren Frauenabteilung ist durch sportlichen Erfolg und kluges Marketing an einem Punkt, an dem sie sich ziemlich gut über Wasser halten könnte. Die Situation der Männer bringt sie eher in Gefahr, als dass sie helfen würde. Barça ist ein ziemlich gutes Beispiel dafür, dass konsequentes investieren Erfolg tragen kann. Das ist es nämlich, wie erfolgreiche Investitionen funktionieren: Man gibt zu Beginn viel Geld und Zeit aus, um sich dann später dafür zu belohnen.
Und genau da hat diese Strategie große Haken. Denn “konservativ” und “finanziell sicher” werden oft zu Unrecht gleichgesetzt. Eher könnte man behaupten, dass die Strategie der Bayern finanziell unsicher ist. Denn genau jetzt verpasst man in einem nachweisbaren Wachstumsmarkt die Chance, einzusteigen. Konservatismus gaukelt uns gern vor, dass Abwarten und Tee trinken und bei vermeintlich bewährten Strategien bleiben das Heilmittel ist. Allein beim Klimaschutz sieht man, wohin uns das treiben wird. Ausgaben, die man jetzt tätigen könnte, werden in vielen Jahren ins Unermessliche steigen, weil die Folgen viel viel größer werden. Zum Glück geht es hier nur um Fußball, aber auch hier ist es ziemlich eindeutig: Wer jetzt den Anschluss verpasst, für den wird es in Zukunft teuer, wenn er den Anschluss wiederherstellen will. Im Zweifelsfall wird es bei den Frauen aber so laufen, dass sie in der europäischen Bedeutungslosigkeit versinken und man dann den Hahn zudreht. Und was wird man dann sagen? Tja, ihr habt aus den Investitionen halt nix gemacht. Aber das ist Quatsch. Der FC Bayern, ein derart professionell und kompetent geführter Klub, kriegt es nicht hin, den Frauen eine starke Marketingabteilung hinzustellen. Allein an diesem Punkt lässt sich doch schon wunderbar erläutern, wo die Probleme liegen. Das ist wie das Gießen einer toten Pflanze, sorry. Wenn ich investiere, dann muss ich es auch mit Überzeugung tun. Niemand spricht von Dummheiten oder hohen Risiken. Mit nur einem Heimspiel der Männer kann man Einnahmen generieren, die einen Quantensprung im Frauenfußball bedeuten würden. Um es mal überspitzt zu formulieren. Der FC Bayern hätte kein Risiko, würde er den Etat um 2-5 Millionen Euro erhöhen und mit seinen klugen und richtigen Investitionen in Unterhaching weitermachen. Er hätte dadurch aber Chancen, das Marketing massiv auszubauen. Eine Säule, mit der Hoeneß den FC Bayern einst übrigens aus den Schulden geholt hat: Marketing. Wer kein Geld hat, muss neues erfinden. Man kann aber nicht erwarten, dass eineinhalb Stellen in Marketing, Medienarbeit und Social Media Bäume ausreißen.
Die Logik: Wir haben jetzt ein bisschen was reingebuttert, ihr müsst daraus jetzt ein sich selbst tragendes Konstrukt machen, hängt und hakt auf allen Ebenen. Der Konservatismus stößt dort an seine Grenzen und die Entwicklungen geben den Verantwortlichen nicht recht in ihrem Handeln.
Ich würde sagen: Man kann es hinnehmen und man kann die Gründe dafür herausarbeiten. Aber ich muss das nicht teilen. Respektlos wäre es, die Vereinsführung zu beleidigen. Das tun wir nicht. Wir argumentieren. Auch unsere Argumente muss man nicht teilen, aber dass das nicht respektvoll stattfindet, kann ich beim besten Willen nicht sehen.
Und da kommen wir dann eben nicht zusammen. Geduld für gesundes Wachstum geht nur, wenn man auch wirklich Wachstum bezweckt. Ohne Investitionen in den Kader sind Bühl und Kett sehr bald weg. Tanikawa wird folgen. Die älteren Spielerinnen, die nicht mehr lange dabei sein werden, sind dann auch relativ bald weg. Wie willst du das auffangen? Schon in diesem Sommer hat man doch gesehen, wie man einen Abgang wie Stanway kompensieren will. Das wird dann versucht intern aufzufangen. Und im Zweifelsfall kommt noch eine junge Spielerin.
Der FC Bayern war schon mal an diesem Punkt. Nachdem man Mitte der 2010er Jahre auf einem sehr guten Weg nach oben war, entschied man sich, die nächsten Schritte auszulassen, weil man wollte, dass die Abteilung selbst den Weg nach oben findet. Was passierte? Der Kader fiel auseinander. Jeden Sommer gab es 6-12 Abgänge. Riesige Umbrüche, die gar keinen Rhythmus und kein Wachstum mehr ermöglicht haben. Das, was jetzt gerade beim VfL Wolfsburg passiert, wird auch bald beim FC Bayern passieren. Der einzige Ausweg wäre Investition. Sonst muss man sich damit abfinden, dass letzte Saison der Höhepunkt dieses Teams war und man dann bald wieder von vorn anfängt.
Hallo Justin,
erstmal danke ich dir, dass du die Diskussion aufnimmst. Ohne jetzt auf jeden einzelnen Punkt einzugehen möchte ich folgendes einordnen:
- Es lässt sich nicht bestreiten, dass der FC Barcelona Feminin ohne massive Subventionen zwischen 2015-2018 heute nicht da stehen würde, wo er steht. Eie gesagt, wer das gut findet, muss auch die Saudi Pro League und ManCity gut finden. Ob “konsequentes Investieren in Beine” mmer Erfolg bringt, sollte man bei den Männern in Barcelona nachfragen. Da wurde auch “konsequent investiert”. Status Quo ist bekannt. Das heißt nicht, dass die Bayern es sich nicht leisten können, die Frauenabteilung jedes Jahr mit 20 Mio zu bezuschussen. Fragt sich nur, warum? Nur, weil man es kann? Wo genau ist da eigentlich die sportliche Fairness und der faire Wettbewerb?
- Davon zu sprechen, dass der FCB den Anschluss an die europäische Spitze verliert, ist zumindest fragwürdig. Wenn die Spitze allein aus dem FC Barcelona besteht - ok. Wobei selbst da der relative Abstand nicht unbedingt wächst. Wenn nicht: der FCB ist stand heute auf Platz 7 der europäischen Umsatztabelle. Unter den ersten 6 sind neben Barca und Real (das nur ca. 10% Vorsprung auf Bayern hat) 4 WPL-Teams, die durch den englischen TV-Vertrag völlig andere Möglichkeiten haben. Bayern hat seinen Etat in den letzten Jahren von 3 auf 7 Mio gesteigert und wächst weiter. “Anschluss verlieren” ist da schlichtweg nicht die richtige Formulierung, finde ich.
- Ich habe nie behauptet, dass man den Verein nicht kritisieren darf. Selbstverständlich dürft und sollt ihr das tun. Zugleich solltet ihr es nicht als Majestätsbeleidigung verstehen, wenn in den Kommentaren andere Meinungen vertreten werden.
Ich verstehe diesen Vergleich nicht, denn das sind komplett unterschiedliche Dinge. Der Umkehrschluss von dir wäre: Es ist absolut in Ordnung, dass der Frauenfußball über 80 Jahre lang unterdrückt und kleingehalten, in seiner Entwicklung beschränkt wurde und jetzt dann einzufordern, dass er ohne Subventionen von selbst erblüht und wächst. Woher kommt diese Logik? Woher kommt der Gedanke, dass der Frauenfußball in der Lage wäre, nach all dem Scheiß, den er hinter sich hat, (sorry für das Wort, aber das kann ja keiner gut finden, was da in der Vergangenheit passiert ist) jetzt selbst wieder aufzustehen. Als würde ich dein Jahresgehalt zwischen Alter 20 und 60 auf 2.500 Euro deckeln, einfach weil ich es kann, und dann von dir verlangen, dass du in sieben Jahren so viel verdienst, dass deine Rente richtig schönen Wohlstand im Alter ermöglicht. Natürlich braucht es Subventionen. Aber vereinsinterne Subventionen sind etwas komplett anderes als die Saudi Pro League oder Man City und ich muss nicht das andere gut finden, wenn ich das eine gut finde. Dieses Argument verzerrt doch komplett, auf welcher Ebene wir uns hier bewegen. Das Geld des FC Bayern ist allenfalls in Teilen schmutzig, aber definitiv nicht so schmutzig wie das aus Saudi-Arabien. Und es fließt vereinsintern. Das ist sowas von anders als ein Investorendeal. Der FC Bayern investiert das Geld als Anschub für ein nachhaltiges Ökosystem in der Zukunft. Externe Investoren haben sich im Blick und im Zentrum. Das kann man nicht vergleichen. Hier findet kein Sportswashing statt, sondern Expansion.
Aber wo wir schon bei Deals sind: Der FC Bayern könnte ja auch einfach kreativer werden, was die Marketing und Sponsoringverträge anbelangt. Pakete verkaufen mit Frauen und Männern. Teilhabe und Integration. Wer die große Bühne der Männer betreten will, muss eben einen tragbaren Zusatz mitnehmen, der dann an die Frauen geht. Fürs Image der Unternehmen keine allzu schlechte Sache und ein Push für die Frauen, den man nutzen kann.
Wann hat denn letztmals jemand die Champions League der Männer gewonnen, der nicht viel Geld ausgegeben hat? Und nein, der FC Bayern ist kein Klub, der wenig Geld ausgibt. Es geht nicht darum, planlos mit Geld durch die Gegend zu werfen und ehrlichgesagt finde ich deine Replik dahingehend etwas schade, weil du mir genau das damit unterstellst. Ich nehme mir doch nicht die Zeit für eine lange Antwort, in der steht, was man mit mehr Geld alles tun sollte (Infrastruktur, Kader, Marketing), um dann zu lesen: Ja, aber andere haben ja schon mit viel Geld ordentlich verkackt. Dass man mit Geld klug und weniger klug umgehen kann, steht doch gar nicht zur Debatte. Dass man Geld für Erfolg braucht, ist aber ebenso wenig diskutabel. Das ist eine Grundsatzentscheidung: Entweder bin ich überzeugt von der Zukunft der FC Bayern Frauen, dann muss ich jetzt dafür sorgen, dass die Ausgangslage für die Entwicklung bestmöglich ist. Oder ich bin es nicht, dann muss ich das aber auch ehrlich kommunizieren. Der FC Bayern ist mir zu oft dazwischen und das wird nicht gut enden.
Wo ist denn der faire Wettbewerb bei den Männern? Würdest du sagen, dass die Schere zwischen Bayern und dem Rest Deutschlands nur deshalb auseinandergeht, weil der FC Bayern so viel engagierter und toller arbeitet? Kapitalismus funktioniert nun mal so. Eine vernünftige Lösung für die Schere zwischen Arm und Reich bietet er bei allen Vorzügen, die er hat, nicht an. Und warum man trotzdem investieren sollte? Chancen auf noch mehr Einnahmen in einem Markt, der wachsen wird. Wenn die Überzeugung da ist, und das beteuern die Verantwortlichen öffentlich immer wieder, dann braucht es diese Investitionen jetzt und in den nächsten Jahren. Macht man das nicht, ist der Zug halt abgefahren. Dann sollte man das aber auch offen kommunizieren und den Fans gegenüber fair sein.
Wolfsburg und Lyon waren nicht Teil dieser Liste. Manch anderer Klub auch nicht. Wenn man sieht, was die Klubs vor ihnen umsetzen, dann ist die Lücke jetzt schon riesig. Und das sind eben nur die Umsätze. Investitionen und Umsätze sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Bayern hat den Anschluss in vielen Bereichen finanziell schon verloren. Sportlich sind sie jetzt gerade auf Augenhöhe. Aber der Zustand ist vergänglich, wenn man Spielerinnen wie Bühl, Tanikawa und Kett nicht mehr (lange) halten kann. Du klammerst dich ans Jetzt. Und genau das ist die große Schwäche des Konservatismus.
Ich verstehe es nicht als Majestätsbeleidigung. Das ist ein bisschen wie mit dem Wort “Respektlos”. Du wirfst sowas rein, ohne dass es dafür eine wirkliche Grundlage gibt. Es wäre gut, wenn wir bei dem bleiben, was geschrieben wird.
Nimm es mir nicht übel, aber eine weitere Antwort wird es erstmal nicht geben. Das ist sehr zeitintensiv und die Zeit für eine weitere Replik habe ich jetzt nicht mehr.
So wahr. Es gibt manchmal Zeitpunkte, da springt man auf den Zug auf oder eben nicht. Jetzt wäre so ein Zeitpunkt. Wer in den nächsten zwei Jahren noch eine Spitzenspielerin im Kader haben will, wird richtig investieren müssen, da geht es BK Häcken nicht anders als Bayern München.
Die Gedankengänge deutscher Klubs scheinen zu sein: es will kaum jemand Frauenfußball sehen, also geben wir dafür kein Geld aus. Folge: die besten wechseln ins Ausland, die Folge: es wollen noch weniger Frauenfußball sehen. Die Folge und so weiter.
Ja, vielleicht wird die Saison 26/27 in einigen Jahren als die letzte bekannt sein, in der ein deutsches Frauenfußballteam im Vereinsfußball richtig tolle und hochtalentierte Spielerinnen hatte. Apropos hochtalentiert: spätestens nach gestern muss man Sophie Proost in die Abgangsliste um Bühl, Kett, Tanikawa und Alara aufnehmen, die Chelseas und ManCitys dieser Welt schauen diese Spiele auch.
Niemand wollte vor ein paar Jahren Basketball der Frauen in den USA sehen, heute hat das All-Star-Game der WNBA höhere Einschaltquoten als das der Männer. Natürlich hatten sie das Glück, Caitlin Clark zu haben. Vor allem aber hatten sie den Willen, Frauenbasketball groß zu machen. Den Willen und eine Strategie. Als Liga, als Sport, nicht als einzelne Klubs.
Um das ganzheitliche Bild abzuschließen, ist nun auch für die Frauen die Punkteverteilung beim Ballon d’Or bekannt.
Die für uns interessantesten Auszüge:
#1 Putellas - 618 Punkte
#2 Pajor - 532 P
#3 Shaw - 344 P
#4 Dumornay - 342 P
#5 Guijarro - 221 P
# 6 Hansen - 220 P
#7 Harder - 220 P
…
#10 Chawinga - 113 P
#11 Hasegawa - 89 P
#12 Bühl - 89 P
…
#23 Tanikawa - 8 P
…
