[England, Premier League] Rund um die Liga (Teil 2)

Ich bin da sehr gespannt, weil ich beides wahrscheinlich finde: dass der (sport)politisch stark verdrahtete Großclub sich qua seines Einflusses in ein eher mildes Strafmaß rettet, vielleicht ja auch belegt, dass er wirklich nicht unrechtes getan hat…noch behaupten sie das ja.

Gleichzeitig stimme ich, ohne die Stimmung in UK gerade selbst zu erleben, zu: Hier steht die ganze PL auf der Matte: Die Traditionsvereine, die dem Treiben von City über Jahre ausgeleifert waren und letztlich um Titel betrogen wurden. Millionen Hardcore Fans von Liverppol bis Arsenal - vom Lokalrivalen ganz zu schweigen.

Könnte natürlich sein, dass etliche von denen ähnliche Vergehen begangen haben und dann nur froh sind, wenn der Scheinwerfer nicht auf sie fällt und das alles früher oder später eher vergessen wird.

Da ist was wahres dran. Natürlich hat City wahrscheinlich sogar mit Abstand den größten Betrug begangen, aber jetzt so tun als hätten alle anderen weiße Westen finde ich auch dumm. Wir wissen es natürlich nicht, aber bei City wissen wir es ja auch nur durch Football Leaks. Man würde es also auch bei anderen Vereinen wahrscheinlich nicht ohne mindestens Mal halblegale Beweisbeschaffung beweisen können.

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Die anderen sind aber nicht angeklagt. Es wird hier ein krasser Betrugsfall verhandelt. Was andere tun oder nicht tun hat doch in diesem Fall keine Relevanz.

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Für das Urteil gegen ManCity wird es zurecht keine Relevanz haben.
Aber es gibt ja auch eine öffentliche Diskussion über die moralische Bewertung des ganzen Komplexes. Und wenn Liverpool, Arsenal oder Manchester United dann zu den betrogenen Traditionsvereinen erklärt werden, denen man die ihnen geraubten Meistertitel zurückgeben müsste, dann kommen sie mir dabei viel zu gut weg. Nicht nur wegen des unbestätigten Verdachts, dass auch andere Vereine bilanziell mit legalen wie illegalen Mitteln tricksen, sondern mehr noch wegen der Frage, wie eigentlich die Finanzregulierungen der Premier League entstanden sind und welchem Zweck sie dienen, bzw. welche Effekte sie produzieren.
Ich halte dieses Premier League System für eine völlige Farce, das zu absurden Verhaltensweisen führt und weit davon entfernt ist Stabilität oder Gerechtigkeit herzustellen. Es sichert in erster Linie die traditionell reichsten Klubs ab. Das macht Citys Betrug nicht ehrbahrer, aber es mindert meine Empathie für deren Konkurrenz.

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es sollte natürlich nicht! Unmittelbar schon gleich gar nicht. Aber eventuell mittelbar: Die Stimmung im Land, der Druck, den die anderen Vereine ausüben. All das könnte schon durch ein, “naja, mal lieber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen” beeinflusst werden - und damit auch die Sicht der PL und der letztlich entscheidenden Gremien.

Ich bin überzeugt, dass hier grundsätzlich keine Waisenkinder am Werke sind. Der Aufstieg von City war aber nur möglich aufgrund von Verfehlungen zu denen andere Klubs gar nicht in der Lage sind. Natürlich wird mit Bildrechten und anderen Dingen versucht die Ausgaben auszugliedern. Aber in der Art wie es City gemacht hat, ist das anderen Besitzern gar nicht möglich. Die haben keinen Staat und staatliche Unternehmen die über Sponsoring Geld in den Klub schleusen können. Da gab es schon Wege die in der PL ziemlich exklusiv City zur Verfügung standen.

In einem Punkt bin ich bei dir, im Ergebnis sehe ich es trotzdem anders.

Dass Finanzregeln, die sich an den Einnahmen orientieren, die wirtschaftlich stärksten Klubs begünstigen, liegt auf der Hand. Als die Premier League im November 2025 ihr neues System beschlossen hat, lag auch ein Vorschlag auf dem Tisch, die Kaderkosten aller Vereine an das Fünffache der zentralen Einnahmen des Tabellenletzten zu koppeln. Diese Obergrenze wurde abgelehnt. Wer dazu noch Project Big Picture und die Super League im Hinterkopf hat, wird Liverpool, United oder Arsenal kaum für selbstlose Hüter eines fairen Wettbewerbs halten.

Eine Farce ist das System deshalb aber noch lange nicht. Die Finanzregeln entstanden schließlich nicht grundlos. Man denke nur an Portsmouth, das 2010 als erster Premier-League-Klub in die Insolvenzverwaltung musste, und an zahlreiche andere Vereine, die ihre wirtschaftliche Zukunft durch übermäßige Ausgaben gefährdeten.

Die Premier League hat ihr Regelwerk inzwischen erheblich weiterentwickelt. Seit dieser Saison gilt grundsätzlich eine Kaderkostengrenze von 85 Prozent der relevanten Einnahmen einschließlich des Nettoergebnisses aus Spielertransfers. Hinzu kommen begrenzte zusätzliche Ausgabenspielräume sowie Kontrollen der Liquidität, Verschuldung und finanziellen Stabilität. Verstöße können finanzielle Sanktionen und Punktabzüge nach sich ziehen. Gerade die neuen Stabilitätsprüfungen zeigen doch, dass es um wesentlich mehr geht als darum, die etablierten Großklubs vor Konkurrenz zu schützen.

Natürlich kann man darüber diskutieren, ob diese Regeln weit genug gehen und ob sie kleineren Vereinen ausreichend Möglichkeiten bieten, sportlich aufzuschließen. Aber welchen besseren Maßstab für wirtschaftlich nachhaltiges Handeln gibt es denn als die eigenen Einnahmen?

Vor allem vermischst du bei deiner Empathie-Rechnung zwei unterschiedliche Fragen. Ob Liverpool oder Arsenal besonders sympathische Opfer sind, ist das eine. Ob sie durch Regelverstöße benachteiligt wurden, ist etwas völlig anderes.

Sollte das City Urteil Bestand haben, wäre damit bestätigt, dass sich City über Jahre Wettbewerbsvorteile verschafft hat, die andere Vereine unter Einhaltung der Regeln nicht hatten. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass diese Konkurrenten selbst reich sind und ihre Interessen vertreten.

Für mich liegt die entscheidende Frage deshalb nicht darin, ob die Finanzregeln perfekt sind. Das sind sie sicherlich nicht. Sondern darin, was die Alternative sein soll. Wenn wir die Ausgaben nicht an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Vereins koppeln, woran dann? Am Vermögen seines Eigentümers? Wäre das wirklich der gerechtere Wettbewerb?

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Also hat City - genau wie Jan Ulrich - nicht betrogen?

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Also wenn alle dopen bzw. betrügen führt das den sportlichen Wettbewerb natürlich ad absurdum. Aber theoretisch kann man auch sagen, dass keiner mehr wirkliche Vorteile hat, wenn alle beteiligt sind, weil ja jeder teilnimmt am Betrügen. Es geht dann eher darum, wer am besten im Betrügen ist.

Mit welchem Recht werden hier eigentlich gerade alle PL Klubs gleich als Betrüger in der Kategorie City in den gleichen Topf geworfen?

Was ist das für eine Diskussionskultur?

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Genauso haben es die Ullrichs und Armstrongs damals auch gesehen. Wenn alle betrügen ist es am Ende ja o.k. :face_with_diagonal_mouth:

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ich hab mal eine Armstrong Doku gesehen. Ziemlich schräger Typ und kein Schuldbewustsein :laughing:

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Krass schräger Typ. Absolut. Aber ich glaube, anders kommt man mit so etwas auch nicht klar. Du musst Deine Schuld komplett verdrängen sonst frisst sie dich auf.

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Raphael Honigstein hat gerade auf Sky gesagt, er kann sich nicht vorstellen, dass City nächstes Jahr noch PL spielt. Okay, dem glaub ichs.

Und Jan Ullrich, ich mochte den immer. Da rede ichs mir immer ein bisschen selber schön, denn zu der Zeit, haben alle die vorne mitgefahren sind, gedopt. :wink:

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Wurde halt erwischt, mein Gott, war seine schulterzuckende Reaktion ungefähr

Dabei war der sportliche Betrug, der sich auf Gelder und Titel ausgewirkt hat, ein Teil. Der andere war, dass er andere Fahrer und Teammitglieder massiv unter Druck gesetzt hat, damit das geheim bleibt.

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Der ging über Leichen. Klar. Sein Erfolg stand über allem. Wirklich sehr krasser Typ der Lance.

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Da wäre ich gar nicht so sicher. Wenn sie -60 Punkte augebrummt bekommen?

Es wird auf alle Fälle sehr spannend wie das weitergeht.

Wenn man es genau nimmt, gab es auch unter den Betrügern eine Zweiklassengesellschaft.
Da die nötigen Mittelchen in der notwendigen Menge durchaus teuer waren, haben auch nur die Chefs den wirklich guten Stoff bekommen. Die zweite Reihe musste sich mir zweitklassiger Ware begnügen.
So wurde es damals zumindest berichtet.

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Wahrscheinlich hätte sich an der Reihenfolge nichts geändert, wenn niemand gedopt hätte.

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Ups, da habe ich vorhin was losgetreten. Ich war nämlich derjenige, der in den Raum gestellt hat, dass andere Vereine vielleicht auch Verstösse begangen haben könnten und daher sich auch eher zurückhalten würden. Von mir war das nicht als Tatsache gemeint und schon gar nicht im selben Ausmaß wie bei City. Wäre ja absurd, wenn das noch gar nicht rausgekommen wäre. Andererseits beteeuer auch City weiterhin seine Unschuld, wie lange gilt “in dubio pro…” eigentlich?

Die Diskussion danach hat es tatsächlich in Richtung “die anderen haben es genauso getrieben wie City” entwickelt. War nicht meine Intention.

Wie die Diskussion sich entwickelt, hat ja mit Deinem ganz vernünftigen Post überhaupt nichts zu tun.

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