Eine Frage, die in der Kurve immer wieder auftaucht:
WER IST DER FC-BAYERN-FAN? Wie sieht er aus, was sind seine Eigenschaften?
Oftmals Gegenstand retardierender Streitgespräche („… so brauchen wir nicht weiterreden, du bist kein echter Bayern-Fan“), versucht der @cheffe dem ein wenig auf den Grund zu gehen.
Dieser Thread ist eine Wundertüte. Ginge es nach mir, würde er als Kummerkasten fungieren - denn egal, welche Art Bayern-Fan man ist, die Gefühlspalette, die dieser Klub auslöst, bewegt sich zweifellos zwischen den Polen des Thread-Titels. Was nervt euch als Bayern-Fans, was bewegt euch, was durchleidet ihr?
Vielleicht hat die Kurve auch Ergänzungen. Der Duden hinterlegt unter TOPOGRAPHIE „… eine bewusste Skizze zum Auffinden von Vermessungspunkten, die Punktbeschreibung.“
Eventuell habt ihr weitere, divergierende Ideen von Erscheinungsformen, die mir verborgen blieben oder die ich vergaß zu erwähnen?
Eventuell erstellt @Armaster eine Umfrage, wo sich jeder einer Kategorie zuordnen kann? Mir schiene es interessant, wo sich die meisten/die wenigsten verorten…
Klar ist, dass sich die jeweiligen Typen vermischen können. So einfach sind Menschen nun mal nicht zu einzunorden/einzuordnen.
Klar ist auch, dass der folgende Text in Gänze mit einem Augenzwinkern versehen, mithin vollkommen ernst zu nehmen ist.
DER LOKALPATRIOT
Er ist gebürtiger Münchner und somit der lebende Gegenbeweis, um den Mythos, in München selbst sei man automatisch Fan des Turnvereins, als solchen zu entlarven. Er hält seine Stadt für die schönste und lebenswerteste überhaupt und demzufolge den FC Bayern für den tollsten Verein der Welt (letzteres behaupten nicht mal die eingefleischtesten '59er von ihrem Klub, ohne sich zu schämen). Er ist der Meinung, dass es dafür keinerlei Belege bedarf, ist aber in der Lage, spontan solche zu liefern:
Bayern-Spieler haben die schönsten Namen (Adi Kunstwadl).
Bayern-Spieler haben die schönsten Frisuren (Dante).
Bayern-Spieler sind die Feschesten (Luca Toni).
Bayern-Spieler sind die Lustigsten (Sepp Maier, Thomas Müller).
DER ZUAG’ROASTE
Er ist kein gebürtiger Münchner, womöglich aber Bayer, meist aber ein Saupreiß. Für die bayerische Lebensart hat er früh Sympathien, obwohl ihm die verschiedenen Formen des Brauchtums vollkommen unklar sind (Kleidung, Trinkgewohnheiten). Um anzudocken, landet er neben dem Oktoberfest schnell beim größten Verein der Stadt (weswegen ihm der Turnverein oft nicht mal bekannt ist). Er bewundert die zupackende bayerische Art, die Landschaft und den Ruch des Erfolgs. Zu gerne würde er die CSU wählen und bedauert, dass er das nicht darf. Er trägt Tracht, wenn er auf die Wiesn geht, im Gespräch mit Eingeborenen imitiert er gerne den bayerischen Dialekt - in der Regel fehlerhaft.
DER VERLIEBTE
Sein Fan-Leben wurde oft von einem zufälligen Ereignis ausgelöst. Er ist sich dessen bewusst, weswegen er die bayerischen Erfolge nicht für selbstverständlich hält. Daher dankt er dem lieben (Fußball-)Gott, dass er ihn Fan des FC Bayern hat werden lassen (es hätte ja auch der HSV oder Schalke werden können). Weil er verliebt ist, leidet er gern intensiver als andere Fan-Typen. Baut der Klub Mist, schämt er sich dessen, wird tendenziell aber vermeiden, selbst zu kritisieren. Jede Kritik am FC Bayern hält er nicht gut aus und versucht andauernd, dieselbige zu widerlegen/zu relativieren.
Er ist der Verletzlichste von allen Bayern-Fans und neigt dazu, allen anderen ein g’scheites, wahres Fan-Dasein abzusprechen.
DAS G’SCHEIDHAFERL
Ein Anhänger des FC Bayern ist naturgemäß mit einem soliden bis überbordenden Selbstbewusstsein ausgestattet. Gleichzeitig pflegt er eine ausgeprägte individuelle Ader. Dies hat gern zur Folge, dass er sich - bei aller Identifikation - nicht zu schade ist, den Klub oder seine Angestellten harsch zu kritisieren oder gar zu beschimpfen; immer in der Überzeugung, er selbst würde die Geschichte des FC Bayern noch glorreicher gestalten als die grenzdebilen Halbtrottel, die momentan am Ruder/auf dem Spielfeld sind. Siege und Erfolge heftet er sich dagegen gleich selbst ans Revers, versteht solche aber gleichsam als vollkommen unvermeidbar und über die Maßen verdient, quasi als Naturzustand.
DER TRADITIONALIST
Bayern-Fan ist er gefühlt (oder tatsächlich) von Geburt an. Er ist überzeugt davon, dass man nichts ändern muss, was funktioniert. Gegenüber Trainern pflegt er ein instinktives Misstrauen, insbesondere jenen, die nicht selbst Profi waren oder die neumodische Wörter benutzen. Taktik wird, so denkt er, überschätzt. Selbst verwendet er gerne Wendungen wie „Gras fressen“ oder „den inneren Schweinehund überwinden“, Misserfolge erklärt er mit „fehlender Einstellung“.
Er kennt Adi Kunstwadl, natürlich. Beckenbauer war begnadet, aber Katsche Schwarzenbeck war ihm lieber. Die eigene Karriere hat er auffällig oft als Vorstopper zugebracht. Den modernen Auswüchsen des Profi-Fußballs begegnet er mit Zynismus und Bedauern. Die deutsche Nationalelf ist ihm emotional wurscht. Insgeheim wünscht er sich 11 gebürtige Bayern in der Startelf, ab und an zeigt er sich großzügig und ernennt etwa Franck Ribery zum Bayern ehrenhalber.
DER OPPORTUNIST
Sein Verhältnis zum Fußball ist ein eher allgemeines. Die Bindung an einen bestimmten Verein ist ihm eigentlich nicht ganz geheuer, aber der FC Bayern scheint ihm die logische Wahl.
Bei Debatten fällt es ihm daher am leichtesten, auch mal den Standpunkt des jeweiligen Gegners zu übernehmen („… doch, das war schon ein Foul von Upa“). Weil er so schmerzfrei ist, kann er umso leichter überall mitreden, ohne groß anzuecken. Seine natürliche Empathie hilft ihm, die anderen Fan-Typen zu lesen und sich mit allen gut zu stellen. Teil einer Gemeinschaft zu sein, gefällt ihm insofern gut, als er ansonsten eher ein Einzelgänger ist. Er kann sogar der Eventisierung etwas abgewinnen und hält es für Zeitverschwendung, der Vergangenheit nachzutrauern.
DER NEUZUGANG
Er ist jüngeren Alters. Deswegen ist der FC Bayern für ihn naturgemäß einer der erfolgreichsten und größten Klubs der Welt. Anders formuliert:
Er kennt Adi Kunstwadl nicht.
Seine Resilienz gegenüber Niederlagen oder Formkrisen tendiert gegen Null. Da für ihn der Naturzustand die deutsche Meisterschaft und mindestens das CL-Halbfinale ist, ist er nicht zimperlich auf der Suche nach Schuldigen, sobald diese Ziele verfehlt werden. Die Daseinsform als natürlicher Gewinner und logischer Profiteur der neuesten Gelddruck-Maschinen-Ideen aus Infantinos Gehirnrinde ist ihm selbstverständlich, er ist überzeugt, dass ihm der Platz an der Sonne kraft seiner schieren Existenz zusteht.
Er ist in der Regel männlichen Geschlechts.
DER SOZIOLOGE
Er ist cool und hält auch mal Abstand. Gern stellt er sein eigenes Fan-Dasein in Frage, relativiert es, spricht von „gewisser Sympathie“.
Das ganze Fußball-Business fasziniert ihn, und als überzeugter Rationalist ist ihm klar, dass er seine Studien nicht nur außerhalb des Volkes führen kann. Weil er eine umfassende wissenschaftliche Neugier hat, landet er konsequent beim FC Bayern, weil dieser die meisten und diversesten Studienobjekte stellt. Bei inhaltlichen Debatten nimmt er oft eine vermittelnde Rolle ein. Bei besonders legendären, nervenzerrenden Spielen entpuppt er sich lustigerweise als besonders fanatisch und braucht dann, entsetzt von sich selbst, zwei, drei Tage, um sich wieder dort zu positionieren, wo er sich am wohlsten fühlt:
Über den Dingen stehend.
DER FREAK
Weil es so viele Bayern-Fans gibt, ist er eine statistisch logische Erscheinungsform. Ihn zu beschreiben ist allerdings fast unmöglich, weil es ihn in allen Farben/Formen/Facetten gibt. Er scheint auf den ersten Blick gar nicht zu einem so großen Weltverein zu passen. Gut möglich, dass er selbst nicht weiß, wie er beim FC Bayern gelandet ist.
Er sieht vieles beim Klub enorm kritisch und erlaubt sich, das offen zu sagen. Leider wird seine Art, sich auszudrücken, gerne miss- oder überhaupt nicht verstanden. Ein Fehler wäre es jedoch, seinen Grad der Identifikation mit dem Verein anzuzweifeln - oder auch sein (da hamma’s wieder) Selbstvertrauen:
Wie alle Bayern-Fan-Arten steht er zu seinem Dasein. In diesem Falle als FREAK.
DER ERFOLGSFAN
Er ist ein Mythos. Ein Geist. Er ist das Monster von Loch Ness, er ist Schrödingers Katze.
Niemand will sich als solcher bekennen, viele sprechen von ihm, mancher will ihn gesehen haben, einige verwenden ihn als Schimpf-Namen. Fans weniger erfolgreicher Vereine (also alle anderen) bezeichnen ausnahmslos alle Bayern-Fans als solche „Namen-den-wir-nicht-nennen-wollen“, aber das können wir vernachlässigen, weil es einem bedauernswerten Minderwertigkeits-Komplex entspringt.
Halten wir fest:
Der selbstbewusste Bayern-Fan hat es gar nicht nötig, an die Erfolgreichen anzudocken. Er strömt gewissermaßen im natürlichen Fluss ins passende Auffangbecken. Schlussfolgerung:
Diese Kategorie Bayern-Fan gibt es nicht.
Freakig sind eher diese ganzen wannebe Spielverlagerungsanalysten die zwar noch nie selbst auf dem Platz standen, aber versuchen den Fussball in endlosen theoretisch Referaten zu entschlüsseln
Ansonsten atmet diese Replik den Geist des TRADITONALISTEN, gemischt mit dem G’SCHEIDHAFERL.
Und Rene Maric, der SV-Gründer, ist übrigens, nach allem, was ich weiß, ein ziemlich guter Kicker. (Vielleicht hat @Zetta als Landsmann da genauere Infos?)
Aber jedem seine Vorurteile.
11.DER EXILANT:
Wohnt mindestens 400 km entfernt von der Arena, manchmal gar in Übersee. Hat aus welchem Grund auch immer eine frühkindliche Prägung erfahren, die ihn zum FCB-Fan machte, und litt/leidet im Exil durchaus unter Dortmund-, Gladbach-, Bremen- oder sonstigen Fans in seiner Peergroup, die ihm jeweils die Arroganz, finanzielle Überlegenheit, unfaires Verhalten auf dem Transfermarkt, Uli Hoeneß und das Kaputtkaufen der Liga durch die Bayern permanent vorhalten. Freut sich aber im stillen Kämmerchen dann wie Bolle, wenn der FCB gegen Dortmund, Gladbach und Bremen gewinnt und in der Championsleague weit kommt (wovon zumindest Gladbach und Bremen nur träumen können). Seine Zuneigung zum FCB ist eine zwar tiefe, aber rational nicht zu erklärende.
DER EMOTIONALE ANALYST:
Stößt immer wieder an die Grenzen der eigenen Rationalität und Vernunft, weil er mit zunehmendem Alter merkt, dass er und der Verein, in den er sich früh verliebt hat, an vielen Stellen deutlich unterschiedlicher sind, als ihm Lieb sein kann. Flüchtet irgendwann von der emotionalen auf die analytische Ebene, baut dadurch eine größere Distanz auf, lernt aber in immer neuen Perspektiven ständig dazu – und das nicht nur auf das „Kerngeschäft“ Fußball bezogen. Bildet sich weiter, will immer mehr erfahren und erfährt dabei manchmal ein wenig zu viel. Sehnt sich gleichzeitig nach dem emotionalen Adrenalin, das er einst spürte, als Schweinsteiger und Lahm durch Tiefen und Höhen gingen und er alles andere noch ausblenden konnte. Befindet sich deshalb stets im Spagat zwischen rationaler Analyse und großer Emotionalität.
DER TRAINERSOHN:
Spielte jahrelang selbst Fußball und erlebte, was es bedeutet, (Jugend-)Trainer zu sein, weil sein Vater genau das war. Lernt dadurch auf besondere Art und Weise, den Fußball durch andere Augen zu sehen und dass Trainersein mehr ist, als nur elf Spieler aufzustellen. Sieht die Freuden ebenso wie die Leiden und entwickelt ein Interesse am Detail, das ihn fortan nicht mehr loslässt. Versucht nun, auch die Spiele im Fernsehen durch eine andere Perspektive wahrzunehmen und zu verstehen, warum etwas passiert statt wie zuvor einfach nur festzustellen, dass etwas passiert. Entwickelt dadurch auch eine neue Ebene der Liebe zum Spiel und einen Zugang, der vielleicht sogar sein Dasein als Fan rettet.
DER GENDERNDE KOMMUNIST:
Hat einen Bayern-Podcast und bekommt auf YouTube immer witzige Liebesbotschaften in die Kommentare geschickt, weil er gendert und das böse Wort „Kapitalismus“ zu oft nennt.
DER BLOGGER:
Er sieht sich in der Berichterstattung über seinen FC Bayern längst nicht mehr repräsentiert und ist genervt von Experten wie von Sendern, dass immer wieder dieselben Mechanismen greifen. Auf der Suche nach anderen Ansätzen entscheidet sich „der Blogger“, selbst Hand anzulegen und die Unweiten des Internets zu erobern. Für ein Publikum von 30 Leser*innen schreibt er in regelmäßigen Abständen kleine Texte. Von emotionalen Geschichten über eigene Erlebnisse als Fan bis hin zu gewagten Prognosen, die meist in die Hose gehen und schließlich auch Analysen, die hinter die Oberfläche blicken, die im Fernsehen und in anderen Medien oft nur angekratzt wird. Aus 30 werden schnell 50, dann 100, dann 300. Auch in den sozialen Netzwerken nehmen die Interaktionen zu. Plötzlich klopft der größte Blog des FC Bayern an und will, dass er für sie schreibt. Er sagt zu. Aus 300 werden Tausende. Es entstehen Kontakte, es kommen Anfragen für Bücher und Anfragen von den Medien, die er selbst so kritisch sieht. Es entstehen Konflikte. Mit der Stoßrichtung dieser Medien, durch die größer werdende Distanz zum FC Bayern, durch das Abwenden manches eingefleischten Lesers oder mancher Leserin, der oder die glaubt, dass der Blogger nun auch zu denen gehört, die mit dem FCB Geld verdienen wollen. Es beginnt ein stetiger Kampf der Positionierung. Wo und wofür will er stehen? Was will er vermitteln? Wo sind Grenzen und wo ist es okay, auch mal Kompromisse zu suchen, um mittel- und langfristig nach vorn zu kommen? Der Blogger sieht sich konfrontiert mit der Realität, die sich hier und da mit seinen Werten beißt. Er sieht sich konfrontiert mit Leuten, die ihm das übel nehmen. Mit Kritik ebenso wie mit Lob. Mit Hassmails und Drohungen von Leuten, die mit seiner kritischen Haltung nichts anfangen können und ihm unterstellen, Böses zu wollen, ebenso wie mit immer neuen Chancen und tollen Begegnungen. Und gleichzeitig gerät er ständig in neue kleinere Krisen, wenn es um die Beziehung zum FC Bayern geht. Es ist kompliziert, hätte man früher wohl auf Facebook vermerkt. Eine Trennung kam dennoch nie in Frage.
Also … zumindest könnte ich mir vorstellen, dass es solche Typen gibt. Ich persönlich kenne ja keinen.
Hach, manchmal eine Wonne (oder Pein), wenn mir jemand meinen Text sozusagen von der Tastatur klaubt wie grad @Lukenwolf1970 :
Mein EXILANT sollte eigentlich eigentlich der DIASPORA-BEWOHNER werden (weil halt nie im gelobten Land gewohnt, nicht mal annähernd). Voll des Glaubens und der bisweilen verzückten Hingabe, dennoch meist verlacht von seiner Umgebung, egal ob in der Kindheit im Bergischen, später im Ostwestfälischen oder gar nun im Norddeutsch-Bremischen.
„wohnt 400 km oder mehr entfernt von der Arena“ check
„frühkindliche Prägung“ check
„aus welchem Grund auch immer“ check
Tja - ich verstehs bis heute nicht, was da schiefgelaufen is in einer reinen BVB/S04-Familie (aber meinen Bruder hats auch frühkindlich erwischt)
„und litt/leidet im Exil durchaus unter Dortmund-, Gladbach-, Bremen- oder sonstigen Fans in seiner Peergroup“ triple check
Dortmund die Famillje, Gladbach der Vadda und der beste Freund, und Bremen - nu ja, in meiner gegenwärtigen Peergroup sind 300.000 Werderaner:innen, da brauchts keine demokratische Abstimmung beim Public Viewing
„leidet-litt“ „die ihm jeweils die Arroganz, finanzielle Überlegenheit, unfaires Verhalten auf dem Transfermarkt, Uli Hoeneß und das Kaputtkaufen der Liga durch die Bayern permanent vorhalten.“ check- nu ja, ich halte es mit Camus: "Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen." So wie den Bayern-Fan beim Public-Viewing in der Diaspora.
„Freut sich aber im stillen Kämmerchen dann wie Bolle“ - check - aber nur halb: Das mit dem stillen Kämmerchen happich mir abgewöhnt. Und bin inzwischen ziemlich versiert im Umdrehen der Anti-Bayern-Argumente gegen die Argumentierenden geworden… Außerdem: Viel Feind, viel Ehr. Nix toppt ein Spiel Werder-Bayern in der Bremer Eckkneipe mit offenem Visier.
„Seine Zuneigung zum FCB ist eine zwar tiefe, aber rational nicht zu erklärende“. check
Irritierte Randfrage: Zuneigung zum Fußball generell bitte wie rational zu erklären - im Zeitalter von Nasser Al-Khelaifi und Gianni Infantino?
PS: Ich bin heilfroh und dem @Lukenwolf1970 völligst dankbar, daß ich dank seines Punktes No.11 ums eigene Formulieren herumgekommen bin. Nach der enzyklopädischen Vorlage vom @cheffe grauste mir vor eigenen dilettierenden Versuchen - watt für n Wurf mal wieder: Chapeau Kollege(n).
Der Kindergartenfan
Er hat in den späten 70ern im Alter von 4 oder 5 Jahren die Sportschau gesehen. Viele bzw. alle Spiele wurden da nicht gezeigt. Oft die Bayern. Oft haben die Bayern gewonnen. In Kalle Rummenigge und seine Art Fußball zu spielen hat er sich später in der Grundschule dann leicht verliebt. Vom FC Bayern ist er niemals los gekommen.
Gegenüber Nicht Bayern Fans oder gar Neutralen (kann es sowas geben) verteidigt er seinen FCB und seine Protagonisten über ein gesundes Maß hinaus. Und die gibt es noch und nöcher. Man sagt ja immer, es wäre leicht Bayern Fan zu sein. Er sieht das gar nicht so, denn er hat noch nie z.B. einen Werder Fan getroffen, der sich dafür rechtfertigen musste Werder Fan zu sein.
Gleichgesinnten gegenüber darf man ehrlicher sein, und Verfehlungen und Fehler auch schon mal offen ansprechen. Die gibt es leider zu Hauf. Die Liebe zu seinem FCB ist aber nach wie vor ungebrochen. Die Liebe zu Kalle Rummenigge existiert jedoch nicht mehr.
Auf dieses Argument hatte ich noch gewartet.
Und ich bin bekennender Bruder im Rummenigge-Geiste - sogar in der zeitlichen Abfolge: Meine Liebe zum FC Bayern ist ebenso irrational wie unkaputtbar. (Und dank meiner 2022 neu entdeckten Liebe zum Frauenfußball noch viel tiefer geworden.) Meine Liebe zu KHR hingegen hat die Pubertät nicht überstanden. Und ist am Erwachsenwerden komplett zerbrochen. War aber nich besonders schlimm. Die Abschiede von Arjen und Franck waren wesentlich stärker (und länger) therapiebedürftig…
Vielen Dank schon mal für eure schönen Beiträge und Ergänzungen…
Meine Ergänzung noch:
Dieses Gefühl kennen die Bayern-Fans Kategorien-übergreifend. Speziell regt mich immer auf, dass wir angeblich weniger leiden, weil wir so selten verlieren. Dabei fallen mir auf Anhieb drei, vier Niederlagen ein, die ich jetzt ohne nähere Beschreibung unter „Alesia“ subsummiere - und jeder mit ein wenig psychologischen Grundkenntnissen weiß, dass die so seltene Niederlage beim unpassendsten Moment schmerzt wie nichts anderes. Oder so formuliert: Gerade weil wir so oft gewinnen, kennen wir den Schmerz besser als viele andere.
Sehr schön - mit dieser Kategorie kann ich mich bisher am besten identifizieren.
Mit ein paar Abweichungen in Detail: ich war nie im Kindergarten (naja, 3 Tage oder so) und ich war eher 6 oder 7, als ich Anfang der 1970er Sportschau und gelegentlich Europapokal Live-Übertragungen gesehen und mich leicht in die Spielweisen von Maier, Beckenbauer, Müller, Schwarzenbeck verliebt habe … zur WM 74 bekamen wir den ersten Farbfernseher und mit dem Titel war die Vorliebe für den FC Bayern fix.
Mitglied war ich allerdings nie, und auch sonst kann ich jederzeit eine kritische Distanz zum Klub und allen Akteuren bewahren. Was mich nicht hindert, wenn ein Tor fällt, das ein knappes Spiel zu unseren Gunsten kippt, im Wohnzimmer rumzuhüpfen wie im Stadion
Der Fatalist. Er ist kein Bayern-Fan, sondern FCB-Mitglied. Mitglied ist er, weil eine andere Seinsweise ihm nicht möglich ist - genauso gut könnte man sich wünschen, in eine andere Familie geboren zu sein. Also macht man das Beste daraus, in guten wie in schlechten Tagen. Er rät eher zu Ehrlichkeit und Psychotherapie statt zur Perpetuierung transgenerationaler Traumata. Dem Wirken von Erbonkel Uli steht er seit Jahren kritisch gegenüber.
Leider nein, er kommt aus einem anderen Bundesland und habe deswegen nichts von seiner Fußballlaufbahn mitbekommen.
Das erste Mal hatte ich ihn am Schirm, als es hieß, marco Rose hätte einen Taktikblogger als co Trainer, das war noch in der Salzburg Akademie u18.
Genaueres zu seinem Talentlevel kann ich auch nicht sagen. Aber zumindest das, dass er schon in jungen Jahren eine Verletzungsgeschichte angesammelt hatte, die Arjen Robben als den Mann aus Stahl erscheinen ließen.
Da war schnell Ende mit der Spielerlaufbahn.
Das ist das Zitat des Tages.
Ich gehe davon aus, jeder von uns kennt genau dieses Gefühl und diese Erlebnisse.
Was kein Außenstehender je verstehen wird. Nein, es ist nicht easy ein Bayernfan zu sein.
Alesia.
Auch hier. Ich gehe davon aus, jeder von uns weiß was damit gemeint ist und wie sich das anfühlt. Auch noch nach vielen Jahren.
Ergänzung:
14. Der A-Jugend-Fan
Er ist ein Fan aus den alten Zeiten, als auch Bayern-Spieler noch für eine Bratwurst im Brötchen gespielt haben, und kommt mit dem modernen Milliardenunternehmen mit seinen Einkommensmultimillionären auf dem Platz nicht mehr so recht klar. Deswegen möchte er ganz dringend blutjunge, hungrige, aber vor allem noch vergleichsweise arme Talente auf dem Platz sehen, die ihn wieder zurück in die unverdorbene, unschuldige Zeit bringen, als die Spieler im VW-Käfer statt im Rolls-Royce zum Training kamen und der Fußball noch nicht so sehr von Kommerz und Business dominiert war. Er ist ein alter Fußballromantiker, der den Sport wieder ein wenig mehr zurück zu seinen Wurzeln bringen möchte, ohne ganz auf Erfolgsaussichten verzichten zu wollen. Sobald die Talente erwachsen geworden sind und ihrerseits ganz ordentlich verdienen, sind sie in seinen Augen satte Underperformer, die zu viel verdienen und verkauft gehören, selbst wenn sie schon im Einzelfall seit zehn Jahren zum treuen Inventar gehören und mal per für sie untypischem Kopfball für uns die Championsleague gewonnen haben (also in anderen Vereinen ein Fall für ein Legendendenkmal auf dem Vereinsgelände wären).
Da bin ich wohl ganz klar 1. Lokalpatriot und 16. Kindergartenfan mit einer Prise 14.: Die kritische Distanz zu den Auswüchsen des Profifußballs wächst bei mir leider von Jahr zu Jahr. Früher war eben alles besser. Natürlich nicht. Aber bei den Themen Scheichklubs, MCO, Infantino oder Chelseas absurder Kaderpolitik frage ich mich regelmäßig, ob das noch mein Sport ist.
Und natürlich dürfen nur Bayern-Fans oder _Mitglieder unseren glorreichen Verein kritisieren. Wenn Kritik von Auswärtigen oder gar vom ZDF kommt, dann wird empört zurückgeschossen.
@Brille : Ja, Kalle war auch mein erster Lieblingsspieler, Poster überall im Kinderzimmer. Auch wenn ich ihn heute kritischer sehe, wäre er mir in der Verantwortung beim FCB deutlich lieber gewesen, als ein gewisser Faxschreiber in der Zeit nach 2016.
Bin mir noch nicht sicher, wo ich mich überall einordnen kann und soll. Es passt so vieles.
4, 11, da sehe ich mich auf jeden Fall.
OWL im Nirgendwo
So früh war es gar nicht mehr…1980 auf der Fahrt in den Urlaub ein Spiel im Olympiastadion gesehen. Ca. 15.000 im Stadion, nix los, dafür aber Tor des Jahres durch Kalle. ZACK! VALIEPT!
Vater BVB Fan, die beiden besten Kumpels SChalke und Gladbach. Aber: EGAL!
Klaus Lage: Ihr müsstet nur einmal, mit meinen Augen sehen, der absolute Verein, Ihr würdet mich verstehen…
Vergesst nicht Generation Tiktok,
Das Trikot sieht gut aus
Spieler mit Style auf Social Media
Kann gut spielen
Trikots von verschiedenen Vereinen und Spielern
Aber bezeichnet sich als Fan von Verein X