Champions-League-Powerranking #1: Bayern in der Spitzengruppe

Die Diskussion über die Einbeziehung des Marktwerts einer Mannschaft zur Berechnung ihres Platzes in einem Power-Ranking, welches annahmengemäß die aktuelle Stärke von Mannschaften abbilden soll, ist interessant.

Grundsätzlich kann man sich die aktuelle Stärke einer Mannschaft als eine Aussage darüber vorstellen, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie gegen einen gegeben Gegner gewinnt. Ist die aktuelle Stärke höher, steigt diese Wahrscheinlichkeit, fällt die aktuelle Stärke, sinkt sie.

Die aktuelle Stärke selbst kann man sich dabei vorstellen als eine Kombination aus Klasse und Form.

Die Form versucht aktuelle, eher kurzfristige Einflussfaktoren auf die aktuelle Stärke einer Mannschaft zu erfassen, beispielsweise die aktuelle Verletztensituation, Zoff im Team oder den Eindruck, den die Mannschaft in den letzten beiden Bundesligaspielen hinterlassen hat.

Die Klasse versucht, den eher langfristigen, kurzfristig nicht variablen Teil der aktuellen Stärke zu erfassen, der unabhängig ist von tagesaktuellen Entwicklungen.

Gedankenexperiment: Zwei Mannschaften, PSG und Mainz 05. PSG hat die letzten sechs Wettbewerbsspiele verloren, Mainz 05 hat die letzten sechs Wettbewerbsspiele gewonnen (jeweils in Liga, Pokal und Europapokal).

Es steht an das Champions-League-Viertelfinale: PSG trifft auf Mainz 05.

Der Teil in uns, der uns nun (zutreffend) vor der Einschätzung zurückschrecken lässt, dass Mainz 05 PSG mit hoher Wahrscheinlichkeit schlagen wird, ist der Teil der aktuellen Stärke einer Mannschaft, den die Klasse beiträgt.

Die langfristige, „überaktuelle“ Klasse leistet also einen realen Beitrag zur Einschätzung der aktuellen Stärke einer Mannschaft.

Eine in Bezug auf Aufwand und Ertrag relativ einfache Möglichkeit, die Klasse einer Mannschaft zu operationalisieren, ist der Marktwert. Der Marktwert einer Mannschaft ist eine brauchbare Annäherung an die fundamentale Stärke einer Mannschaft, die nicht von tagesaktuellen Ereignissen oder Eindrücken überlagert wird. Der Marktwert eines Spielers ändert sich nicht sofort, wenn er mal drei schlechte Spiele absolviert hat oder für einen Monat ausfällt. Marktwerte korrelieren darüber hinaus ziemlich gut mit der inneren Stärke eines Spielers. Gute Spieler sind zuverlässig teurer als schlechte Spieler.

(Ja, an den Grenzen der Verteilung lässt die Aussagekraft des Marktwerts über die wahre innere Stärke eines Spielers nach, weil alte Spieler bei gleicher Stärke systematisch billiger sind als junge Spieler, was daran liegt, dass ein Marktwert die Summe der zukünftigen Nutzenbeiträge eines Spielers diskontiert auf den heutigen Tag abbildet. Aber von dieser Schwäche können wir aufgrund der realen Altersstruktur von Fußballmannschaften, die fast immer eine Mischung alter und junger Spieler unterschiedlicher Stärken darstellt, abstrahieren.)

Kurzum: Es gibt gute Gründe, neben tagesaktuellen oder eher kurzfristigen Stärke-Indikatoren wie dem ELO und den Wettquoten, die die Form erfassen, auch langfristige Indikatoren wie den Marktwert, der die Klasse erfasst, heranzuziehen, um die aktuelle Stärke einer Mannschaft zu berechnen.

Die aktuelle Stärke ist nie nur eine Funktion der Form, sie ist auch eine Funktion der Klasse einer Mannschaft.

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Wenn Du die Diskussion hier nachverfolgst wirst Du sehen, dass es noch bessere Gründe gibt den Marktwert rauszulassen:

Es gibt mehrere verzerrende Faktoren beim Marktwert - am zentralsten das Alter des Spielers:

Das Extrembeispiel war hier, daß ne ganze Menge von Mittelstürmern deutlich mehr Marktwert als Harry Kane haben - er hat aber trotzdem gerade in Toren die 2. beste Saison, die je jemand erzielt hat, frisch hinter sich…

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Darauf bin ich eingegangen. Ich gebe Dir recht, dass Harry Kanes aktuelle innere Stärke durch seinen aktuellen Marktwert in Relation zu anderen Spielern nur unzureichend erfasst wird. Aber der Marktwert, mit dem Georg gearbeitet hat, bezieht sich immer auf einen ganzen Kader, das heißt 20 bis 25 Spieler. Ungenauigkeiten bei einzelnen Spielern haben somit eine Chance, sich auszugleichen (wahrscheinlich sind unter den 20 bis 25 Spielern auch einige, die überbewertet sind) oder in der Masse zu verschwinden. Der Marktwert einer Mannschaft wie Bayern München beträgt ungefähr eine Milliarde Euro, bei manchen anderen Mannschaften geht er sogar noch darüber hinaus. Ob ein Harry Kane nun mit einem Marktwert von 60 oder 120 Millionen Euro in diese Summe eingeht, ist für das Gesamtbild nicht wirklich relevant. Wir können mit ziemlich hoher Sicherheit sagen, dass eine Mannschaft, die einen Marktwert von 800 Millionen Euro hat, schwächer ist als eine Mannschaft, die einen Marktwert von 1,2 Milliarden Euro hat und dass eine Mannschaft, die einen Marktwert von 300 Millionen Euro hat, schwächer ist als eine Mannschaft, die einen Marktwert von 500 Millionen Euro hat.

Wenn Du die Klasse einer Mannschaft erfassen wolltest, welchen Indikator würdest Du nehmen?

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Das Alter ist beim Marktwert kein verzerrender Faktor, sondern ein erklärender Faktor. Also eher Feature als Bug.

Er meinte vermutlich verzerrend in Hinblick auf die Aussagekraft über die aktuelle Stärke einer Mannschaft, also verzerrend in Hinblick auf Deinen Anwendungsfall.

In der allgemeinen Tendenz stimmt das sicherlich, aber ich hatte weiter oben schonmal das Beispiel von der AS Roma genannt als einem Verein der einen generell älteren Kader mit mehereren Schlüsselspielern mit altersbedingt niedrigem Marktwert hat. Umgekehrt gibt es auch Vereine die gezielt auf junge Spieler mit hohem Wertsteigerungspotenzial setzen, auch wenn das kurzfristig durch die mangelnde Erfahrung auf die Leistungsstärke drückt.
Außerdem gibt es auch eine gewisse Beeinflussung der Marktwerte durch die Liga und einen England-Bonus. Das macht aus der Logik der Marktwerte ja auch Sinn, weil Spieler die PL-erprobt und/oder einen Homegrown-Status haben, ja auch tatsächlich für mehr Geld wechseln. Aber im Sinn eines Stärke-Indikators verzerrt es. In der Liste der Vereine mit den höchsten Marktwerten findest du unter den Top-20 12 englische Vereine.
Wenn ich mir die Liste dann so anschaue, gibt es einige mögliche Paarungen, bei denen ich mein Geld auf das Team mit dem deutlich niedrigeren Marktwert setzen würde. Mal als Beispiele:
AS Roma (476,6 Mio.) vs Brighton (603,5 Mio.)
Porto (464,8 Mio.) vs. Crystal Palace (579,2 Mio.)
Como 1907 (535,15 Mio.) vs. Tottenham (824 Mio.)
Atletico Madrid (679,7 Mio.) vs. Liverpool (1,03 Mrd.)
Inter (730,3 Mio.) vs. Chelsea (1,08 Mrd.)
Bayern (1,04 Mrd.) vs. Manchester City (1,43 Mrd.)
Barcelona (1,26 Mrd.) vs. Real Madrid (1,46 Mrd.)

Genau deswegen versucht Georg das ja auch auszugleichen mit ELO und Wettquoten.

https://www.transfermarkt.de/spieler-statistik/wertvollstemannschaften/marktwertetop

Das stimmt, der Einwand ist im Prinzip berechtigt. Aber für die Zwecke von Georgs Analyse ist es wahrscheinlich zu rechtfertigen, systematische Unterschiede in der Altersverteilung der Spieler zwischen den betrachteten Vereinen zu ignorieren. Zum einen betreffen solche Verzerrungen wahrscheinlich nicht viele Vereine, zum zweiten sind die Verzerrungen vermutlich auch nicht signifikant groß, und zum dritten geht auch nur ein Teil der Position im Ranking der aktuellen Stärke auf die Marktwerte zurück. Elo und Wettquoten sind zwei weitere Einflussfaktoren, die mutmaßlich genauso wichtig oder gar wichtiger sind.

Trotzdem könnte man sich für eine zukünftige Analyse vergleichbarer Art überlegen, ob man die Marktwerte um das Alter der Spieler bereinigt (was allerdings einen anderen, vom Marktwert unabhängigen Vergleichsmaßstab für die Stärke eines Spielers verlangt, auf dessen Basis man dann die Marktwertverzerrung durch das Alter herausrechnen kann – schwierig. Genau um das nicht machen zu müssen, nimmt man ja den Marktwert als proxy für Stärke in the first place).

Beim Homegrown-Bonus gebe ich Dir recht. Die Tatsache, dass jemand das „Homegrown“-Kriterium erfüllt, kann ihn teurer machen, als es seine innere Stärke eigentlich hergibt. Es kann also sein, dass eine Mannschaft, die viele Homegrown-Player hat, teurer ist als eine andere Mannschaft, die nur sehr wenige hat, ohne jedoch stärker zu sein.

Was Spieler mit PL-Erfahrung anbetrifft, stimme ich Dir nicht zu. Hier kann man nicht a priori ausschließen, dass Spieler mit PL-Erfahrung teurer sind als hinsichtlich äußerer Parameter wie Alter und Position vergleichbare Spieler auf dem Kontinent, weil sie die aufgrund der PL-Erfahrung auch wirklich besser sind. Sie sind teurer, ja, aber vielleicht sind sie auch um den Aufschlag besser?

Ja, aber vielleicht sind 12 der besten 20 europäischen Mannschaften auch diese englischen Vereine.

Ich verstehe Dein Argument, aber es setzt voraus, dass der Markt für Spieler ineffizient ist. Es setzt voraus, das ein und dieselbe Mannschaft, die in Portugal spielend einen Marktwert von 300 Millionen Euro hätte, in England spielend einen Marktwert von, sagen wir, 500 Millionen Euro hätte (auf jeden Fall aber >300 Millionen Euro).

Aber wenn das so wäre, könnte ein Arbitrageur einen portugiesischen/belgischen/… Spieler für x Millionen Euro kaufen und noch im praktisch im selben Atemzug für y>x Millionen Euro in England verkaufen. Auch könnte kein englischer Verein jemals einen Spieler verkaufen, denn jeder potentielle Interessent wäre besser beraten, einen genauso guten Spieler aus Portugal/Belgien/… für x<y Millionen Euro zu kaufen.

Wenn der Markt für Spieler effizient ist, darf es für den Preis zweier in allen für den Fußball relevanten Hinsichten völlig gleichwertigen Spieler keinen Unterschied machen, in welcher Liga sie spielen.

Ich vermute, dass der Markt effizient ist. Ich vermute, dass kein Herr Watzke oder Eberl oder sonst irgendein Manager freiwillig 20 Millionen Euro auf den Tisch legt, wenn er einen vollkommen gleichwertigen Spieler auch für 15 Millionen Euro bekommen könnte.

Ich vermute daher auch, dass der Preisunterschied zwischen in der Premier League spielenden Spielern und Spielern aus anderen Ligen auch durch Leistungsunterschiede gerechtfertigt ist (kontrolliert für solche Spezialfaktoren wie Homegrown-Status), zumindest in der Wahrnehmung der Abnehmer.

Aber vielleicht hast Du auch recht und der Markt für Fußballspieler ist ineffizient.

Real ist so ekelig. Die darf man nie abschreiben bis zum Schlusspfiff. Keine Ahnung was Perez für einen Deal hat mit dem Fußballgott…..