Veröffentlicht unter: Jérôme Boateng: "'Mes que un club' my ass" – so reagiert Spanien
Jérôme Boateng hospitiert beim FC Barcelona. Seine Vergangenheit und die Proteste der Fans des FC Bayern sind auch in Katalonien ein Thema. Jérôme Boateng wollte noch vor wenigen Wochen beim FC Bayern hospitieren. Dessen Fans machten per Petition, Protesten im Stadion und kritischen Stimmen auf der Mitgliederversammlung klar, dass der FC Bayern einem wegen vorsätzlicher Körperverletzung seiner Ex-Freundin verurteilten Gewalttäter keine Bühne bieten sollte. Die Proteste wirkten und der FC Bayern und Boateng entschieden kurz vor der Mitgliederversammlung, die Idee der Hospitanz zu verwerfen. Und die Proteste der Bayernfans waren bis Spanien zu hören und zu lesen, wie sich jetzt zeigt.…
Ich würde es mir wünschen, dass Boateng auch nicht in Barcelona hospitieren darf, denn anscheinend versteht er nicht, dass er erst etwas Reue zeigen muss um wieder in der Gesellschaft akzeptiert zu werden.
Flick schien ja nie ein Problem mit der ganzen Geschichte gehabt zu haben. Er war es ja auch, der unbedingt im Jahr 2020 eine weitere Vertragsverlängerung mit Boateng wollte. Die ersten Vorwürfe gab es im Übrigen bereits vor dem Frühjahr 2020, als man sich bei Bayern entschied den Vertrag nicht mehr zu verlängern.
Ob es damals rein sportliche Gründe waren oder ob die Vereinsführung sich nicht auch zumindest ein bisschen wegen der im Raum stehenden Vorwürfe gegen die vom Trainer so vehement geforderte Verlängerung stellten, werden wir nicht belegen können.
Was man allerdings vermuten kann, ist dass es Flick ziemlich egal gewesen sein dürfte, was seinem Spieler vorgeworfen wurde. Und es scheint ihm wohl immer noch egal zu sein, weshalb Boateng ja jetzt in Barcelona hospitieren darf.
Die Rolle von Flick dürfte man mMn gerne mal etwas herausstellen. Wenn man - absolut zurecht - den FC Bayern kritisiert, sollte man auch mal klar hervorheben, dass es der „nette Hansi“ Flick war und ist, der das ganze mMn sogar noch toppt.
Das ein wichtiger Aspekt. Mich enttäuscht das auch von Flick. Ganz klar.
Er hospitiert ja jetzt bereits schon in Barcelona. Er wurde schon offiziell vorgestellt bzw. willkommen geheißen.
Dann nicht weiter hospitieren darf.
Kompany und Bayern war es doch auch egal. Am Ende durfte Boateng ja nicht hier hospitieren, weil Bayern oder Kompany die Vorwürfe zu heftig waren, sondern weil ihnen die Kritik aus der Fanszene zu groß war. Und da sehe ich dann keinen Unterschied zwischen Flick und Kompany. Die Kritik in Barcelona ist wahrscheinlich einfach nicht groß genug.
Möglich, aber ich sehe es eher so:
Frühjahr 2020: Die Bayernführung will nicht mehr mit Boateng verlängern (möglicherweise auch wegen der Vorwürfe), Flick ist das völlig wurscht.
Herbst 2025: Bayern verzichtet angesichts öffentlichen Drucks, bei dem noch einmal alle Aspekte auf den Tisch kommen, Boateng hospitieren zu lassen. Flick ist das völlig wurscht.
Und hier sehe ich schon auch einen Unterschied zwischen Kompany und Flick, denn bei Kompany kann ich mir durchaus vorstellen, dass er in der Angelegenheit nicht so informiert war, wie es Flick ist. Kompany kennt Boateng aus ihrer gemeinsamen Zeit bei ManCity, die allerdings nicht sehr lange war und die lange vor den Vorwürfen war. Flick trainierte Boateng bei Bayern, als die Vorwürfe erstmals konkret geäußert wurden. Er wusste somit mit ziemlicher Sicherheit einiges mehr als Kompany, was ihn aber nicht zu stören scheint. Und das ist für mich dann schon ein Unterschied. Es ist schade, dass es den Druck von außen brauchte, bis Bayerns Verantwortliche einlenkten. Es ist aber noch schlimmer, dass es Flick noch immer überhaupt nicht zu stören scheint, was Boateng gemacht hat.
Das ist eben die Folge der immer noch vorhanden Beziehungen von privilegierten Männern, die @justin bereits angeprangert hat.
Beziehungen, aber auch sehr bewusstes Ignorieren. Die „ich will damit bloß nichts zu tun haben, es geht hier um Sport“-Haltung ist der gelebte Auswuchs von „Sport ist Sport und Politik ist Politik“. Flick fällt damit ja nicht erstmals auf und Kompany war grundsätzlich ja auf derselben Linie – einen ganz großen Unterschied kann ich da nicht erkennen. Die leben in ihrer Blase und es interessiert sie schlicht nicht. Ich glaube tatsächlich, dass ein Gespräch in etwa so läuft, dass Boateng denen sagt, dass das alles Quatsch ist und er seine gerechte Strafe ja bekommen und ausgesessen haben und dann sagen Flick und Co. halt: Alles klar. Für einen alten Kumpel habe ich immer Platz und ich helfe dir da gern. Ohne irgendwelche anderen Perspektiven zu checken.
Da wären eigentlich die Klubs gefordert, einzuschreiten, aber auch das ist bei Bayern ja erst passiert, als es Aufstand dagegen gab. Auch hier gilt: Laufen lassen, solange es keinen Gegenwind gibt.
Die hast natürlich mit allem Recht was du schreibst. Ich würde bei dem obrigen Satz nur noch ergänzen, dass das nicht nur für das Thema Missbrauch/Gewalt gegen Frauen gilt, sondern auch für viele andere Themen gilt.
Flick hat sich Mal während Corona komplett unnötig über Karl Lauterbach aufgeregt und hat mit seiner Kritik ziemlich klar offengelegt, dass er die Ernsthaftigkeit des Virus gar nicht verstanden hat.
Eurosport
FC Bayern München: Hansi Flicks Kritik an Karl Lauterbach sorgt für politische Diskussionen
Mbappe hat sich auch mal über Kritik an einem Pariser Kurzstreckenflug lustig gemacht und darüber gelacht und somit offenbart, dass für ihn das Thema Klimawandel oder Klimaschutz überhaupt keine Rolle spielt.
Es gibt dazu noch unzählige weitere Beispiele, wo klar wird, dass viele Fußballer bzw. Menschen in diesem Geschäft überhaupt nicht mehr die Probleme oder sorgen der allgemeinen Gesellschaft kennen und diese sie eigentlich auch nicht interessieren.
Natürlich sind nicht alle Spieler so, (siehe Kante oder Rashford) aber die Mehrheit im Profifußball ist es leider schon.
Ich sehe da schon noch einen Unterschied bzgl. Flick und Kompany.
Warum hat sich Boateng denn wohl die beiden FCBs als Clubs für seine Hospitationen ausgesucht?
Bayern ist naheliegend, denn da war er von 2011 bis 2021 10 Jahre lang unter Vertrag und hat alle seine sportlichen Höhepunkte in dieser Zeit erlebt. Da ist es naheliegend, dort wegen einer Hospitation nachzufragen, völlig unabhängig davon, wer gerade Trainer ist. Es hätte die Anfrage seinerseits wohl auch unter so ziemlich jedem anderen Trainer gegeben.
Warum allerdings kommt Boateng auf die Idee, in Barcelona zu hospitieren? Warum nicht bei Real, Arsenal, Liverpool, PSG etc. ManCity wäre übrigens als sein Ex-Verein, trainiert von dem Trainer, unter dem er den Sprung in die absolute Weltklasse schaffte, sogar noch nachvollziehbarer? Die Antwort dürfte leicht sein: Trainer in Barcelona ist Hansi Flick.
Und da liegt für mich der Unterschied begründet:
Boateng will bei Bayern hospitieren. Er wendet sich höchstwahrscheinlich an jemanden in der Vereinsführung und ihm wird vermittelt, dass man das für OK hält, vorausgesetzt der Trainer hält es ebenfalls für in Ordnung. Auch Kompany hat nichts dagegen, was allerdings auch deswegen sein könnte, weil er a) als Außenstehender nicht so in die Causa Boateng eingeweiht ist oder b) deswegen keinen Disput mit der Vereinsführung riskieren will.
Boateng will bei Barcelona hospitieren. Er wird ziemlich sicher nicht über die Vereinführung anfragen, sondern seinen guten Draht zu Flick nutzen. Somit holt er sich das OK von Flick ein, obwohl der ziemlich sicher genauestens über die Causa Boateng Bescheid weiß. Dieser gibt sein OK und informiert den Verein über den Trainingsgast. Sein Verein widerspricht ihm nicht, weil sie entweder a) nicht in die Materie eingeweiht sind oder b) deswegen keinen Disput mit ihrem Trainer riskieren wollen.
Das ist natürlich nur Spekulation meinerseits, aber mMn nicht ganz an den Haaren herbeigezogen. Und genau deswegen würde ich eben schon sagen, dass es bezüglich der Trainer beider Vereine und ihrer Rolle in dieser Angelegenheit einen Unterschied gibt.
Wenn ich mich recht erinnere, hat Kompany selbst gesagt, dass sich Boateng zuerst bei ihm persönlich gemeldet hatte. Bzw. es klang fast so, als Kompany ihn eingeladen hätte. Er hat selbst gesagt, dass sie gute Freunde sind. Beide hatten über die Presse kundgetan, dass sie sich toll finden und die Hospitanz super geil wäre. Boateng hat wohl genauso noch einen guten Draht zu Flick. Würde mich überraschen, wenn die Vereinsführung da pro-aktiv war. Meine sogar Eberl hat gesagt dass Angelegenheiten des Trainer-Teams und damit auch die Hospitanz von Kompany entschieden werden. Wir können es Bro-Culture oder Patriarchat nennen, aber ganz grundsätzlich wird es allen hier leicht gemacht, sich selbst nicht allzu sehr zu hinterfragen.
Wenn Kompany b) keinen Disput mit dem Vorstand will, dürfte er das Thema ja eigentlich garnicht erst aufmachen und dass er a) nicht informiert ist würde ich auch stark bezweifeln, da das spätestens nach der ersten öffentlichen Aussage von Boateng der Pressesprecher des FC Bayern auf dem Schirm haben sollte und Kompany mindestens vor einer PK mit dem aktuellsten Stand brieft. Ob er sich dann mit den Infos weiter beschäftigt liegt bei ihm. Ich gehe davon aus, dass Dieter Nickles seine Arbeit gut macht, so zumindest mein bisheriger Eindruck.
Dasselbe trifft meiner Ansicht nach auch auf den spanischen FCB zu. Wie Justin auch sagt, sie müssen sich damit nicht beschäftigen, solange es keinen Druck von Außen gibt und im gleichen Zug bedeutet es für sie ja erstmal nichts schlechtes, wenn sie sich Boateng als Hospitant holen. Im Bezug auf Marketing ist auch nicht zu unterschätzen, dass Baoteng international viele Fans und Follower hat. Die sind meiner Ansicht nach die einzigen, denen ich durchgehen lassen würde aufgrund der Sprachbarriere nichts von den Berichten zu wissen. Aber selbst da müsste es nach den Protestaktionen und neuen Presseberichten, die Georg verlinkt hat, mittlerweile einsickern.
Ich finde wir sollten langsam aufhören diesen Menschen den „Benefit of the doubt“ zuzugestehen. Alle Beteiligten hier haben mehr als genug Ressourcen und Möglichkeiten, um sich mit dem Thema so auseinanderzusetzen, dass es dem gerecht wird. Ein großer Teil des Sportjournalismus im Profifußball, besonders bei der Spieltagsberichterstattung, ermöglicht diese unkritische Haltung und diese Kultur tagtäglich. Jeder Artikel wie dieser hier und die der spanischen Spresse ist also echt gold wert.
Genauso kann man durch gekonntes Ignorieren leider nichts von dem Thema mitbekommen und sich so scheinbar in Unschuld wägen. Aber das ist dann trotzdem eine bewusste Entscheidung.
Danke für den Hinweis, dass Kompany hier scheinbar eine aktivere Rolle eingenommen hat.
Bei der entsprechenden PK sagte er allerdings auch folgenden Satz:
„Ich würde jede Bayern-Legende mit guten Absichten für eine Woche einladen, damit diese dann die Erfahrungen teilt. Unsere Jungs wollen noch lernen.“
Die Aussage, dass beide gute Freunde sind, habe ich hingegen mit weniger Begeisterung aufgenommen.
Das Vorgehen hier sehe ich anders. Ich denke, dass bei einer Hospitanz vor allem erstmal der Trainer gefragt wird und denke, dass das auch hier passiert ist. Er hat seinen alten Wegbegleiter Kompany gefragt und der gab das Go. Hier geht es ja nicht um eine offizielle Vereinsposition, sondern um das Zuschauen bei mehreren Trainings und darüber hat Kompany sehr große Entscheidungsfreiheit. Wenn jemand hospitieren will, fragt er Kompany, der sagt eventuell kurz bei jemandem im Klub Bescheid und dann läuft das. Hier war es eben die Persona Boateng, die einen Unterschied gemacht hat.
Kompanys Aussagen und Reaktionen zeigen jedoch, dass er ebenso wie andere in diesem Business kein Interesse an den Vorwürfen gegen Boateng hat. Mir ist es da auch zu einfach, ihn als uninformierten Belgier hinzustellen. Kompany mag sich nicht den Spiegelpodcast angehört haben, aber er wird vor jeder PK minutenlang gebrieft, was heute Thema sein könnte. So etwas kommt nicht überraschend. Es ist die Aufgabe des Medienteams, ihn auch hier zu briefen. Natürlich ist es möglich, dass das Medienteam ihn dazu nicht ausreichend gebrieft hat und deshalb gebe ich ihm gewiss nicht die alleinige Schuld am kommunikativen Desaster. Aber herausnehmen kann man ihn nicht. Er ist Profi und das Thema wurde medial bereits angekocht, bevor er seine Aussage dazu getroffen hat. Und die war halt leider sehr, sehr dünn. Wenngleich man irgendwo auch nachvollziehen kann, warum er in seiner typischen Art und Weise lieber zurückhaltend agiert hat, was Vorwürfe oder Aussagen gegen Boateng angeht. Vielleicht wäre es aber besser gewesen, zu sagen: Das Thema diskutieren wir intern. Oder so.
Gutes Video zur Boateng-Doku
Ach du scheiße, das sieht ja ganz übel aus… Hast du die Doku gesehen? In der Ankündigung heißt es dass ja auch Gabriela Keller dort zu Wort kommen würde.
Habe sie noch nicht gesehen
Ich schaue es mir gerade an… ganz ehrlich, ich habe das Gefühl diese „Dokumentation“ ist noch wesentlich schlimmer als die Youtuberin in ihrer Rezension sagt. Es ist nicht nur ein kostenloser Imagefilm für Boateng, es werden vielmehr seine Gewalttaten darin verharmlost.
Ganze 12 Minuten von insgesamt 136 Minuten war es den Filmemacherinnen wert, dieses Thema anzusprechen. Und wie? (Zur Einordnung - Der Podcast NDA hat insgesamt eine Länge von 210 Minuten, mit dessen Inhalten Boateng in keiner Silbe hier konfrontiert wird)
Es kommt fast ausschließlich die Boulevardpresse zu Wort, wie in einer Hitparade, wo alle nochmal locker flockig ihre oberflächlichen Kommentare zu den besten Hits von Abba abgeben.
Kontextualisiert wird der Zusammenhang mit Boatengs Verletzungsproblemen und dem Verlust seines Stammplatz. Daniel Müksch ordnet ein, dass es den Körper eines Spielers anfälliger macht, wenn privat etwas nicht im Reinen ist. Damit wird klar die Priorität in der Beobachtung aufs Sportliche gelegt - ärgerlich, dass diese privaten Problemchen ihm diese Steine in den Weg gelegt haben. Auch hier ist schon eine handwerkliche Unsauberheit: Ermittelt wurde gegen Boateng seit 2018. Seine ersten bekannten Gewalttaten gegen Sherin S., die Mutter seiner zwei Kinder, haben sich möglicherweise schon durch ihre Beziehung seit 2007 gezogen. Verbunden wird es hier mit seinem Aus aus der Nationalmannschaft 2018 und generell seinem Karriereende. Dabei hat er in dieser Saison lediglich eine Phase über etwa einen Monat mit einer Oberschenkelverletzung gehabt, bei der er 6 Spiele pausieren musste. Bis zu seinem Abschied vom FC Bayern im Juli 2021 hat er keine größere Verletzung mehr, absolviert in der Saison 2020/21 noch 3.075 Minuten als Stammspieler unter Hansi Flick und gewinnt dabei die CL. Was soll dieser Kommentar? Wenn man sich eine sportliche Expertise zu Verletzungen und psychischen Zusammenhängen einbringen will, wieso nicht wirklich eine*n Sportmedizinerin oder Psychologin fragen? Wieso ausgerechnet in diesem Zusammenhang? Wieso werden die Fakten und die Chronologie hier so durcheinander gebracht und dazu lediglich mit Halbwissen von Fachfremden zu einem unterkomplexen Narrativ zusammengebastelt?
Dazu kommt, alles wird ausschließlich aus Boatengs Perspektive dargestellt, obwohl er sich selbst kaum äußert.
Angefangen mit: Der traurige Boateng mit seinen 2 Kindern allein bei der Meisterfeier - ja das ist traurig, aber was könnte wohl der Grund dafür sein?
Der Film greift die Situation aus dem Urlaub mit Sherin S. auf, Jacqueline Belle, die auch eine Episode in ihrem True Crime Podcast darüber veröffentlicht hat, moderiert die Geschehnisse korrekt und sachlich an, wird aber mitten in der Geschichte abgeschnitten und ergänzt von Boulevard Journalistin Susanne Klehn (Brisant), die lediglich mit theatralem Ton ergänzt, Boateng hätte seine Partnerin angeblich ins Gesicht geschlagen. Keine Silbe aus den zahlreichen detailierten Beschreibungen aus den Gerichtsverfahren. Kein Sible darüber, wie sich die Gerichtsverfahren abgespielt haben. Keine Silbe über den systematischen Machtmissbrauch, die Überwachung, Einschüchterungsversuche. Nichts.
Ergänzt wird die Boulevard Reporterin von einer Bild Schlagzeile: „Boateng einst Vorbild, jetzt Frauenschläger“. Es wächst der Eindruck er soll hier als Opfer des Boulevard inszeniert werden. Für was davon er selbst verantwortlich ist gibt es keine Reflektion.
Passend dazu Thomas Helmer mit seinen ersten zwei Gedanken:
- Scheiße, hoffentlich ist es nicht so.
- Oh mist, das jetzt weg zu bekommen aus den Köpfen der Menschen…
Marcel Reif: Hoffentlich will ihm nur jemandem schaden
Gicem Celik: Von Außen wirkt Boateng ja wie ein Familienmensch. Wir haben ein Bild von ihm als Sunshine, liebevoll, verantwortungsbewusst.
Ich bin sprachlos. Woher nimmt sie dieses Bild von einem Menschen, den sie persönlich garnicht kennt? An welcher Stelle genau zeigt Boateng sein Verantwortungsbewusstsein auf instagram?
Das einzige, was Dr. Alexander Stevens vom selben True Crime Podcast einordnend hinzufügt ist, dass es ja auffällig ist, dass Boateng das Sorgerecht für seine 2 Kinder bekommen hat, obwohl Sherin S. ja darum mit allen Mitteln gekämpft hätte. Seine Podcastpartnerin ergänzt, dass von dieser Auseinandersetzung die Öffentlichkeit eigentlich kaum etwas mitbekommen hat. Vielleicht hätten sie Mal bei ihren Podcast Kolleginnen vom Spiegel anklopfen sollen…
Ihre Aussagen vermitteln ein sehr unterkomplexes Bild von Sherin S., bei dem sowohl die Gewalttaten von Boateng zum Großteil verschwiegen werden, als auch ohne beim Gerichtsprozess ins Detail zu gehen. Der glimpfliche Ausgang wird Boateng zu Gute gelegt und nicht seinen Anwälten. Suggeriert wird dabei unmissverständlich eine Täter-Opfer Umkehr.
Wer ordnet also nun die Geschichte mit Kasia Lenhardt ein? Genau: Influencerin Gicem Celik gemeinsam mit Boulevard Journalistin Susanne Klehn.
Das einzige, was Gabriela Keller vor der Kamera sagen darf ist eine Lexikonerklärung, was überhaupt ein NDA ist und was die Fans von Boateng unter Kasia Lenhardts social media Posts geschrieben haben. Zum Glück wissen wir nun wenigstens das. Der Zusammenhang dieser beiden Dinge wird mit den dazwischen geschnittenen Kommentaren fast schon mutwillig verwässert. Gesagt wird sinngemäß wie verantwortungslos es doch sei in der heutigen Zeit auf social media solche schlimmen Kommentare zu schreiben. Es entsteht der Eindruck die Verantwortung ist gerade nicht bei der Person zu suchen, die namensgeber dieses Films ist. Boatengs Bild Kampagne wird von den Stimmen aus dem Off Rosenkrieg und Schlammschlacht genannt. Gibt es bei einer Schlacht nicht immer zwei Kriegsparteien und nicht nur einen Täter und eine Betroffene? Dass Lenhardt sich aufgrund des NDA garnicht äußern durfte, wird lediglich im Nebensatz ergänzt. Cathy Hummels ordnet Gott sei Dank ein, dass NDAs ja etwas ganz normales sind in der Branche. Das wird unhinterfragt so stehen gelassen. Dazu ergänzt sie, es muss einen Grund für dieses Bildinterview von Boateng gegeben haben. Auch danach wird Boateng nicht gefragt.
Boateng spricht selbst mit gewohnt ruhiger Stimme. Es war für ihn eine schwierige Zeit, aber eigentlich waren sie ja sehr glücklich. Es hat sich nur leider nicht so entwickelt. Seine emotionalen Momente bekommt er, obwohl es fast emotionaler wirkt, als er sich später im Film von seinen Mannschaftskollegen des FCB verabschiedet. Er sagt er liebte Lenhardt und das Bild Interview war ein Fehler. Das wars, mehr kommt nicht. Keine kritische Nachfrage, keine Einordnung. Nichts.
Alles wird abgerundet mit dem Kommentar von Marcel Reif sinngemäß: Ja mei, wenn du ein Bayern Spieler bist, dann wird dein Privatleben halt öffentlich und der Scheinwerfer scheint nochmal ein bisserl heller drauf. Aber am Ende gehts doch eigentlich ums Sportliche. Ganz passend dazu wird darauf folgend der Abschied Boatengs vom FC Bayern gezeigt und er wird gefeiert für seine zahlreichen Erfolge. Eine korrekte Chronologie oder einordnende Zusammenhänge werden hier vergeblich gesucht.
Für jede*r die*der sich selbst ein Bild davon machen will: Die Geschehnisse rund um Boatengs Gewalttaten werden im 3. Teil angesprochen. Ich möchte sie hier nicht verlinken. Die Bewertungen in der Mediathek sind erwartbar grauenhaft und die Kommentare sehr kritisch, bis hin zu wütend. Dass so ein Film mit Rundfunkgeldern finanziert wurde ist meiner Ansicht nach ein Skandal. Ich bin sprachlos. Wie konnte es dazu kommen?