Abschluss der norwegischen Wochen in der CL. Nach dem Auftakt gegen Bodö Glimt treffen die Bayern am zweiten Spieltag auf Viking Stavanger.
Stavanger ist dabei so etwas wie das Gegenmodell zur nordischen Romantik bei Bodö. Dort am Polarkreis sagen sich bekanntlich Bär und Wolf gute Nacht und unermüdlich zieht der mächtige Elch seine Bahnen (idealisierte Darstellung ).
In Stavanger weiß man nichts von solchen Dingen. Im tiefen Süden von Norwegen gelegen, vom Golfstrom gewärmt, ist Stavanger eine geschäftige Großstadt, das Zentrum der norwegischen Ölindustrie. Auch Viking ist alles andere als ein Außenseiter im norwegischen Fußball, sondern ein Traditionsklub mit vielen Titeln in seiner Geschichte. In den letzten Jahrzehnten lief es in der Hinsicht allerdings etwas schleppend. Erst in der letzten Saison konnte man eine Durststrecke von 34 Jahre überwinden und wieder die Meisterschaft erringen. Auch dieses Jahr lässt sich bisher gut an, man liefert sich an der Tabellenspitze wieder ein enges Rennen mit Bodö.
Am ersten Spieltag der diesjährigen CL stellte man sich schon einmal in Deutschland vor, bei der 1:3 Niederlage in Stuttgart. Phasenweise eine ordentliche Leistung, aber an der verdienten Niederlage gab es nichts zu deuteln. Zwei Besonderheiten sind es die Viking in der internationalen Fußballwelt zu bieten hat. So setzt Stavanger mit Bjarte Lunde Aarsheim und Morten Jensen auf zwei gleichberechtigte Cheftrainer. Der Erfolg scheint ihnen hier recht zu geben. Die zweite ist, dass Viking seine Heimspiele auf Kunstrasen austrägt. Grund genug für Vincent Kompany das Abschlusstraining diesmal in Stavanger abzuhalten, um seinen Spielern die Gelegenheit zu geben, sich etwas an diese Bedingungen zu gewöhnen.
Gewöhnen mussten sich die stolzen Bayern auch an etwas anderes, nämlich an sieglose Auswärtsspiele. In der BL konnte man bisher nur ein Spiel gewinnen, beim Aufsteiger Elversberg. Zweimal musste man sich mit einem Remis genügen, bei einen Torverhältnis von 4:3. Vor allem in fremden Gefilden scheint der 122-Toresturm der letzten Saison noch etwas Ladehemmung zu haben. Noch kein Grund zur Panik, aber Grund genug den Ausflug nach Norwegen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.
Personell hat sich bei den Münchnern nichts verändert. Fehlen wird weiterhin Musiala, alle anderen sollten zur Verfügung stehen. Was wird Kompany daraus machen? Nach seinen Aussagen und der derzeitigen Situation geschuldet, wird wohl keine allzu heftige Rotation zu erwarten sein. Vielleicht rückt der frischgebackene Papa Konnie Laimer wieder ins Team. Auf der einzigen nicht klar vergebenen Position, der Zehn, könnte es wieder einen Wechsel geben.
Was das Gemüt der Bayernfans allerdings am meisten bewegen dürfte, ist der Platz zwischen den Pfosten. Nach den Patzern von Manuel Neuer gegen Augsburg ist die Diskussion um die Nr.1 heiß entbrannt. In Umfragen fordern bis zu 90% der Teilnehmer, Urbig solle ins Tor rücken. Grundsätzlich sicher keine einfache Situation für Kompany, dem sich zumindest für Stavanger allerdings ein probater Ausweg auftut. Der schon erwähnte Kunstrasen könnte es sein, der die Torhüterdebatte zumindest um ein paar Tage nach hinten verschiebt. So soll es schon vor dem Augsburg-Spiel Überlegungen bei den Bayern gegeben haben, dieses Spiel Jonas Urbig anzuvertrauen. Offensichtlich gibt es Befürchtungen, dass der vielfach vorgeschädigte Körper von Manuel Neuer mit diesem Geläuf Probleme bekommen könnte.
Wer auch immer am Ende im Tor steht, ist ein Sieg auf jeden Fall Pflicht. Die Vergangenheit zeigt, wie unangenehm es werden kann, am Anfang verschenkten Punkten hinterher laufen zu müssen. Und die drei Punkte in Norwegen sind sicher vorab fest eingeplant.
„Die Sandplätze also: Nevland sagt, das sei einer der wichtigsten Gründe für die Transformation des norwegischen Fußballs. Sie haben vor ungefähr 25 Jahren angefangen, überall im Land Kunstrasenplätze zu bauen. Seitdem ist Fußball in Norwegen nahezu das ganze Jahr möglich, und zwar auf gleichbleibend guten Plätzen, von denen viele auch noch beheizt werden.
Das Geld für die Kunstrasenplätze stammt aus einem Finanzierungsmodell, das typisch ist für dieses Land. Vieles wird zentral gesteuert und reguliert, das bekannteste Beispiel ist der Ölfonds:“
„Der bulgarische Schiedsrichter Georgi Kabakov wird das Auswärtsspiel des FC Bayern bei Viking Stavanger in der Champions League am Dienstag leiten. Hinter dem 40-Jährigen liegen turbulente Monate – in seinem Heimatland darf er nach einer Suspendierung erst seit Beginn der laufenden Saison wieder pfeifen.
Im Oktober 2025 hatte ihn der bulgarische Verband BFU – ebenso wie seinen Kollegen Wladimir Walkow – vom Spielbetrieb ausgeschlossen.
Die Sperre erfolgte „auf unbestimmte Zeit aufgrund ihrer unzureichenden Leistung als VAR-Schiedsrichter im Spiel der 11. Runde der efbet-Liga zwischen Slavia und Lokomotiv Sofia“, hieß es in einem Statement.
Medienberichten zufolge hatte es sogar weitere Spiele mit kontroversen Entscheidungen gegeben. Nie zuvor ist ein Schiedsrichter in Bulgarien auf diese Weise suspendiert worden.“
Da haben sie uns ja einen echten Spezialisten ausgesucht.
Einerseits ja - mich hatte schon direkt nach dem Spiel in den Fingern gejuckt, hier zu posten, dass Neuer vermutlich am Dienstag (also heute) verletzungsbedingt ausfallen wird …
Andererseits nein - dass mit 40 der Körper immer wieder mal an irgendeiner Stelle Beschwerden macht, dürfte normal sein, gerade wenn man da noch Leistungssport macht. Jetzt kann man die Schmerzen ignorieren und trotzdem spielen oder auch mal sagen, ich mache eine Pause, bevor daraus eine ernsthafte Verletzung wird.
Und im konkreten Fall ist es für alle Beteiligten so entspannter: Kompany muss sich keine Fragen anhören, ob das jetzt schon der Wachwechsel ist; wenn Urbig einen Fehler machen sollte, braucht man auch nicht diskutieren, ob Neuer den gehabt hätte … und für Neuer selbst bleibt das Gesicht gewahrt, weil er eben offiziell nicht wegen seiner Fehler ausgebootet wird.
"Vor Ort in Stavanger fiebern Klub und Fans dem Kräftemessen mit den Bayern entgegen. Mit Demut, aber auch selbstbewusst, wie Eirik Björnö (35) in einem Interview mit der Münchner Abendzeitung ankündigte. Der Geschäftsführer Vikings baut dabei auf genau jene äußeren Umstände: „Ich hoffe, die Fans und der Kunstrasen helfen uns. Gleichzeitig hoffe ich, dass das Wetter auf unserer Seite ist und es richtig regnet und wilde Winde gibt.“