Wo ist die WM-Liebe hin? Eine Spurensuche im Mondlicht von Rom

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Die WM 2026 steht vor der Tür. Und doch spüren viele Fans, die mit den Turnieren der 80er- und 90er-Jahre aufgewachsen sind, eine ungewohnte Ruhe. Wo ist das Kribbeln geblieben? Die Fußball-Weltmeisterschaft steht an und es fühlt sich anders an als früher. Wer dieses Gefühl kennt, muss es nicht als Verlust deuten. Es ist weniger Bitterkeit als vielmehr eine Mischung aus Psychologie – und einem Fußball, der sich verändert hat. Das erste Mal bleibt unerreichbar. Ein Teil der Antwort liegt in uns selbst. Wer Weltmeisterschaften als Kind oder Teenager erlebt, speichert sie anders ab. Das Gehirn ist empfänglicher, Emotionen schlagen…

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Ich habe jetzt im Vorlauf der WM auch daran gedacht und etwas nostalgisch zurückgeschaut. Dieses “Zeit, dass sich was dreht”-Gefühl gab es für mich zuletzt 2010. 2014 war schon auch noch cool (wer hat da gewonnen, keine Ahnung). Aber die Turniere danach waren so “egal”.

Da spielt leider auch Politik eine Rolle. Erstens, dass die FIFA das Ding halt zweieindrittel mal in Folge jetzt in Diktaturen und solchen die es werden wollen ausrichten lässt. Und zweitens, dass ich das überhaupt wahrnehme, weil ich selbst auch viel politischer geworden bin.

Aber nicht nur. Ich glaube, wie ja auch der Artikel schreibt, dass da ein bisschen normale Nostalgie/Kindheitserinnerungen eine Rolle spielen, die man mit 43 halt nicht mehr neu macht. (“Du vermisst nicht die 90er, du vermisst es 12 Jahre alt zu sein und keine Sorgen zu haben”). Und die WMs sind ein Teil davon.

1990 war meine erste. Gerade in Deutschland große Veränderungen, aber WM ist einfach nur Fußball und “geil”. Und mit den Spielern aus dem Osten war man dann auch auf Jahre unschlagbar. Oder so. Nee, Spaß. Aber ja das “Kribbeln” war zuletzt 2010 so richtig.

Bei mir hat sich das erstmal verlagert auf den Frauenfußball. Da erlebe ich aktuell mehr Vorfreude auf die jeweiligen Turniere. Oder überhaupt Länderspiele an sich. Mal sehen, wann dort der Erfahrungstank voll ist und sich das dann eventuell auch legt.

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Da bin ich ja froh das mir jetzt halbwegs nachvollziehbar erklärt wurde, woran es liegen kann, dass sich bei mir bei WM und EM gar nicht mehr so viel bewegt, wie es einmal war.
Ich hatte auch schon in den letzten Jahren selbst festgestellt, dass mich einiges weniger triggert oder hinter dem Ofen vorholt.
Sicherlich werde ich das ein oder andere Spiel anschauen, aber wenn ich etwas verpasse, dann stört es mich nicht unbedingt.
Wie im Beitrag erwähnt, die Fülle an Stars, die jederzeit abrufbar sind, werden nicht mehr als Besonderheit betrachtet. Im Grunde genommen schade, aber man ist halt übersättigt.
Das ist bei vielen Dingen so, WM als Jugendlicher war etwas neues, da hatte man Spass dran.
Heutzutage ist das wie die 12. Staffel einer Serie, bei der man zum zigsten Male erleben durfte, der mit ihr und die hat den erschossen… ok…

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„Ein Teil der Antwort liegt in uns selbst. Wer Weltmeisterschaften als Kind oder Teenager erlebt, speichert sie anders ab.“

Amen, besser kann man es nicht formulieren.

Und dazu kommt (für mich persönlich) natürlich die Tatsache, dass heute statt 32 nun 48 Mannschaften unter anderem in den USA spielen. Nicht nur die Zeitverschiebung, sondern auch Politik spielt dabei eine gewisse Rolle (ohne es hier jetzt episch ausbreiten zu wollen).

Es ist, wie es ist. Wie sagte Jochen Malmsheimer schon in „Das Wurstbrot“:

„Früher war nichts besser. Früher war vor allem früher. Das ist richtig. […] Dabei ist das natürlich grober Unfug, früher war nichts besser. Aber früher war vieles früher […] . Aber es gab Sachen, die waren früher gut!“ :wink:

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Der Fußball war früher aus meiner Sicht nicht besser.
Aber anderes schon.

Finde das ist nur die halbe Wahrheit. Mein Sohn hat leider erst die WM 2018 als erstes bewusst mitbekommen. Selbst der sagt zu 100% dass das nichts mehr ist was einen Hype auslöst. Wir schauen zusammen die Dokus und Filme über 1990, 1994 und 2006, das ist einfach nicht mehr vergleichbar.

Es ist durch den Modus, die vielen Mannschaften, die Austragungsorte so verwässert, dass es einem einfach den Spaß nimmt. Von Stadionbesuchen mal ganz abgesehen, oder inzwischen auch Fanmeilen. Selbst die EM im eigenen Land war ja meilenweit weg von dem was 2006 abging. Natürlich ist auch das politisch inzwischen, einfach mal ohne weiteres Spaß oder eine geile Zeit haben funktioniert halt nicht mehr.

Und wenn sich das Rad so weiter dreht hin zu maximalem Generieren von Einnahmen wird das auch eher schlimmer statt besser. Vielleicht bräuchte die FIFA und auch die UEFA einfach mal Konkurrenz. Einfach mal eine Retro-WM mit 24 Mannschaften oder was in der Richtung. Ansonsten bleibt eben der Fokus auf dem Vereinsfußball. Isso.

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Die FIFA hat das schon antizipiert und eine Klub-WM eingeführt. Man entkommt ihr einfach nicht.

Glaube das kennt jeder, dass Ereignisse und Emotionen aus der Kindheit und Jugend nicht mehr rückholbar sind. Ein Kuss mit Mitte 30 ist einfach nicht dasselbe wie der erste Kuss im Skilager in der siebten Klasse…warum sollte es bei Fußball-Großereignissen anders sein?

Ohne das jetzt hier in eine politische Richtung drehen zu wollen, halte ich diese defätistische Grundhaltung, die mittlerweile im ganzen Land extrem schick zu sein scheint, für ein ernstes Problem. Einfach mal ohne weiteres Spaß haben ist sogar verdammt wichtig-vor allem individuell, aber auch gesellschaftlich. Ich kann den Typen zwar auch nicht ab, aber selbst Donald Trump wird nicht zum deutschen Achtelfinale in deinen Garten marschieren und den Grill umtreten. Einfach mal wieder ohne weiteres Spaß haben würde vielen Leuten verdammt gut tun.

Ob jetzt die Anzahl der Mannschaften so viel zur Sache tut weiß ich nicht. Chancenlose Außenseiter, die gegen bessere Teams deutlich verlieren, gab es früher auch schon und zumindest die Anzahl der Spiele einer Mannschaft ist meines Wissens jetzt nicht nennenswert gestiegen. Früher führte der Weg zum WM-Titel über drei Gruppenspiele ins Achtelfinale-heute ist eben noch ein Sechzehntelfinale dazwischen geschaltet. Das hätte ich jetzt auch nicht gebraucht, aber von einer totalen Inflation an Spielen zu reden finde ich schon etwas übertrieben.

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Es ist einfach die Realität. Dazu muss man sagen meinte ich mit dem Satz nicht das Individuelle sondern das Gesamtheitliche. Auch 2006 gab es kritische Stimmen. Denen wurde aber einerseits nicht so viel Gehör geschenkt und es waren andererseits nicht so viele und tw. „radikale“.
Heute herrscht ein eher ablehnender Grundtenor (meine Wahrnehmung) aus vielen Richtungen der über allem schwebt.
Für mich persönlich spielt das keine allzugroße Rolle, ich kann

Im Familien- und/oder/Freundes geht das zweifellos, aber nicht mehr in der Breite.

Was vielleicht auch noch mit reinspielen könnte:
Als Normalverdiener kann man heutzutage eigentlich nicht mehr bei einem Turnierspiel ins Stadion.
Sorry, mir ist kein Live-Fußballspiel der Welt 150 € wert. Von 500 € oder darüber ganz zu schweigen.

Meine erste bewusste WM-Erinnerung ist, dass meine Eltern einen Sekt auf die Weltmeister 1990 tranken. Zu dem Spiel durften wir länger aufbleiben.
Richtig selbst geschaut habe ich 1994 das erste Mal… oje.

Was mir aber immer in Erinnerung bleiben wird:
WM 2006 in Deutschland. Ich hatte Karten für drei Spiele.

Australien - Kroatien in Stuttgart: Letztes Gruppenspiel.
Wir hatten Karten im neutralen Block, aber am Rande der australischen Fankurve. Die Australier kamen in diesem Spiel völlig überraschend weiter ins Achtelfinale. Direkt nach dem Spiel hat der Stadion DJ Grips bewiesen und „Down Under“ von „Men At Work“ gespielt. Gefühlte 20000 Australier neben uns machen eine Party ohne Ende. Die Spieler vor der Kurve auch. Danach gab es gefühlt ein AC/DC-Konzert mit einem Klopper nach dem anderen. Kein Australier ist vor einer Stunde nach dem Spielende raus. Wir auch nicht.

Tschechien - Ghana in Köln: Auch hier soweit ich mich erinnern kann letztes Gruppenspiel. Wir saßen in der Nähe der ghanaischen Tribüne. Ich war für Ghana - mein Kumpel für Tschechien. Ghana macht ein Riesenspiel, gewinnt 2:0, kommt weiter, die ghanaischen Fans rasten komplett aus. Mein Kumpel übrigens auch, was den Spaßfaktor für mich nochmal erhöht hat.

Das dritte Spiel wäre Ukraine - Tunesien in Berlin gewesen. Hat die deutsche Bahn mit überbordender Bürokratie verhindert. War im Nachhinein sehr gut so; das war ein 0:0 und das bei weitem schlechteste und langweiligste Spiel der WM.

Könnte ich mir das heute nochmals leisten?
Nie im Leben.

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Kommt ein bisschen darauf an, was du als ”Nomalverdiener” ansiehst, aber ich behaupte mal, rein finanziell könnten sich das die meisten schon leisten. Der entscheidende Punkt ist dein zweiter Satz: ist es einem so viel Geld wert?

Und da kann ich für mich mit einem klaren Nein antworten.

Früher war Maradona quasi ein Phantom hinter den Alpen der nur zur WM Endrunde für die nicht Stadiongänger / italienische TV Zuschauer sichtbar wurde. Und Kamerun bestand aus Afrikanern die komplett anderst spielten als die heimischen Dachdecker und Innenausstatter die mit 19 Profis wurden. Heute hast Mbappe 10x 90 Minuten gesehen und mit 5 Klicks in YouTube kannst dein Leben mit Videos verplempern. Und auch Exoten gibt es nicht mehr, da Curracao aus 25 Jungs die in Holland geboren wurden und Algerien aus 25 Franzosen besteht.

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Ich glaube das ist der Punkt: völlige Übersättigung. Fußball ist überall. Jeder kennt jeden Spieler und könnte ihn täglich spielen sehen.

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Aber nicht an der WM. Es ist ein Unterschied ob ich Mbappé gegen Sparta Prag, Getafe oder an der WM sehe. Das ist für mich nicht das gleiche.

Natürlich war es früher exotischer, weil du die Spieler sonst nie hast spielen sehen. Aber ich denke, dass deswegen die WM nicht weniger reizvoll ist. An einer WM gilt es. Klar, der neue Modus ist nachteilig, weil man fast nicht ausscheiden kann in der Vorrunde. Aber trotzdem musst du in Top Form sein und Deine beste Leistung bringen. Für alle Spieler ist es etwas besonderes an einer WM zu spielen. Schaut Euch mal die Kimmich Doku an. Bayern München, ja toll. CL gewinnen, ja unbedingt. Aber für die Nationalmannschaft zu spielen an einer WM, das ist nochmals ein anderes Level. Das spürst du direkt.

Wer übersättigt ist und meint die WM sei so ein Krimes Pokal, der jetzt auch noch gespielt werden muss, der täuscht sich. Für die Beteiligten ist das immer noch das Größte.

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Absolut. Und zwar in allen Belangen.

Mir ist gestern noch eingefallen: Panini Album. Was habe ich da mit Freude und Enthusiasmus gesammelt und getauscht in den 80ern, wie alle Jungs damals in der Klasse. Heute braucht man eine Hypothek aufs Haus wenn man das Album voll bekommen will.

Waren es damals um die 400 Sticker und 600+ in den 2000ern sind es jetzt sage und schreibe 980 Sticker!!! Rechnerisch müsste man 1.464 Tüten kaufen um das Album ohne Tauch vollbekommen. Bei 1 € die Tüte…welches Kind soll das noch mitmachen? Auch da geht ein Element komplett den Bach runter.

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Es geht ja auch nicht darum, dass man statt Frankreich vs Norwegen Goldrausch in Alaska S37E57 auf DMAX schaut. Aber dieses „boa, boa geil morgen beginnt die WM! Man reiche mir den Sonderurlaub“ hält sich (auch altersbedingt) in Grenzen. Vieles ist eben gefühlt auf emotionaler Flughöhe Conference League Finale.

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mag sein, aber ich bin ja nicht Beteiligter. Das Gefühl einer überdimensionierten Kirmesveranstaltung wird natürlich durch die Stimmung in den Stadien dann noch verstärkt. Beispielhaft bei USA-D (auch wenn das nur ein Freundschaftsspiel war und die in D auch immer mau sind). Ausnahmen werden die Südamerikaner sein. Aber ansonsten kannst du mir/kann ich mir Kongo-Usbekistan und Saudi-Arabien - Kap Verde einfach nicht schön reden, auch nicht schön saufen. Und durch den doofen Modus werden viele Spiele der mittel bis ganz großen Nationen auch vollkommen irrelevant sein. Weiterkommen tun eh alle. Und für die Prognose, wer gegen wen in den kommenden Runden spielt, brauchst du KI, die auf einem Quantencomputer läuft, um alle Eventualitäten, welcher Dritte sich noch vor die anderen potentiellen Dritten schieben kann, abzubilden. Das killt den Spaß/die Spannung zusätzlich. Also auf die Vorrunde habe ich persönlich null Vorfreude.

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Das Turnier beginnt mit den K.o.-Spielen. Da wird es dann auch anfangen zu prickeln.
Alles andere ist ein langes Vorspiel, um Mannschaften wie Curacao, Irak oder Kap Verde nachhause zu schicken.

Bei diesem Aspekt bin ich voll bei Dir. Die Vorrunde ist entwertet.
Wobei warum nicht Kongo gegen Usbekistan (weiß nicht, ob es die Paarung gibt). Klar 4 Uhr morgens eher nicht. Aber es ist doch auch ein wenig wie Olympia, wo ich mir Sportarten anschaue, die ich sonst nicht auf dem Radar habe (Kajak oder Eisschnellauf als Beispiel).

Es muss sich niemand auf die WM freuen.

Für die die dabei sind, ist es trotzdem ein Highlight in ihrer Karriere. So werden sie die Sache auch angehen. Ich bin gespannt drauf.

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Für mich ein absolut zutreffender Vergleich. Ich habe noch nie ein Spiel der Conference League geschaut und bei der letzten EM vielleicht eines, höchstens zwei.

Mit mir verdient die FIFA kein Geld.

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