Veröffentlicht unter: FC Bayern: Saudi statt Audi? Chancen & Risiken des Ausstiegs
Audi soll über einen Ausstieg beim FC Bayern nachdenken. Kommt es jetzt zur Wunsch-Ehe zwischen dem FCB und BMW oder müssen Bayern-Fans sich auf Petro-Dollars einstellen? Der Volkswagen-Konzern steckt in der Krise und stellt so einiges auf den Prüfstand. Dazu gehören auch die umfangreichen Aktivitäten im Sport. Über die Konzern-Tochter Audi ist Volkswagen nicht nur Sponsor, sondern gar Anteilseigner an der FC Bayern AG. CORRECTIV berichtete, dass es konkrete Pläne zum Verkauf der Anteile am FCB und am VfB Stuttgart gebe. Audi hält derzeit ebenso wie adidas und die Allianz 8,33 Prozent der Anteile an der FC Bayern AG. Die…
Wirklich eine spannende Sache!
Wäre es möglich auch Zusagen das die 8,33% an Mitglieder verkauft werden?
Bitte nicht. Der Horror. 8,3% die glauben Ihnen gehöre die AG.
Kurze Antwort: ja.
Aber nicht von heut auf morgen. Dafür müsste erstmal eine weitere Gesellschaft gegründet werden, die dann diese 8,33% halten würde usw. Aber geht alles, wenn man will. Siehe St. Pauli, siehe Green Bay Packers. Mehr dazu in meinem Buch ![]()
Wahrscheinlicher und einfacher wäre es, die fünf weiteren Prozent, die laut Satzung verkauft werden dürfen, an eine Fan-Gesellschaft zu verkaufen.
Damit irgendetwas in so eine Richtung passiert, müssten die Mitglieder sich dazu aber erstmal ein anderes Präsidium wählen. Das aktuelle würde sich mit Händen und Füßen dagegen wehren. Wäre ja noch schöner, wenn der Pöbel aus der Kurve am Aufsichtsrats-Tisch Platz nehmen dürfte.
Danke für die schnelle und ausführliche Einordnung.
Definitiv und auch sehr schade eigentlich.
Wäre eine schöne Vorstellung Miteigentümer des FC Bayern zu sein und nicht nur Fan.
Geht es noch plakativer?
Ja, klar. Werde Mitglied im e.V., dann gehören Dir 75%.
Sehr spannender Artikel. Bin mit den “regionalen” Anteilseignern aktuell sehr glücklich, diese passen sehr zu dem (Wunsch)Bild des FC Bayern. Bleibt zu hoffen, dass ein möglicher neuer Anteilseigner ebenfalls in dieses Bild passt und keine großen Spannungsfelder wie das damalige Qatar Sponsoring resultieren.
„Deshalb gilt: Ja, es gibt ein Szenario, in dem die Anteile von Audi an einen staatlichen Ölfonds, einen amerikanischen Milliardär, einen Hedgefonds oder sonstigen Investoren verkaufen will. Dass plötzlich Saudi-Arabien Anteile kauft.“
Solange man keine Details kennt, was damals geregelt wurde, kann man natürlich kein Szenario gänzlich ausschließen.
Dieses Worst Case-Szenario halte ich aber für völlig unwahrscheinlich. Dass Bayern so dusslig gewesen wäre, sich in der Hinsicht nicht abzusichern? Das kann ich mir im Leben nicht vorstellen.
Hertha hatte damals bei Windhorst eine Rückkaufsoption und eine Veto-Klausel. So was ähnliches würde ich auch hier erwarten.
Das kannst du auch. Sei beruhigt.
Also ich kann mir das sehr gut vorstellen.
Das Szenario halte ich dennoch für unwahrscheinlich (und Georg ja auch, wie im Text dann außerhalb des Zitats steht). Warum? Weil ich wie Georg glaube, dass man mit Audi eine gute Kommunikation haben wird und die nichts machen werden, was gegen den Strich des FCB geht.
Dass man sich damals aber nicht für alle Themen vertraglich abgesichert hat, glaube ich sofort, ohne es zu wissen. Einfach, weil ich den Profifußball und seine Geschichten lange genug kenne.
Da unterschätzt die damals handelnden Personen. Nur weil wir es öffentlich nicht wissen, heißt das nichts.
Das könnte ich genauso umdrehen und dann drehen wir uns gemeinsam acht Stunden im Kreis.
Das würde buchstäblich meine Vorstellungskraft übersteigen.
Wir reden hier ja nicht über Raketenwissenschaft, sondern über eine Handvoll im Grunde recht banaler Möglichkeiten, die es zu bedenken galt.
Wenn man ein paar Jahre in dieser Branche arbeitet und Geschichten über die Koryphäen hört, die zu ebensolchen von Fußball-Deutschland auserkoren werden, dann ist einem nichts mehr zu “dusselig”, um es nicht zu glauben.
Könntest du. Aber vielleicht sage ich es nicht grundlos.
Ich sage selten Dinge grundlos. Belassen wir’s dabei.
Kennst du die Vertäge?
Ich würde mir zumindest wünschen, dass wenn es einen Wechsel gäbe der neue Anteilseigner nicht in Konflikten mit Menschenrechteen und so weiter steht auch wenn es verlockend ist dieses Geld anzunehmen.
Das ist 17 Jahre her. Sollen Bayern und Audi vor 17 Jahren an den Einfluss der Saudis, an MCO, an Krieg in Europa und whatnot gedacht haben? Niemand kann alle Eventualitäten vertraglich absichern, auch nicht außerhalb des Profifußballs.
Es gibt zwei Varianten, in denen Bayern mitsprechen darf: a) Sie haben eine Rückkaufoption. Kennen wir vom Transfermarkt. Dann ist es im Grunde simpel. Dann liegt die Komplexität nur in der Findung des Preises. Der steht dann nämlich wahrscheinlich nicht als konkrete Summe im Vertrag, sondern als Prinzip zur Ermittlung eines angemessenen Wertes. Auch darüber könnte man streiten. Aber das bekommt man zwischen Bayern und Audi kollegial hin.
b) Es handelt sich um vinkulierte Namensaktien. Wovon ich mittlerweile ausgehen (danke an Lars via Bluseky für den Hinweis). Dann hat die Gesellschaft, also die FC Bayern AG, tatsächlich ein Veto-Recht. Näheres regelt die Satzung (der AG; nicht die des e.V.).
Aha, also doch volle Kontrolle beim FCB! Nein. Solche Veto-Rechte sind nie absolut. Das wäre schon rein denklogisch absurd. Dann könnte Bayern ja jeden Verkauf blocken und Audi seine Aktien nie verkaufen.
So funktionieren unser Rechts- und Wirtschaftssystem nicht. Bayern braucht gute Gründe, um ein Veto einzulegen:
- Das wäre zum Beispiel ein Verkauf an einen Wettbewerber von Bayern. Theoretisch könnte Audi die Anteile ja an Borussia Dortmund oder Manchester United verkaufen. Doof für Bayern, wenn die im Aufsichtsrat von Bayern sitzen und Budgets, Verträge und Transferpläne kennen. Hier dürfte Bayern easy und 100% rechtssicher ablehnen.
- Was wenn Audi an die Allianz verkaufen will? Auch hier könnte - hier wird es schon knapper - Bayern ein begründetes Veto-Recht haben. Bayern will vielleicht keinen dominanten, starken zweiten Einzelaktionär, der die Allianz dann mit 16,66% wäre.
- Was wenn Audi an Nike verkaufen will? Darüber dürfte adidas nicht happy sein. Ebenfalls legitimer Veto-Grund.
- Was wenn Audi an die Saudis verkaufen will? Tricky. Bayern könnte versuchen, ein Veto über Reputation oder Werte zu begründen. Möglich. Rechtlich sicher, wenn Audi dagegen klagt? Keineswegs.
- Was wenn Audi an die Schwarz-Gruppe verkaufen will, weil die 400 Mio. bieten, aber Bayern will, dass Audi an BMW verkauft, die 200 Mio. bieten? Das lässt das Vetorecht ziemlich sicher nicht zu, wenn Bayern nicht sehr gute Gründe herbeizaubert. Und das ist genau das was ich beschreibe, wo die Anwälte ins Spiel kämen und im Konfliktfall ein Gericht entscheiden würde. In dieser Konstellation sehr wahrscheinlich pro Audi und Verkauf an Schwarz.
Wie gesagt: Ich sehe das hier nicht passieren. Bayern ist sehr gut im Partner- und Beziehungsmanagement. Die werden eine einvernehmliche Lösung mit Audi finden.
Aber rechtlich kannst du dich nicht absichern. Nicht für alle Zeiten, nicht für alle Eventualitäten. Das wollte ich im Artikel aufzeigen. Den FC Bayern wird es hoffentlich noch viele Jahrzehnte geben. Was wenn adidas in 10 Jahren von Amazon gekauft wird und Amazon dann entscheidet, dass die Bayernbeteiligung keine strategische Bedeutung hat? Dann verkauft Amazon ihre 8,33 Prozent meistbietend. Und Bayern wird sehr wenig dagegen tun können.