Ich sehe das eher gelassen: wenn die Stones heute ein neues Album herausbringen, dann klingt es wie immer nach den Stones: Irgendwie verwalten sie ihr musikalisches Erbe immer wieder. Und wenn es den Leuten gefällt: es soll mir recht sein.
Bewusst teils radikale Stilbrüche vorzunehmen wie U2 oder Queen zum Beispiel ist halt ein anderes Vorgehen.
Ja, das ist natürlich richtig: das klingt sehr nach „klassischem“ U2. Aber dass sie es anders können, haben sie ja bewiesen.
Letztlich ist Musik ja nur ein Angebot für uns, und wir dürfen entscheiden, was wir gut finden oder nicht: niemand wird zum Kauf einer Platte gezwungen. Das - denke ich - ist schön. Und dann sich auszutauschen darüber, was man gut findet oder nicht, finde ich auch schön.
Du sprichst da einen sehr wichtigen Punkt an, der wohl vielen langjährigen Fans bekannt vorkommt. Künstler entwickeln sich im Laufe der Zeit weiter, experimentieren mit neuen Stilen und Ausdrucksformen, was nicht immer mit den Erwartungen oder Erinnerungen der Fans übereinstimmt. Gerade bei Bands wie Depeche Mode, die in den 80ern eine ganz bestimmte Sound-Ästhetik geprägt haben, ist das eine echte Herausforderung.
Als Kind der 80er habe ich diese charakteristischen elektronischen Klänge und den speziellen Vibe geliebt, der heute vielleicht etwas verloren scheint. Trotzdem bin ich für Neues offen genug, dass ich auch die neueren Werke wertschätzte, selbst wenn sie nicht dieselbe emotionale Verbindung herstellen wie die alten Klassiker. Das ist bei vielen Fans sicherlich eine nachvollziehbare Haltung: Man respektiert die künstlerische Entwicklung, aber die nostalgische Bindung bleibt stark.
Letztlich geht es ja genau darum: Die Künstler wollen sich ausdrücken und neue Wege gehen, während die Fans manchmal versuchen, das Bekannte und Geliebte zu bewahren. Dieser Zwiespalt macht das Fan-Dasein auch so spannend – und zeigt, wie stark Musik mit persönlichen Erinnerungen und Lebensphasen verknüpft ist.
Besonders interessant finde ich Bands/Künstler, die ihren Stil wirklich radikal geändert haben. Wenn man dann noch den Namen behält, kann man kaum glauben, dass das den gleichen Ursprung haben soll.
Ein ziemlich cooles Beispiel ist UNDERWORLD. Die dürften den allermeisten sehr bekannt sein durch ihren Beitrag für den Trainspotting-Soundtrack, Born Slippy.
Doch siehe da: in meinen großen Indie-Disco-Zeiten hatten UNDERWORLD eine klasse Platte am Start, die sich zwar nur mäßig verkaufte, aber für zwei, drei Hammer-Singles und eine volle Tanzfläche hat’s gereicht. Underneath the Radar ist ein Monster, geht aber klar in Richtung Indie-Rock.
Und die letzte Pointe der Truppe um Karl Hyde ist dies:
Kann sich noch jemand an dieses One-Hit-Wonder erinnern…? Nun: auch das ist UNDERWORLD. In einer sehr frühen Inkarnation.
Da taucht im Kielwasser von Adele, Amy Winehouse oder Lana del Rey eine 20-Jährige auf, bei der ich schon nach einem Blick auf Frisur, Klamotten und Stil rettungslos verloren bin.
SIENNA SPIRO kann allerdings nicht nur durch ihren Look glänzen. Der Sound taugt auch was, und offenbar schreibt sie ihre Sachen auch selbst.
Ich weiß gar nicht genau, was mich an diesem Retro-Touch immer so begeistert. Muss wohl auch an meinem Jahrgang liegen, wir werden ja alle durch unser Aufwachsen geprägt. Aber wieso bin ich dann, was Stil, Eleganz und Look betrifft, so dermaßen überzeugt davon, dass es nie mehr in der Historie so einen Haufen an gutem Geschmack geben kann und wird…? In den Swinging Sixties war ich noch gar nicht auf der Welt.
um mit The Style Council, einer Mischung aus Blue-Eyed Soul, Jazz-Pop, Funk und Jazz
und ab 1992 eine Solokarriere zu starten und seinen persönlichen, eklektischen Musikstil im Pop zu entwickeln, auch um soziale und politische Themen kritisch zu besprechen.
Feargal Sharkey , ein toller Tip. Ein Musiker, der immer unter dem Radar blieb. Mein persönlicher Fav ist Miss You Fever, da läuft mir immer noch beim Hören ein Schauer über den Rücken.
Ein anderes Beispiel für die „Chamäleons der Musik“: Radiohead.
In der Anfangsphase mit Creep ein eher klassischer, verzerrter, gitarrenlastiger, rockiger Sound:
Auf dem Album OK Computer mit „Subterranean Homesick Alien“ ein Song, in dem der Gitarrensound mit dem Gesang eher sphärisch wirkt und eine grandiose Soundbreite liefert:
Und auf dem Kid A - Album mit „Treefingers“ ein Song, der ganz ohne Gesang auskommt und klingt, als würde er von einem Synthesizer entstammen: ist er aber tatsächlich nicht, es ist ein reiner Gitarrensong (natürlich massiv mit Effekten versehen und wurde dann geloopt):
Ja, Bowie hat sowohl die Musikgeschichte mitgeschrieben, hat sich aber auch immer wieder von der aktuell vorherrschenden Musikstilrichtung beeinflussen lassen .
Übrigens ebenso fast so selbstredend ein Chamäleon wie David Bowie: Peter Gabriel.
Nur ein kleines Beispiel aus der Frühphase mit Genesis, von „The Lamb lies down on broadway“: „Carpet crawlers“ (ursprünglich 1974), aber da wären ganz viele Songs auch)
Und später als Solokünstler: „Solsbury hill“ (1977)
Oder „Biko“ (1980):
Oder „Sledgehammer“ (1986)
Oder „Secret world“: (einer meiner Lieblingssongs von ihm überhaupt)
Vielleicht als Person nicht so charismatisch wie David Bowie, aber welch ein Musiker und Künstler!
Zwei meiner Allzeit-Lieblinge im trauten Duett vereint. War zwar kein Riesen-Hit, aber eine wunderschöne Ballade für zwei tolle Musiker.
Ein etwas ungewöhnliches Video, sehr minimalistisch.
Zu den Dreharbeiten meinte Gabriel: „Es gibt schlimmere Arten, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.“