Ich verfolge eine sehr spannende Diskussion, vielen Dank dafür. Meines Erachtens ist das Problem allerdings viel einfacher, als hier vereinzelt dargestellt.
Das Ziel ist es, den besten Torwart im Tor zu haben. Das ist entweder Neuer oder Urbig. Soviel setze ich voraus.
Während Neuers Leistungspotenzialkurve langfristig nach unten zeigt, zeigt die von Urbig nach oben.
Wenn die aufsteigende Kurve von Urbig die absteigende Kurve von Neuer geschnitten hat (wie in einem X), muss Urbig ab sofort spielen. Ciao, Manu, und danke für die vielen Jahre treuer Dienste.
Wenn Neuer aber noch der bessere Torwart ist, kann das Ziel, Urbig bereits heute hin und wieder spielen zu lassen, nur darin bestehen, seinen Aufstieg auf seiner persönlichen Leistungspotenzialkurve zu beschleunigen. So wurde es auch in diesem Thread argumentiert.
Urbig mit diesem Ziel bereits heute einzusetzen, wenn er noch schlechter ist als Neuer, ist aber nicht schlüssig.
Warum? Urbig muss den Aufstieg auf seiner Leistungspotenzialkurve, der mit Spieleinsätzen einhergeht, so oder so durchlaufen. Ob er das heute oder irgendwann in der Zukunft macht, hat auf den Prozess selbst und die Notwendigkeit, seine Stufen zu durchlaufen, keinen Einfluss. Das erste Spiel, in dem Urbig noch lernt, gibt es in diesem Prozess immer. Wenn man es also heute statt in der Zukunft machen würde, würde es nur einen identischen Prozess nach vorne ziehen.
Wenn Neuer heute aber noch der bessere Torwart ist als Urbig, warum sollte man diesen Prozess dann nach vorne ziehen und bereits heute beginnen? Warum sollte man freiwillig einen besseren Torwart für einen schlechteren auf die Bank setzen, um einen Lernprozess für den schlechteren, den er ohnehin irgendwann durchlaufen muss, bereits heute zu starten, anstatt ihn zu einem Zeitpunkt zu beginnen, an dem es keinen besseren Torwart mehr gibt? Man würde integriert über die Zeit effektiv Torwartleistung verschenken.
Ein schlagkräftiger Einwand wäre, dass man sich bei einem vorzeitigen Start dieses Lernprozesses den Zeitpunkt dafür selbst aussuchen kann, während dies nicht möglich ist, wenn man wartet, bis der bessere Torwart durch den Abstieg auf seiner Kurve schlechter geworden ist als der andere, ohne dass der andere dafür besser werden musste. Das erkenne ich an. Wenn man Pech hat, wird der bessere Torwart ausgerechnet dann schlechter als der schlechtere, wenn man sich in der Endphase einer Saison befindet. Dieses Problem könnte man durch einen gesteuerten vorzeitigen Beginn des Lernprozesses von Urbig vermeiden.
Was ich nur sagen möchte, ist, dass es – von praktischen Problemen abgesehen – keine theoretische Rechtfertigung dafür gibt, einen besseren Torwart für einen schlechteren auf die Bank zu setzen, damit der schlechtere Torwart einen Lernprozess etwas früher durchlaufen kann, den er ohnehin irgendwann durchlaufen muss. Wenn man das Integral der erwarteten Torwartleistung über die Zeit maximieren will, ist es sinnvoller, den schlechteren Torwart erst dann einzusetzen, wenn es keinen besseren mehr gibt bzw. den besseren Torwart so lange einzusetzen, solange er noch besser ist.