Klar, bei Erfolgen war es das Team, bei Misserfolgen der Trainer. Was für ein ignoranter Beitrag, leider.
Ich denke, dass Dein Beitrag und die exzellente Replik von @ChrisCullen bei Vielen hervorragend angekommen sind. Danke dafür!
Die paar Gegner haben halt oft die lautesten Stimmen, sind aber nicht repräsentativ fürs Forum.
Das über den Trainer zu sagen, der der Hauptverantwortliche war, dass Deutschland endlich mal einen spielerisch hochwertigen Ansatz hatte, ist schon reichlich abstrus.
So schaut’s aus. Dazu der von @justin genannte Guardiola-Einfluss. Es hat schon was, sich die richtigen Vorbilder auszusuchen, was nicht automatisch heißen muss, die je eigenen vormaligen Stärken zu vernachlässigen.
Das sind Phrasen. Was für ein Fußball soll das sein? Ein Underdog-Kick bei einer Nation von über 80 Mio Einwohnern, die zuverlässig hochtalentierte Kicker rausbringen wird? So viel kann man im Nachwuchs gar nicht falsch machen, um das zu verhindern.
Die Wahrheit ist doch, dass mittlerweile der Fußball so globalisiert ist, dass auch sehr kleine Nationen die hohe Kunst der Verteidigung beherrschen. Die verschieben gut und sind durch ihre weltweiten Ausbildungen auch in der Lage, sich im Zweikampf gut anzustellen. Zu glauben, man könnte durch einen Fokus auf die Durchsetzungsfähigkeit Monster vom Schlage Caicedo oder Hincapie hervorbringen oder Schränke wie bei der Elfenbeinküste herzaubern, ist erstaunlich rückständig gedacht - und es funktioniert nicht. Wir müssen den besseren fußballerischen Ansatz haben. Wirtz und Musiala sollen keine Zweikämpfe führen, sondern im Idealfall gar keine führen müssen.
Wenn man das offensichtliche Beispiel dieser WM sehen will, lohnt ein Blick auf Japan, wie es im MSR-Blog schon angedeutet wurde. Die sind sogar für Laien körperlich ersichtlich benachteiligt, ich glaube, wenn die einen oder zwei Spieler über 1,88 m haben, sind’s viel. Und deswegen ist ihr Zusammenspiel auch nicht darauf ausgelegt, die Zweikämpfe zu gewinnen.
Da hingegen bin ich einverstanden und vielleicht näher dran:
Allerdings habe ich auch bisher von niemandem gehört, wie er diese gewünschte Einfachheit und Stabilität herzustellen gedenkt. Es scheint niemand zu bestreiten, dass es uns gerade im Defensiv-Bereich momentan an internationaler oder gar Weltklasse fehlt, rein personell. Eine Stabilität baut sich naturgemäß aber von hinten auf. Nochmal erwähnt: Deutschland im tiefen Block verteidigen zu lassen, ist schon aufgrund der fehlenden individuellen Klasse keine gute Idee. Jene haben wir im vorderen Bereich, doch leider auch eher vom Typ “Zocker”, weniger auf verlässlichen Positionen beruhend. Bleibt meines Erachtens eben das zentrale Mittelfeld, wo wir zumindest auf dem Papier eine potentielle Achse hätten, die Stabilität herzustellen vermag: Kimmich-Pavlo. Deswegen ja auch der Wunsch neulich im Podcast, die Aufstellung demgemäß zu ändern.
Wahrscheinlich über die Szene vor dem 1:0 … hätte sie da ordnungsgemäß abgepfiffen, wäre sein Team nicht so schnell übermütig geworden und Ecuador hätte vielleicht erstmal etwas gebremster gespielt ![]()
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Ich wäre gespannt wie Klopp beim DFB funktioniert.
Fakt ist das Klopp sowohl beim BVB als auch bei Liverpool Zeit bekommen und gebraucht hat ein Team zu entwickeln.
Für mich persönlich wäre nicht garantiert das wir mit Klopp so viel besser wären.
Das sehe ich persönlich überhaupt nicht.
Gerade bis zum Peak 2014 hat Löw überragendes geleistet.
2008 hatte Löw keine überragende Mannschaft verfügbar, diese aber pragmatisch durchs Turnier geführt.
Da gabs doch immer einige Spieler auch die er für ein Turnier „zurecht gecoached“ hat bzw die ihre Form im Turnier gefunden haben.
Glück gehört bei einer EM/WM immer dazu, weil zu wenig Spiele ausreichen um EM/WM zu werden.
Super Artikel.
Ich wüsste nicht was ich hinzufügen soll.
Wenn ich Deutschland Spiele sehe regt mich am meisten der Aspekt auf der auch im Artikel steht:
Das Gezocke durch die Mitte. Oft mit Ballverlusten verbunden. Da kommt dann hinzu dass das Gegenpressing nicht funktioniert.
Eventuell liegt das auch an Wirtz und Musiala, aber ich bekomme da immer Schnappatmung wenn ich das klein-klein sehe.
Als wir England, Argentinien oder Portugal geschlagen haben, waren diese aber auch noch nicht so gut wie jetzt. Das muss man mMn schon noch hinzufügen.
Der Fußball hat sich von den 80ern und 90ern natürlich auch generell weiterentwickelt. Dass es in diesen Zeiten anders aussah würde ich einfach dem generellen Fußballzeitalter zuordnen. Und 2002 war Rumpelfußball allererster Güte und man ist viel Glück und einem sehr guten Kahn und Ballack ins Finale gekommen.
Und das gilt gerade auch für die Außendarstellung - genervte Auftritte und verbale Angriffe auf Schiedsrichter kann Kloppo auch prima ![]()
Zunächst mal: ich bin kein Langsamleser und habe tatsächlich 15 Minuten gebraucht für ein aufmerksames Durchlesen.
Meinen Respekt und Dank für diesen ausführlichen und sehr stark einordnenden Artikel.
Ohne jetzt auf einzelne Dinge eingehen zu wollen ist es aus meiner Sicht das was relativ am Ende kommt: JN ist noch zu sehr Vereinstrainer. Der Unterschied zur NM ist sehr groß und dem trägt er aus meiner Sicht nicht genug Rechnung.
Im Verein hast du schon bei den ersten 11 ein Qualitätsgefälle welches man so zusammenpuzzlen muss dass der beste Output für die gegebene Qualität rausspringt. Das ist ihm sehr gut (Hoffenheim), gut (Leipzig) und nur teilweise gut (Bayern) gelungen.
In der NM hast du die besten der Besten. Da hat jeder auf seiner Position im Verein schon herausgeragt. Da braucht es eher einen Dirigenten, der alles zu einem großen Ganzen zusammenfügt. Löw hat das im Laufe seiner Zeit gelernt und sogar Klinsmann konnte das irgendwie.
Ob Nagelsmann das noch hinbekommt wird man sehen. Ich bezweifle es.
Viele glauben ja wirklich man bekommt dann diesen Klopp aus Dortmunder oder Liverpooler Zeiten an der Seitenlinie, aber Klopp hat sich selber schon stark verändert mittlerweile.
Er hätte ein Standing, dass dem DFB gut zu Gesicht stehen würde.
Wenn es die Möglichkeit gäbe, wäre er aus meiner Sicht ideal.
Ich mag den Klopp nicht besonders. Aber wenn es darum geht, wer für den Job am geeignesten wäre, würde ich Klopp nehmen. Vor Guardiola (macht den Teer heiß und holt die Federn
.
Deine Versuche, die Entwicklung zu relativieren, überzeugen mich nicht so ganz:
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England, Argentinien, Portugal und die Niederlande waren damals wie heute Mitfavoriten. Von Glück oder einem leichten Turnierbaum konnte also nicht die Rede sein, Entwicklung hin oder her.
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Damals wie heute gab es Teams, die Beton anrühren und spielstarke Offensivteams. Der Stilwechsel der deutschen N11 war so abrupt und extrem, dass er auch in der internationalen Presse jahrelang diskutiert wurde. So etwas gabs auf N11-Ebene weltweit kaum einmal. England vom kick and rush zum Schlafwagenfussball vielleicht. Italien kämpft bspw. noch heute mit seinem veralteten Stil.
Das alles kann man Klinsi und Löw gar nicht hoch genug anrechnen, auch wenn beide Fehler gemacht haben, wie etwa Löw mit der falschen 9 nach Kloses Rücktritt.
Selbst der legendäre Kaiser hat als Bundestrainer nicht allzu viel bewegt, siehe etwa 1986 mit Gruselkicks. Bei ihm würde ich viel eher von glücklicher Fügung sprechen, nachdem er 1990 unsere Italien-Legionäre auf absolutem Top-Niveau zur Verfügung hatte.
Protest
. So ein toller Beitrag und dann das
. Nein, der Kaiser hat sich auch super entwickelt. Er hat auch gebraucht. Die EM zuhause war auch nichts 88. Aber er hatte die richtige Mischung 90 am Start.
Ansonsten volle Zustimmung.
Ich glaube schon, dass man Deutschland im tiefen Block verteidigen lassen könnte. Australien oder Cap Verde haben das hinbekommen und diese Klasse hat unsere Verteidigung dann ja definitiv, ob sie jetzt Weltklasse oder internationale Klasse ist (zur Not müssten man Pavlovic für Andrich austauschen und Kimmich für Thiaw, aber die Mannschaft will ich sehen, die sich gegen dieses tief stehende Team durchkombiniert und Chance um Chance erspielt). Aber weder ich noch irgendjemand anders, dem was an Fußball liegt, will das wohl von Deutschland sehen und es ist ja auch nicht das generelle Selbstverständnis.
Also dass wir uns immer in die KO-Runde mauern könnten, halte ich für unbestritten mit Blick auf die Teams, die das geschafft haben. Im Gegensatz zu vielen anderen Nationen mit dieser Taktik hätte Deutschland ja sogar noch den einen oder anderen vorne drin, der auch im tiefen Block für ein Tor gut ist. Aber da ist mir Nagelsmanns Taktik schon sehr viel lieber und ich sehe da auch die größeren Erfolgschancen. Und unterhaltsamer ist es sowieso.
Auf einen bockstarken Artikel, grandios geantwortet. Sehr sehr toller Beitrag, ChrisCullen!![]()
Schön, Dich mal wieder zu lesen, by the way.
Toller Beitrag!
Zwei Dinge, die ich dennoch zu bedenken geben möchte: Erstens: die Vorgabe war der Versuch, Weltmeister zu werden. Wenn die besten Spieler im Kader Musiala und Wirtz heissen, und wenn der beste Verein einen sehr dominanten Gegenpressing-Fussball spielt, dann ist die Wahl Nagelsmann mit seiner taktischen Herangehensweise (Fokus auf die Halbräume, klein-klein, Gegenpressing…) absolut schlüssig. Aus diversen Gründen zeigt sich jetzt, dass man scheinbar nicht auf das nötige Niveau gekommen ist, was aber im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass ein weniger ambitionierter Ansatz der klügere Weg gewesen wäre. Ich sehe nicht wie Tuchel, Deschamps oder Ancelotti-Fussball mit diesem Kader grössere Erfolgsaussichten gehabt hätte.
Der zweite Punkt ist: warten wir doch mal die nächsten Spiele ab. Die Vorrunde hat ein klares Bild gezeigt, wo die Schwächen liegen. Trotzdem ist man Erster geworden. Das bedeutungslose 3. Spiel wurde verloren, so what (andere Nationen haben einfach rotiert und gleich gezeigt, dass ihnen das Ergebnis unwichtig ist)? Jetzt gilt es zunächst einen Favoritensieg einzufahren (wenn das gelingt dreht sich erfahrungsgemäss sofort wieder etwas der Wind) und dann kommt die Meisterprüfung. Das Spiel gegen Frankreich kann das ganze Story-Telling dieser WM in die eine oder andere Richtung ziehen.
Insgesamt hat Nagelsmann sicher den ein oder anderen Fehler gemacht insbesondere in der Kommunikation. Trotzdem ist er der passende Trainer für diesen Kader und man sollte ihn nicht schon vor seiner Meisterprüfung abschreiben.
Ich finde den Tenor hierzulande auch seltsam. Der letzte Eindruck gegen Ecuador wiegt so schwer, dass alles davor plötzlich ziemlich verzerrt wahrgenommen wurde. Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass man es so wahrnehmen möchte. Ich glaube wirklich, dass viele Nationen, auch Top-Nationen mit dieser Gruppenphase zufrieden gewesen wären.
Wenn ich Portugal, Brasilien, England, Niederlande, Spanien und co. Spielen sehe – und das habe ich bekanntermaßen – sehe ich nicht, warum Deutschland sich vor denen verstecken sollte. Da waren teils auch absurde Konter und Ballverluste dabei, für die D gelyncht worden wäre. Einzig Messitinien und Frankreich schweben für mich etwas über dem Rest.
Umso bitterer, dass Deutschland schon wieder früh auf den einen absoluten Top-Favoriten trifft. Ich hätte ihnen zugetraut, dass sie einen der oben genannten schlagen, bevor sie dann gegen einen der ganz, ganz Großen ausscheiden. So können sie das vermutlich nicht so richtig beweisen. Auch wenn ich es mir gegen Frankreich wünschen würde. Aber die sind einfach zu gut, fürchte ich.
Die Idee mit dem Festhalten an Musiala, Wirtz etc. aufgrund ihrer Fähigkeiten in der Hoffnung, dass sie diese auch abrufen, ist berechtigt.
Man sollte aber nicht außen vor lassen, dass so etwas gewaltige Risiken birgt.
Das Argument, dass Musiala oder Wirtz in der aktuellen Form keine gravierende Schwächung im Vergleich zu den Alternativen sind, ist richtig.
Das Argument, dass nur mit Musiala und Wirtz in Topform der ganz große Wurf drin ist, halte ich auch für schlüssig.
Aber wie sieht es mit den anderen Spielern auf dem Feld aus?
Die hoffen genauso wie der Bundestrainer darauf, dass die besonderen Aktionen von beiden kommen, die sie ja beide drauf haben und auch immer wieder gezeigt haben. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass es sich negativ auf die Psyche des Teams auswirkt, wenn man die beiden immer wieder bei den Versuchen, das zu tun, was sie im Idealfall so gut können, scheitern sieht und mit ansieht, wie sie mit sich selbst zu kämpfen haben. Positive Energie strahlt so etwas auf jeden Fall nicht aus.
Da müsste man wirklich auch überlegen, ob es nicht besser wäre, jemanden, der zwar nicht das Peak-Level von Musiala und Wirtz erreichen kann, aber aktuell zumindest sein eigenes Level erreicht und zudem eine positive Einstellung vermittelt, zu bringen.
Die Mannschaft scheint intakt zu sein und es ist niemand dabei, der sich bewusst zurücknimmt und sich denkt, dass es Wirtz und Musiala gefälligst richten sollen. So etwas soll es ja auch schon gegeben haben. Aber indirekt macht es mMn schon etwas mit einem Spieler, wenn er sieht, dass die Topstars ihrem Niveau deutlich hinterherlaufen.