Veröffentlicht unter: Giulia Gwinn Fußballerin des Jahres: Dann lasst es halt ganz
Giulia Gwinn wurde zur Fußballerin des Jahres ausgezeichnet. In einer vom kicker ins Leben gerufenen Abstimmung erhielt die Außenverteidigerin des FC Bayern die meisten Stimmen. Eine Farce, die niemandem hilft. Giulia Gwinn ist Deutschlands beste Fußballerin. Das ergab eine Abstimmung, die vom kicker organisiert wird. Die Außenverteidigerin des FC Bayern erhielt dabei die meisten Stimmen. Das Endergebnis zeigt jedoch abermals, wie oberflächlich und nebenläufig der Fußball der Frauen behandelt wird. Was als Wertschätzung gemeint ist, verkommt damit zur Farce – und hilft dem Fußball der Frauen nicht weiter. Miasanrot als App und auf Social Media Weitere Artikel zum FC Bayern…
Es ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Das sind Leute, die dafür bezahlt werden sich mit Sport (ja auch Frauen machen Sport, irre!) zu beschäftigen.
Spiegelt aber sehr gut das komplette Versagen beim Thema Frauenfussball in Deutschland wieder. Komisch, dass immer mehr Spielerinnen die Liga verlassen.
Gwinn sei es natürlich gegönnt. Aber was man dazu sagen muss, hat sie selbst ja schon eingeordnet.
Grundsätzlich kann sich Bayern nicht beklagen, dass keine Spielerinnen erwähnt wurden.
Aber Harder auf Platz 7? Stanway auf Platz 11? Und Tanikawa hat tatsächlich nicht eine Stimme erhalten?
Ich dachte auch, ich hör nicht richtig.
Das ist fast mehr als ein Komplett-Versagen. Das ist eigentlich schon ein bewusstes Zeichen an alle, die sich für den Frauenfußball interessieren oder einsetzen: Vergesst es, wir werden euch nie ernstnehmen.
@justin hat alles richtig gesagt und war gleichzeitig noch fast zu nett. Jede Pappnase, die sich erdreistet hat, so eine Stimme abzugeben und sich trotzdem noch Sportjournalist zu schimpfen, sollte seine Papiere abgeben und sich freiwillig beim Arbeitsamt melden. Wie wenig Interesse kann man an seinem Job denn haben?
Es wäre wirklich mal interessant, mit Beteiligten zu sprechen, was einen da reitet. Dann sollen sie halt ehrlich antworten, dass sie dachten, es ginge um eine Miss-Wahl und nicht ernsthaft um Fußball und damit ihr nämliches (respektive männliches) Weltbild zur Schau stellen.
Dass Gwinn so reagiert, ist sogar ehrenwert und spricht dafür, dass sie selbst ahnt, wie wenig das mit Wertschätzung zu tun hat - ja, in Wirklichkeit ist diese Farce sogar das absolute Gegenteil davon: eine Missachtung und eine Aburteilung des gesamten Frauenfußballs. Es ist nicht mal von einer guten Absicht und damit einem Bärendienst auszugehen, es ist eher eine Verhöhnung eines Sports, der sich längst einer Professionalisierung verschrieben hat, die weit über das hinausgeht, was das vermeintlich relevanteste Sportmagazin dieses Landes dazu anzubieten hat.
Ich bin wirklich wütend.
Gwinn tut mir sogar fast schon leid, dass sie gewonnen hat, weil ich jetzt schon auf Instagram viele wütende Kommentare dazu lese, wie ungerecht es doch sei und dass sie keine gute Saison gespielt hat. Darauf hätte sie wahrscheinlich gerne verzichtet. So einen Preis kann man sich ja in die Haare schmieren, wenn er eh nichts aussagt.
Wenn man Journalisten befragt, die auf Männerfußball spezialisiert sind, kann man auch keine qualitativen Antworten erwarten. Das hat dann auch nichts mit Verhöhnung zu tun, das ist auch kein Zeichen an den Frauenfußball und noch viel weniger ein Grund für Wut, sondern es werden einfach nur die falschen Leute gefragt. Dafür können diese Leute auch nichts.
https://fcbayern.com/de/news/2026/08/fussballer-des-jahres-kane-kompany-und-gwinn
"Bianca Rech, Direktorin Frauenfußball: „Der FC Bayern kann stolz auf Persönlichkeiten wie Giulia Gwinn sein, die stellvertretend für die Leistungen und Erfolge unserer Mannschaften stehen – in der zurückliegenden Saison hätten auch andere in unserem Kader die Wahl verdient gehabt, etwa die Zweitplatzierte Klara Bühl. Individuelle Auszeichnungen im Fußball gelten dem ganzen Team, sie drücken aus, wie die gemeinsame Arbeit Früchte trägt – in attraktivem Fußball, Top-Leistungen sowie Titeln. Wir freuen uns auch über Pernille Harder, Linda Dallmann und Franziska Kett, die ebenfalls unter die besten Zehn gewählt wurden. Jede Trophäe ist immer ein Auftrag für die kommende Saison, nicht nachzulassen und genau so weiterzumachen. Herzlichen Glückwunsch auch an Harry Kane und Vincent Kompany!“
Kluge Worte von Bianca Rech.
Ein erster Schritt wäre eigentlich schon mal, dass so eine Wahl nicht anonym stattfindet und (falls nicht eh schon möglich) auch die Option der Enthaltung erlaubt.
In allen 3 Bereichen sind ja auch offensichtliche „Troll-Antworten“ oder gekaufte Stimmen dabei. Wobei der Sieg von Gwinn natürlich einfach mit Ahnungslosigkeit zu erklären ist. Sie ist das wahrscheinlich bekannteste Gesicht der Nationalelf und auch bei uns.
Schön, dass sie es auch korrekt einordnet und ebenfalls betont, dass jemand anders vor ihr hätte gewinnen müssen. Realistisch gesehen hätte Gwinn nicht mal in die Top 5 vielleicht sogar nicht mal in die Top 10 gehört.
Sorry, aber diese Antwort ist schon Teil des Problems.
“Auf Männerfußball spezialisiert”…? Es handelt sich hier nicht um zwei verschiedene Sportarten. Wenn man offensichtlich keine Spielerin außer Gwinn kennt, verrät man damit faktisch eine erschreckende Ahnungslosigkeit bezüglich der Sportart, über die man hauptberuflich berichtet. Niemand verlangt dabei, dass man(n) genauso ausführlich informiert ist wie bei den Männern, aber diese Wahl ist in ihrer gnadenlosen Inkompetenz einfach zu heftig. Und wie der Artikel erwähnt, wenn ich nicht in der Lage bin, so eine Wahl halbwegs kompetent zu begleiten, dann sollte ich es lieber lassen, denn so schadet es mehr als es nutzt.
Diese Leute können sehr wohl etwas dafür, wie ernsthaft sie sich Gedanken machen. Wenn ich gefragt werde, wer der beste Finanzdienstleister des Jahres ist, gebe ich auch keine Stimme ab, die die fescheste Anlageberaterin markiert. Außer, mir ist das Ergebnis und was ich damit für ein Bild abgebe, komplett wurscht - und genau darin besteht die Verhöhnung.
Die falschen Leute gefragt? Wer genau sollte denn befragt werden? Die paar Hanseln, die sich im Rahmen der Berichterstattung mit dem Frauenfußball wirklich beschäftigen? Dann wären keine gut 600 Stimmen angefragt worden, sondern offensichtlich eher sechs oder sieben. Damit ließe sich wohl kein besonders gutes Ranking erstellen.
Und wenn das
sein soll, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. Ein deutlicheres Zeichen als eine solche Inkompetenz und ein solches Desinteresse ist wirklich weder zu übersehen noch zu relativieren.
Nur ein paar kleine Anmerkungen:
- Man kann sich enthalten. Günter Klein hat auf Bluesky gepostet, dass er für die Männer seine Stimmen abgegeben hat, sich bei den Frauen aber enthielt, weil er das nicht schaut und keine Ahnung hat.
- Was sagt es über einen Journalisten(!) oder Journalistin(!) aus, wenn er oder sie offenkundig keine Ahnung hat und sich dennoch dazu berufen fühlt, eine Stimme abzugeben?
- Was sagt es über die Wahl aus, wenn das in der Form so stattfindet?
- Was sagt es über den Stellenwert des Gesamtthemas aus, wenn unter über 600 Journalist*innen so viele mit dabei sind, die allein mit ihrer Stimme zeigen, dass sie gar kein Interesse am Thema haben?
Ich habe kein Problem mit der Meinung, dass nicht alle alles gut können müssen. Ich habe auch kein Problem mit Journalist*innen, die kein Interesse am Fußball der Frauen haben. Aber so eine Wahl ist dann halt für alle peinlich. Den VDS, den kicker, der das ins Leben ruft und sogar die Spielerin, die de Award fast von sich weist. Gut für den Fußball der Frauen ist sowas jedenfalls nicht.
Kannst du mir sagen, wer die besten Spieler der Chinese Super League sind? Nein? Erschreckende Ahnungslosigkeit bei dir! Ist doch die selbe Sportart! Diese gnadenlose Inkompetenz ist eine Verhöhnung des chinesischen Fußballs!
Woher kommt dieses Anspruchsdenken, dass es quasi verpflichtend wäre, sich im Frauenfußball auszukennen? Die meisten Journalisten kennen sich nicht mal außerhalb der 1. Bundesliga der Männer aus. Viele sind sogar schon ausgelastet, wenn sie nur über den FC Bayern berichten. Die kicker-Rangliste war dieses Jahr genauso bodenlos wie die Wahl zur Fußballerin des Jahres. Wenn man erwartet, dass die Leute jetzt alle noch 20h mehr pro Woche arbeiten, damit sie zusätzlich noch den Frauenfußball abdecken, dann liegt das Problem bei einem selbst.
Wenn es nur sechs oder sieben sind, dann sind es halt nur sechs oder sieben. Wenn die dafür wissen, wovon sie reden und ein sinnvolles Ranking erstellen, wäre das sogar besser als alles, was in der Berichterstattung über die Männer fabriziert wird.
Das ist nur ein Zeichen, wenn man falsche Erwartungshaltungen hat.
Dass die Wahl Müll ist. Genauso wie diese Wahlen auch bei den Männern Müll sind. Das waren schon immer Popularitäts-Wettbewerbe.
Ich glaube, die Journalisten, die keinen Ahnung haben oder sich nicht mit dem Fußball bei den Frauen beschäftigen sollten nicht abstimmen. Aber wie viele Stimmen gäbe es dann überhaupt am Ende. Vielleicht nichtmal eine dreistellige Anzahl an Stimmen. Das wäre dann leider auch ein wirklich trauriges Zeichen für den Fußball bei den Frauen.
Belassen wir’s dabei. Wenn du meine Erwartungshaltung bezüglich einer kompetenten Berichterstattung als “falsch” bezeichnest, kommen wir eh nicht auf eine gemeinsame Linie. Ich sehe meine Erwartungshaltung als absolut angemessen und korrekt an.
Der Vergleich mit dem chinesischen Fußball ist ohnehin nur Unsinn. Niemand wählt hierzulande den chinesischen Fußballer des Landes. Täten wir das, könnte man auch erwarten, dass das mit entsprechender Expertise versehen ist, wenn die Wahl durch ein Fachmagazin durchgeführt und organisiert wird.
Und “Müll” zu kritisieren, steht einem ja wohl zu, außer, du findest den Müll selber unvermeidlich oder gar in Ordnung.
Ich kritisiere deine Erwartungshaltung, dass JEDER deutsche Fußballjournalist kompetent im Frauenfußball sein muss. Das ist einfach unrealistisch und wird nie passieren. Die meisten haben wie gesagt auch bei den Männern keine Kompetenz in der Breite.
Du kritisierst nicht den Müll, sondern die Leute, die damit zugemüllt werden.
Nicht JEDER, aber die, die meinen, eine Stimme zur nämlichen Wahl abgeben zu müssen/dürfen.
Inwiefern? Wenn überhaupt, kritisiere ich, dass man den Müll als irrelevant oder unausweichlich behandelt. Das ist er nicht.
Leute, die wenig Ahnung von etwas haben, treffen Entscheidungen oder geben ihre Stimme bei einer Wahl ab. Bis ich den Artikel von Justin gelesen habe, dem ich vollumfänglich zustimme, dachte ich, dass dieser Satz in erster Linie auf die Politik zutrifft. ![]()
Irgendwie würde ich sagen, dass es eigentlich vollkommen dem Zeitgeist entspricht, was hier passiert ist. Statt ehrlich zu sein und zuzugeben, dass man von etwas nur wenig bis gar keine Ahnung hat, gibt man seine Meinung zum besten, weil man von sich selbst entweder total überzeugt ist oder weil man nicht die nötige Courage hat, fehlendes Wissen zuzugeben. Beides sind keine gewinnbringenden Charaktereigenschaften.
Aber kann man diese Problematik alleine auf das Themenfeld Frauenfußball reduzieren? Ich denke nicht.
So etwas begegnet einem doch gefühlt jeden Tag mehrmals und je mehr man mit Menschen zu tun hat, desto häufiger ist es der Fall.
Die Crux an der Sache ist eher, dass man es in viel zu vielen Bereichen viel zu oft nicht schafft, diejenigen, die keine Ahnung von etwas haben, von der Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen, fernzuhalten.
In dem konkreten Fall wäre es wahrscheinlich noch relativ einfach, denn man könnte die Erlaubnis, überhaupt an der Abstimmung teilnehmen zu dürfen, an ein paar Kriterien knüpfen, die überprüfbar sind, z.B. einen Arbeitsnachweis über die Artikel, die man in einem Fußballjahr verfasst hat oder eine Prüfung in Form eines Fragebogens. Wer nicht mehrere Artikel über den Frauenfußball geschrieben hat, darf nicht abstimmen, außer er/ sie beweist durch das Bestehen der Prüfung, dass eine Beschäftigung mit dem Thema stattgefunden hat, die zumindest eine einigermaßen ausgeprägte Ahnung attestiert.
Und ein Punkt gehört ohnehin bei solchen Abstimmungen festgelegt: Transparenz. Es muss die Möglichkeit geben, dass man das Wahlverhalten von jeder Person, die an der Wahl teilnimmt, irgendwo nachlesen kann. Das würde wahrscheinlich schon reichen, dass zumindest diejenigen, die sich dieses Mal mit der Wahl von Gwinn ziemlich in Abseits gestellt haben, beim nächsten Mal entweder ihre Stimme gar nicht abgeben oder sich etwas mehr mit dem Thema beschäftigen.
Man bekommt da als Journalist ne Mail vom Verband, dass man bitte sagen soll, welche Fußballer, weiblich wie männlich, welche Trainer usw. man töfte findet. Aus Nettigkeit klickt man dann auf die Umfrage, wählt die Giulia und den Vinny, weil die so sympathisch sind und den Harry, weil der die meisten Tore geschossen hat. Mehr passiert da nicht.
Überhaupt anzunehmen, dass da irgendeine starke Auseinandersetzung und Meinungsbildung stattfindet, ist wahrscheinlich schon viel zu hoch gegriffen, wie man an den Ergebnissen auch regelmäßig sieht. Egal, ob die Spieler bei der Weltfußballerwahl ihre Teamkollegen wählen, ob der kicker bei seinen Ranglisten möglichst edgy sein will oder ein Journalist die Umfrage seines Verbandes ausfüllt.
Daraus dann einen Skandal zu machen und sich reinzusteigern, als würde das Wohl des Frauenfußballs von dieser Wahl abhängen, überhöht das ganze zu etwas, was es nicht ist. Die Aufregung macht diese Wahl überhaupt erst relevant.
So sollte eine Abstimmung mMn nicht stattfinden. Früher konnte man zum Beispiel auch ohne einen Film gesehen haben bei den Oscars abstimmen. Das hat man aber richtigerweise geändert. Genauso sollte das hier geschehen.
Da die Diskussion in ein paar Monaten hier wieder auftauchen wird: Die Probleme, welche du beschreibst, sind dieselben wie beim Ballon D’Or. Ich hoffe, dass der FCB dort etwas macht um dem entgegenwirken.
Ich weiß nicht wie oft Bianca Rech mit miasanrot interagiert. Es kann also sein, dass da “nur” Anerkennung des Blogs an sich ist und sie das öfter tut. Ist mir aber gerade mal aufgefallen.
Aber ihre Worte, die die anderen Spielerinnen ein bisschen hervorhebt und auch Gwinns diplomatische “danke, aber ich hätte Klara gewählt” Antwort, zeigen schon dass man sich da bewusst, dass das in der Form Unfug ist. Sind ja auch nicht dumm, klar.
Und letztlich stimme ich auch noch @Kris zu, dass das so auch für Gwinn selbst unangenehm ist. Sie hat diplomatisch reagiert. Mehr kann sie nicht tun, ohne den Kicker aktiv zu beschimpfen. Und mal kurz geschaut, der DFB hat auch eine Kachel gemacht auf Insta und die Reaktionen dort sind weniger nette Glückwünsche als Verwunderung in mehr oder weniger heftiger Ausdrucksweise.
