Seh ich auch so. Was immer man von Christopher Nolan halten mag, er ist im Blockbuster-Bereich der einzige wirkliche Auteur. Und allein für den Ehrgeiz, solch “große” Filme mit Anspruch zu versehen, muss man ihm huldigen, finde ich.
Für Interessierte:
Im neuen epd Film-Magazin ist Christopher Nolan die Titelstory. Mit einem interessanten Konzept:
11 Texte von 11 Filmkritiker/-innen, die alle ihren Bezug zu Nolan deutlich machen. Darunter die Stars Stiglegger, Seeßlen, Worschech, Distelmeyer. Soviel sei gespoilert: Nicht alle erweisen sich als große Bewunderer, es gibt auch deutliche Kritik.
Früher hätte ich das noch als Blasphemie empfunden, mittlerweile kann ich die negativen Sichtweisen nachvollziehen, ohne sie unbedingt zu teilen.
Ich bin mal seine Timeline durchgegangen und setze meine Wertungen daneben:
FOLLOWING 7/10
MEMENTO 10/10
INSOMNIA 7/10
BATMAN BEGINS 9/10
PRESTIGE 7/10
THE DARK NIGHT 10/10
INCEPTION 10/10
THE DARK NIGHT RISES 7,5/10
INTERSTELLAR 6,5/10
DUNKIRK 7,5/10
TENET 10/10
OPPENHEIMER 9,5/10
Das ist schon eine unglaubliche Liste, wenn man sich bewusst macht, dass der Kerl erst Mitte 50 ist. Müsste ich selbst zwei Dinge nennen, die mich an seinen Filmen manchmal stören, dann wären es diese:
Frauenrollen sind nicht seine ausgewiesene Stärke. Darüber hinaus alles, was mit menschlichen Gefühlen und Beziehungen zu tun hat.
Und so perfekt und visuell atemraubend fast alles ist, so komplex und verschachtelt:
Manchmal wirken Nolan-Filme dadurch ein wenig “kalt”. Dann hängt es am Stoff, der einen packt oder eben nicht.
Beispiel ist bei mir INTERSTELLAR, in dem ich diese Vater-Tochter-Nummer so nervig dödelig fand, dass mich der eigentlich geile Stoff fast komplett verlor. TENET hingegen wird von manchen meiner Kino-Blase gehasst aufgrund seiner irre komplexen Storyline, aus deren Sicht hat Nolan hier einfach komplett übertrieben und den Angeber aufgeführt. Der Witz ist, ich finde, das stimmt - trotzdem stört es mich überhaupt nicht. Die Bilder sind einfach zu geil…
Dass Nolan den Zuschauer manipuliert, werfe ich ihm nicht vor. MEMENTO liebt jeder/jede, aber das ist der Manipulativste von allen! Solange ich es nicht merke oder es so gut gemacht ist, kann ich das gut ab.
Jedenfalls, bei der ODYSSEE bin ich sehr gespannt: ich habe keine Ahnung, wie diese Geschichte zu einem Nolan-Film werden soll. Es ist mir sogar ein Rätsel. Wird das der erste Nolan-Film, den ich wirklich nicht leiden kann?