FC Bayern, wir müssen reden.

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Pünktlich zur Länderspielpause stellt sich beim FC Bayern die K-Frage: Ist das Team von Julian Nagelsmann in einer Krise? Grund genug die halbe Redaktion an den Miasanrot-Roundtable zu setzen und die drei brennendsten Fragen zu diskutieren. Unter Nagelsmann hat der FC Bayern im Schnitt die wenigsten Punkte seit 2011 gesammelt…

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Für Nagelsmann gibt es leider sehr wenig Ausreden.

Der Verein holte ihn ja in der Hoffnung, dass seine Pressing-Expertise, In-Game Coaching und Taktik-Besessenheit die mangelnde Erfahrung bei einem europäischen Spitzenclub kompensieren kann.

Ironischerweise war es bisher genau umgekehrt. Nagelsmann hat mit seiner lockeren Art den Verein in der Öffentlichkeit zu kritischen Themen oft gut vertreten und manche Wogen geglättet - was oftmals die Aufgabe von Kahn und Co gewesen wäre.

Das Produkt auf dem Platz bleibt dagegen hinter den Erwartungen zurück. Ein Trainer wie Nagelsmann sollte ja die genau richtigen Antworten auf die 9er-Frage finden. Also ist dies entweder eine Alibi-Diskussion (meine Meinung) oder er scheitert gerade daran.

Man sollte auch nicht vergessen: Nagelsmann genoss bisher ungewöhnlichen Welpenschutz: Das Pokal-Aus gegen Gladbach, Villareal, die Rückrunde (Platz 4 in der Bundesliga). Der Aufschrei blieb weitgehend aus. Ganz im Gegenteil, dem Trainer wurde nochmal ein deutlich stärkerer Kader an die Hand gegeben.

Nagelsmann genießt eigentlich alle Freiheiten, die ein Trainer sich wünschen kann, hat einen Spitzenkader, der gegen jeden Bundesligisten unabhängig von der Aufstellung gewinnen sollte und ist bislang von Verletzungen weitgehend verschont geblieben. Die vielleicht einzige Vorgabe von oben dürfte sein, Thomas Müller nicht komplett aus der Rotation zu nehmen.

Man muss es leider so sagen: sportlich hat er bislang enttäucht und die Frage drängt sich auf: was soll sich in der Länderspielpause nun genau ändern? Ich wünsche ihm den Turnaround, denn Tuchel wäre eine tickende Zeitbombe. Aber aus Sympathie alleine kann man den Verein am Ende auch nicht führen.

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HILFE - jetzt wird gleichzeitig in 3 Threads über JN philosophiert und diskutiert, oftmals redundant.

Kann man 2 davon deaktivieren?

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Die Wiederholung gilt bekanntlich als die Mutter aller Sprachen. :wink:

Das wird hier immer wieder gesagt. Aber stimmt es auch? Watzke hat Hoeneß damals dringend von ihm abgeraten. Ist er fünf Jahre später immer noch Gewährsmann Nr. 1 in dieser Frage?

In Paris hat Tuchel sehr ordentliche Arbeit mit dem komplizierten Starensensemble geleistet; im Finale gegen uns war der Sieg keineswegs außer Reichweite - und er selbst übrigens ein sehr fairer Verlierer. Die Entlassung ein paar Monate später möchte ich, bei allerdings begrenztem Kenntnisstand, nicht ihm, sondern in erster Linie den ungeduldigen Ansprüchen der Eigentümer in auch für PSG komplizierten Corona-Zeiten zurechnen.

Bei Chelsea hat er in kürzester Zeit aus einem unter Lampard schwächelnden Ensemble ein stabiles, bärenstarkes Erfolgsteam gemacht, mit beeindruckend souveräner Leistung im CL-Finale gegen Pep und sein in der Saison fantastisches City. Auch danach mental stark nach dem russischen Überfall auf die Ukraine mit den bekannten Folgen für Abramowitsch. Tolle Leistung bei Real. Dass der neue Eigentümer sich jetzt ganz anders ins Tagesgeschäft einmischt und den zurecht selbstbewussten Trainer damit nervt, ist nun auch nicht gerade Tuchels Fehler; die schnelle Entlassung überraschte nicht nur diesen.

Ist der altbekannte Vorbehalt also noch valide? Nagelsmann gestehen wir zurecht zu, sich noch weiterentwickeln zu können; hoffentlich mit kurzfristig messbarem Erfolg. Tuchel hat sich, finde ich, in den letzten Jahren deutlich verbessert.

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@jep Unterschreibe deinen Beitrag vollständig, sehe das genauso.

Zur tickenden Zeitbombe:
Wenn diese Zeitbombe in 2 - 2,5 Jahren losgeht und man sich zwischenzeitlich die Meisterschaft und ggfs. den Pokal oder sogar den Henkelpott in den Trophäenschrank stellen konnte, wären die allermeisten wohl ganz zufrieden.

Trainer sind immer nur Arbeiter auf Zeit, v.a. beim „Haifischbecken“ FC Bayern.
Vllt. straft mich die Personalie Nagelsmann mit dieser These aber auch Lügen und er ist 2026 hier immer noch im Amt.

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Interessante Frage, die ich mir auch schon gestellt habe. Es könnte aber sein, dass Tuchel bei Vereinen wie PSG und Chelsea besser funktioniert als bei Bayern. Bei Bayern läuft alles schon nochmal intimer ab und er müsste sich im Bayern-Mikro-Kosmos eingliedern. Ich bin mir auch gar nicht so sicher, ob er Lust auf Bayern hat. So richtig begründen kann ich es nicht, aber mein Gefühl sagt mir, es könnte nicht passen. Es wäre auf jeden Fall interessant…

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Kann mich dem nur anschließen. 2-3 erfolgreiche Jahre unter Tuchel wären doch vollkommen in Ordnung, würde ich sofort nehmen. Obwohl ich Nagelsmann jetzt im Moment auch noch nicht rauswerfen würde.

Warum man aber Nagelsmann einen 5-Jahres-Vertrag angeboten hat, erschließt sicht mir bis heute nicht wirklich. Vielleicht haben er und sein Berater die Notlage des Vereins bei den Verhandlungen schlicht ausgenutzt, ähnlich wie RB bei der Ablöse.

Mal wieder ein Ära auf der Trainerbank einzuleiten, mag zwar eine gut gemeinte Idee sein, aber das muss man ja nicht direkt von vorneherein erzwingen wollen. Vertragsverlängerungen sind bei Trainern normalerweise deutlich einfacher, als bei Spielern. Oft aber vom Verein gar nicht mehr gewünscht :wink:

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Pep 3 Jahre
Nagelsmann 5 Jahre

Findet den Fehler

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Tja, woran könnte das gelegen haben?

Fcbinside.de:
„Im Sommer 2016 wechselte Pep Guardiola vom FC Bayern zu Manchester City. Der 48-jährige Katalane unterschrieb damals, wie bei allen seinen Klubs zuvor, einen 3-Jahresvertrag.“

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Ich hab immer so meine Probleme, wenn vom „stürmerlosen System“ die Rede ist. Leute wie Sané, Mané, Gnabry, Coman und Tel werden sich herzlich bedanken, wenn sie das lesen. Stürmer ist doch von der Aufgabe her zunächst mal jeder, der sich in vorderster Linie herumtreibt mit dem Auftrag, Tore vorzubereiten und zu schießen.

Gemeint ist doch wohl ein System ohne festen Mittelstürmer, der im Zweifelsfall immer um den Elfmeterpunkt herum anzutreffen ist. Respektive ein fester Zielspieler, der immer dann angespielt wird, wenn ein Torabschluss erfolgen soll. Das war Lewandowski zweifellos, und das Team, insbesondere Thomas Müller haben sich natürlich über Jahre daran gewöhnt, ihn zu suchen, kannten seine Laufwege etc.
Das umzustellen heißt ja, langjährige Automatismen durch neue zu ersetzen und kann eigentlich nicht innerhalb von wenigen Wochen geschehen. Man kann das zwar trainieren, aber einspielen muss es sich in der Wettkampf-Situation. Ging ja auch die ersten Spiele gut los. Aber nach den ersten beiden Unentschieden, wo ja das Vergeben guter Chancen durchaus ein Thema war, fängt zum einen beim FC Bayern die Unruhe in Verein und Umfeld an, und bei den Spielern beginnt es zu arbeiten, ob sie evtl. doch ohne Lewy keine Tore machen können. Diese kleine Unsicherheit genügt völlig, um dann immer das Quäntchen zu ungenau oder zu spät abzuschließen oder lieber nochmal abzuspielen.

Letztlich ist die Länderspielpause wirklich eine gute Chance, aus diesem „Teufelskreis“ herauszukommen. Es hängt jetzt viel vom Leverkusen-Spiel ab. Wenn die Jungs mit durchgelüftetem Gedankenstübchen zurück kommen und einen überzeugenden Sieg schaffen, könnte der Flow zurückkehren und viele derzeit hochgekochten Problemchen beiseite schieben.

Falls sie natürlich wirklich den Trainer abschießen wollten, könnten sie mit einer Niederlage natürlich einen großen Schritt dahin tun. Ich persönlich glaube das bisher nicht und hoffe auf den positiven Ausgang - aber ich habe es auch sehr lange für eine Ente gehalten, dass der FC Bayern Nico Kovac als Trainer einstellen würde … :rofl:

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https://sport.sky.de/fussball/artikel/bundesliga-nagelsmann-kovac-und-co-welchen-trainern-droht-das-aus/12701420/35311
Nach Sky-Informationen dürfte Nagelsmann auch das Spiel gegen Leverkusen noch verlieren. Wie die Stimmung nach einer weiteren Niederlage und möglicherweise noch mehr Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze aussehen würde, wissen wir aber auch.

@Daniel:
Bei Mazraoui könnten tatsächlich körperliche Aspekte eine entscheidende Rolle gespielt haben.
Fußball - München - Neuzugang Mazraoui hat nach Vereinswechsel Gewicht verloren - Bayern - SZ.de (sueddeutsche.de)
Dazu kommt noch, dass von Anfang April bis Anfang Mai auch noch Ramadan war, den Mazraoui immer schon ernst genommen hat (siehe dazu ein Artikel aus 2019: Fasten bis zur 24. Minute: Ramadan für Ajax-Stars Hakim Ziyech und Noussair Mazraoui | Goal.com Deutschland.
Er kam also mMn möglicherweise noch mit leichten Nachwirkungen vom Ramadan-Fasten nach München und hatte dann noch weitere Probleme. Das kann bei einem ohnehin schon sehr schmächtig wirkenden Spieler dann schon ziemlich reinhauen.
Bei einem Spieler wie Süle wäre das wohl eher weniger problematisch. :rofl:
Ist nur eine mögliche Erklärung für den etwas holprigen Start.

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3 Artikel und fast 300 Kommentare: viele interessante Aspekte, viele interessante Meinungen. Erstaunlich wie viel Interpretationsspielraum es gibt, selbst bei etwas Banalem wie Fussball. Ich persönlich möchte jetzt einfach noch ein paar Spiele sehen, um eine klarere Tendenz zu haben, wohin das Pendel ausschlägt. Wir sind in dem Stadium wo es immer so schön heisst: es braucht jetzt eine klare Reaktion von Trainer und Mannschaft. Über mangelnden Diskussionsstoff brauchen wir uns in den nächsten Wochen und Monaten wohl nicht zu sorgen.

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Ich glaube beim Ramadan kann man so viel schlemmen wie man möchte - allerdings erst nach Sonnenuntergang . Tagsüber nichts zu trinken als Leistungssportler ist allerdings Problematischer .

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Du kannst nach Einbruch der Dunkelheit regelrechte Fress-Gelage veranstalten. Habe ich mal in Istanbul erlebt. Vor jeder Moschee stehen Zelte mit Essensauagaben und aus den Konditoreien werden Süßwaren gefühlt mit dem Schubkarren rausgefahren.
Ein Profisportler wird sich aber wohl um ca. 21 Uhr (Sonnenuntergang im Frühling) nicht den Bauch vollschlagen, sondern eher nur eine Kleinigkeit essen. Das kann auf 4 Wochen gesehen schon mal etwas an Substanz kosten.

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ich möchte mal generell über eine Entwicklung des Spielstils reden. LvG hat bei uns den Ballbesitzfußball mit Positionsspiel eingeführt, Heynckes hat es weiter geführt, und wenn ich es richtig sehe etwas mehr individuelle Freiheiten zugelassen. Dann kam Pep und hat das ganze perfektioniert. Unter Pep hatten wir einen unerreichten Punkteschnitt gerade gegen die Kleinen, gegen die Maurer. Dann wure Kovac geholt und plötzlich sollte Rennball gespielt werden. Mit Flick und nun auch Nagelsmann wird immer wieder das schnelle in dies Spitze spielen propagiert. Führt das nicht zu den Unsicherheiten, die schnelle Ballverlusten die mangelnde Kontrolle, die sich dann auch auf die Psyche auswirkt. Sollten wir nicht wieder zum erfolgreichen Pep Fußball zurück finden? Ich verstehe nicht, wie dieser auf schnelle Pässe in die Tiefe ausgelegte Fußball gegen tiefstehende mauernde Mannschaften zum Erfolg führen soll? Welche Mannschaft spielt denn erfolgreich dieses Rangnicksche, man hat so und soviel Sekunden bis die Abwehr sortiert ist, hektische Geflippere. Scheint mir eher ein theoretisches Playstation Konzept des Professors zu sein. In echt verspringt der Ball aber in dieser Hektik, kommt der Pass ein klein wenig zu ungenau. Mich hat Barca in der ersten Halbzeit sehr beeindruckt, wünschte wir würden so spielen

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Tut Bayern doch: was sie vorne verballern fangen sie hinten

Absolut, das hat sogar Klopp realisiert und legt inzwischen Wert auf mehr Kontrolle und Balance - siehe Thiago.

Pep hat sich etwas mehr in Richtung Klopp entwickelt, Klopp in Richtung Pep. Tuchel lässt ähnlich spielen. Alle ohne Dogmen.

In D wird weiterhin Fußball ala Rangnick propagiert, der weiterhin schön regelmäßig scheitert. Rose Marsch Tedesco etcetcetc

Nagelsmann versucht sich diesem Strudel zu entziehen, hat aber eben wohl noch nicht den richtigen Dreh heraus.

Die ganze Analysten Szene ist ja weiterhin voll von Typen die den Rangnick und früheren Klopp Heavy Metal Style weiterhin als das Nonplusultra propagieren. International inzwischen Mittelalter.

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Kleine Ergänzung: Heynckes hat nicht nur mehr individuelle Freiheiten zugelassen, sondern vor allem auch die Defensive gestärkt, zum einen durch die Verpflichtung von Martinez, zum anderen dadurch, dass er den Offensivspielern mehr Defensivarbeit verordnete.
Zudem spielten wir mMn über lange Phasen der Saison 2012/13 nicht mehr das System von van Gaal (4-2-3-1) sondern eher ein 4-3-3. Als Kroos sich noch nicht verletzte, bestand das Mittelfeld oft aus Schweinsteiger, Martinez und Kroos. Müller kam damals noch öfter über die rechte Seite, ohne natürlich ein Außenspieler zu sein, wie beispielsweise Ribery oder Robben. Erst durch die Verletzung von Kroos wurde die Ausrichtung etwas anders und man hatte jetzt wieder 2 klare offensive Außen und Müller als zentralen Offensivmann hinter Mandzukic.
Bei Guardiola war es ja ähnlich. Er zog Lahm ins Mittelfeld vor und hatte zusätzlich im ersten Jahr noch Thiago, Kroos, Schweinsteiger und auch Martinez, der im ersten Jahr noch relativ häufig im Mittelfeld spielte. Später kamen noch Alonso und Vidal dazu. Zusätzlich rückten die AV oft ein und verbreiterten das Mittelfeld.
Auch Ancelotti bevorzugte eher die Variante mit drei Mann im Zentrum. Diese hießen oft Vidal, Alonso und Thiago. Der Leidtragende war meistens Thomas Müller, der bei fast allen wichtigen Spielen in Ancelottis erster Saison zu Spielbeginn meist auf der Bank saß.
Auch nach der Entlassung von Ancelotti gab es Müller auf der 10 nur in den ersten Spielen. Nachdem Heynckes James nämlich zum Stammspieler machte, bestand das Zentrum meistens aus 3 Spielern aus dem Quintett Martinez, James, Thiago, Vidal und Tolisso.
Erst unter Kovac wurde das Mittelfeld öfter wieder zu einem Mittelfeld mit nur zwei zentralen Akteuren. Das behielt Flick bei und Nagelsmann bisher (mMn leider) auch.
Bei Flick funktionierte es auch deshalb, weil er mMn Spielkontrolle so definierte, dass man das Spiel auch dann kontrolliert, wenn man dem Gegner keine Chance gibt, den Ball ohne extremen Druck zu spielen. Gepaart mit einer unglaublichen Physis und einem perfekt ausgearbeiteten Positionsspiel gegen den Ball, funktionierte dieser Plan im ersten Jahr überragend und im zweiten Jahr immer noch gut bis sehr gut. Der eigene Ballbesitz, war in den beiden Flick-Jahren im Vergleich zur Zeit von LvG bis einschließlich Heynckes (Phase II) aber eher weniger stark ausgeprägt und wahrscheinlich auch nicht gewünscht. Der Erfolg gibt ihm recht.
Bei Nagelsmann passt momentan ehrlich gesagt nicht viel zusammen. Für mehr Spielkontrolle im Mittelfeld fehlt ihm die Bereitschaft (und evtl. auch der Mut), dafür einen Offensivmann zu opfern. Mit Kimmich, Sabitzer, Goretzka und Gravenberch hätten wir durchaus ein Quartett, aus dem immer drei zusammen für Ordnung im Mittelfeld sorgen könnten.

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