Fast 300 Millionen Euro mehr in zehn Jahren! Wie der FC Bayern der nationalen Konkurrenz enteilt

Veröffentlicht unter: CL-Gelder: FC Bayern kassierte 300 Mio. Euro mehr als BVB

Der FC Bayern München kassiert in der Champions League ordentlich ab – nicht mal der BVB kann aus der Bundesliga ansatzweise mithalten. Die UEFA hat die Zahlungen an die Klubs ihrer internationalen Wettbewerbe öffentlich gemacht. Ein Finanzbericht hat dabei die Preisgelder der vergangenen Saison gezeigt. Der FC Bayern München kassierte demnach 105.865.000 Euro in der Champions League. KEINEN ARTIKEL MEHR VERPASSEN – JETZT UNSEREN WHATSAPP-KANAL ABONNIEREN! Im Viertelfinale war für die Münchner gegen Inter Mailand Schluss. Borussia Dortmund kam ebenfalls bis ins Viertelfinale und kassierte 102.162.000 Euro. Damit stehen die beiden deutschen Klubs auf den Rängen fünf und sechs des…

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Niklas von Calcio Berlin wurde auch gefragt, wer an der nationalen Dominanz von Bayern Schuld hat und hat mMn eine gute Antwort geliefert. Sie dauert etwa 20 Minuten, nur zur Information.

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Um einen ausgeglicheneren nationalen Wettbewerb zu ermöglichen, gäbe es doch eine ganz einfache Lösung. 50plus1 abschaffen, dann fließt Geld in die Bundesliga.

Die “ganz einfache Lösung” ist schon auch deutlich komplexer.

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Ich habe ja nicht von einem ausgeglichenen nationalen Wettbewerb geschrieben, sondern nur von einem ausgeglicheneren. Wir sprechen hier von Profisport, daher ist (viel) Geld nun mal nötig, um wettbewerbsfähig zu sein. Durch die Abschaffung von 50plus1 würde viel Geld in die Bundesliga fließen; ich denke, das ist unstrittig. In so fern stellte dies also durchaus eine einfache Lösung dar. Ob es auch eine “gute” Lösung wäre, darüber kann man selbstverständlich geteilter Meinung sein. Ich gebe hier halt meine persönliche Meinung wieder und die lautet: Letztendlich ist Profisport ein Teil der Unterhaltungsindustrie. Eine Abschaffung von 50plus1 empfände ich nur als konsequent, denn mit Fußball-Romantik hat Profi-Fußball schon seit langer Zeit nichts mehr zu tun. Selbstverständlich bin ich mir auch der möglichen Risiken und Schattenseiten bewusst. Aber man kann einerseits nicht immer über mangelnden Wettbewerb jammern und sich über die Überlegenheit des FC Bayern mokieren - und jammern, dass “die Engländer” so viel mehr Fernsehgelder kassieren - , sich andererseits aber gegen jede Veränderung dieser vermeintlichen Fußball-Romantik sperren (50plus1 ist der heilige Gral, Pay-TV ist böse usw, usf). Damit meine ich keineswegs dich, respektive deinen (sachlichen) Artikel, als vielmehr diverse Fanvereinigungen, bei denen ich sehr oft den Eindruck habe, dass eine vernünftige Diskussion über dieses Thema gar nicht möglich ist.

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Danke für die ausführlichere Antwort, mit der ich deutlich mehr anfangen kann als mit der ersten. Ich sehe die Position der Fanszenen nicht so kritisch wie du, weil ich mit dem Beispiel England vor Augen schon verstehen kann, was die Befürchtungen dieser Menschen sind. Und oftmals fordern diese Menschen auch gar nicht, dass die Bundesliga konkurrenzfähig bleibt international. Denn deren Fokus und deren Interessen liegen auf anderen Themen als reinem sportlichen Erfolg.

Natürlich kann die Öffnung von 50+1 den Konkurrenzkampf national erhöhen. Es kann aber auch zu weiterer Verwässerung von Alleinstellungsmerkmalen der Bundesliga führen. Es kann weitere Tradition zerstören und Vereine in den Abgrund führen, die immense Fanszenen haben und die Bundesliga letztlich auch atmosphärisch zu dem machen, was sie ist.

Wenn wir Unterhaltungsindustrie ausschließlich als TV-Events verstehen, dann kann ich deinen Standpunkt verstehen. Dann ist es auch egal, ob Bayern, Dortmund und Schalke erfolgreich sind oder Red Bull Leipzig, WettBetCasino Frankfurt und FC NeuralNet Bayern (wie es Georg einst in einem Artikel so schön formulierte). Dann ist es auch egal, ob die Klubs mit ihren Fanszenen auf kurz oder lang brechen und ob in den Stadien Opernstimmung herrscht oder richtig Leben. Für mich hängt da noch etwas mehr dran als die reine Unterhaltung durch Spitzensport. Einiges davon sehe ich durch die Abschaffung von 50+1 gefährdet.

Ich tue mich aber auch schwer damit, eine Alternativlösung anzubieten. Vermutlich wird es irgendwann dann doch auf die Super League oder Super-League-ähnliche Konstrukte hinauslaufen, wo mehrere Ligen dann fusionieren. Who knows.

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Was bei sowas gerne übersehen wird:

Erstens ist das ein Einmal Effekt. Du kriegst einmal fette Kohle beim Einstieg des Investors. Danach ist das total offen - wenn der erhoffte Erfolg ausbleibt wird der Investor (wenn nicht gerade sich als reines Prestige Objekt holt aber da sind Wald und Wiesen BL Vereine nicht gerade prädestiniert für fürchte ich) auch nicht mehr groß Geld nachschießen.

Aber noch viel wichtiger - “viel Geld” ist sehr sehr relativ. Denn was man für den Verkauf der Clubs bekäme hängt ja total von deren aktuellen Wert ab. Und außer bei Bayern - die alleine wohl mehr wert wären als die untere Hälfte der Tabelle zusammen! - sprechen wir da einfach von keinen Unsummen:

Was da bei rüber käme bei den meisten Vereinen ist nicht mal ein Transfersommer wie ihn ein Liverpool mal so nebenbei gerade abgezogen.

Und was der gebracht hat wissen wir mittlerweile auch alle…

Ich würde also sogar eher noch weiter gehen als @justin und neben den von ihm nachvollziehbar aufgeführten Nachteilen auch noch die Größe des langfristigen Vorteils durchaus anzweifeln.

PS: und doch auch nur auf die anderen Ligen kucken - außer in der PL und bei PSG ist uns doch eh niemand groß voraus wegen 50+1: Real macht das ganze auch wie wir (oder sogar noch extremer - sie halten noch volle 100%, noch überraschender gilt dies anscheinend übrigens auch für Barca, beide haben nicht nur 50+1 oder 70+ in den eigenen Statuten wie wir sondern volle 100%!) als immer noch “echter” Verein und in Italien gibt’s zwar Investoren, aber in der 5 Jahresrechnung sind wir ewig schon vor ihnen. Und bei der PL gibt es halt einfach massig andere Gründe noch oben-drein (endlos oft schon besprochen, 10 fache Gelder aus Auslandsvermarktung und und und) die wir auch ohne 50+1 nicht mehr aufholen würden

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@justin hat bereits viele gute Argumente gebracht, warum 50+1 nichts ändern würde. Ich denke, dass man es auch ganz einfach begründen kann. Welcher Verein ist dann am attraktivsten für Investoren und bekommt am meisten Geld? Das ist logischerweise der FC Bayern. Um die Lücke zwischen dem FC Bayern und den anderen Vereinen zu füllen, müsste also ein Investor über eine längere Zeit um einiges mehr Geld investieren als der FC Bayern-Investor. Und das ist dann doch relativ unwahrscheinlich. Die meisten Investoren haben sowieso nicht ein besonderes Interesse daran, dass die Bundesliga spannend ist. Ihnen ist am wichtigsten, dass sich ihr Invest rechnet. Wenn dabei die Meisterschaft spannend ist, ist das ganz nett, aber dafür will man sicherlich nicht mehr investieren, wenn auch ohne große weitere Investitionen am Ende genügend Rendite rumkommen. Zudem haben viele Investoren nicht unbedingt ein Interesse an einer langen Investition. Wenn sie in Klub zum Beispiel eine gewisse Anzahl an Renditen erreicht haben, verkaufen sie die Anteile oder steigen komplett aus. Aber wenn diese Investoren aussteigen, interessiert es sie nicht, wie es dem Verein danach geht. Es ist ihnen zum Beispiel egal, ob der Verein danach zugrunde geht, weil der Spieleretat durch die Investitionen gestiegen ist und nach dem der Investor ausgestiegen ist und die Gehälter vergleichsweise zu hoch sind, nicht mehr bezahlbar sind.

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Dazu kommt noch, dass die Vereine, die überhaupt für richtige große Investoren in Frage kämen, nicht kaufbar sind. Bei uns gibt es eine 70+1-Regel, die nur mit 2/3-Mehrheit aufgehoben werden kann. Eine Abstimmung, es auf 75+1 zu erhöhen, hatte vor ein paar Jahren eine einfache Mehrheit bekommen.

In Dortmund müsste man erstmal die Unternehmensform ändern und es aus der Börse rauskaufen. Man bräuchte nicht nur eine Mehrheit bei den Fans, sondern müsste diesen sogar ihre Aktien abkaufen.

Auf Schalke gibt es hingegen nicht mal ein Unternehmen, dass irgendjemand kaufen könnte. Wenn die nicht mal eine Mehrheit gewinnen können, um die Profi-Abteilung auszulagern, wo soll dann die Mehrheit herkommen, diese zu verkaufen?

Geschichten dieser Art gibt es viele. Nicht ohne Grund hat ein Hopp sich einen Dorfklub ausgesucht und Red Bull einen neuen Verein gegründet.

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Vielleicht ne kleine Zusammenfassung?

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Du schreibst, du kannst „mit dem Beispiel England vor Augen“ die Befürchtung dieser Menschen verstehen. Was meinst du damit genau?

Ja, 50plus1 kann negative Auswirkungen haben, aber eben auch positive. Ist es wirklich sinnvoll, etwas überhaupt nicht zuzulassen, nur wegen möglicher negativer Auswirkungen?

Ich bin kein Freund des Konstrukts Red Bull. Man muss aber nun mal den Realitäten ins Auge blicken. Nur, weil man dieses Konstrukt ablehnt, verschwindet es ja nicht. Außerdem verhindert 50plus1 Red Bull ja eben nicht.

Und was sind die „strategischen Partner“ (und Anteilseigner) des FC Bayern, wenn keine Investoren?

Traditionsreiche Vereine mit großen Fanszenen wurden in den letzten Jahrzehnten auch mit 50plus1 oft genug in den Untergang geführt; schau mal, was so alles in der dritten Liga spielt (oder noch tiefer). Ich erinnere mich noch gut an Zeiten, als z.B. K’lautern oder Waldhof in der Bundesliga spielten. Oder denke an Borussia Dortmund unter der Leitung von Raubal und Meier. Da wurden „zu erwartende“ Champions-League-Einnahmen der nächsten zwanzig Jahre verpfändet, um einen Amoroso für eine Rekordablöse zu verpflichten. Ironischerweise wurde der Verein dann vom FC Bayern mit einer Finanzspritze vor der Insolvenz und dem Lizenzentzug gerettet.

Zum Thema Alleinstellungsmerkmale und Atmosphäre in der Bundesliga: Ich war bereits sechs Mal an der Anfield Road, bin seit meinen Kindheitstagen Fan des Liverpool FC. Also, Atmosphäre gibt es nicht nur in der Bundesliga! Und nein, ich verstehe (Profi-)Fußball zwar als Teil der Unterhaltungsindustrie, nicht aber ausschließlich als TV-Event. Ich bin Bayern-Fan seit 1974 (damals war ich neun Jahre alt), Mitglied seit 35 Jahren, wenn auch nie Teil der organisierten Fanszene. Ich war außer in Leipzig, Heidenheim, Sinzheim und dem neuen Freiburger Stadion in allen Stadien der aktuellen Bundesligisten, in etlichen mehrmals. Dazu auch in den meisten Stadien heutiger Zweit- und Drittligisten mit Bundesliga-Vergangenheit. Die Stimmung war meistens überragend, was aber auch daran lag, dass ich immer bei Auswärtsspielen des FC Bayern war, und dieser die Stadien seit etlichen Jahren füllt. Ich erinnere mich aber auch noch an Zeiten, als man ganz entspannt Samstag nachmittags zum Olympiastadion fahren konnte, ohne Sorgen zu haben, dass man an der Tageskasse keine Eintrittskarten mehr bekommen würde. Auch erinnere ich mich noch an ein Auswärtsspiel an einem tristen Novembertag beim 1. FC Nürnberg vor vielleicht 10.000 Zuschauern im damaligen Frankenstadion. Der ganz große Zuschauerboom in der Bundesliga hat erst eingesetzt, als zahlreiche Vereine neue Stadien bekommen haben. Das hat die Bundesliga vielen anderen Ligen durchaus voraus, hat aber mit 50plus1 nichts zu tun.

„Leben“ im Stadion: „Einiges davon sehe ich durch die Abschaffung von 50+1 gefährdet.“ Das ist mir zu allgemein. Was meinst du damit genau?

Ich nehme nicht für mich in Anspruch, dass meine Meinung der Weisheit letzten Schluss darstellt. Ich kann nur die Weigerung großer Teile der (organisierten) Fanszene nicht nachvollziehen, überhaupt ernsthaft über dieses Thema zu diskutieren.

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Ob ein Investor nur einmal Geld gibt oder laufend, hängt immer von den Verträgen ab, die der Verein mit ihm schließt. Das liegt ausschließlich in der Verantwortung der Vereinsverantwortlichen!

Was bei kleineren Clubs möglich ist, zeigt das Beispiel Roman Abramovitch. Als er 2003 den Chelsea FC übernahm, war dieser ein mittelmäßig erfolgreicher Verein (mit einem einzigen Meistertitel, 1955, lange vor der Einführung der Premier League). Man war weit entfernt von den damaligen Platzhirschen Manchester United und Arsenal. Der Verein stand sogar vor der Pleite, bevor in Ken Bates übernahm und später an Abramovitch verkaufte.

Ich verstehe durchaus, wenn man einem solchen Engagement kritisch gegenübersteht. Aber das Argument, dass nur Vereine, die sowieso schon „groß“ sind, für Investoren interessant wären, halte ich für nicht stichhaltig. Auch in Deutschland gibt es durchaus sehr interessante Vereine für Investoren. Auf Anhieb fallen mir da zum Beispiel der Hamburger SV ein, oder unsere Freunde von Hertha BSC (große Fanbasis, großes Einzugsgebiet, Historie, Umfeld einer Weltstadt).

Selbstverständlich wäre eine Abschaffung von 50plus1 nicht die Lösung aller Probleme im deutschen Fußball. So naiv, das zu glauben, bin ich nicht. Aber muss ein „Transfersommer wie von Liverpool“ wirklich der Maßstab sein? Und sollen wir wirklich auf mögliche Vorteile verzichten, nur weil wir die Premier League „sowieso nicht mehr einholen“ können“?

Ein Investor hat meines Erachtens durchaus Interesse an einer spannenden Liga, denn diese stellt ein gutes Verkaufsargument seines Produktes dar, gerade, wenn „sein“ Verein erfolgreich ist und oben mitspielt. Langweilige Liga = wenig Publikumsinteresse = schlechte Werbung = wenig Rendite.

Kurzfristige Investments sind natürlich möglich, aber sicherlich nicht unbedingt die Regel. Auch hier wieder der Hinweis auf Roman Abramovich. Aber auch die „strategischen Partner“ des FC Bayern sind bereits seit vielen Jahren Anteilseigner (und nichts anderes als Investoren). Warum sollte sich daran nach einem Wegfall von 50plus1 etwas ändern?

Selbst ein Hasan Ismaik, der Investor unseres Nachbarvereins, ist bereits seit eineinhalb Jahrzehnten engagiert. Er hält übrigens 3,9 der 6,5 Mio. Aktien der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA, also deutlich mehr als 50%. Seit einiger Zeit denkt er öffentlich zwar darüber nach, seine Anteile zu verkaufen; dies scheint sich aber als nicht so einfach zu gestalten. Denn an wen will man verkaufen, wenn der Verein nicht erfolgreich ist? Bei solchen Vereinen stehen die Kaufinteressenten sicher nicht gerade Schlange. Und das Argument, Vereine wären nach dem Ausstieg eines Investors „kaputt“, ist meines Erachtens nicht wirklich schlüssig, wenn es um die Abschaffung von 50plus1 geht. Investoren existieren ja im deutschen Profi-Fußball bereits, nur dürfen sie bisher nicht über die Mehrheit des Stimmrechts verfügen (über die Mehrheit der Anteile dagegen schon, siehe Hasan Ismaik).

Aus den Gründen, die ich oben ausgeführt habe, hat ein Investor also durchaus Interesse daran, dass es dem Verein „gut geht“. Ein Wegfall von 50plus1 würde daran nichts ändern.

50+1 verhindert Red Bull sehr klar. Also würde es, wenn man die Regeln auch durchsetzen würde. Red Bull verstößt sowohl gegen die Lizenzregeln der DFL (z.B. das Logo, das fast identisch zum Unternehmens-Logo und daher regelwidrig ist), als auch gegen Wettbewerbsrecht (weswegen die DFL aktuell in der Bredouille ist).

2003 war die Fußballwelt eine ganz andere. In jenem Sommer wechselten Beckham und Ronaldinho für 37,5 und 32,5 Millionen Euro zu Real und Barca. Heute würden die wohl das vier- oder fünffache kosten. Abramowitsch soll 140 Millionen Pfund (inklusive Schuldenübernahme) gezahlt haben für einen Klub, der zu diesem Zeitpunkt seit etlichen Jahren in den Top 6 der Premiere League etabliert war. Heute würde man den Kaufpreis in Milliarden aushandeln.

Dabei bleibt es dann ja auch nicht. Ich nehme mal Dortmund als Beispiel, weil ich da die Größenordnungen besser auf dem Schirm habe:

Dortmund fehlen ganz grob gesagt 200 Millionen € Personalkosten, um mit uns auf Augenhöhe zu agieren. Dazu kommen dann eventuelle Transferausgaben. Ein Investor müsste zusätzlich zum Kaufpreis in Milliardenhöhe also jedes Jahr 300 Millionen € in den Kader stecken und das über viele viele Jahre hinweg, um eine ernsthafte Konkurrenz zu uns aufzubauen. Dazu kommen dann noch mal hunderte Millionen € Investitionen in Infrastruktur, wie z.B. dem veralteten Stadion.

Diese Art von Investition ergibt nur für Menschen Sinn, die damit kein Geld verdienen, sondern sich ein Spielzeug kaufen wollen. In dieser Größenordnung sind das am Ende nur Scheichs und Oligarchen. Im „best“ Case würde vielleicht Katar und der PIF jeweils einen Klub kaufen und vielleicht noch irgendein Superreicher, dem langweilig ist. Und ob die Lust haben, sich jahrelang mit deutschen Fans zu streiten, um überhaupt mal diese Mehrheiten zu gewinnen, anstatt lieber unkompliziert in einer anderen Liga zu investieren (z.B. Newcastle) sehe ich als sehr fraglich an.

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ich sehe keine einzige wirkliche positive, erst recht keine, die die negativen überwiegt!

Dafür braucht man doch keine 20 Minuten. Die Antwort ist ganz einfach: ein Ligasystem, in dem sich ein finanzieller Vorteil eines Vereins in einen sportlichen Vorteil übersetzt, in dem jeder Verein 100 Prozent seiner Einnahmen für sich selbst verausgaben kann, aber auch 100 Prozent seiner Ausgaben aus eigener Geschäftstätigkeit erarbeiten muss (vereinfacht), gepaart mit dem strukturellen Ungleichmacher der UEFA-Wettbewerbe, der dafür sorgt, dass die Vereine, die in der Bundesliga den größten sportlichen Erfolg haben, auch deutliche finanzielle Vorteile genießen, wobei sich dieser Zusammenhang von Jahr zu Jahr weiter verstärkt und die Gräben zwischen den finanziell stärkeren und finanziell schwächeren und damit auch sportlich stärkeren und sportlich schwächeren Vereinen tendenziell immer größer werden. Der FC Bayern ist der größte und langjährigste Nutznießer all dieser strukturellen Faktoren. Er ist am frühesten finanziell potent geworden*, konnte somit am frühesten in den sich selbst verstärkenden Zyklus aus sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg eintreten und ist inzwischen an einem Punkt angelangt, an dem er nur noch durch außergewöhnliche Umstände kurzzeitig von der Tabellenspitze verdrängt werden kann, da der Vorsprung in puncto finanzieller und sportlicher Leistungsfähigkeit gegenüber dem Rest ohne außergewöhnliche Shocks uneinholbar groß ist.

*die eigentlich interessante Frage ist, wie ihm das seinerzeit ursprünglich gelingen konnte. War es nur ein Zufall? Waren es die Kirch-Millionen? War es Hoeneß’ gutes Wirtschaften und Geschäftssinn? Was war es, das den FC Bayern so frühzeitig auf die Erfolgsspur gesetzt hat, von der er heute aufgrund der strukturellen Bedingungen des Systems von der Spitze nicht mehr zu verdrängen ist?

**die zweite interessante Frage ist: Wann war der letzte Moment, an dem der FC Bayern noch hätte scheitern und nicht zu dem strukturell nicht mehr angreifbaren Verein werden können, der er heute ist?

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„strukturell nicht mehr angreifbar“ heißt aber ja nicht, dass der FC Bayern sich nicht durch eigene Dummheit ins Nirwana des Mittelfelds abschießen kann … stellen wir uns einfach mal vor, Brazzo und Kahn hätten ihre sehr teure und erratische Transferpolitik und Trainerauswahl noch ein paar Jahre weitergeführt mit der Folge, dass man mal die CL-Quali verpasst; dann hätten sich mutmaßlich einige Schlüsselspieler verabschiedet, die man aufgrund der fehlenden Einnahmen dann auch nicht hätte adäquat ersetzen können … und schwupps, findet man sich in der BVB-Situation wieder (oder in der von Man United).

Will sagen: klar ist der strukturelle Vorteil groß und erlaubt auch einige Fehler im Management. Aber ein Selbstläufer ist das Ganze trotzdem nicht.

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Nein, wenn nur das Ziel ist, dass der Wettbewerb in der Bundesliga ausgeglichen ist, dann wäre eine absolute Deckelung der erlaubten Ausgaben für den sportlichen Bereich eine sehr viel wirkungsvollere Maßnahme.

Jeder Verein darf pro Jahr nur noch maximal 80 Millionen Euro für Spielergehälter und weitere 100 Millionen Euro für Transfers ausgeben. Darüber hinaus darf jeder Verein einen bestimmten Betrag in die sportliche Infrastruktur investieren. Vom dann noch nicht verausgabten Rest der Einnahmen, wie es sie bei einem finanzstarken Verein wie dem FC Bayern beispielsweise sicher noch gäbe, fließen 50 Prozent als Lizenzgebühr für die Teilnahme an der Bundesliga an die DFL. Diese schüttet die Gebühren zusammen mit den Fernsehgeldern nach einem bestimmten Schlüssel, der auf Gleichheit unter den Vereinen ausgelegt ist, für die nächste Saison zurück an die Vereine aus. Etwaige Überschüsse, die nach all dem als Jahresgewinn übrig bleiben, schütten die Vereine an ihre Eigentümer aus.

Schwupps ist eine ziemliche Gleichheit hergestellt, ganz ohne riesige Investitionen und den Ausverkauf der Vereine an milliardenschwere Investoren, um diese überhaupt stemmen zu können.

Wettbewerbsgleichheit erreicht man dadurch, indem man dafür sorgt, dass alle Vereine unter gleichen oder sehr ähnlichen finanziellen oder gar direkt sportlichen Bedingungen konkurrieren (z. B. durch zentrale Spielerzuweisung). Dies wird durch Regeln gewährleistet, die diesen Zustand herstellen. Die Abschaffung von 50+1 stellt diesen Zustand nicht her. Sie schafft lediglich die theoretische Möglichkeit, dass dieser Zustand erreicht werden könnte. Die Abschaffung von 50+1 ist daher nicht das wirksamste Mittel, um Wettbewerbsgleichheit herzustellen, wenn dies wirklich das Ziel ist.

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Es gibt ja die Podcast-Reportage über Uli Hoeneß von Max-Jacob Ost, die sich unweigerlich auch mit dieser Frage beschäftigt. Wenn ich mich richtig erinnere, war der rote Faden, der sich durch die Jahrzehnte zog, immer, dass Hoeneß konsequent nach dem nächsten Schritt gesucht hat, immer wieder Dinge ausprobiert hat, um den FC Bayern noch ein bisschen größer zu machen . Dazu gehört beispielweise die Anektode, dass er in die USA flog, um sich anzuschauen, wie dort der Sport vermarktet wird. Er führte den Verein früh wie ein Unternehmen (zumindest in Relation zur damaligen Zeit) und war der Konkurrenz immer wieder einen Schritt voraus.

Die typischen Punkte, die dann genannt werden, wie eben jener Kirch-Deal, waren schon Ergebnis dessen. Der FC Bayern war zu dem Zeitpunkt schon der Branchenprimus und konnte aus dieser Position heraus mit einer Einzelvermarktung drohen, wodurch sich dann diese Geschichte ergab. Auch konnte man früh von der Einführung der CL profitieren. Nachdem Ende der 90er die Startplätze erweitert wurden und man somit zuverlässig an der CL teilnehmen konnte, hatte man nur noch eine einzige Saison verpasst.

Als obere Abschätzung könnte man erstmal 2012/13 nennen. Der Fußball ist in dieser Zeit finanziell explodiert, die CL-Plätze wurden noch mal erweitert und das Triple kam zum wohl besten Zeitpunkt, den man sich in der ganzen Klubgeschichte hätte aussuchen können.

Davor wurden wir ja „nur“ jedes zweite Jahr Meister. Eine Titelverteidigung war ein sehr großer Erfolg, die drei Meisterschaften hintereinander um die Jahrtausendwende damals unvorstellbar gut. Bis dahin gab es auch immer wieder interessante Konkurrenz, wie Dortmund in den 90ern und unter Klopp. Auch Schalke hatte mal das Potential, sich im europäischen Spitzenfußball festzusetzen. Sportlich schlechte Arbeit wurde bei uns noch bestraft, wie z.B. die in der gruseligen Saison 2008/2009 oder eben jener einen Saison im UEFA-Cup.

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Da würde ich sehr klar auf die goldenen 70er verweisen - Helden wie Müller und Beckenbauer holen dreimal in Folge den Europapokal.

Und dann eben perfekt auch vom Timing her die Übernahme des Ganzen durch UH, der diesen Vorlauf perfekt kapitalisiert…