Ein geschlossenes US-Ligensystem ohne Abstieg ist auf der operativen Ebene planbarer. Das bestreite ich nicht. Die Wahrscheinlichkeit eines Chelsea Abstieges ist dann aber doch sehr gering.
Darum glaubeichnicht, dass dieser Punkt ein Investment in einen europäischen Spitzenclub grundsätzlich riskanter macht.
Die Premier League arbeitet bereits mit einem sehr starken kollektiven Einnahmesystem. Die TV- und zentralen kommerziellen Erlöse werden ligaweit verteilt, und ein Tabellenplatz macht zuletzt nur ungefähr £2,6–2,8 Mio. bei den Merit Payments aus.
Das heißt nicht, dass sportlicher Erfolg wirtschaftlich egal wäre. Eine Champions-League-Teilnahme ist enorm wertvoll. Aber bei Chelsea ist sie eher ein zusätzlicher Ertragshebel als die wirtschaftliche Existenzgrundlage.
Das sieht man sogar an der Saison, die zunächst für deine These spricht. Chelsea fiel 2023/24 ohne Champions League von rund £512 Mio. auf £468,5 Mio. Umsatz, also etwa neun Prozent. Das ist ein klarer negativer Effekt. Nur sind £468,5 Mio. Umsatz ohne Champions League eben auch ein ziemlich bemerkenswerter Sockel. 2024/25 stieg der Umsatz wieder auf £490,9 Mio.
Der entscheidende Unterschied zum NFL-Modell ist deshalb nicht, dass dort Einnahmen zentralisiert werden und hier nicht. Beides geschieht. In der NFL kommt zusätzlich eine viel stärkere Kostenkontrolle hinzu. 2025 erhielt jedes NFL-Team $432,6 Mio. aus nationalen Erlösen, gleichzeitig begrenzt das Salary-Cap-System die Spielerkosten. Das macht die jährliche Ergebnisrechnung natürlich planbarer.
Nur ist jährliche Ergebnisstabilität noch nicht identisch mit Investmentrisiko oder Unternehmenswert. Chelsea weist für 2024/25 einen Vorsteuerverlust von £262,4 Mio. aus – daran gibt es nichts schönzureden. Trotzdem zahlt Clearlake jetzt £950 Mio. für die Anteile von Boehly und Walter, bei einer berichteten Unternehmensbewertung von rund £5 Mrd. inklusive Schulden. Das beweist nicht, dass Chelsea das bessere Investment ist. Es zeigt aber, dass der Markt offenbar andere Werte mitpreist als nur den nächsten Jahresgewinn: Marke, globale Reichweite, Premier-League-Zugang, London, Stadionpotenzial und den Kader als wirtschaftliches Asset.
Schauen wir uns mal Baseball an. Fenway und Boehly sind da sehr prominent investiert. Die MLB hat ebenfalls eine geschlossene Liga und kein Abstiegsrisiko. Trotzdem berichten Branchenbeobachter, dass die Bewertungsmultiples der MLB in den vergangenen Jahren deutlich hinter NFL und NBA zurückgeblieben sind. Sicherheit des Ligaplatzes allein erzeugt also noch keine hohe Bewertung.
Und genau deshalb würde ich einen englischen Zweitligisten oder italienischen Mittelklasseclub nicht mit Chelsea gleichsetzen. Dort kann sportlicher Misserfolg tatsächlich das gesamte Geschäftsmodell verschieben. Chelsea bleibt selbst ohne Champions League ein globales Asset mit mehreren hundert Millionen Pfund Umsatz.
Wenn du sagst, Chelsea sei als Investment riskanter, meinst du damit höhere Schwankungen beim Jahresergebnis? Dann bin ich bei dir. Meinst du aber höhere Gefahr eines dauerhaften Kapitalverlusts oder schlechtere langfristige Wertentwicklung, dann müsste man genau das empirisch zeigen. Aus der Ligastruktur allein folgt es für mich nicht.