Paul Scholl im Interview. Auch im Rückblick auf seine Bayernzeit.
"Wie nah waren Sie damals schon an den Profis? Durften Sie häufiger mittrainieren?
Ja, ab und zu. Vor allem während der Länderspielpausen hat die zweite Mannschaft gemeinsam mit den Profis trainiert. Aber auch schon in der U19 und U17 durfte ich ein paarmal oben bei den Profis mittrainieren. Mein erstes Training war noch unter Julian Nagelsmann. Danach hatte ich ein Training unter Thomas Tuchel und später dann öfter unter Vincent Kompany.
Wie haben Sie die drei Trainer in Erinnerung behalten?
Alle sehr positiv, auch im Umgang mit den Jugendspielern. Vor allem Vincent Kompany hat mich beeindruckt, weil er – egal, wie alt man war – jeden mit einbezogen und von jedem etwas eingefordert hat. Er hat nie irgendwie von oben herab mit einem gesprochen. Das haben die anderen auch nicht getan, aber ich fand trotzdem, dass Kompany ein besonders gutes Gespür dafür hatte, junge Spieler ins Training zu integrieren.
Wenn man aus dem Jugendfußball kommt und plötzlich mit Profis trainiert, noch dazu mit einigen der besten Spieler der Welt: Wie schwer ist es, da mitzuhalten?
Natürlich ist das nicht ganz einfach, vor allem wenn man aus dem Jugendfußball kommt, wo es körperlich noch anders zugeht. Aber man findet sich eigentlich schnell ein. Meistens waren noch andere Mitspieler aus der Jugend dabei, die gemeinsam mit einem trainieren. Von Training zu Training gewöhnt man sich immer mehr an das Niveau. Man kann sich dabei nur verbessern, weil man sich mit den Besten misst und von ihnen lernen kann. Auch wenn man am Anfang natürlich noch nicht das Niveau der Profis hat, wird man durch das Training automatisch immer besser.
Gab es einen Profi, der Sie spielerisch besonders beeindruckt hat?
Ja, ganz klassisch würde ich Michael Olise sagen. Wenn er den Ball hatte, ist er gefühlt nicht über den Platz gelaufen, sondern fast darüber geschwebt. Es sah einfach unglaublich elegant aus. Deshalb ist er mir besonders in Erinnerung geblieben. Nicht nur, weil es gut aussah, sondern weil am Ende auch fast alles funktioniert hat."