Ich finde Effektivität in diesem Zusammenhang wichtiger als Effizienz. Wenn man immer eine gewisse Effektivität an den Tag legt, erspielt man sich automatisch immer wieder gute Torchancen und schießt dann auch automatisch irgendwann Tore.
Wenn man sich jetzt dagegen auf die Effizienz konzentrieren würde, würde das bedeuten, dass man aus einer begrenzten Anzahl an Chancen die maximale Anzahl an Toren erzielen versucht. Man will also die Chancenverwertung erhöhen. Eine natürliche Konsequenz dieser Taktik ist, dass weniger Chancen herausgespielt werden, weil der Fokus eben nicht mehr auf der Chancenkreierung liegt. Da es bei der Chancenverwertung eine von der Natur entstammende Obergrenze gibt, denn Menschen sind keine Maschinen und machen Fehler, gibt es dementsprechend auch eine natürliche Obergrenze für Tore. Und diese Obergrenze ist umso niedriger desto besser die verteidigenden Mannschaft darin ist, dem Gegner keine Chancen für die Torerzielung zu bieten. Das Extrembeispiel wäre eine hundertprozentige Chancenverwertung, aber der Gegner lässt gar keine Chancen zu, da man selber zu schlecht ist um Chancen zu kreieren.
Deswegen sollte Bayern immer den Fokus darauf legen so viele Chancen wie möglich zu kreieren. Das Gegenteil zu dem vorherigen Beispiel wäre dementsprechend, dass man auch nach 20 Fehlschüssen 1m vor dem freien Tor, nicht Torschuss Training üben sollte, sondern noch mehr die Chancenkreierung üben sollte, sodass man irgendwann (in diesem Extrembeispiel), den Ball nicht malehr auf das Tor schießen muss, sondern ihn quasi ins Tor trägt.
Fußballerisch gäbe es sicher einige Themen, die nach diesem Spiel zu diskutieren wären. Dieser FC Bayern ist von der taktischen und individuellen Präzision nicht ganz auf dem Level des Teams, das im ersten Saisondrittel für Begeisterung sorgte. Aber dieses Team hat einen Charakter, der sich nochmal deutlich von den Vorjahren abhebt.
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Auch andere Spieler, die noch nicht lange dabei sind, stützten die Achse des Teams: Jonathan Tah gewann zahlreiche wichtige Zweikämpfe, Harry Kane war abermals überall zu finden. Und dann waren da jüngere Spieler wie Michael Olise, bei dem nicht alles klappte, der aber unermüdlich viel probierte. Oder Josip Stanišić, der trotz leichten Defensivproblemen seine vielleicht beste Saisonleistung zeigte. Oder Jonas Urbig, der Manuel Neuer abermals souverän und mit faszinierender Ruhe am Ball ersetzte. So könnte man weitermachen. Fußballerisch steht die Qualität dieses Teams außer Frage.
Was am Ende darüber entscheiden wird, ob sie Titel gewinnen, ist die Fähigkeit, sich mit Charakter und Leidensfähigkeit durch jene Saisonphasen zu ziehen, in denen der Fußball nicht so leicht von der Hand oder eher vom Fuß geht. Phasen wie die, die wir in den ersten beiden Monaten des Jahres erlebt haben.
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Eine Energie, mit der man große Titel gewinnen kann. Klar ist, dass sich eine Champions-League-K.-o.-Phase nicht vorhersagen lässt. Eine Garantie gibt es nicht. Dafür sind andere europäische Top-Teams ebenfalls zu gut. Aber dieser FC Bayern ist so nah dran an diesen Mannschaften wie lange nicht mehr. Und das eben nicht nur fußballerisch, sondern auch in den von außen schwerer zu greifenden Aspekten des Spiels. *
Widerstandsfähigkeit hat die Mannschaft zweifelsohne. In dieser Saison ganz besonders, weil wir schon viele Punkte nach Rückstand geholt haben (18, glaub ich). Das wird sicherlich helfen, wenn wir jetzt in die KO-Spiele in CL und auch weiterhin im Pokal gehen. Nur sind viele Rückstände natürlich auch immer ein Zeichen dafür, dass man offensichtlich Probleme hat, selbst in Führung zu gehen und dann zu halten. Wir haben ja nun einige Spiele erlebt, in denen wir uns trotz Führung schwer getan haben. Oftmals haben wir ja dann auch gleich mal zwei Gegentore kassiert. Komischerweise ist das in der CL besser gewesen. Vielleicht ist da dann die Konzentration höher. Aber ich würde mir dann doch auch mal wieder Spiele wünschen, in denen wir einfach wie im ersten Drittel der Saison die Spiele von Anfang bis Ende locker nach Hause spielen.
Und zum Thema Ballführung: Ich habe mir gestern ja schon gewünscht, dass wir mal schneller spielen. Natürlich macht es durchaus SInn, nicht jeden Ball schnell zu spielen. Aber wenn Doppelpässe dann zur absolut seltenen Erscheinung werden, dann wünsche ich mir doch den Müller Thomas ab und an wieder zurück. Da hatte ich dann schon gehofft, dass der Februar die Zeit ist, in der wir spielerisch zulegen, weil wir doch mehr einüben konnten als in den permanenten englischen Wochen. Ein paar mehr Automatismen würden ja dazu beitragen, dass der Ball schneller läuft.