Veröffentlicht unter: Der FC Bayern hat den Charakter für eine große Saison
Die bisherige Rückrunde des FC Bayern München ist von einigen Zweifeln begleitet. Doch der Sieg in Dortmund zeigt: Das Team hat den Charakter für eine große Saison. Eigentlich lief alles für den FC Bayern München – und dann doch nicht mehr. Beim wichtigen Auswärtsspiel in Dortmund gab es in der Anfangsphase nur ein Team, das dem Publikum im Westfalenstadion zeigte, dass es dieses Spiel unbedingt gewinnen will: der FCB. Jetzt unsere Miasanrot-App für iOS downloaden: Analysen, Podcasts und mehr zum FC Bayern München – alles an einem Ort! Es war gewiss noch kein Chancenfeuerwerk gegen einen defensiv gut eingestellten BVB,…
Sehr schöner Kommentar, der es sehr gut auf den Punkt trifft. Die “Art und Weise” mit welcher Geschlossenheit und Disziplin diese Mannschaft diese Saison auftritt ist besonders und hebt das Team von manch anderen Bayern Teams der letzten Jahre etwas ab.
Bei dem Team steht das Sportliche absolut im Mittelpunkt, jedem Spieler gestern auf dem Platz nimmt man glaubhaft ab, dass er für den Erfolg der Mannschaft alles in die Waagschale wirft. Es gibt keine außensportlichen Nebenkriegsschauplätze, der Fokus scheint da zu sein.
Wenn man sich konkret die Aufstellung von gestern anschaut, dann sieht man dass nicht nur die genannte Achse (mit u.a. Upa - Kimmich -Kane) existiert und hervorragend funktioniert, sondern auch dass die anderen Spieler ebenfalls zu dieser Achse beitragen: Bei einem Urbig ist eine der größten Stärken in seinem Alter diese besondere und ruhige Ausstrahlung in seinen Aktionen, Laimer und Stanisic geben jedes Spiel wirklich alles für den Verein, Pavolovic wächst immer mehr in die Rolle eines absoluten Leaders an der Seite von Kimmich heran, Tah in Leverkusen über Jahre zum Führungsspieler gereift und bei Bayern sportlich nochmal einen weiteren Schritt gegangen, Diaz einer der defensiv diszipliniertesten Ackerer als Flügelspieler, die es auf dem Planeten wohl gibt.
Führungsachse und auch die Mentalität der weiteren Spieler einfach besonders stark. Egos werden für den Erfolg der Mannschaft hinten angestellt. Das merkt man bei der seriösen Herangehensweise, aber auch bei der Art und Weise der Jubel.
Kommentar finde ich auch gut.
Allerdings habe ich nicht nur Licht gesehen, sondern auch etwas Schatten.
In den ersten 20 Minuten haben wir hoch konzentriert und angesichts der Brisanz und der Stimmung im Dortmunder Hexenkessel mit „Endspiel - Atmosphäre“ sehr souverän gespielt.
Da hätte man aber mehr daraus machen müssen.
Um wirklich bei den ganz großen Titel mitreden zu können, brauchen wir etwas mehr von der gestrigen BVB - DNA.
Die haben gestern aus ziemlich wenig ganz viel gemacht, waren wie schon so oft in dieser Saison wirklich beeindruckend effizient.
Da müssen wir nachlegen. Vorne muss noch mehr Gier und Entschlossenheit her. Olise, Diaz und Musiala hatten gestern leider nicht ihren besten Tag.
Dafür war Kimmich und einige andere wieder sehr stark!
Was in der Tat herausragend war ist die Mentalität. In HZ ist ja fast alles unglücklich gegen den FCB gelaufen (erster Torschuss BVB gleich drin mit Millimeter Abseitsentscheidung usw..) und das Team hat trotzdem weiter gemacht und selbst nach dem 2:2 kurz vor Schluss weiter auf Sieg gespielt.
da bin ich ziemlich bei dir - wenn es um die wichtigen spiele in der CL bzw. ein realistisches vorankommen zu einem halbfinale/finale geht muss die mannschaft etwas effizienter werden. olise/diaz hatten gestern auch nicht wirklich einen guten tag, und das merkt man sofort, gut das es kimmich dann doch noch gerichtet hat.
Ich finde, dieser Nebensatz:
wie das Team sich selbst nach dem späten Tor zum 2:2 nicht mit einem Unentschieden zufrieden gab, ohne dabei den Kopf zu verlieren,
drückt genau das Mindset aus, das man braucht, um Titel zu holen.
Wo der BVB mit Engagement, Geholze und Dusel durchaus nahe an einem Erfolg war, hat sich Bayern einfach nicht von Fouls, Schiri-Entscheidungen oder sonst was außer Tritt bringen lassen, sondern diszipliniert seine Marschroute verfolgt ohne hektisch zu werden.
Wo man bis vor Kurzem vielleicht zu viel gewollt und noch einen Treffer kassiert hätte, hat Kompany es geschafft, allen die nötige Ruhe und Überzeugung (wieder) zu geben.
Dass in einem Do-or-Die-Spiel die sogenannte Effizienz stimmen muss, ist aber doch ein gewisser Allgemeinplatz.
Was mich an dem Narrativ immer etwas stört oder irritiert:
Effizienz kann ja auch bedeuten, dass man an einem Tag ziemlichen Müll zusammenspielt, aber das Match irgendwie - oftmals mit mehr Glück als Verstand - auf seine Seite zieht. Wenn man etwa den BVB heuer in der Liga betrachtet: da waren kaum gute Leistungen dabei, viele Spiele wurden mit Ach und Krach gewonnen. Natürlich kann aus der Tatsache, dass du kaum verlierst, die Erkenntnis einer gewissen Stabilität gewonnen werden.
Trotzdem kann die Konsequenz ja kaum lauten, dass Bayern besser schlechten Fußball spielen sollte, um diese Art der Effizienz zu erhaschen. Die grundsätzliche Wahrscheinlichkeit ist immer noch die, dass mit zunehmend besserem Fußball auch der Sieg wahrscheinlicher wird. Die Anzahl unserer Tore übrigens lässt die Effizienz-These auch nicht gerade stimmiger wirken - wir haben sowohl national als auch international haufenweise Torchancen und diese auch in eine exorbitante Trefferquote umgemünzt. Wir sind also sogar sehr effizient.
Wahr ist freilich, dass es in einem K.-O.-Spiel nötig ist, entweder seine Chancen zu verwerten oder hinten weniger reinzukriegen als erwartet. Aber das ist eine Binse. Falsch oder mindestens fragwürdig ist es hingegen, immer wieder die - auch etwa heute im unsäglichen DoPa (Kohler!) - defensive Stabilität als hauptsächlich relevanten Faktor anzufügen und immer wieder das angeblich völlig andere internationale Geschäft zu behaupten. Es wurde eine ganze, internationale, CL-Vorrunde gespielt, und die Platzierung der Bayern ist bekannt. Offenbar funktioniert unser Fußball also egal, wo man ihn spielt.
Dass es grade gegen die sehr, sehr wenigen Teams, die unserer Klasse auf Augenhöhe begegnen, zunehmend auf Kleinigkeiten ankommt, ist doch vollkommen klar. Nur müssen diese Kleinigkeiten nicht zwingend in der Defensive zu finden sein. Ebenso wichtig wie das bessere Verteidigen von Standards ist eben, dass wir auch gegen Arsenal und Co. Wege finden, unsere unwirkliche Offensiv-Power aufs Tablett zu bringen. Alles ist wichtig.
Ich hatte ja gestern schon in einem Post die Charakterstärke der Truppe erwähnt und bin @justin ganz dankbar, dass er dies in diesem Artikel aufgreift. Und Charakter meint eben weniger, dass man glauben müsste, dass in einem imaginären Endspiel plötzlich keine Fehler mehr passieren, vorne wie hinten. Sondern:
Dass man als Team bereit ist, Widerstände zu überwinden und sein Spiel durchzuziehen, das Vertrauen zu bewahren und nicht den Kopf zu verlieren, indem man seine Linie verlässt. Unser Spiel ist naturgemäß dominant, aggressiv und offensiv-gierig ausgerichtet, und zu glauben, man könnte jetzt auf der Zielgeraden der Saison plötzlich anfangen, hässlichen Defensiv-Fußball mit einem Standard-Tor in der 89. Minute zu versehen, ist natürlich Unfug und sicher auch von niemandem gewollt.
Sonst könnten unsere Jungs ja auch gleich schwarzgelbe Trikots anziehen ![]()
Bayern hat aus 2 xG 3 Tore gemacht. Der BVB aus 1 xG 2 Tore. Würde da jetzt niemandem vorwerfen, nicht effizient gewesen zu sein.
Was mir gestern aufgefallen ist, und generell schon seit längerem: Unsere Spieler führen mE den Ball zu lange am Fuss. Dadurch wird erstens das Spiel verlangsamt und zweitens steigt die Gefahr von Ballverlusten. Gestern etliche Male passiert. Ich reg mich da jedesmal auf vor dem Fernseher.
Ohne spezifische Situationen schwer zu diskutieren, aber „die führen den Ball zu lange“ ist oft das Resultat, wenn man vor allem auf den Ball schaut. Wenn man sich dann die gesamte Situation anschaut, ist es oft verständlich, warum der Pass nicht gespielt wurde, den man sich selbst in der Emotion gewünscht hätte. Gerade wenn man noch Perspektivverzerrungen einberechnet.
Alles relativ. Es ist ja niemandem gedient, wenn der Ball zwar schnell gespielt wird, der Angespielte aber (noch) nicht in einer guten Position war und dann der Ballverlust kommt.
Dann lieber Spiel verlangsamen und im Ballbesitz bleiben.
Meine Wahrnehmung ist auch, dass das vor allem dann passiert, wenn das Spiel sehr hektisch ist und der Gegner sehr aggressiv presst. In der ersten Viertelstunde hat mir das noch am besten gefallen, da haben wir so ein gutes Pass- und Positionsspiel gehabt, dass wir Dortmund schön haben laufen lassen. Dass das mit zunehmender Dauer des Spiels abnimmt, liegt in der Natur der Sache.
Mehr Sorgen machen mir vielleicht die Pass-Entscheidungen. Olise hat in der zweiten Halbzeit zwei eklatante Fehlpässe gespielt, die brutal gefährlich waren und mit höherer Qualität des Gegners wohl zu Gegentoren geführt hätten. (Bevor jetzt das Olise-Bashing anfängt, siehe gestriger Spieltags-Thread: er war auch gestern wieder an zwei Toren für uns entscheidend beteiligt. Dass man ihm mal ein, zwei durchschnittlichere Leistungen zugestehen muss, sollte ihn nicht gleich in Frage stellen. Sein Spiel ist nun mal auch auf Risiko angelegt. Aber klar, in jedem CL-Spiel heißt es nun: Fokus, Fokus, Fokus auf die richtigen Entscheidungen.)
Ich kann mich gestern nur/vor allem an die eine Diaz Szene erinnern, in der er quer durch die eigene Hälfte läuft und läuft und läuft und dann glaube ich sogar ins Dribbling geht. Im Fernsehen allerdings tatsächlich oft schwer einzuschätzen, welche Optionen es gegeben hätte. Im Stadion sieht man das (zumal von weiter oben) oft besser, muss dann aber dem Spieler zugestehen, dass er die Draufsicht nicht hat. Und außerdem kennt der die Instruktionen des Trainers für gewisse Situationen. Was für uns “zu lang”/falsch wirkt, kann aus der Sicht ja auch genau das richtige sein. ein Ballverlust ist es aber wahrscheinlich nie.
Kleine Amerkung. Das stimmt absolut. Aber es ist fast nichts zählbares dabei herausgekommen. In Schönheit fast gestorben. Aus so einer Überlegenheit, wenn die anderen wie die Hasen hinterherrennen muss auch was zählbares raus kommen finde ich.
Ich weiß sofort, was du meinst. Da haben sich dann auf einmal Räume ergeben und er war halt so: Fuck it, ich geh jetzt. Ist schon ok, diesen Spielern diese Freiräume zu geben. Am eigenen Strafraum sollte das natürlich nicht passieren.
Ein ganz okayer Gegner verteidigt ja aber auch noch mit. Und der ist in den ersten 20 Minuten in der Regel sehr frisch. Bisschen ungenau war’s, aber das hat sofort das Stadion beruhigt und die Verhältnisse geklärt.
Ganz unanalytisch. Meist ist es doch so, dass der Gegner einen bestraft, wenn man aus der eigenen Überlegenheit nichts macht. Du hast immer Phasen in denen Du dominierst und diese Phase ist dann irgendwann vorbei und es eröffnet sich die Chance für den Gegner. So war es gestern doch auch. Dass der Gegner in Führung ging hat mich darum nicht überrascht.
Charakter und Mindset helfen. Aber nur bis Dir in der Champions League irgendein Südamerikaner drei Dinger reinwichst, weil die Abwehr mal wieder falsch steht.
Vs Atalanta mag so eine Leistung reichen.
Ab dem 1/4 Final bedarf es einer deutlichen Steigerung in allen Mannschaftsteilen.
wieso sagst du explizit deutlich? frage nur aus interesse