Veröffentlicht unter: Trinkpausen bei der WM 2026: Ein Segen für Laptoptrainer
Die FIFA nennt sie Hydration Breaks, Trainer wie Julian Nagelsmann nutzen sie als zusätzliche Taktikbesprechung während der WM 2026. Werden die Trinkpausen damit zum wichtigsten neuen Werkzeug an der Seitenlinie? Eigentlich sollen die verpflichtenden Hydration Breaks bei der WM 2026 die Spieler vor den teilweise extremen klimatischen Bedingungen in Nordamerika schützen. So zumindest die offizielle Erklärung der FIFA, die damit bekanntlich auch sehr viel kommerzielles Geld einnimmt. Schon nach den ersten Spielen zeigt sich, dass die Unterbrechungen weit mehr sind als eine reine Gesundheitsmaßnahme: Trainer gewinnen zusätzliche Zeit für Anpassungen. Fernsehsender erhalten neue Werbefenster. Werbung: Das neue Bayern-Trikot und 50…
Es war ja zu befürchten, dass es irgendwann so kommen würde, und jetzt haben sie es also geschafft: Werbung auch noch bei Spielunterbrechungen!
Ich fürchte das wird sich nicht in Gänze wieder einfangen lassen (mit oder ohne Trinkpausen).
Ich bin mir relativ sicher: die FIFA hat diese Pausen (in ihrem umfassenden Verantwortungsbewusstsein für Menschenrechte und mit ihrem unermüdlichen Einsatz für das Gemeinwohl im Sinne des Fussballs) eigentlich so gemeint:
Die Trinkpause ist nicht eine Pause FÜR das Trinken, sondern eine Pause VOM Trinken. Sie gibt unzähligen älteren Menschen auf diesem Planeten (zu denen ich mich mittlerweile auch zählen muss, sehr leider) die Gelegenheit, sich der eigenen Körpersäfte, die einen gewissen Druck ausüben, nach Genuss des ein oder anderen Kaltgetränks in Bierform nicht erst nach 45 Minuten, sondern gleich nach 22,5 Minuten zu befreien (3 Minuten sind nahezu perfekt dafür) und dann ganz entspannt wieder Fussball zu schauen.
Die Werbung, die während dieser Zeit gezeigt wird, läuft eigentlich nur als Überbrückung. Wer will schon ein Rudel verschwitzter Fussballer im Kreis sehen, die teils gar nicht mal trinken, sondern über so etwas wie Taktik diskutieren oder - alternativ - vom Trainer zusammengefaltet werden…
Fürchte ich auch. Ist einfach eine zusätzliche Möglichkeit, Kohle zu machen - und wenn man das weiß, dann bräuchte es viel Fantasie zu glauben, dass das Spiel nicht weiter zersplittert wird. Wenn man dann sogar noch in Einzelfällen gesundheitliche Gründe anfügen kann (oder vorschieben), umso besser.
Aus Trainersicht kann ich mir schon auch vorstellen, dass viele das begrüßen würden. Die Spiele bisher lassen jedenfalls, wie der Artikel schön herausarbeitet, vermuten, dass sich die Pausen gut nutzen lassen.
Trotzdem ist das für mich persönlich ein weiterer Schritt, der mir das Business eher verleidet. Mich regt die sinkende Aufmerksamkeitsspanne der Menschen eh schon auf, was vielleicht auch eine Generationenfrage ist. Und das Schöne am Fußball ist eben, dass dieser komplexe Sport so schön fließt. Ihn in immer kleiner werdende Einheiten zu zerstückeln, finde ich ganz furchtbar. Verändert das Spiel, nicht zum Vorteil.
Zumal die Pausen ja nur Teil einer größeren Entwicklung sind. Durch den VAR kommen pro Spiel auch nochmal oft mehrere ein- bis zweiminütige Unterbrechungen hinzu. Auch die werden ja von den Trainern gern für kurze taktische Hinweise an einzelne Spieler genutzt, die das dann an die anderen weitergeben. Und die Verletzungen und die “Verletzungen”…
Um mit @Lukenwolf1970 zu sprechen: Die Gefahr des Harnstaus ist nachhaltig gebannt!