Ich wollte dir gar nicht widersprechen, ich finde deine Idee, die Prozentzahl der Ablösesummen bei der Kompensation der Jugendvereine zu erhöhen, sehr gut und unterstützenswert.
Mich hat einfach die historische Komponente interessiert und woher in welchem Alter die Spieler kommen. Und wenn man sich z.B. die deutschen Vereine anschaut, von denen wir Spieler abgeworben haben, dann sieht man neben Eintracht Frankfurt und Hertha Berlin auch viele Transfers von Dynamo Dresden, Energie Cottbus, Union Berlin (auch schon weit vor ihrem BL-Aufstieg), Ostklubs mit einer guten Jugendarbeit, von der sie nicht profitieren, weil ihnen größere Klubs die Talente wegschnappen.
Es ist einfach die Stellschraube bei der es am unfairsten abläuft. Einerseits will man ewig die TV Gelder angleichen und Vereine für das pure Dasein gleich entlöhnen wie Bayern die wahrscheinlich für 50% der TV Einnahmen verantwortlich sind. Das ist kein Leistungsprinzip.
Wenn hingegen die Hertha 70% der Ausbildung eines Talents übernimmt , aber Bayern für 10% der Ausbildung 95% der Verkaufserlöse bekommt ist das hingegen in Ordnung, obwohl es eigentlich völlig dem Leistungsprinzip widerspricht.
Es ist die Stellschraube, die wir (als nicht Beteiligte, die mit den Interna nicht vertraut sind) am offensichtlichsten sehen anhand der reinen Ablöse und als unfair empfunden werden kann, da stimme ich absolut zu. Ein Herthatalent wird dabei aber ja auch nicht zu einem Vertrag beim FCB gezwungen (nur als Beispiel), es ist eine Entscheidung zusammen mit den Eltern, solange minderjährig.
Die Stellschrauben, die ich als wirklich relevant erachte im Sinne des Vereins, ist eine sehr realistische Einschätzung von wirtschaftlichen Möglichkeiten, eine Vorstellung von machbaren Transfers in diesem Rahmen, einer guten Spielidee, die vom Trainerteam gut umgesetzt wird zusammen mit einer gewissen „Kaderhygiene“ (was die Stimmung im Team angeht) und einer guten Mischung aus Erfahrung und Talent, eventuell mit gezielten Leihen auf Profiniveau. Die SV Elversberg hat das im letzten Jahr sehr vorzüglich vorgemacht, wie man mit diesen Elementen in die 1. Bundesliga kommen kann und hat den KSC, Kaiserslautern, Hertha und Nürnberg (nur als Beispiele für die Traditionsvereine) hinter sich gelassen.
Das sind langfristige und strategische Ausrichtungen mit Weitblick. Und Elversberg hat und hatte dabei nicht ansatzweise die Möglichkeiten der Jugendmannschaften von Schalke, Hertha oder dem KSC.
Das stimmt ja alles, aber ihr redet ja von völlig unterschiedlichen Dingen.
Die Änderungen von @Zip beziehen sich (ebenso wie die Verteilung von TV-Geldern) auf die äußeren (finanziellen) Bedingungen, das was du ansprichst darauf, was Vereine dann intern daraus machen.
Natürlich kann man aus sehr wenig sehr viel machen durch gute Arbeit und klare Strukturen. Aber das ändert ja trotzdem nichts an den sehr unterschiedlichen (und tendenziell immer unterschiedlicheren) Ausgangsbedingungen.
Ich sehe überhaupt keinen einzigen Nachteil darin, kleinere Vereine stärker für ihre Jugendarbeit zu belohnen. Ob die dann jeweils viel oder wenig daraus machen, ist eine andere Frage. Aber an den äußeren gemeinsamen Bedingungen kannst du halt auch etwas ändern, gutes Managment kannst du ja nicht durch eine Reform verordnen.
Den Nachteil sehe ich auch überhaupt nicht, im Gegenteil
Wir müssen uns nicht über Begrifflichkeiten streiten. Wenn Euer Kleiner ein talentierter kleiner Messi ist und sich in den Jugendligen erfolgreich beweist, Ihr beiden ihn als stolze Eltern Wochenende für Wochenende zu seinen Spielen begleitet und mit ihm mitfiebert… wie wird die glückliche Familie wohl reagieren, wenn plötzlich ein renommierter Verein vor der Türe steht und Euch eine voll finanzierte Ausbildung plus ein paar Tausend € extra anbietet?
Das ist dann genau das:
Natürlich hofft der aufnehmende Verein auf den nächsten Superstar, ansonsten würde er diese Investition gar nicht tätigen. Wenn man aber die Gesamtzahl der Spieler in allen Nachwuchsteams heranzieht wird schnell klar, dass die Chancen auf einen echten Durchbruch gering sind. In etlichen dieser Fälle bedeutet das für den Spieler, der nicht voll überzeugt, ein jahrelanges Tingeln auf Leihbasis oder den festen Verkauf an einen x-beliebigen Verein, wie zuletzt bei Wisdom Mike. Schön sind solche Entwicklungen für Eure Familie sicher nicht.
Klar, wir alle wissen, dass Fußball exakt so funktioniert: Ein Geld- und Spielerkarussell, das permanent neu gefüttert werden muss. Vielleicht gefällt Dir dieser Ausdruck besser, als der Begriff Menschenhandel?
Dem stimme ich zu.