Veröffentlicht unter: Der FC Bayern und die 250-Millionen-Frage
250 Millionen Euro sind viel Geld, aber für die letzten fünf Prozent am FC Bayern vielleicht zu wenig. Der geplante Verkauf der Anteile an Viessmann wirft Fragen auf zur Strategie des FC Bayern und erneut auch im Umgang mit den Mitgliedern. Der FC Bayern steht offenbar vor einem Verkauf weiterer Anteile der FC Bayern AG. Nach Informationen von Münchner Merkur und tz will der Verein fünf Prozent der AG an Viessmann verkaufen. Der Kaufpreis soll bei rund 250 Millionen Euro liegen. Der Anteil des FC Bayern München e.V. an der AG würde damit von 75 auf 70 Prozent sinken. Adidas,…
Guter Artikel, der alle unterschiedlichen Aspekte beleuchtet und die richtigen Fragen stellt. Danke!
Vielleicht liegt der Nutzen/die Aufgabe des neuen strategischen Partners im Einheizen der heimischen Fans, so dass wir für unsere berühmte „Scheissstimmung“ nicht mehr selbst verantwortlich sind ![]()
Weil wir „wie immer“ nur spekulieren können, mein bescheidener Spekulationsbeitrag dazu.
Ein Teil des Geldes wird in Infrastruktur gesteckt werden, Haching, Säbener und auch der Hinweis auf ein Facelifting der Allianz Arena hat bestimmt auch seine Berechtigung.
Aber: was wäre, wenn AUDI respektive VW tatsächlich Geld braucht und seinen Anteil signifikant reduzieren muss ?Ich vermute deshalb, dass hier die Ursache begründet liegt. Viessmann kommt mit 5% und Audi reduziert seinen Anteil ebenfalls auf 5% oder (sogar noch mehr) und „uns“ bleiben von vorher 5% noch 3,33%?
Diese Rochade lässt sich meines Erachtens in den AG‘s leichter umsetzen, als wenn AUDI an Viessmann direkt verkauft und der FCB nur Zuschauer ist und nicht entscheiden kann.
Und der Georg‘sche Ansatz bleibt bestehen, dass wir mehr als den fair value erhalten.
Soweit es öffentlich bekannt ist, kann Audi seine Anteile nicht loswerden, ohne dass der FC Bayern dem zustimmt.
Die Theorie, dass Audi seinen Anteil reduzieren würde, weil sie Geld brauchen, ergibt wenig Sinn. Die Summen, die sie damit einnehmen könnten, sind in Maßstäben der Automobilbranche irrelevant. Die Medienberichte, dass man das intern untersucht, dürften in erster Linie ein symbolischer Akt sein, um nach außen zu signalisieren, man würde alles auf den Prüfstand stellen. Letztlich sind das aber alles Peanuts.
Viel relevanter ist da die Frage, ob Audi überhaupt noch langfristig unser Partner sein will. Wenn man meint, sich in den schwierigen Zeiten ein so hohes Sponsoring aus Marketing-Sicht nicht mehr leisten zu können, müssten sie eher alle Anteile verkaufen und die Sponsoring-Verträge in den nächsten Jahren auslaufen lassen, damit das ganze auch öffentlich glaubwürdig ist.
Hier wird dann die Frage spannend, ob der eV Rückkaufsklauseln hat. So weit ich weiß, ist nichts konkretes bekannt. Wenn man beispielsweise die Option hätte, die Audi-Aktien für 150 Millionen zurück zu kaufen, würde das Viessmann-Interesse unter einem ganz anderen Licht stehen.
Im Artikel gefällt mir der angesprochene Punkt „fair value“ sehr gut. Es gibt von außen betrachtet eigentlich keinen Druck zu verkaufen.
Auch sonst fand ich den Artikel sehr interessant und informativ. Danke dafür.
Ohne das Wissen, was mit dem Geld passieren soll, kann man sicherlich nicht abschließend urteilen, aber stand jetzt bin ich überhaupt kein Freund von dem Deal.
Theoretisch könnte es schon einen Zeitdruck geben, warum man bereits jetzt die Anteile veräußern will. Wenn die organisierte Fanszene wieder im Stadion ist, würde es definitiv Rückenwind geben und so wie ich den FC Bayern aktuell einschätze würde man diesem einfach gerne aus dem Weg gehen
Muss man natürlich immer mit Vorsicht genießen, aber die Medienberichte lesen sich ja fast so, als wäre das alles schon entschieden.
Da muss ich fast ein wenig an die FIFA denken. Im Hinterzimmer schonmal den Deal perfekt machen und dann mal gucken.
Weil so richtig passt es nicht zusammen. Ich sehe aktuell trotz gewisser Investitionen in die Infrastruktur eigentlich keinen Anlass zu diesem Zeitpunkt die letzten Anteile zu verkaufen.
Ich sehe auch nicht, was der “Mehrwert” von dieser Viessmann-Holding sein soll. Wirkt dann eher so als würde man da einem der das Geld übrig hat und eh schon mit uns verbandelt ist die Chance aus guter Freundschaft geben wollen.
Ich lasse mir das gerne auch erklären und mich überzeugen, aber Stand jetzt wirkt das auf mich eher etwas dubios und nicht passend zu der Kommunikation der letzten Jahre.
Der 1. Spieltag ist schon in zwei Wochen.
Bis dahin wird das wohl kaum einer vergessen haben und ob es bis dahin alles offiziell ist, ist auch fraglich.
Danke für den Artikel! Habe mich schon gefragt, was man mit dem Geld sinnvolles machen kann. Jetzt habe ich zumindest eine Vorstellung!
Seit wann werden denn Anteilskäufe öffentlich diskutiert? Soll sich um es mal etwas provokant auszudrücken der Investor vorher bei den Fans um Zustimmung buhlen?
Die Sache läuft ja schon lange. Hoeneß hatte ja Veränderungen im AR schon vor Monaten angekündigt.
Wie man das Wort dubios in diesem Zusammenhang verwenden kann ist mir schleierhaft.
@ChrisCullen sagt es ja richtig. Der Plan dahinter ist wahrscheininlich schon monate lang in der Mache. Jetzt hat das einfach nur jemand der Öffentlichleit gesteckt. Könnte gut sein, dass eine öffentliche Bekanntgabe bald folgt.
Für mich ist der entscheidende Punkt eigentlich ziemlich simpel: Wenn man schon 5 % des FC Bayern verkauft, dann sollte der Käufer eben mehr sein als nur Kapitalgeber. Genau das hat Dreesen selbst als Maßstab formuliert. Im OMR-Podcast sagt er über Adidas: „Es geht darum, wie wir gemeinsam die Marke FC Bayern in die Welt bringen.“ Und wenig später: „Ein PE Fund würde uns mehr geben, aber das würden wir nicht machen.“ Stattdessen wolle man einen strategischen Investor aus der Industrie.
Und genau an diesem eigenen Anspruch muss man Viessmann messen.
Schon Viessmann 1.0, also das Unternehmen vor dem Verkauf des Kerngeschäfts, wäre für mich als Anteilseigner ein eher seltsamer Fit gewesen. Ja, erfolgreiches deutsches Familienunternehmen und Hidden Champion. Aber das „hidden“ ist hier fast schon Teil des Problems. Bayern braucht doch keinen Partner, dessen besondere Qualität darin besteht, außerhalb seiner Nische kaum jemandem etwas zu sagen. Man will im Idealfall einen Partner mit eigener globaler Strahlkraft, Marke, Vertrieb, Marketing-Power und internationaler Präsenz, mit dem man gemeinsam sichtbar in Märkte gehen kann.
Adidas hatte 2022 rund 22 Mrd. Euro Umsatz, Viessmann rund 4 Mrd. Euro. Natürlich ist Umsatz keine Unternehmensbewertung. Der Vergleich soll lediglich zeigen, wie unterschiedlich schon damals der operative Footprint war. Neben Adidas, Allianz und Audi wäre selbst das alte Viessmann hinsichtlich Größe, Brand Power und globaler Reichweite ein eher ungewöhnlicher vierter Partner gewesen.
Nur reden wir heute eben nicht einmal mehr über Viessmann 1.0.
Mit dem Verkauf des Kerngeschäfts wurden rund 85 % des damaligen Umsatzes abgegeben. Das operative Restgeschäft liegt meines Wissens nur noch irgendwo um 600 Mio. Euro Umsatz und damit in einer Größenordnung, die sogar unter dem liegt, was der FC Bayern selbst erwirtschaftet. Das Viessmann, für dessen Klimageschäft diese 12 Mrd.+ bezahlt wurden, existiert in dieser Form schlicht nicht mehr. Die Produkte, Mitarbeiter, Technologien, Vertriebsstrukturen, Kundenbeziehungen und Marktpositionen, die diesen Wert maßgeblich ausgemacht haben, wurden schließlich mitverkauft.
Entscheidender ist aber sowieso, was Bayern heute als Gegenleistung über den Kaufpreis hinaus bekommt. Ein globaler operativer Konzern bringt Märkte, Marke, Infrastruktur, Vertrieb, Kunden, Technologie, Marketing und ein bestehendes kommerzielles Ökosystem mit. Wenn Coca-Cola Bayern in wichtigen Märkten auf seine Produkte packt oder ein Google seine Technologie, Infrastruktur oder Know-How in eine Partnerschaft einbringt, sind die möglichen Hebel ziemlich offensichtlich.
Was ist der entsprechende Hebel bei Viessmann 2.0?
Dass die Familie den Verkaufserlös nun über ihre Holding in Unternehmen, VC, Immobilien und andere Assets investiert, kann aus Eigentümersicht hervorragend sein. Aber dann reden wir eben im Kern über ein Family Office bzw. Investmentvehikel. Natürlich ist das kein klassischer PE-Fonds. Funktional ist es aber inzwischen deutlich näher an einem Finanzinvestor als an dem von Dreesen beschriebenen „strategischen Investor aus der Industrie“.
Und genau deshalb finde ich die Diskrepanz zu seinen Aussagen so auffällig. Erst erklärt man öffentlich, dass Bayern bewusst nicht an denjenigen verkauft, der einfach am meisten Geld bietet. Der Partner müsse zum FC Bayern passen, strategischen Mehrwert schaffen und gemeinsam mit Bayern die Marke in die Welt tragen. Und dann geht der Anteil ausgerechnet an das private Investmentvehikel eines ohnehin seit Jahren bekannten Milliardärs aus dem erweiterten Bayern-Dunstkreis, dessen eigentliches operatives Kerngeschäft kurz zuvor größtenteils verkauft wurde.
Dass der Deal Viessmann enormen Mehrwert bringt, sehe ich sofort. Man sitzt plötzlich neben Adidas, Allianz und Audi im Aktionärskreis eines der bekanntesten Sportvereine der Welt und darf sich dauerhaft Miteigentümer des FC Bayern nennen. Mehr Prestige, Zugang und Ritterschlag für ein Family Office geht kaum.
Die interessante Frage ist für mich genau andersherum: Was bringt Viessmann dem FC Bayern, das diesen Platz im Cap Table rechtfertigt?
Allianz, Audi und Adidas bringen jeweils ein eigenes globales operatives Geschäft, starke Marken, Märkte, Infrastruktur und unmittelbar nutzbare kommerzielle Hebel mit. Viessmann in 2026 ? Eher das neue Spielzeug einer reichen Familie als klarer Value Add.
Und dann kommt noch der Prozess dazu. 5 Mrd. Bewertung ist gut, keine Frage. Aber auch nicht so außergewöhnlich, dass damit jede andere Diskussion beendet wäre. Wenn am Ende ein bekannter und offenbar sehr angenehmer „friendly face“ den Zuschlag bekommt, obwohl der zuvor öffentlich formulierte Strategic Fit zumindest diskutabel ist, darf man schon fragen, wie breit dieser Anteil tatsächlich im Markt getestet wurde. Welche globalen Industriepartner wurden angesprochen? Welche Alternativen gab es? Wer hätte bei vergleichbarer Bewertung möglicherweise den besseren langfristigen Fit gebracht?
Das bedeutet nicht automatisch, dass hier irgendetwas unseriös gelaufen ist. Aber ohne Transparenz muss man eben auch nicht so tun, als sei offensichtlich, dass ausgerechnet dieses Konstrukt das absolute Optimum aus Bewertung, strategischem Mehrwert und Cap-Table-Fit darstellt.
Und ganz nebenbei öffnet Bayern damit erstmals auch die Tür zu direktem Private Ownership durch ein privates Vermögen. Gerade wenn man sich anschaut, wie Family Offices, Milliardäre und Investmentvehikel im internationalen Fußball immer stärker Fuß fassen, finde ich auch diese Entwicklung zumindest diskussionswürdig.
In der Gesamtschau bleibt für mich deshalb eine ziemlich simple Frage: Warum soll ausgerechnet Viessmann 2.0, nachdem man den Großteil des operativen Geschäfts verkauft hat und heute im Wesentlichen als Investmentholding auftritt, plötzlich DAS fehlende Puzzleteil neben Adidas, Allianz und Audi im Aktionärskreis des FC Bayern sein? Gemessen an Dreesens eigenen Kriterien sehe ich diesen strategischen Case ehrlich gesagt nicht.
Zugespitzt: Viessmann 1.0 wäre vielleicht vor 25 Jahren noch die Art Anteilseigner gewesen, die irgendwie zum damaligen FC Bayern gepasst hätte. Solides deutsches Familienunternehmen, erfolgreich in seiner Nische. Aber 2026, in einer globalisierten Fußballwelt, in der Bayern neue Märkte erschließen, neue Erlösquellen aufbauen und internationale Partnerschaften skalieren will, wirkt das einfach komplett aus der Zeit gefallen.
Schon das alte Viessmann war eher Hidden Champion als globales Brand-Powerhouse. Viessmann 2.0 ist dazu noch weitgehend Investmentvehikel. Als Sponsor? Völlig okay. Aber im Cap Table neben Adidas, Allianz und Audi? Für mich komplett fehl am Platz.
Und dafür nun auch noch die Tür Richtung Private Ownership zu öffnen, hat zusätzlich einen ziemlich faden Beigeschmack. Für einen Club, der sich dauerhaft in der absoluten Weltspitze verorten will, ist dieser neue Anteilseigner keine Erweiterung des Horizonts, sondern eher eine Verzwerglichung des eigenen Anspruchs. Strategisch, kommerziell und letztlich auch beim eigenen Selbstverständnis verkauft man sich damit unter dem Strich schlicht unter Wert.
Und das ausgerechnet beim letzten verfügbaren Stück vom Kuchen.Bei einem Anteil, den man eigentlich genau einmal vergeben kann und der deshalb an einen Partner gehen sollte, der als letztes fehlendes Puzzleteil den Aktionärskreis sinnvoll komplettiert. Dass dieses Puzzleteil ausgerechnet Viessmann 2.0 bzw. ein privates Investmentvehikel sein soll, erschließt sich mir beim besten Willen nicht.
Ein wirklich ausgezeichneter erster Beitrag. Willkommen im Forum! Nur um es klar zu stellen: Ich bin gar nicht extrem gegen diesen Verkauf, aber Sinn und Mehrwert erschließen sich mir ebenso wenig, wie Dir.
Ich weiß, dass die Fans oder besser gesagt die Mitglieder nicht darüber bestimmen werden und es ist auch klar, dass solche Deals nicht komplett öffentlich verhandelt werden.
Aber @jfk schildert es ja sehr schön und ausführlich, warum man zweifeln kann, dass “Viessmann 2.0” der beste mögliche Fit ist.
Diese Zweifel hatte ich halt auch gleich und die Erklärung die ich für mich gefunden habe war dann einfach, dass man sich da zu billig und ohne entscheidenden strategischen Mehrwert an seinen Verwaltungsbeirat Max Viessmann verkauft, der offensichtlich zu viel Geld hat und somit gerne Miteigentümer seines Lieblingsclubs werden will.
Wenn ich dann zum Schluss komme, dass da nicht im Sinne des FC Bayern der bestmögliche Deal ausgehandelt wurde, dann finde ich das schon irgendwie „dubios“.
Und nochmal ganz davon ab, ob Viessmann jetzt der bestmögliche Deal ist, würde ich gerne nochmal in Frage stellen, ob so ein Deal aktuell überhaupt sinnvoll ist. Die letzten veräußerbaren Anteile sollte man aus meiner Sicht einfach nicht leichtfertig abgeben, sondern in der Hinterhand behalten für wirkliche große Investitionsprojekte und dazu zählt z.B. Unterhaching für mich jetzt nicht.
Und die Ankündigung, dass sich der Aufsichtsrat verändern wird, hat ja nicht zwangsläufig mit dem Verkauf weiterer Anteile zu tun.
@jfk Starker Beitrag, und der Maßstab, den du anlegst, ist erstmal der richtige. Dreesen hat den Anspruch selbst formuliert, also darf man ihn daran messen. Ich komme trotzdem zu einem anderen Ergebnis.
Du misst Viessmann an einem Kriterium, das Adidas, Audi und Allianz nie erfüllen mussten. Kann mir jemand einen Markt nennen, den Bayern über Audis Händlernetz erschlossen hat? Eine Vertriebsstruktur der Allianz, über die der Klub international sichtbarer geworden wäre? Die drei Pakete waren im Kern sponsoringnahe Finanzierungen aus einer Zeit, in der Bayern Geld für Stadion und Wachstum brauchte. Die Auslandsbüros hat der Klub selbst aufgebaut, nicht ein Aktionär für ihn. Der viel beschworene strategische Mehrwert der A-Aktionäre ist zu einem guten Teil eine schöne Erzählung, die im Nachhinein über eine Kapitalmaßnahme gelegt wurde. Ein Standard, der nur beim Neuzugang gilt, ist keiner.
Wir diskutieren hier gegen Coca-Cola und Google, also gegen Partner, die nie am Tisch saßen und auch nie am Tisch sitzen werden. Was soll ein Google mit fünf Prozent an einem Fußballklub? Die interessieren sich für Übertragungsrechte, für Reichweite auf der eigenen Plattform, für Daten. Eine stimmrechtsarme Minderheitsbeteiligung an einer Marke, die in halb Deutschland geliebt und in der anderen Hälfte verachtet wird, bringt einem Tech-Konzern schlicht nichts. Das ist eine Wunschvorstellung aus der Fanperspektive, kein realistisches Szenario.
Dazu kommt das Größenproblem in die andere Richtung. Konzerne dieser Kategorie beteiligen sich nicht als stille Fünftel-Minderheit. Wer bei Bayern in einer Dimension einsteigt, die einen echten operativen Hebel rechtfertigt, will Einfluss, Sitze, Mitsprache über die kommerzielle Strategie. Genau das gibt die Satzung nicht her, und genau das wollen wir hier alle nicht. Die Partner, die den von dir geforderten Value Add mitbringen würden, wären mit fünf Prozent nie zufrieden.
Die Financial Times hat berichtet, dass Bayern 2025 mit EQT über ein kleineres Aktienpaket gesprochen hat und die Gespräche zum Stillstand kamen, als Diederich seinen Abschied ankündigte. EQT ist ein Private-Equity-Haus. Das war der reale Vergleichsfall, nicht Coca-Cola. Vor diesem Hintergrund ist ein Familienunternehmer ohne Fondslaufzeit, ohne Exit-Fenster und ohne Renditeversprechen an fremde Investoren exakt das, was Dreesen im Podcast beschrieben hat. Der Satz über den PE Fund, den du zitierst, spricht bei Licht besehen für diesen Deal, nicht dagegen.
Fünf Prozent verschaffen niemandem Zugang zu Märkten. Das machen Sponsoringverträge, und der von Viessmann läuft weiter, offenbar sogar aufgewertet zum Hauptpartner. Der Wert eines Anteilseigners liegt weniger in dem, was er operativ mitbringt, als in dem, was er unterlässt. Kein Druck auf Ausschüttungen, kein Weiterverkauf in fünf Jahren, kein Interesse an einer Bewertungsstory für den nächsten Fonds.
Deshalb ist Viessmann aus meiner Sicht ein guter Partner. 250 Millionen für fünf Prozent bei einer überschaubaren Dividendenlast, ein Partner seit 2018, kurze Wege über den Verwaltungsbeirat, jemand mit einem Zeithorizont in Generationen statt in Fondslaufzeiten. Das letzte frei verfügbare Paket landet damit dauerhaft außerhalb der Reichweite von Staatsfonds und Private Equity. Wer glaubt, dafür hätte es einen Weltkonzern gegeben, der sich mit fünf Prozent, ohne Kontrolle und ohne Einfluss auf die sportliche Ausrichtung begnügt hätte, soll bitte einen konkreten Namen nennen.
Aber wenn Viessmann sein Klimakerngeschäft verkauft hat, wie viel ist dann von ursprünglichen Familienunternehmen noch übrig? So wie ich das verstehe ist Viessmann dann ja eher ein Investment und Beteiligungsgesellschaft. Ist das immer noch so vorbildlich?
Das war der große Teil.
Es bleibt Netzinfrastruktur, Nah- und Fernwärme sowie Kühl- und Reinraumsysteme, dazu Zukäufe wie der Industriehändler Landefeld aus Kassel und Beteiligungen wie Encavis, der Hamburger Solar- und Windparkbetreiber. Solides B2B-Geschäft, das außerhalb der jeweiligen Branche niemand kennt.
Drittens das, was die Gruppe selbst Generational Investments nennt, also langfristige Anlagen in Immobilien, Forstwirtschaft, regenerative Landwirtschaft und erneuerbare Energieprojekte. Dazu VC und das Maschinenraum-Netzwerk in Berlin.
Dabei wird es ja nicht bleiben. Die müssen ja mit ihrem Geld wohin. Im Schlepptau ist dann auch der FC Bayern.
Wir können hier jetzt Haare in der Suppe suchen. Ich weiß aber ehrlich gesagt nicht, was man denn anstatt dessen lieber gehabt hätte.
Wenn man grundsätzlich gegen Beteiligungen ist, findet man immer etwas. Das kann man dann aber auch klar benennen, das einem das grundsätzlich nicht passt. Man sollte dann keine Scheinkritik üben und das Haar in der Suppe suchen.
Beteiligungen ist aber der Weg den der FC Bayern gegangen ist. Er geht ihn nun konsequent weiter.
Viessmann hält auch Anteile an dem amerikanischen Unternehmen, das die Sparte von Viessmann gekauft hat.
Du sprichst operative Aspekte an. Damit hast du sicher Recht, ich glaube jedoch, es sollte darum gehen, den FC Bayern symbolisch mit einer weltweit erfolgreichen Marke zu verknüpfen. Welche das sein soll, müßte natürlich diskutiert werden. Nur meine 5 cent.